Artikel vom Kurzmeldungen

Wieder ein Skandal in der russisch-orthodoxen Kirche – ein Priester trägt eine 36.000 € teure Armbanduhr

Image: St. Petersburg Archdiocese

Image: St. Petersburg Archdiocese

Die russisch-orthodoxe Kirche ist in einen weiteren Skandal verwickelt: schuld daran ist das Handgelenk eines ihrer obersten Priester in St. Petersburg. Es handelt sich dabei um Metropolit Varsonofiyas, von dessen Griechenlandreise die Erzdiözese kürzlich aufgenommene Fotos veröffentlichte. Auf einem der fröhlichen Bilder entdeckten Journalisten etwas, das wie eine Rolex Daytona 116509 aussieht – eine Armbanduhr, die im Einzelhandel ungefähr 2,5 Millionen Rubel (36.000 Euro) kostet.

Varsonofiya besuchte am 23. Oktober den Athos, wo er sich mit dem Abt des Klosters, das innerhalb des Zuständigkeitsbereichs der russisch-orthodoxen Kirche liegt, traf.

Gemäß Varsonofiyas eigenem Bericht gratulierte er dem Abt zu seiner Wahl in diese neue Position und schenkte ihm ein Heiliges Kreuz. Aus diesem Anlass veröffentlichte die Kirche mehrere Fotos von dem Treffen, darunter ein Bild, das enthüllte, was wie Varsonofiyas sehr teure Armbanduhr aussah.

Die Uhrenserie Cosmograph Daytona wurde von Rolex im Jahr 1963 eingeführt und speziell für “die Ansprüche von professionellen Rennfahrern” entworfen. Berichten zufolge sagte ein Uhrmacher in St. Petersburg der Fontanka-Nachrichtenagentur, dass eine Rolex Daytona 116509 auf dem russischen Schwarzmarkt wahrscheinlich für ungefähr 25.000 Euro gekauft werden könne.

Das Pressebüro der Erzdiözese von St. Petersburg teilte mit, dass sich Varsonofiya noch in Griechenland aufhalte und dass man mit einer Erklärung zu der Armbanduhr deshalb bis zu seiner Rückkehr warten müsse.

Eine ähnliche Kontroverse gab es vor vier Jahren, als einige Internet-Nutzer bemerkten, dass die russisch-orthodoxe Kirche einige Fotos des Patriarchen Kirill bearbeitet hatte, um seine 30.000 Dollar (27.000 Euro) teure Breguet Armbanduhr zu verbergen. Zum Leidwesen der Kirche vergaßen die Foto-Bearbeiter jedoch, die Spiegelung der Uhr auf der Tischplatte zu entfernen.

Zuerst leugnete die Kirche diese Geschichte, machte aber später einen “unerfahrenen Mitarbeiter” dafür verantwortlich.

Image: Patriarchia.ru

Image: Patriarchia.ru

Außerhalb des russischen Klerus wurde der langjährige offizielle Sprecher Putins, Dmitry Peskov, im August 2015 zum Mittelpunkt eines politischen Skandals, als Anti-Korruptions-Aktivisten auf seinen Hochzeitsfotos eine 620.000 Dollar (5,6 Millionen Euro) teure Richard Mille RM 52-01 entdeckten. Peskow behauptete, die Uhr sei ein Geschenk seiner Braut und bestand darauf, dass ihr Wert nur 3.500 Dollar (3.200 Euro) betragen würde, obgleich es nicht das erste Mal war, dass er mit dieser Uhr auf einem Foto zu sehen war.

Diese Geschichte war eine der ersten und größten Enthüllungen des Aktivisten Alexey Navalny über den enormen persönlichen Reichtum einzelner Personen in Putins innerem Kreis. Über das vergangene Jahr hinweg hat Navalny ähnliche Ergebnisse seiner Recherchen veröffentlicht.

Nicht alle Märchen brauchen Prinzessinnen

Prinzessinnen vs. außergewöhnliche Frauen. Erzählungen, inspiriert von Frida Kahlo und Violeta Parra.

Der argentinische Verlag Sudestada hat die Kinderbuchreihe „Antiprinzessinnen“ vorgestellt, deren Heldinnen die mexikanische Künstlerin Frida Kahlo und die chilenische Komponistin Violeta Parra sind.

Diese leben weder in Schlössern noch warten sie auf einen wunderschönen Prinzen, der sie retten wird. Was sie gemein haben: Sie sind zwei Lateinamerikanerinnen, die den Stereotypen ihrer Zeit entkamen.

In einem Interview mit der Webseite Verne verriet die Autorin Nadia Fink:

“Las Antiprincesas seguirán siendo latinoamericanas porque decidimos contar la historia de Nuestra América, en un continente que nos late y nos identifica. Un poco es contraponerlos a los relatos de las princesas en un entorno continental de Europa, alejado de nuestra cultura y nuestro paisaje”.

Die Antiprinzessinnen werden immer Lateinamerikanerinnen sein, weil wir uns dazu entschlossen haben, die Geschichte „Unseres Amerikas“ auf einem Kontinent spielen zu lassen, der in uns pulsiert und mit dem wir uns identifizieren. Auch wollen wir ein bisschen unsere Geschichten den Prinzessinnenmärchen aus Europa entgegensetzen, dessen Kultur und Landschaft nicht die unseren sind.

Neue Statistik: Am glücklichsten ist man in Lateinamerika

Die glücklichsten (und unglücklichsten) Länder der Welt wurden ermittelt.

Gallup interviewte 150.000 Erwachsene aus 148 Ländern mit Fragen wie: “Hast du gestern gelächelt oder gelacht?” und: “Hast du gestern etwas Interessantes gelernt oder gemacht?”. Dies diente zur Ermittlung des Indexes Positiver Erfahrungen. Laut Angaben von Quartz befinden sich die führenden Länder, was positive Emotionen betrifft, überraschenderweise alle in Lateinamerika – angefangen bei Paraguay bis nach Nicaragua.

In der Umfrage wurde ein Maßstab von 0 bis 100 verwendet, wobei herauskam, dass der Index-Durchschnitt 2014 bei 71 von 100 liegt – “genauso wie schon 2013 und auch die Jahre davor seit 2006.”

Das Land mit der geringsten positiven Wertung ist der Sudan (47 von 100). Genauso gering sind die Werte für Tunesien, Serbien, in der Türkei und auch anderswo, offensichtlicherweise dank der Kriege und anderer Formen politischer Instabilität.

In Bolivien und El Salvador zum Beispiel antworteten 59 Prozent der Befragten mit “Ja” auf alle Fragen, sowohl zu den positiven, als auch negativen Emotionen. Diese Nationen haben somit sehr hohe “emotionale” Werte erzielt.

“Ist es nicht an der Zeit, dass wir uns auf Augenhöhe begegnen?”

Wann werden wir wohl endlich aufhören, Afrika als armen hilfsbedürftigen Empfänger und uns (Europa oder „den Westen“) als gönnerhaften Geber darzustellen? Warum werden deutsche Jugendliche als handlungsfähig dargestellt, während afrikanische Jugendliche als handlungsunfähige Opfer ihrer Lebenswirklichkeit gezeigt werden? […] Ist es nicht an der Zeit, dass wir Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit bieten, Schülerinnen und Schülern in Afrika auf Augenhöhe zu begegnen?

Diese Fragen stellt Katrin Zinoun, Redakteurin bei Global Voices und freie Autorin, Übersetzerin und Dozentin, Ende Juni auf ihrem Blog.

Anlass gab ihr ausgerechnet der bundesweite und jährlich stattfindende Aktionstag der Kampagne „Dein Tag für Afrika“ der Aktion Tagwerk. Teilnehmende Schüler(innen) gehen dafür einen Tag anstatt zur Schule arbeiten und spenden ihren Lohn für Bildungsprojekte in afrikanischen Ländern. Laut Auskunft der Aktion Tagwerk engagierten sich dieses Jahr 181.000 Schüler(innen) aus 618 Schulen.

Katrin schaute sich das Kampagnenvideo an und kommt zu dem Schluss, dass hier Stereotype nicht bekämpft, sondern verfestigt werden. Die Kommunikation finde nicht auf Augenhöhe statt und es würden keine Gelegenheiten zur Vernetzung mit Jugendlichen in Afrika geschaffen.

Katrin erinnert uns damit auch an unsere Mission. Wir schreiben oft über Menschen, die marginalisiert werden. Die Vorstellung, dass wir für sie sprechen können, ist vollkommen falsch. Stattdessen wollen wir ihnen mit Empathie begegnen, ihnen zuhören und sie ihre eigenen Geschichten erzählen und ihre eigenen Programme gestalten lassen. Dabei können dann die modernen Kommunikationsmittel, die Aktion Tagwerk nennt, tatsächlich eine wichtige Rolle spielen.

Irakische Startups ein Jahr nach dem IS

Ahmed Marwan berichtet auf Wamda, einer Plattform für Existenzgründerinnen und -gründer aus Nahost und Nordafrika, über einige irakische Startup-Unternehmen ein Jahr, nachdem die IS an Macht zugenommen hat.

Er erklärt:

But what is more uncertain than calculating the success probability of a startup working in a city less than 50 km away from the turmoil caused by ISIS?
That is exactly what it’s like to be an entrepreneur in Baghdad: they’re operating under conditions of extreme uncertainty.

Aber was ist unsicherer als die Erfolgswahrscheinlichkeit eines Startups in einer Stadt zu berechnen, die weniger als 50 Kilometer von den Unruhen durch die IS entfernt ist?

Marwan nennt einige Beispiele für irakische Startups und kommt zu dem Schluss:

These young guys and the other entrepreneurs have proved one thing: entrepreneurship in Iraq has unlimited potential in the face of adversity.

The pressing security situation, Iraq’s financial crisis and damaged infrastructure, investors’ unfamiliarity with startups, and other big obstacles are all valid arguments for the doubters and naysayers in the debate about the future of entrepreneurship in Iraq.

But entrepreneurs beg to differ and they keep doing what they are best at: surviving in this brutal market and striving to make a name for themselves.

Diese jungen Leute und andere Unternehmerinnen und Unternehmen haben eines bewiesen: Unternehmertum hat im Irak angesichts der Widrigkeiten unbegrenztes Potenzial.

Die akute Sicherheitslage, Iraks Finanzkrise und seine zerstörte Infrastruktur, dass Investorinnen und Investoren mit Startups nicht vertraut sind und weitere große Hindernisse sind für die Zweifler und Neinsager in der Diskussion über die Zukunft von Unternehmertum im Irak stichhaltige Argumente.

Aber Unternehmerinnen und Unternehmer bitten darum, dass differenziert wird und sie tun weiterhin das, was sie am besten können: In diesem brutalen Markt überleben und darum kämpfen, sich einen Namen zu machen.

Jemen: 140 Tote und mehrere hunderte Verletzte durch erneute Luftangriffe der saudischen Koalition

Photos: Instagram users yousifalhoori and veracityvonkrafft

Fotos der Instagram-Nutzer yousifalhoori und veracityvonkrafft.

Laut Angaben der Vereinten Nationen wurden am 8. Oktober 2016 bei Luftangriffen der saudischen Koalition in Sanaa – der Hauptstadt des Jemen – mindestens 140 Menschen getötet und mehr als 525 Menschen verletzt.

Mit den Luftangriffen wurde eine Beerdigungsfeier anvisiert, die von dem Innenminister Jemens, Jalal al-Ruweishan (جلال الرويشان) ausgerichtet wurde, einem Verbündeten der Huthi-Rebellen, die Sanaa 2015 einnahmen, und treuer Anhänger des ehemaligen Präsidenten Ali Abdullah Saleh (علي عبدالله صالح). Die Huthis kämpfen seither gegen die Regierung von Abd Rabbuh Mansur Hadi (عبدربه منصور هادي), der stark von der saudischen Koalition in diesem Konflikt, bekannt als jemenitischer Bürgerkrieg, unterstützt wird.

Die saudische Koalition hat bereits jegliche Schuld für den Angriff von sich gewiesen. Der Nachrichtensender Al-Arabiya zitiert die Koalition:

Wir haben keine Luftraumoperationen an der Unglücksstelle in Sanaa durchgeführt.

Die Stellungnahme der Koalition wurde sofort angezweifelt und zwar von keinem Geringerem als Saudi Arabiens wichtigstem Verbündeten im internationalen Raum, dem Weißen Haus, dessen Sprecher folgende Stellungnahme veröffentlichte:

U.S. security cooperation with Saudi Arabia is not a blank check. We have initiated an immediate review of our already significantly reduced support to the Saudi-led Coalition and are prepared to adjust our support so as to better align with U.S. principles, values and interests, including achieving an immediate and durable end to Yemen’s tragic conflict.

Die Sicherheitskooperation der USA mit Saudi Arabien ist kein Blankoscheck. Wir haben eine sofortige Überprüfung von unserer, bereits beträchtlich reduzierten, Unterstützung der saudischen Koalition veranlasst und wenn es sein muss, passen wir unsere Unterstützung so an, dass sie besser mit den amerikanischen Prinzipien, Werten und Interessen zusammenpasst, dazu gehört auch ein sofortiges und dauerhaftes Ende des tragischen Konfliktes im Jemen.

Danach verkündete Saudi Arabien ebenfalls, dass es eine Untersuchung des Angriffes starten würde und nannte den Vorfall “bedauernswert und schmerzhaft”, nur wenige Stunden nachdem sie jegliche Beteiligung an dem Vorfall negierten:

Letzte Nacht beharrte die #saudische Koalition darauf, sie sei nicht am Angriff beteiligt gewesen – jetzt folgt eine peinliche Kehrtwendung, da sie gezwungen sind, eine Untersuchung durchzuführen.

Viele Berichterstatter, darunter auch Iyad El-Baghdadi, merkten an, dass die von der saudischen Koalition verwendeten Bomben in den USA hergestellt wurden:

Die Bomben des gestrigen Massakers im Jemen durch die saudische Koalition wurden in den USA hergestellt.

Es wird erwartet, dass die Zahl der Toten weiter steigt, da die Krankenhäuser noch immer Verletzte versorgen. Die jemenitische Abteilung des Büros der Vereinten Nationen für die Koordination humanitärer Angelegenheiten verurteilt den Angriff:

Schock und Empörung. Der UN-Nothilfekoordinator im #Jemen verurteilt den entsetzlichen Angriff auf eine Beerdigung in #Sanaa. Bis jetzt wurden 140 Menschen getötet und 525+ verletzt.

Der Generalsekretär und Nothilfekoordinator der Vereinten Nationen, Stephen O'Brien, bezeichnete den Angriff als “entsetzlich und abscheulich”:

LEST meine Stellungnahme zum #Jemen: Entzetzlicher und abscheulicher Angriff zeigte völlige Missachtung für menschliches Leben. Genug ist genug.

Nur Minuten nach dem Angriff wurden jemenitische Aktivisten und Analytiker in den Sozialen Medien aktiv und verurteilten das Blutvergießen. Der jemenitische Aktivist Anwar Dahak berichtete gegenüber Global Voices, es sei sehr schnell offensichtlich gewesen, dass die Beerdigung das beabsichtigte Ziel war:

We were few miles away from the funeral reception when we heard the aircraft roaming around the area. Once we heard the airstrikes, we knew they were bombing the funeral. I still can’t believe what happened. Not even Israel is that brutally inhumane.

Wir waren einige Kilometer vom Empfang der Beerdigung entfernt, als wir das Flugzeug in der Nähe herumfliegen hörten. Sowie wir die Luftangriffe hörten, wussten wir, dass sie die Beerdigung bombardieren. Ich kann immer noch nicht glauben, was passiert ist. Nicht mal Israel ist so brutal unmenschlich.

Hamed Ghaled, ein jemenitischer Aktivist und Mitglied der General People's Congress Party – einer Partei, die vom ehemaligen Präsidenten Ali Abdullah Saleh mitbegründet worden ist – lud ein Video hoch, welches angeblich einen zweifachen Luftangriff auf die Beerdigungshalle zeigt:

Video vom zweifachen Luftangriff, dessen Ziel Rettungshelfer waren. #TheGreatHallGenocide #SaudiArabien tötet und verletzt 700+, ein Kriegsverbrechen, welches von den #USA und #UK unterstützt wird.

Mindestens ein hoher Beamter, der Bürgermeister von Sanaa, wurde getötet. Das Nachrichtenportal Shfinews berichtet, dass “Abdul Qader Hilal während des Luftangriffes getötet worden ist” — diese Aussage wurde unter anderem auch von Hakim al-Masmari, dem Herausgeber der Zeitung Yemen Post gegenüber Al Jazeera bestätigt.

Abdul Qader Hilal wurde während des Luftangriffes auf die Beerdigung von al-Ruweishan getötet. Wir gehören Allah und zu ihm werden wir zurückkehren.

Zehntausende Jemeniten gingen auf die Straßen um gegen das Massaker zu protestieren:

Zehntausende gehen in Sanaa auf die Straßen um gegen das Massaker der #Saudis auf eine Beerdigungshalle im #Jemen zu protestieren. #sanaamassaker

Der politische Beobachter Hisham Al-Omeisy wohnt im Jemen und sagt, es gäbe keinen Zweifel daran, wer die Täter waren:

Zur Info, die saudische Koalition hat volle Kontrolle über den Luftraum Sanaas, wo nur ihre Kampfjets in der Luft sind. Dieser “Wir waren's nicht”-Schwachsinn wird es nicht bringen.

Haykal Bafana, ebenfalls Analytiker aus dem Jemen, warnt vor Vergeltung:

Riads Krieg gegen den Jemen wurde zu einem politisch gestützten Programm für Auftragsmorde. Die saudischen Prinzen können sich nicht beschweren, wenn die Jemeniten Gleiches mit Gleichem vergelten.

Sowohl Bafana als auch Al-Omeisy fügen hinzu, dass saudische Jets noch Minuten nach dem Angriff über Sanaa gehört wurden:

Nachdem sie 450 Beerdigungsgäste in Sanaa getötet und verletzt haben, surren die Jets der #Saudis bedrohlich über der Hauptstadt des #Jemen.

Die bluthungrigen saudischen Kampfjets sind zurück am Himmel über Sanaa. Wir haben noch nicht einmal alle aus den Trümmern des Luftangriffes von heute gezogen!

Bafana erzählt Al Jazeera, dass es insgesamt vier Angriffe gegeben hat:

I watched the air strikes, which took place barely 1.5km from my house. They first used a normal missile that pierced the roof. The second was an incendiary missile, burning the whole inside of the hall. The third was a missile on first responders.

Ich habe die Luftangriffe beobachtet, die sich nicht mehr als 1,5 km von meinem Haus abgespielt haben. Zuerst haben sie eine normale Rakete benutzt, welche das Dach durchbohrt hat. Die zweite war eine Brandrakete, welche das gesamte Innere der Halle ausgebrannt hat. Die dritte wurde auf Ersthelfer abgefeuert.

Dahak bestätigt dies in Kommentaren gegenüber Global Voices:

They first struck the reception with two missiles, a lot of people fell dead immediately. When people rushed into the site, they bombarded it again with two missiles.

Zuerst wurde der Empfang mit zwei Raketen getroffen, viele Menschen waren sofort tot. Als Menschen zum Schauplatz eilten, bombardierten sie erneut mit zwei weiteren Raketen.

Fairah Al-Sulimani, eine jemenitische Geschäftsfrau, twittert ein Foto der Beerdigungshalle vor und nach den Angriffen:

Vor und nach dem Luftangriff. Etwa 2000 waren bei der Beerdigung, bis jetzt befinden sich die meisten noch unter den Trümmern #Jemen

Der jemenitische Journalist und Medienspezialist Mohammed Al-Asaadi lebt in Sanaa und teilte ein Foto der Rettungskräfte, wie sie Verletzte aus der großen Halle bergen:

Rettungskräfte evakuieren Verletzte aus der großen Halle, angeblich nach einem verheerenden Luftangriff in #Sanaa #Jemen

Das Internationale Kommittee des Roten Kreuzes (IKRK) im Jemen war eine der Organisationen, welche die überforderten Gesundheitseinrichtungen unterstützten:

Wir organisieren Unterstützung für die Gesundheitseinrichtungen, damit sie mit dem Zustrom an Toten und Verletzten klar kommen. 300 Leichensäcke und Sanitätsartikel sind auf dem Weg #Sanaa

Al-Omeisy zitiert einen Freiwilligen, der gesagt haben soll, dass sie “an einer Hand, die aus den Trümmern ragte, gezogen haben – ein abgetrennter Arm. Es waren zu viele Leichen um sie herum, um sagen zu können, zu welcher er gehört.”

Inzwischen hat auch die jemenitische Abteilung der Ärzte ohne Grenzen Updates über die Luftangriffe und ihre Folgen getwittert:

1. Sechs @MSF (Ärzte ohne Grenzen) haben die Krankenhäuser in #Sanaa im #Jemen unterstützt und mehr als 400 Verletzte nach einem Luftangriff auf eine Beerdigungshalle im Süden der Hauptstadt versorgt.

2. @MSF (Ärzte ohne Grenzen) unterstützt die 6 Krankenhäuser in #Sanaa im #Jemen mit Notfallausrüstung, Ausrüstung für stationäre Patienten, Operationsausrüstung und 4 Krankenwagen.

Farea Al-Muslimi, eine bekannte jemenitische Berichterstatterin und Mitbegründerin des Sanaa Centers, meint, dass es dringender Handlung bedarf, einen sofortigen Waffenstillstand zu verhängen, die Friedensgespräche wiederaufzunehmen und eine internationale Untersuchung durchzuführen:

#USA und #UK bauten, verkauften und betankten die Jets, mit denen #saudische Piloten heute mehr als 400 Zivilisten im #Jemen töteten, als sie eine Beerdigungshalle ins Visier nahmen.

Sofortiger voller Waffenstillstand, Wiederaufnahme des beendeten Friedensprozesses und eine internationale Untersuchung sind der einzige Weg um mit dem heutigen Massaker im #Jemen umgehen zu können.

verurteilt nicht, sagt nicht, wie besorgt ihr seid und wie Leid es euch tut. Es ist eigentlich egal und bedeutet nichts mehr. Hört auf mit dem Scheiß und beendet den Krieg im #Jemen

Nach Berichten der Vereinten Nationen wurden mindestens 10.000 Menschen seit dem Beginn der Angriffskampagne der saudischen Koalition im März 2015 getötet. Beinahe 40% der Opfer waren Zivilisten und es wird angenommen, dass die saudische Koalition für mindesten 60% der gesamten Anzahl der Tode verantwortlich ist.

Venezuelas Beitrag zu den Oscars spricht eine indigene Sprache

“Gone with the River” von Mario Crespo ist Venezuelas Beitrag für den besten fremdsprachigen Film…

Lo que lleva el río (“Gone With the River”) des kubanisch-venezolanischen Filmemachers Mario Crespo Dauna ist ein venezolanischer Film, der nahezu komplett in Warao gedreht wurde, der Sprache, die von dem indigenen Volk im Flussdelta des Orinoco gesprochen wird. Er ist Venezuelas Filmbeitrag zu den Academy Awards für den besten fremdsprachigen Film.

 schreibt in Remezcla:

The story follows an indigenous woman named Dauna who is marked by difference within her community. Torn between her love for Tarsicio or her desire to pursue studies outside of her village, Dauna’s decision to challenge the expectations of her traditional culture lead to suffering and, ultimately, reconciliation.”

Der Film erzählt die Geschichte von Dauna, einer Frau, die einem indigenen Volk angehört und sich durch ihre Andersartigkeit von ihrer Gemeinde unterscheidet. Hin- und hergerissen zwischen ihrer Liebe zu Tarsicio und ihrem Wunsch, außerhalb ihres Dorfes zu studieren, fordert Dauna mit ihrer Entscheidung ihre traditionelle Kultur heraus, was zu Leiden und schließlich zu Versöhnung führt.

Er war einer der auserwählten Filme, die dieses Frühjahr innerhalb der Sonderreihe “NATIVe” auf der BERLINALE gezeigt wurden. Hier ist der Trailer:

Global Voices am 7. September bei der Socialbar in Bonn

Am nächsten Montag, den 7. September 2015 wird Global Voices auf Deutsch, vertreten durch Anne Hemeda und Lena Nitsche, bei der Socialbar in Bonn zu Gast sein. Fokus des Kurzvortrags werden Ziele und Arbeitsweisen sein, zudem werden wir euch unsere internationale Gemeinschaft, die hinter dem Projekt steht vorstellen.

Los geht es um 18:00 Uhr bei Engagement Global, Tulpenfeld 7, 53111 Bonn. Weitere Referenten dieser Ausgabe der Veranstaltungsreihe werden die Rheinische Tagespost sowie die Zentrale für Freiraum und Subkultur sein. Die deutschlandweite Veranstaltungsreihe will zu einem verstärkten Austausch zwischen Projekten, Aktivisten und Organisationen beitragen, die sich mit dem Themenfeld Potentiale des Internets auseinandersetzen.

Global Voices lässt die Filterblase platzen

Katrin Zinoun, Redakteurin für Global Voices auf Deutsch und freie Autorin, Übersetzerin und Dozentin beschreibt im Juni auf dem Blog von Engagement Global, einem deutschen Service für entwicklungspolitisches Engagement, wie Global Voices globales Lernen fördert.

Zwar ermögliche das Internet den Zugang zu Informationen aus aller Welt, zugleich schränkten die Algorithmen der sozialen Medien aber ein, was wir zu sehen bekommen. Damit bewegen wir uns im weltweiten Netz doch wieder nur in unserer eigenen Filterblase.

Mit Global Voices werden uns Diskussionen zugänglich, die sich in sozialen Netzwerken abspielen, zu denen wir keinen Zugang haben, beispielsweise dem russischen Internet oder in arabischen Tweets. Vor allem aber lernen wir die Perspektiven der Personen kennen, die uns ihre eigenen Geschichten berichten, erklärt Katrin:

Bei Global Voices wird aus einer anderen Perspektive berichtet, als es in den traditionellen Mainstreammedien der Fall ist. Selbst bei globalen Nachrichtenereignissen berichten die Autoren von Global Voices aus der Perspektive der Menschen vor Ort. Sie schauen nicht von außen auf eine Situation, sondern die Stimmen, die gesammelt, zusammengefasst und übersetzt werden, kommen aus der jeweiligen Situation selbst.

Global Voices kann sowohl im Schulunterricht eingesetzt werden, als auch für Selbstlerner(innen) und dient nicht zuletzt uns Mitwirkenden selbst, unseren Horizont ständig zu erweitern und unsere Perspektive zu verändern.

Die 500-seitige, medizinische Enzyklopädie eines Stammes aus dem Amazonas

Das Volk der Matsés in Brasilien und Peru hat eine 500-seitige Enzyklopädie ihrer traditionellen Heilkunst erstellt!

Der Amazonas Regenwald beheimatet Millionen von Pflanzen, die als wichtige Inhaltsstoffe zukünftiger Medikamente dienen könnten. Aus diesem Grund finanzieren viele pharmazeutische Unternehmen und sogar die US-amerikanische Regierung Projekte zur Erforschung des ursprünglichen Pflanzenwissens einheimischer Schamanen und Heiler in dieser Region, für die Entwicklung neuer Medikamente.

Das Volk der Matsés lebt in Peru und Brasilien und hat eine Gesundheitsenzyklopädie mit mehr als 500 Seiten geschaffen, in der sie ihre traditionellen medizinischen Praktiken auflisten, um das Wissen ihrer Vorfahren für die jüngere Generation zu erhalten. Der Großteil der Schamanen ist alt und ohne Lehrlinge. Wenn sie sterben, stirbt auch ihr weitreichendes Wissen.

Um aber Biopiraterie zu vermeiden, bleiben die Informationen bei den Matsés; die Enzyklopädie gibt es nur in ihrer Stammessprache und wird nur in den Dörfern des Stammes verteilt. Weitere Schutzmaßnahmen sind: “Es werden keine wissenschaftlichen Namen benutzt, damit man die lokale Pflanzenart nicht identifizieren kann, keine Pflanzenart wird im Detail abgebildet, damit sie von anderen nicht identifiziert werden kann.”

“Die [Matsés Enzyklopädie traditioneller Medizin] ist die erste vollständige und abgeschlossene Aufzeichnung des medizinischen Wissens der Schamanen eines Amazonas Stammes, geschrieben in ihrer eigenen Sprache und mit ihren eigenen Worten,” erklärt Christopher Herndon, der Präsident und Mitbegründer von Acaté, Mongabay in einem Interview.

Nach Angaben der Pachamama Alliance, eine globale Gemeinschaft für eine nachhaltige Zukunft, geht die Gesundheit und das Wohlergehen der westlichen Welt oft auf die Kosten indigener Völker. Nachdem die pharmazeutischen Unternehmen realisiert haben, dass ihre Forschungen bessere Ergebnisse erzielen, wenn sie mit der indigenen Bevölkerung kooperieren und ihr Wissen anzapfen, könnten die Stämme des Regenwaldes Gefahr laufen, die Kontrolle über ihre Ressourcen zu verlieren.

Once the pharmaceutical companies have developed the drug, they file patents claiming exclusive rights to the medical use of the plant – hence limiting or even denying access to the plants that indigenous peoples have relied upon for centuries.

Wenn die pharmazeutischen Unternehmen erstmal ein Medikament entwickelt haben, beantragen sie das Patent für die Exklusivrechte zur medizinischen Nutzung der Pflanze – und beschränken somit oder verwehren der indigenen Bevölkerung sogar den Zugang zu der Pflanze, auf die sich der Stamm schon seit Jahrhunderten verlassen hat.

Aus diesem Grund wurde auf der 10. Konferenz der Parteien für die Konvention zur Erhaltung der Biodiversität im Jahr 2010 das Nagoya-Protokoll über die Verteilung von Zugang und Gewinn angenommen. Dieses Protokoll spricht besonders die Probleme der Bioprospektion und der Rechte der indigenen Bevölkerung auf Zugang zu den Ressourcen des Regenwaldes, auf ihr geistiges Eigentum und auf angemessene Entschädigung an.

Acaté, eine Non-Profit-Organisation aus San Francisco, half den fünf Schamanen bei der Erstellung ihrer Enzyklopädie. In der Enzyklopädie ist jeder Eintrag unter einem Krankheitsnamen vermerkt, mit Erörterungen für die Diagnose der Krankheit anhand ihrer Symptome. Dies soll zum Verständnis über den Ursprung der Krankheit und die richtige Medizin, hergestellt aus für die Behandlung spezifischen Pflanzen, führen. Die Einträge klären die Leser auch über alternative Behandlungsmethoden auf.

Die Idee hinter dem Projekt ist, die Stämme weniger von konventionellen Ärzten und westlicher Medizin abhängig zu machen, während sie gleichzeitig ihre Autarkie behalten.