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Russland: Mögliches Ausmaß der Wahlproteste am Samstag – eine Analyse

Dieser Beitrag ist Teil unseres Dossiers Wahlen in Russland 2011.

Da die Lage der russischen Wahlergebnisse und der verhafteten Demonstranten im Land noch nicht gelöst worden ist (siehe auch Global Voices Berichterstattung 1, 2 [en] und 3 ), bereiten sich Menschen in vielen Städten auf Demonstrationen am Samstag, dem 10. Dezember 2011 vor.

User Mitingmap hat früh am 8. Dezember eine Karte [ru] erstellt, die die Protestgruppen in den russischen Städten zusammenfasst. Novaya Gazeta hat eine Liste [ru] der geplanten Protestveranstaltungen zusammengestellt.

Druck auf Vkontakte

Social-Media-Gruppen, die in beinahe allen größeren Städten aufgetaucht sind, werden als Bedrohung angesehen. LiveJournal-Nutzer Edvvvard schrieb [ru] am 8. Dezember, dass seltsame Dinge mit seiner Vkontakte-Gruppe Rospil [ru] (der Unterstützung des preisgekrönten Projekts rospil.info von Blogger Alexey Navalny gewidmet) passierten.

Karte der Protestaktivitäten. Screenshot von Yandex.maps

Karte der Protestaktivitäten. Screenshot von Yandex.maps

Anfangs dachte er, dass es die Methode von Vkontakte-Nutzern sein könnte, um Demonstranten daran zu hindern, miteinander zu kommunizieren. Dann erhielt er jedoch eine Antwort von Pavel Durov, dem Gründer des sozialen Netzwerks, der ihm mitteilte, dass die Gruppe die Tagesgrenze an Kommentaren erreicht hatte, und dass er daran arbeite es wieder in Ordnung zu bringen.

Später fügte Durov hinzu [ru]:

Alles ist ok. Vor Kurzem hat der FSB (Staatlicher Sicherheitsdienst) uns aufgefordert, Oppositionsgruppen wie deine zu schließen. Das tun wir aus Prinzip nicht. Wir wissen noch nicht, wie das für uns ausgehen wird, aber wir halten aus.

Edvvvard schrieb, dass Durov sich im Nachwahlkonflikt für eine Seite entschieden hat, und dass seine Seite die der Blogger sei.

Einige Stunden später berichtete [ru] die Nachrichtenseite lenta.ru, dass die Polizei vorgeschlagen hatte, Onlineanonymität zu verbieten, da soziale Netzwerke “eine potenzielle Bedrohung für die Grundlage der Gesellschaft sind”. Später verurteilte [ru] Minister Nurgaliev den Vorschlag als “Unsinn”.

Bis jetzt sind noch keine der Gruppen geschlossen oder verboten worden.

Aktuelle Online-Mobilisierung verstehen

Die digitale Dynamik scheint in der Tat bis jetzt überwältigend zu sein. Der Fernsehsender ‘Rain’ berichtete [ru], dass innerhalb der letzten vier Tage ihr Publikum um das fünffache gewachsen war. Innerhalb weniger Tage erreichte [ru] auch eine Moskauer Facebookgruppe, die vom 24-jährigen Ilya Klishin organisiert wurde, über 30.000 Mitglieder.

Alexey Sidorenko [ru] hat die Daten von Gruppen in den sozialen Netzwerken Facebook und Vkontakte, die mit den Wahlprotesten verbunden sind, analysiert und fand einige interessante Ergebnisse (aufgenommen am 8. Dezember, zwischen 11:30 und 15:00 zentralosteuropäischer Zeit).

  • Es gibt nur vier Facebookgruppen, der ganze Rest befindet sich auf Vkontakte. Die größte, Klishins Gruppe in Moskau, ist auf Facebook, vermutlich aufgrund eines eher verwestlichten Publikums;
  • Die Mehrheit der Gruppenmoderatoren ist zwischen 1985 und 1991 geboren;
  • Die meisten Organisatoren sind Einheimische – nur einige wenige Veranstaltungen wurden von zentralisierten Gruppen erstellt;
  • Die politischen Ansichten (von denjenigen, die diese Informationen preisgeben) sind entweder sozialistisch oder liberal. Es gibt einige wenige, die sich als “indifferent” und “konservativ” bezeichnen;
  • Etwa 67.000 Menschen in allen Standorten haben gesagt, dass sie an Protestveranstaltungen teilnehmen werden. Etwa 63.000 sagten, dass sie “vielleicht” gehen würden. Zusätzlich dazu gibt es etwa 55.000 Nutzer, die Mitglieder in Online-Protestgruppen sind;
  • Die Summe der Zahlen deutet darauf hin, dass allein Online-Mobilisierung zwischen 67-185.000 Aktivisten auf die russischen Straßen bringen kann, wenn man voraussetzt, dass alle das tun, was sie zu tun planen. Wie es so oft bei Onlineaktivismus passiert, könnten die tatsächlichen Zahlen geringer sein;
  • Es ist nicht bekannt, wie viele von denjenigen anwesend sein werden, die keine sozialen Netzwerke nutzen;
  • Die Städte mit den größten Protestaktivitäten sind: Moskau, Sankt Petersburg, Nizhniy Novgorod, Perm, Barnaul, Chelyabinsk, Krasnodar, Krasnoyarsk, Qazan, Tyumen, Volgograd, Ulyanovsk, Petrozavodsk, Toliatti.

Dieser Beitrag ist Teil unseres Dossiers Wahlen in Russland 2011.

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