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Afrikanische Aktivisten: Hört auf, Verschmutzung mit Wachstum zu rechtfertigen

Dar es Salaam, die Hauptstadt des ostafrikanischen Tansanias, steht unter Wasser, nachdem es im April 2014 von ungewöhnlich starken Regenfällen heimgesucht wurde.

Die Links führen, wenn nicht anders ersichtlich, zu französischsprachigen Seiten.

Am Weltumwelttag 2014 [Wikipediaeintrag auf Deutsch] haben Umweltaktivisten in ganz Afrika die Möglichkeit genutzt, davor zu warnen, das Thema Umwelt zugunsten ökonomischen Wachstums zu vernachlässigen. Es sei kein Nullsummenspiel, ermahnten sie. 

Das Thema des von der UN unterstützen Weltumwelttages am 5. Juni war in diesem Jahr “Die Stimmen erheben, nicht den Meeresspiegel!” [hier ein englischsprachiger Beitrag zu einem Wettbewerb zu dem Thema] mit dem Themenschwerpunkt Inselstaaten, die den Gefahren des Klimawandels besonders gegenüberstehen. Viele Regionen in Afrika sind dem Klimawandel anfällig – das Festland wie auch Inseln. Der Blog Newsmada.com aus Madagaskar erklärte in einem früherem Artikel:

Avec le développement des villes côtières en Afrique et en Asie, les plus pauvres de leurs résidents sont pour la plupart rejetés aux confins des zones habitables, là où les conséquences du changement climatique entraînent les plus grands dangers.

En Afrique subsaharienne, les chercheurs ont identifié la question de la sécurité alimentaire comme le défi suprême, en raison des risques de sécheresse et d’inondation et sous l’effet de la modification des régimes de précipitations. Avec un réchauffement de 1,5 à 2 °C, sécheresse et aridité rendront entre 40 et 80 % des terres agricoles impropres à la culture du maïs, du millet et du sorgho à l’horizon 2030-2040.

Mit der Entwicklung von Küstenstädten in Afrika und Asien werden die ärmsten Einwohner an die Ränder der Siedlungsbereiche gedrängt. Es sind gerade diese Gebiete, in denen die Folgen des Klimawandels die größten Gefahren in sich bergen.

Als größte Herausforderung bestimmten Wissenschaftler im Subsahara-Afrika die Gefährdung der Lebensmittelsicherheit aufgrund von Veränderungen im Niederschlag und erhöhtem Dürre- und Hochwasserrisiko. Ein Temperaturanstieg zwischen 1,5 und 2 Grad Celsius könnte Dürren und Trockenheit verursachen und bis zum Jahr 2030 vierzig bi achtzig Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche für den Anbau von Mais und Hirse unbrauchbar machen.

Die englischsprachige Congo Basin Forest Partnership (CBFP), eine Initiative, die von dem ehemaligen Außenminister der USA Colin Powell im Jahre 2002 ins Leben gerufen wurde, brachte verschiedene Studien und Artikel zum Thema Umwelt heraus. Im März 2014, noch vor dem Weltumwelttag, analysierte Dr. Denis Sonwa in einem Artikel auf der Homepage der CBFP die Schwierigkeiten, den Schutz des Waldes mit den Bedürfnisse nach Entwicklung in Einklang zu bringen:

Contrairement aux perceptions dans le monde développé, le développement et la conservation ont été perçus comme antagonistes dans les pays en voie de développement. La forêt et la production agricole intensive semblent être incompatibles. Selon un récent rapport de la Banque mondiale, certaines des conditions (éloignement, faible niveau de financement et d’investissement dans le secteur agricole, peu d’exploitation minière, faible consommation énergétique par ménage, etc.), qui ont contribué au maintien de la biodiversité et au stockage du carbone forestier en Afrique centrale, changeront dans un avenir proche, avec un risque d’augmenter la déforestation. Sans forte volonté et sans changement en profondeur, consistant à aller au-delà du secteur de la biodiversité pour la sauver, les efforts actuels risquent d’être vaines. 

Entgegen der Vorstellungen in den Ländern des Nordens wurden Entwicklung und Umweltschutz in Entwicklungsländern als sich gegenseitig ausschließend verstanden. Intensive Landwirtschaft scheint unvereinbar mit dem Waldbau zu sein [so ein englischsprachiger Blogbeitrag]. Eines aktuellen englischsprachigen Berichts der Weltbank zufolge, werden sich einige der Bedingungen (Abgelegenheit, geringe Finanzierung und Investitionen in der Landwirtschaft, nur wenig Bergbau, niedriger Energieverbrauch je Haushalt und so weiter), die zur Erhaltung der Biodiversität und dem Kohlenstoffspeicher durch Wälder in Zentralafrika beitragen, in der nahen Zukunft ändern, was die Gefahr von steigender Abholzung mit sich bringt. Ohne starken Willen oder grundlegende Änderungen, wie beispielsweise außerhalb des Biodiversitätsbereichs zu gehen, um ihn zu retten, werden die derzeitigen Bemühungen wahrscheinlich umsonst sein.

In Mauritanien hat die Sängerin und Menschenrechtsaktivistin Malouma dem Umwelttag ein Video mit Texten und Bildern von Frederic Bacuez, veröffentlicht auf ornithondar.blogspot.fr, gewidmet. Sie singt:

Arrêtons de massacrer Arrêtons de polluer Sous prétexte de bâtir Y aura-t-il un sauveur ? Le ciel, votre protecteur Et la terre, votre mère Les plantes vos soeurs Et l'eau votre source Eh compagnons ! Protégez la nature

Lasst uns aufhören zu töten. Lasst uns aufhören zu verschmutzen. Wachstum als Rechtfertigung zu nutzen. Wird es einen Retter geben? Der Himmel, dein Beschützer und die Erde, deine Mutter, die Pflanzen, deine Schwestern und das Wasser, dein Frühling. Und Freunde! Schützt die Natur!

Raphael Kafando analysierte die Verbindung zwischen Selbstversorgung mit Lebensmitteln und Klimawandel auf dem Blog cnpress-zongo.ning.com. Er vergleicht das Konzept der “Green Economy” mit den tatsächlichen Gegebenheiten in seinem Land, Burkina Faso:

Dans un Etat où l’autosuffisance alimentaire reste une priorité, où l’industrie reste embryonnaire et que l’Etat veut à tout prix attirer les investisseurs, l’environnement est-il la première préoccupation ? ? Dans un pays où le boom minier est considéré comme une aubaine inespérée et où l’objectif est de donner du travail aux chômeurs sans forcément tenir compte de la pollution de ces industries, peut-on vraiment parler d’économie verte ?

In einem Land, in dem die Lebensmittel-Selbstversorgung eine Priorität bleibt, die Industrie immer noch in den Kinderschuhen steckt und welches Investoren um jeden Preis anziehen will, ist in einem solchen Land Umweltschutz ein Topthema? In einem Land, in dem der Bergbauboom als Geschenk des Himmels angesehen wird und die Priorität darin besteht, den Menschen zu Arbeit zu verhelfen, ohne dabei die Verschmutzung zu bedenken, die diese Industriezweige verursachen – können wir so wirklich von “Green Economy” reden?

Julien Dembele aus Senegal scrieb einen leidenschaftlichen Tribut an den ehemaligen Vizepräsident der USA, Al Gore, für seinen “persönlichen Kreuzzug” für den Umweltschutz. Dembele schrieb ebenfalls den französischen Artikel “10 wichtige Gründe, die Umwelt zu schützen” in dem es heißt:

Un environnement sain égal une santé assurée […] En 2003, l’OMS a rapporté que 21% des maladies de l’homme étaient directement liés à l’environnement. Trois facteurs principaux ont été identifiés comme responsables de près des trois quarts des maladies dues à l’environnement. Il s’agit de – l’eau, l’assainissement et l’hygiène ; – la pollution de l’air domestique ; – les traumatismes d’origine physique. Des actions sur ces trois facteurs permettront une réduction importante des maladies liées directement à l’environnement, ainsi que sur d’autres qui le sont indirectement.

Eine gesunde Umwelt entspricht einer guten Gesundheit. […] Die WHO gibt an, dass 2003 21 Prozent aller menschlichen Erkrankungen in direktem Zusammenhang mit der Umwelt stehen. Es gibt dabei drei Hauptfaktoren – Wasser und Hygiene, Luftverschmutzung sowie Krankheiten, die fast drei Viertel der Krankheiten, die mit Umweltverhältnissen in Verbindung stehen, sowie schlechte Gesundheit verursachen. Maßnahmen in diesen drei Bereichen würden einen bedeutenden Rückgang der Krankheiten, die direkt oder indirekt mit der Umwelt in Zusammenhang stehen, ermöglichen können.

Nach der Aussendung eines Werbespots für ein Insektengift, dass als gefährlich für Menschen erachtet wird, verfasste er außerdem einen Protestbrief an den Geschäftsführer des senegalischen Fernsehens (RTS-TV).

Das Bewusstsein über die Bedeutung der Umwelt ist in Afrika sicher am Wachsen. Aber bedeutet das automatisch, dass Länder einige ihrer schlechten Angewohnheiten zugunsten einer saubereren, gesünderen Zukunft über Bord werfen?  

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