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Die Spannungen verschärfen sich: Vielerorts Märsche und Plünderungen in Venezuela

 

La crisis económica y la escasez de alimentos han contribuido a un aumento en los saqueos en Venezuela. Fotografía ampliamente compartida en las redes venezolanas dentro de las discusiones sobre la crisis alimentaria y los saqueos del 11 de mayo de 2016.

Infolge der Wirtschaftskrise und der Lebensmittelknappheit ist die Zahl der Plünderungen in Venezuela gestiegen. Dieses Foto wurde bei der Diskussion um die Nahrungsmittelkrise und die Plünderungen vom 11. Mai 2016 weit in den venezolanischen Netzwerken verbreitet.

Laut Informationen venezolanischer Netzwerke und lokaler Medien kam es in den letzten Tagen in einigen Städten Venezuelas zu Spannungen aufgrund von Protesten und Plünderungen, deren Zahl zuzunehmen scheint. Zwar sind die Gründe und Ursachen der Plünderungen nie eindeutig, sie stehen aber immer in Verbindung mit der schweren Wirtschaftskrise, die sich in den vergangen Monaten stark verschärfte. Zugleich sind die Proteste des 11. Mai 2016 auf oppositionelle Gruppen zurückzuführen, die für den Prozess für das Referendum zur Präsidentenamtsenthebung eintreten, der im April diesen Jahres eingeleitet wurde.

Eine der Plünderungen in dieser Woche, die auch in den Netzwerken diskutiert wurde, fand in Mérida statt, einer Stadt im Osten Venezuelas. Ein studentischer Protest nahm unterwartete Ausmaße an und endete mit der Plünderung eines Geschäfts. Einige Twitter-User teilten Bilder von der Auseinandersetzung mit der Polizei, andere verurteilten die Plünderer sowie die Verursacher des Chaos:

IN #MÉRIDA UND DAS NENNEN DIESE JÄMMERLINGE WIDERSTAND #MerGuevo „Mega Blumer“ PLÜNDERUNG IST RAUB https://t.co/0mQT9zi1Ju

Dennoch hat auch ein Großteil der Twitter-Nutzer dieser Stadt Fotos von den Auseinandersetzungen geteilt und verteidigt die Studenten, von denen der Protest ausging. Im Fall von Mérida entwickelten sich die Proteste aufgrund des Ärgers auf Seiten der Studenten über die gestiegenen Preise in der Mensa:

Auf den Videos von gestern in #Merida erkennt man, dass alle zusammen und die Bachaqueros [Anm. d. Ü.: Straßenverkäufer, die rare Produkte teuer wiederkaufen] mit der Plünderung begonnen haben, und nicht die Studenten.

Einen Tag nach den Protesten und der Plünderung in Mérida fanden die Demonstrationen statt, zu denen die Opposition aufgerufen hatte. Der Grund für die Märsche, die ebenfalls in der Hauptstadt stattfanden, war das Referendum zur Präsidentenamtsenthebung, das – ja, genau – womöglich dieses Jahr stattfinden wird. Die Demonstrationen verfolgen das Ziel, den Consejo Nacional Electoral (nationalen Wählerrat) dazu zu bringen, die festgelegten Sitze entsprechend zu vergeben, die nach Aussage der Organisatoren der Unterschriftensammlung nicht berücksichtigt worden sind.

Auf den Bildern der Twitter-Nutzer ist auch die Guardia Nacional (Nationalpolizei) zu sehen:

Großes Polizeiaufgebot der GNB gegen den CNE-Mérida [Anm. d. Ü.: Wählerrat von Mérida]

So wurde der Marsch der Opposition in Mérida willkommen geheißen…

Die Szene wiederholte sich in der Hauptstadt, Caracas, wo die Guardia nach Aussage von Twitter-Nutzern wie GéGé verhinderte, dass der Marsch das Consejo Nacional Electoral, seinem Start und Zielpunkt, erreichte:

@JuanPGuanipa Die GNB versperrt uns den Weg und begründet das damit, dass der CNE sich innerhalb militärischer Anlagen befinde. #CNERevocatorioYA

Wichtiger Moment in #Venezuela: Die GNB-Barrikade wird einige Male durchbrochen. Die Leute wollen jetzt den #CNERevocatorioYA [Anm. d. Ü.: Wählerrat, der das Referendum zur Präsidentenamtsenthebung möchte].

Allerdings gibt es neben den Demonstrationen auch andere Bilder, die sich anscheinend vielerorts im ganzen Land wiederholen. In den venezolanischen Netzwerken verbreitete sich außerdem die Nachricht von Plünderungen und versuchten Plünderungen, die von der Guardia Nacional aufgehalten wurden. In dem Maße, in dem sich die Lebensmittelknappheit verschärft, scheint auch die Zahl der Plünderungen zuzunehmen:

Allein im ersten Quartal gab es 107 Plünderungen und versuchte Plünderungen.https://t.co/k1Yjd1piFk pic.twitter.com/Zg2PIdZMGj

Via @venezolanodecen: Plünderung des Großmarktes in Maracay

#11M: GNB stoppt den Versuch einer Plünderung in Guarenas

Bewaffnete Bereitschaftspolizei trifft ein

Lebensmittelknappheit, Unmut und Wirtschaftskrise – die Sicht der Leidtragenden

Aglaia Berlutti erzählt von ihren persönlichen Erfahrungen, die sie, wie viele andere auch, auf der Suche nach Lebensmitteln machen musste, und bietet damit die Möglichkeit, ein Verständnis für die Lage derjenigen zu entwickeln, die unter der wirtschaftlichen Situation leiden müssen. Ihr Bericht erschien bei Medium in der Reihe „Crónicas de la ciudadana preocupada“ (Berichte über die Sorgen der Bürger) und steht im Kontrast zu den Erklärungen der Regierung, die die Meldungen über die Lebensmittelknappheit als übertrieben darstellen, zur Überraschung derjenigen, die die Auswirkungen dieser Situation zu spüren bekommen. Die Menschen, die für Güter des täglichen Bedarfs stundenlang anstehen, leiden unter der Sicherheits-, Energie- und Lebensmittelkrise:

En palabras sencillas, para la Ministra de relaciones Interiores la escasez que se sufre en Venezuela es «aparente». […] Leo la noticia mientras me encuentro en una larga fila para comprar aceite de cocina, arroz y azúcar. Hace más de dos horas que el supermercado abrió sus puertas y más de tres desde que espero poder adquirir la ínfima existencia de productos regulados que según el número de mi cédula podré comprar. Me encuentro de pie bajo el sol, agobiada por la temperatura y la usual sensación de incomodidad y humillación que me produce el método de aguardar por horas para comprar algunos alimentos. Es una escena triste y llena de desesperanza: La multitud abrumada e inquieta que llena la calle, algunos con sus niños tomados de la mano, otros desalentados, sentados de cualquier manera sobre el concreto ardiente.

Für die Innenministerin ist die Lebensmittelknappheit in Venezuela schlicht und ergreifend „nicht existent“. […] Ich lese diese Nachricht, während ich in einer langen Schlange anstehe, um Öl zum Kochen, Reis und Zucker zu kaufen. Seit mehr als zwei Stunden hat der Supermarkt geöffnet und seit mehr als drei Stunden hoffe ich, die staatlich regulierten Produkte, die ich gemäß meiner Ausweisnummer in stark begrenzter Menge kaufen darf, zu bekommen. Ich stehe in der Sonne, erschöpft von der Hitze und dem üblichen Gefühl der Unbehaglichkeit und Demütigung, das ich beim stundenlangen Warten empfinde, das ich ertrage, um ein paar Lebensmittel zu kaufen. Die Situation ist traurig und voller Hoffnungslosigkeit: die Menschen, die die Straße überströmen, sind bedrückt und beunruhigt, einige halten ihre Kinder an der Hand, andere wiederum sind missmutig und sitzen auf dem heißen Beton.

Aglaia erzählt außerdem davon, was andere denken, die verschiedene Beschränkungen erfahren, wenn sie Lebensmittel zu regulären Preisen erhalten möchten. Eine Alternative bieten die sogenannten “Bachaqueros“, Straßenverkäufer, die Produkte wiederverkaufen, gewöhnlich zu einem Vielfachen, oftmals zu mehr als dem Zahnfachen des Originalpreises:

—Yo tuve que pedir los lunes libres en el trabajo porque si no es así, los muchachos no comen —me explica una mujer que espera unos metros por delante en la fila. Me cuenta que es madre de tres (todos menores de edad y cursando primeros grados de primaria) y que no puede darse el lujo de acudir a los llamados «bachaqueros». —No tengo plata [dinero] hija, no me queda otro remedio que venir para acá a esperar. ¿Qué más puede hacer uno? […] —Yo prefiero hacer mi cola. El otro día encontré café, ¡casi veinte veces el precio de verdad! —comenta— No hay forma de alimentarse en este país. Lo que sea que encuentres por tu lado, es tan costoso que tienes que venir a hacer tu cola y aceptar la limosna al gobierno. Así estamos.

„Ich musste mir die Montage frei nehmen, weil meine Kinder sonst nichts zu essen haben“, erklärt eine Frau, die ein paar Meter vor mir in der Schlange steht. Sie erzählt mir, dass sie drei Kinder hat (alle minderjährig und in der Grundschule) und sie es sich nicht leisten kann, bei den ‚Bochaqueros‘ zu kaufen. „Ich habe einfach kein Geld. Mir bleibt nichts anderes übrig als hier in der Schlange zu warten. Was soll man denn sonst tun? […] Da stehe ich lieber in der Schlange. Neulich habe ich Kaffee gefunden, er war fast zwanzig Mal teurer als normal!“, erzählt sie, „In diesem Land wird keiner satt. Alles, was man bekommt, ist so teuer, dass man gezwungen ist, hier in der Schlange zu stehen und die Almosen der Regierungen entgegenzunehmen. So weit ist es jetzt gekommen.

Die Augenzeugin berichtet außerdem von der Anwesenheit der Guardia Nacional, die anscheinend einen festen Platz in den Schlangen der Lebensmittelkäufer hat, weil das Risiko von Plünderungen immer weiter steigt:

Un grupo de cinco militares con el arma de reglamento bien visible aparecen caminando por la calle y comienzan a custodiar la cola. Uno de ellos vuelve el rostro brillante por el sudor y nos dedica una mirada dura, remota. Han transcurrido casi cuatro horas desde que llegué y todavía no estoy cerca de entrar al supermercado. Un barullo de gritos y forcejeo llena algunos espacios de la calle y una violenta impaciencia caldea el aire. Todos quieren entrar pero la mayoría está consciente que con toda seguridad, el inventario de productos no será suficiente para satisfacer a las casi centenar de personas que esperan. Siento un rápido latigazo de miedo. Recuerdo las narraciones periodísticas sobre saqueos y hechos de violencia.

Eine Gruppe von fünf Polizisten mit gut sichtbaren Dienstwaffen laufen durch die Straße und beginnen, die Schlange zu überwachen. Einer von ihnen wendet uns sein vor Schweiß glänzendes Gesicht zu und begegnet uns mit strengem, unnahbarem Blick. Seit fast vier Stunden stehe ich an und bin noch nicht in der Nähe des Supermarkteingangs. Auf der Straße kommt es an einigen Stellen zu einem Gewirr aus Schreien und Gerangel und die Ungeduld der Leute wirkt gewaltträchtig. Alle wollen in den Supermarkt, aber die meisten wissen ganz genau, dass die vorhandenen Produkte für die fast hundert wartenden Menschen nicht ausreichen werden. Plötzlich überkommt mich die Angst. Ich erinnere mich an die Medienberichte über Plünderungen und Gewalt.

Von dieser Erfahrung könnten wohl auch viele andere Venezolaner andernorts im Land berichten. Angesichts der zunehmenden Lebensmittelknappheit und vor dem Hintergrund der politischen Krise steuert Venezuela aus Sicht vieler auf ein Chaos zu. Es gibt nur wenige Antworten auf die Fragen nach der Zukunft und die Besorgnis wächst:

Was passiert nach den Plünderungen, wenn die Geschäfte leer sind?
Strafanzeigen und Raub am Eigentum der Nachbarn.

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