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Tod durch Erschießungskommando wegen eines Cartoons in der Ostukraine?

[Alle Links in diesem Artikel führen zu russischsprachigen Webseiten.]

"Mutant Vatnik," YouTube screen capture, written by Irena Karpa. Published October 10, 2014.

Youtube Screenshot des Cartoons “Mutant Vatnik” von Irena Karpa, am 10. Oktober 2014 veröffentlicht.

Hat die Kultusministerin der Rebellenregierung von Luhansk tatsächlich vor einem Lokalgericht die Exekution einer ukrainischen Schriftstellerin wegen eines im Internet erschienenen Cartoons gefordert? Oder war diese bizarre Forderung nach der Todesstrafe Teil einer aus Kiew beeinflussten Propagandakampagne, mit dem Ziel den Ruf der “Terroristen” aus dem Osten zu schädigen?

Das pro-ukrainische Internet Portal Luhansk Radar berichtete heute, dass Irina Filatova, die “Kulturministerin” der selbst ernannten Demokratischen Republik Luhansk plant, die ukrainische Musikerin und Schrifstellerin Irena Karpa für die Verspottung Filatova's in einem satirischen Cartoon zu verklagen. Angeblich soll Filatova dafür den Tod durch Erschießung, nach den “Gesetzen während Kriegs- und Krisenzeiten” sowie noch vor der Erschießung Kapkas zusätzlich 50.000 Rubel (ca. 940 EUR) als Schadensersatz für moralische Schäden und Alpträume fordern.

Das Portal Luhansk Radar beruft sich dabei auf seine anonymen Kontakte innerhalb des ukrainischen Justizsystems und veröffentlichte sogar Scans von Filatova's angeblicher Klageschrift im Prozess gegen Karpa.

Der hauptsächliche Stein des Anstoßes für die “Ministerin” dürfte eine bestimmte Darstellung im Cartoon sein, welche sie nackt mit einer Flasche Champagner karikaturiert. Diese Bilder sollen eine Anspielung auf die nicht sehr vorteilhaften Fotos von Filatova sein, welche sich auf ihrer Vkontakte Seite im Mai dieses Jahres fanden, zu etwa derselben Zeit als auch erste Gerüchte über ihre Ernennung zur Ministerin auftauchten.

Fragment of Filatova's alleged complaint, demonstrating her photo and the cartoon likeness. Screenshot from Lugansk Radar.

Auszüge aus Filatova's angeblicher Klageschrift, welche die besagten Fotos und Ausschnitte aus dem Cartoon gegenüberstellen um ihre Ähnlichkeit zu demonstrieren. Screenshot von Luhansk Radar.

Die Pressestelle der selbsternannten Demokratischen Republik Luhansk teilte jedoch über Slon.ru mit, dass Irina Filatova niemals zur Kultusministerin der Republik ernannt wurde und rief dabei in Erinnerung, dass die Gerüchte über die angebliche Ernennung Filatova's zu Kiew-freundlichen Medien zurückverfolgt werden können. Tatsächlich hält eine Frau namens Lesya Lapteva zur Zeit den Posten der Ministerin für Bildung, Wissensschaft, Kultur und Religion.

Der Cartoon, welchen Filatova so tödlich beleidigend gefunden haben soll, ist Teil eines zu Beginn diesen Monats initiierten Projekts von Irena Karpa und Prodrobnosti.ua. “Mutant Vatnik” zielt auf die Lächerlichmachung von sogenannten “vatniki” ab, eine abwertende Bezeichnung für pro-russische Ukrainer in Führungspositionen. Die zweite Folge (über welche nun diskutiert wird) macht sich über ostukrainische, weibliche “vatniki” lustig, wie zum Beispiel die ehemalige Bürgermeisterin von Sloviansk, Nelya Shtepa.

Karpa jedoch sagt, sie sei über Filatova's Klage nicht allzu besorgt, auch wenn die Gerüchte darum wahr sein sollten. Tatsächlich ist eine neue Episode von “Mutant Vatniki” bereits in Produktion. Sie versichert, dass diese Art von beleidigenden Angriffen gegen prominente Aufständische im Sand verlaufen würden.

Журналисты и мои друзья, по-моему, испугались больше, чем я. А мне смешно, что мои мультяшные герои оказались более реальными, чем я планировала. Но это уже предъява не мне, а художнику: мы не называли никаких фамилий, но портретное сходство сделало свое дело.

Ich glaube, Journalisten und Freunde waren verängstigter als ich selbst. Ich finde es vor allem witzig, dass die Cartoon Charaktere realitätsnaher zu sein scheinen als ich geplant hatte. Dies verdanke ich jedoch dem Animateur. Wir nennen keine Namen, also muss es die Ähnlichkeit (zu Filatova) gewesen sein, welche die ganze Sache ins Rollen brachte.

Das von Rebellen kontrollierte Luhansk ist Nährboden solch komisch anmutender Geschichten wie jene über Filatova und Karpa. Ein ständiger Wechsel im Ministerkabinett ist genauso ein alltägliches Bild wie die Verabschiedung von empörten Anordnungen zum Verbot diverser Dinge (seit Neuestem auch gleichgeschlechtlicher Sex.) Erst vor Kurzem verbreitete sich ebenfalls online das Gerücht dass Luhansk einen lokal bekannten Musiker zum Kulturminister ernannte (der Mann verneinte dies später).

Kurz gesagt avanciert die Demokratische Republik Luhansk zu einem Zirkus. Inmitten des Chaos der Stadt und mit jeder neuen seltsamen Geschichte muss sich die außenstehende Welt fragen “ist dies die Einmischung einer Hand voll Rebellen oder war dies ein brillianter Propaganda Schachzug aus Kiew?”

Was auch immer die Wahrheit hinter der Geschichte um “Mutant Vatnik” sein mag, stellt sich doch wieder heraus, dass Humor und Satire auch in der heutigen Ostukraine wichtige Waffen sind.

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