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Hongkongs Demonstrant*innen machen Online-Spiele während Pandemie zu ihrer neuen Heimat

Protest im Spiel. Abbildung von Joshua Wongs Facebook-Seite.

Die von Jugendlichen angetriebenen, regierungsfeindlichen Proteste in Hongkong, die auf ihrem Höhepunkt mehr als eine Million Menschen auf die Straße brachten, sind seit Januar aufgrund des Ausbruchs von COVID-19 weitgehend zurückgegangen.

Schulen und Universitäten, die die Zentren der Protestbewegung waren, wurden geschlossen, während die Regulierungen zur Krankheitsvermeidung und -kontrolle am 28. März Gruppenversammlungen von mehr als vier Personen auf öffentlichen Plätzen verboten hatten.

Seitdem benutzen die jungen Leute eher ihre Bildschirme, als auf die Straße zu gehen und füllen ihre Freizeit mit Online-Videospielen aus.

Ein Spiel, Animal Crossing, hat sich während der Pandemie als sehr beliebt herausgestellt, da Die Demonstrantinnen und Demonstranten in Hongkong diese Plattform genutzt haben, um ihre politischen Ansichten zu äußern und den Geist der Proteste am Leben zu halten.

Das Spiel, eine Art soziale Simulation, wurde am 20. März 2020 für die Nintendo Switch veröffentlicht. Mit Animal Crossing können Spielerinnen und Spieler auf eine einsame Insel fliehen, auf der sie mit kostenlosen Ressourcen ein Haus und einen Garten bauen können. Darüber hinaus können Veranstaltungen ausgerichtet und die Inseln für Besucherinnen und Besucher geöffnet werden.

Die Spiele-Anwendung ermöglicht auch Sprachkommunikation zwischen den Spieler*innen.

Ende letzten Monats versammelten sich eine Reihe von Spieler*innen auf dieser Plattform, um ein virtuelles Konzert zu kreieren, bei dem sie ihre Protesthymne sangen – Glory to Hong Kong (zu dt. etwa: Ehre sei Hongkong).

Dies ist eine Videoaufzeichnung dieser Spielszene:

@studioincendo veröffentlichte in der Zwischenzeit eine Spielinsel, auf der die Besucher*innen eingeladen werden, das Porträt von Hongkongs Regierungschefin mit Hämmern zu schlagen.

Joshua Wong, ein prominenter Pro-Demokratie-Aktivist, erklärte, dieses Spiel sei eine neue Phase der Proteste, die wiederholte Razzien überlebt haben und jetzt lediglich durch die Maßnahmen gegen COVID-19 gestoppt wurden:

Kurz nach Joshua Wongs Tweet wurde Animal Crossing am 10. April in ganz China aus den Online-Shops entfernt. Es wird allgemein angenommen, dass die Zensoren auf dem Festland hinter der Entfernung stehen, und die dortigen Spielerinnen und Spieler haben Wong für das Verbot verantwortlich gemacht.

Dieser Vorfall hat die Aufmerksamkeit der internationalen Presse auf sich gezogen.

Wong, der keine Gelegenheit auslässt, für die Sache zu kämpfen, bot den Journalist*innen eine Tour durch verschiedene Protest-Websiten an. Er glaubt, dass Online-Plattformen zu einer neuen Arena werden könnten, um die Öffentlichkeit für Pekings politische Eingriffe in Hongkong zu sensibilisieren.

Mehr als ein Jahr nach Beginn der Massenproteste, die durch einen Gesetzesentwurf zur Auslieferung an China ausgelöst wurden, mögen sich die Menschen in Hongkong jedoch danach sehnen, zur Realität zurückzukehren.

Am 18. April verhaftete die Polizei Hongkongs unter Ausnutzung des schwindenden Protestpotenzials 15 Oppositionsführer*innen wegen des Verdachts der Organisation und Teilnahme an nicht genehmigten Versammlungen gegen den Vorschlag der Regierung von Hongkong, das Auslieferungsgesetz zwischen August und Oktober 2019 zu ändern.

Diese Festnahmen haben in den vergangenen zwei Wochen kleinere Proteste in großen Einkaufsvierteln ausgelöst, bei denen die Polizei dabei viele Demonstrierende unter Berufung auf das Verbot der Gruppenversammlung angezeigt.

Da die Stadt 14 aufeinander folgende Tage ohne neue COVID-19-Infektionen erlebte, wird im Juni mit Massenprotesten gerechnet, wenn die Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung aufgehoben werden sollen.

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