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· Januar, 2015

Artikel vom Kurzmeldungen vom Januar, 2015

Video: Indigener Stamm am Amazonas protestiert gegen Bau eines Staudamms

Alle Links führen, soweit nicht anders ersichtlich, zu portugiesischsprachigen Webseiten.

Angehörige der ethnischen Gruppe der Munduruku kämpfen gegen den Bau des Staudammes São Luiz do Tapajós im brasilianischen Staat Pará. Der Bau dieses Dammes würde bedeuten, dass 700,000 km² ihres Heimatlandes geflutet werden.

Die brasilianische Bundesregierung plant bis zu fünf Dämme im Fluss Tapajós River anzulegen, wo Dutzende indigener Gemeinschaften ihren Lebensraum haben. Zusammen mit dem Damm São Luiz do Tapajós war auch der Baubeginn des Jatobá Dammes für 2015 vorgesehen. Soziale und umwelttechnische Hindernisse haben den Beginn jedoch bis mindestens 2020 verschoben. Beide Staudämme würden zusammen insgesamt 7 Milliarden US Dollar kosten.

Die Munduruku sagen, sie seien nicht zu dem Projekt befragt worden. Schon seit Jahren üben die Munduruku der Sawré Maybu Gemeinschaft, die durch den Bau des São Luiz do Tapajós Dammes direkt betroffen wären, Druck auf die Bundesregierung aus, ihr Land abzugrenzen. Eine solche Abgrenzung würde bei der Fortsetzung des Staudammprojektes ein rechtliches Hindernis darstellen.

Die Filmschaffende Nayana Fernandez hat einen Dokumentarfilm über dieses Thema produziert.

UPDATE 09/12/2014: Gemeinsam mit weiteren Organisationen hat Nayana Fernandez eine Crowdfunding Kampagne gestartet. Ziel dieser Kampagne ist es, den Munduruku zu helfen Druck auf die Regierung auszuüben, damit diese den Lebensraum des Stammes demarkiert. Auch sollen beide Organisationen öffentlich aktiv werden- es soll eine Webseite erstellt und übersetzt werden – und der Dokumentarfilm wird in der Sprache der indigenen Gemeinschaft vertont (die Mehrheit der Mundurku spricht kein Portugiesisch). Unterstützer/-innen können auch spenden, beginnend bei US$10. 

Wie Mumbais Schulkinder große Ideen über Technologie und Innovation haben

Alle Links in diesem Artikel führen, soweit nicht anders ersichtlich, zu englischsprachigen Webseiten

A screen grab of the video (click the photo to watch)

Ein Screenshot des Videos der Organisation Atma.

Der Autor @sutarcv arbeitet als Kommunikationskoordinator mit Atma.

Vor kurzem haben Kinder einer örtlichen Schule in Mumbai ihre Meinung über Innovationen, Technologie, Umwelt und Geld in einem von Atma erstellten Videofilm geäußert. Atma ist eine gemeinnützige, pädagogische Organisation und hat die Mission Initiativen zur Hilfe von unterprivilegierten Kinder von Indien zu unterstützen.

Dieses Video ermöglicht es, einen Einblick in die Gedanken der Kinder von örtlichen Gemeindeschulen zu gewinnen. Viele von sind schwierigen Bedingungen ausgesetzt, wie z.B. das Aufwachsen in einer schlechten Nachbarschaft oder das Zusammenleben mit einem alkoholsüchtigen Elternteil.

Ein Mädchen berichtet zum Beispiel in dem Video, dass sie eine neue Technologie erfinden möchte, die es den Menschen ermöglicht auf Wunsch zu fliegen. Ein anderes möchte eine Geldbörse entdecken, in der das Geld nie ein Ende findet. Was neue Technologien betrifft hat es den Anschein, dass die Kinder der Schule sehr begeistert sind. Sie kennen die Nachrichtendienste WhatsApp, Email und Google. Allerdings erfährt man durch die Gespräche mit den Kindern auch, dass ihr Zugang zum Internet beschränkt ist.

Inish Merchant kommentierte in dem folgenden Video den Facebookeintrag von Atma: 

Ich wünschte die Regierung begänne, IT-Unterricht als Teils ihres Lehrplans zu geben.

Die faszinierendsten Antworten bekam ich auf eine hypothetische Frage: Was würden sie machen, wenn sie sehr viel Geld hätten? Manche sagten, sie würden für ihre Eltern sparen, andere antworteten, sie würden es spenden oder Menschen mit Behinderungen helfen. Ein paar sagten auch, sie würden zuerst etwas für sich erschaffen und dann etwas für andere machen.

Prateek U Keshari, Kommunikationsexperte von Make A Difference (Mach einen Unterschied), einer gemeinnützigen Organisation, die mit Straßen – und Waisenkindern arbeitet, schrieb:

Das ist wunderbar! Wenn bloß mehr Erwachsene durch die Augen eines Kindes nach Möglichkeiten von Ideen suchen würde! 

Aids-Aktivistin in Honduras aus den Händen von Entführern befreit

Keren Jemima Dunaway González,  eine Teenagerin, die sich in Honduras im Kampf gegen Aids engagiert und am Dienstag in der Stadt San Pedro Sula entführt worden war, ist wieder frei.

Drei bisher noch nicht identifizierte Männer packten die 18-jährige Keren und ihre Mutter in der Nähe des Büros der Stiftung Llantos, Valor y Esfuerzo (Llaves), die HIV-infizierte Kinder unterstützt. González, die Leiterin der Stiftung, konnte befreit werden. Keren wurde jedoch zunächst weiter gefangen gehalten.

Die Polizei gab an, die Entführer hätten Lösegeld gefordert. Als ihre Mutter ihnen aber versicherte, dass die Familie kein Geld habe, hätten die Entführer sie freigelassen.

San Pedro Sula gehört zu den gefährlichsten Städten der Welt mit der höchsten Mordrate der Welt. Im Jahr 2014 kamen auf 100.000 Einwohner 187 Morde.

Film: Ein Transgender-Mädchen aus Uganda kämpft für ihr Recht auf Liebe

“Rough Studios”, ein kleines schwedisches Produktionsunternehmen, hat die erste Folge einer Dokumentationsserie über Transgender in Uganda veröffentlicht.

We enter the life of Cleopatra Kambugu, a Ugandan transgender girl who was forced to flee to Kenya after being “outed” as homosexual in one of Uganda's major tabloids. It is a story about love, hate and being transgender, in one of the worlds most homophobic places.

Our goal with this film has always been to make a difference. Whether it is to change peoples hearts, their perception of a transgender person or the prejudice people have towards the LGBT community.
Uganda is a country which for long have been criticized for the discriminations against the LGBTI community.

Wir betreten das Leben der Cleopatra Kambugu, ein ugandisches transgender Mädchen, welches gezwungen war nach Kenya zu flüchten, nachdem sie in einer der großen Boulevardzeitungen als Homosexuelle “geoutet” wurde. Es ist eine Geschichte über Liebe, Hass und Transgender, an einem der homosexuellenfeindlichsten Orte weltweit.

Unser Ziel mit diesem Film war immer, eine Differenzierung zu schaffen. Ob es das Ändern der Einstellungen der Menschen ist, oder ihre Wahrnehmung einer Transgenderperson oder Vorurteile, die Menschen gegenüber der LGBT Community haben. Uganda ist ein Land, welches für die Diskriminierung der LGBT Community lange kritisiert wurde.

“Rassismus ist kein Problem in Lateinamerika” — Ernsthaft?

Alle Links führen zu Websites auf Englisch 

Enrique Krauze beschreibt in einem in der New York Times veröffentlichten Artikel, dass Lateinamerika weniger anfällig für Rassismus ist:

[…] European-style racism — which not only mistreats and discriminates but also persecutes and, in the very worst cases, tries to exterminate others because of their ethnicity — has been the exception and not the rule in modern Latin America.

[…] In Europa werden Menschen aufgrund ihrer Herkunft nicht nur schlecht behandelt und diskriminiert, sondern auch schikaniert und, im schlimmsten Fall, umgebracht. Diese Art von Rassismus ist im modernen Lateinamerika die Ausnahme und nicht die Regel.

Der Artikel veranlasste den Blogger Julio Ricardo Varela die Richtigkeit von Krauses Aussage in Frage zu stellen, wofür er einen Artikel für Latino Rebels verfasste:

At the beginning of the piece, Krauze starts with FIFA’s “Say No To Racism” campaign,”a message” that “was particularly directed toward the soccer stadiums of Europe, where there have been many instances of racial taunting and physical aggression by hostile fans against African and other black players.” Just a few sentences later, Krauze is quick to let us know that such racism doesn’t occur in the Americas: “the stadiums of Latin America have for the most part been free of this phenomenon, despite the fervent nationalism and fanaticism of the fans.” I am guessing that neither Krauze nor his Times editor did some actual fact-checking because in just five minutes, I was able to locate several examples of racism in Latin American stadiums.

Zu Beginn des Artikels nimmt Krauze zur “Say No To Racism”-Kampagne der FIFA Stellung, die “insbesondere für die Fußballstadien Europas gedacht ist, wo es zu zahlreichen Zwischenfällen rassistisch orientierter Beleidigungen oder physischer Gewalt durch feindliche Fans gegen afrikanische oder andere schwarze Spieler kam”. Wenige Sätze später erklärt Krauze, dass es diese Art von Rassismus in Lateinamerika nicht gäbe: “In lateinamerikanischen Stadien ist dieses Phänomen kaum zu beobachten, abgesehen vom leidenschaftlichen Nationalismus und Patriotismus der Fans.” Ich nehme an, dass weder Krauze noch sein Redakteur bei der Times eine tatsächliche Faktenüberprüfung gemacht haben, da ich in nur fünf Minuten Recherche mehrere Beispiele für Rassismus in lateinamerikanischen Stadien finden konnte.

Nachdem Varela darauf hinweist, dass “Lateinamerika erst durch den “europäischen Rassismus”, zu dem wurde, was es heute ist”, fährt er fort:

When we as Latin Americans admit the truth and confront it head on, only then can real change occur. In the meantime, the literal whitewashing of Latin American history needs to be monitored and when it appears in mass media, we must all do our best to quickly call out this ignorant attitude. The only way to transform society is to ensure that we don’t allow certain opinions to become the standard. We can do better, and we will. One tweet at a time.

Veränderung hat erst dann eine Chance, wenn wir Lateinamerikaner der Wahrheit ins Auge blicken und uns direkt mit ihr auseinandersetzen. Bis dahin muss die unverhohlene Übertünchung lateinamerikanischer Geschichte genau beobachtet werden. Sollte sie in den Massenmedien auftauchen, müssen wir alles daran setzen, dieser ignoranten Einstellung entgegenzuwirken. Nur wenn verhindert wird, dass gewisse Meinungen zum allgemeinen Standard werden, können wir ein Umdenken in unserer Gesellschaft erwirken. Wir können vieles besser machen, und das werden wir auch. Einen Tweet nach dem anderen.

Wie können wir im Alltag unseren CO2-Fußabdruck verringern?

Rut Abrain hat sich auf ihrem Blog Esturirafi Gedanken darüber gemacht, dass einer der Hauptgründe für den Klimawandel der Ausstoß von Kohlenstoffdioxid (CO2) ist. Sie schreibt, dass CO2 nicht nur von der Industrie, Autos und Flugzeugen produziert wird, sondern tagtäglich von jedem von uns. Damit wir eine Vorstellung bekommen von den Auswirkungen unseres täglichen Lebens auf die CO2-Produktion, können wir unseren Einfluss beim BUND berechnen lassen.

Überrascht? Wahrscheinlich schon! Jeder von uns ist zu einem gewissen Teil für den Klimawandel verantwortlich; das bedeutet aber auch, dass jeder von uns die Möglichkeit hat, mit kleinen Schritten etwas dagegen zu unternehmen. Rut gibt uns Ratschläge, um uns zu helfen, unseren CO2-Ausstoß zu verringern:

[…] – Reducir, reutilizar y reciclar. Esto tienes que aplicarlo en todas las facetas de tu vida: evita productos con un empaquetado excesivo, compra productos de segunda mano, separa los residuos de manera adecuada para su posterior reciclaje.

[…] – Reduzieren, wiederverwenden und recyclen. Das sollten wir in allen Situationen unseres Alltags berücksichtigen: Produkte ohne unnötige Verpackung kaufen, Second-Hand kaufen, den Müll richtig trennen.

Weiter gibt sie uns Tipps, um unseren “CO2-Fußabdruck” zu verkleinern:

- Ahorra energía, tanto electricidad, como gas natural, butano o gasoil.
– Compra productos locales.
– Camina, utiliza el transporte público, la bicicleta.
– Utiliza menos papel.

- Verschwendet keine Energie – spart Strom, Gas, Benzin oder Diesel.
– Kauft Bevorzugt regionale Produkte.
– Geht zu Fuß, fahrt Fahrrad oder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln.
– Nutzt weniger Papier.

Rut endet mit einem Zitat von Eduardo Galeano, welches großartig zu den kleinen Dingen passt, die jeder von uns gegen den Klimawandel unternehmen kann:

Mucha gente pequeña en lugares pequeños, haciendo cosas pequeñas, pueden cambiar el mundo.

Viele kleinen Menschen an vielen kleinen Orten können viele kleine Dinge tun, um das Gesicht der Welt zu verändern.

 Rut ist auf Twitter unter @esturirafi zu finden.

Dokumentation der Kämpfe der Papuaner in Indonesien

Papua Voices ist eine Videointeressensvertretung, die die Kämpfe der Einwohner in der indonesischen Provinz West Papua dokumentiert. West Papua kämpft dafür, ein unabhängiger Staat zu werden, allerdings wird über diesen Konflikt in Indonesien nicht viel in den Medien berichtet.

papuan_voices

Der Unterschied zwischen ISIS und Al Nusra Front

Der Satirist Karl Sharro zieht einen krassen Vergleich zwischen zwei Al-Kaida Ablegern, die in Syrien gegeneinander kämpfen: die berüchtigte ISIS und die Nusra Front. Er twittert:

Man hat das Gefühl, dass die Hauptdifferenz zwischen ISIS und Nusra schriftbasiert ist.pic.twitter.com/ETq95PlIqx

— Karl Sharro (@KarlreMarks) November 28, 2014

Beide Terroristenorganisationen verwenden auf ihren Flaggen das islamische Gebet “Es gibt keinen Gott außer Allah und Muhammed ist Allahs Gesandter” in einer unterschiedlichen Schrift.

Zwei Berichte über die Kindheit der Kouachi-Brüder auf der Website Reporterre

Ein Exklusiv-Artikel von Eloïse Lebourg auf der dem Thema Umweltschutz gewidmeten Website Reporterre hat ein sehr starkes Echo in allen französischsprachigen sozialen Netzwerken ausgelöst. Dies liegt vor allem an dem Titel, “Die elende Kindheit der Kouachi-Brüder“, der bei vielen Anstoß erregt hat. Gleichzeitig empfinden die Leser den Bericht zweier ehrenamtlicher Betreuerinnen der Kouachi-Brüder und die Beschreibung, wie ein Viertel von Paris ohne soziale Durchmischung in den radikalen Islam abdriftete, als erhellend.

Evelyne, chrétienne qui pense qu’il faut savoir rire de tout, savait que doucement l’islam gagnait dans le quartier. « Je voyais de plus en plus de femmes porter le voile, puis avoir des propos de moins en moins laïcs. » Marise acquiesce : « Au début, dans les années 90, un des pratiquants de la mosquée de la rue de Tanger faisait partie du Conseil de Quartier. On l’aimait beaucoup, il était très laïc, très ouvert. Nous faisions nos réunions dans la mosquée. Je trouvais cela formidable. Puis notre ami, un jour nous a dit qu’il quittait la mosquée, qu’il ne se retrouvait plus dans les paroles de l’imam. Dès lors, la porte de la mosquée nous est restée à jamais fermée, et nous voyions le changement dans le comportement. Les salafistes ont petit à petit pris possession des lieux, jusqu’à l’arrestation de la cellule des Buttes Chaumont. »

Marise pense que l’intégrisme ne peut prendre racine que sur ce genre de terreau fertile où la précarité et l’abandon ont pris la place normalement nécessaire de l’intégration. « Mais je suis optimiste, depuis l’avènement de la mixité sociale, les choses vont mieux.”

Die Christin Evelyne, die es wichtig findet, über alles lachen zu können, wusste, dass der Islam im Viertel immer mehr an Boden gewann. “Ich sah immer mehr Frauen mit Kopftuch und was sie sagten, passte immer weniger zum Laizismus.” Marise stimmt zu: “Am Anfang, in den 90er Jahren, hatten wir einen Gläubigen aus der Moschee in der Rue de Tanger im Quartiersrat. Wir mochten ihn sehr, er hatte sehr laizistische Ideen, war sehr offen. Wir hielten unsere Versammlungen in der Moschee ab, ich fand das super. Dann hat uns unser Freund eines Tages gesagt, er werde die Moschee verlassen, weil er sich in dem, was der Iman sagte, nicht mehr wiederfinde. Von da an blieb uns die Tür der Moschee für immer verschlossen und wir bemerkten, wie sich das Verhalten änderte. Die Salafisten ergriffen nach und nach Besitz von der Gegend – bis zur Festnahme der Mitglieder der Buttes-Chaumont-Zelle”.

Marise ist der Meinung, dass Integralismus nur dann Wurzeln schlagen kann, wenn er auf einen fruchtbaren Boden wie diesen fällt, wo Prekarität und Vernachlässigung den so wichtigen Platz der Integration eingenommen haben. “Ich bin dennoch optimistisch; seitdem soziale Durchmischung praktiziert wird, hat sich die Situation verbessert.”

Den gesamten Artikel auf Französisch auf Reporterre lesen