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Spanien: Umstrittener Schwiegersohn des Königs erneuert Millionenvertrag mit Telefónica

Dieser Bericht ist Teil unseres Dossiers Europa in der Krise.

[Alle Links führen zu spanischsprachigen Webseiten.]

Diese Woche erschien die Nachricht in der Presse, dass Iñaki Urdangarín, Herzog von Palma, Ehemann von Prinzessin Cristina und folglich Schwiegersohn des Königs von Spanien, seinen Vertrag mit dem Telekommunikationsunternehmen Telefónica erneuerte. Die Information, die in der spanischen Tageszeitung El Mundo erschien, enthüllt, dass Urdangarín laut neuem Vertrag in diesem Jahr 1,5 Millionen Euro verdienen wird und zusätzlich 1,2 Millionen Euro an Sachleistungen erhält. Die Abfindung im Falle einer Kündigung beträgt 4,5 Millionen Euro.

Die Nachricht hat unter den Bürgern und Bürgerinnen für große Unruhe gesorgt, vor allem da sie nur wenige Tage nach der Ankündigung der gravierendsten Budgeteinsparungen, die dieses Land in der jüngsten Geschichte gesehen hat, bekannt gegeben wurde. Die spanische Bevölkerung muss sich schon lange Berichte über Gehälter und Abfertigungen in Millionenhöhe von Vorständen und Managern der großen Unternehmen und Banken anhören, die so mit der Krise viel entspannter umgehen können als die Durchschnittsbürger.

Gehälter und Abfindungen von Managern geretteter Banken, Bild von maestroviejo.wordpress.com

In diesem Fall muss dem skandalösen Gehalt hinzugefügt werden, dass Iñaki Urdangarín wegen diverser Delikte unter Beobachtung steht, die er unter dem Deckmantel des Instituts Nóos begangen haben soll. Dabei handelt es sich um eine angeblich gemeinnützige Einrichtung, die vermutlich als Tarnung diente, um sich in einem Verschwörungsakt illegal öffentliche Gelder anzueignen. Der Herzog von Palma ist wegen Rechtsbeugung, Fälschung, Veruntreuung, Betrug und Geldwäsche angeklagt, wofür er bis zu 18 Jahre hinter Gittern gehen könnte. Mit ihm sind weitere Führungskräfte von Nóos und einige ihrer Ehegattinnen beschuldigt, wobei der Richter bis jetzt ein Verfahren gegen Prinzessin Cristina ablehnte, um “eine Person nicht grundlos an den Pranger zu stellen, denn das gehört sich nicht.”

Die sozialen Medien verbreiteten die Nachricht über die Vertragserneuerung Urdangaríns bei Teléfonica sofort, was zu einem Trending Topic auf Twitter wurde. Einige nahmen sie mit Humor, so wie die User @LargoJavariega und @eraser:

@LargoJavariega: En el país de los móviles, Urdangarin es el fijo.

@LargoJavariega: Im Land der Handys ist Urdangarín das Festnetz.

@eraser: HOLLANDE [Presidente de Francia] ten compasión d pueblo gorfante INVADENOS!! desde las + altas cotas dla miseria hastas las cimas dla #monarquia #Urdangarin #15M

@eraser: HOLLANDE [französischer Präsident], habe Mitleid mit dem Volk GREIF UNS AN! Von den Tiefen der Miserie zu den Gipfeln der #monarquia #Urdangarin #15M

Das [falsche] Doodle, das Urdangarín von Google gewidmet wurde. Bild der Facebook-Seite “Seine Exzellenz Don Iñaki Urdangarín, größter Betrüger des Königreichs”

Aber der Großteil der Kommentare spiegelt die Machtlosigkeit wider, die Spanier angesichts solchen Missbrauchs fühlen. Julia Romero kommentiert auf Facebook: Seine Exzellenz Don Iñaki Urdangarín, größter Betrüger des Königreichs:

k fuerte…. pero trankilos… k no va a pasar absolutamente nada… si alguien tiene k pagar algo…. somos nosotros… k ellos roben k ya nos recortan a nosotros!!! verguenza de pais y verguenza de todo!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Ein starkes Stück…aber seid beruhigt, es wird absolut nichts passieren…wenn jemand dafür bezahlen muss, sind das wir…sie stehlen das, was uns gekürzt wurde! Schande über dieses Land, Schande über alles!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Cagonto Pormil Porcien sagt in einer Nachricht von El Mundo:

¿Urdangarín en Telefónica? Pues lo mismo que Zaplana como delegado de relaciones institucionales para Europa en Telefónica. ¡ Y sin tan siquiera hablar inglés ! O sea, que Telefónica es un cementerio de impresentables y delincuentes. Menos mal que ya no trabajo para ellos, porque estaría cien veces más indignado.

Urdangarín bei Telefónica? Naja, das gleiche wie Zaplana [spanischer Politiker] als Abgeordneter für institutionelle Beziehungen in Europa bei Telefónica. Und er spricht nicht einmal Englisch! Das heißt, Telefónica ist ein Friedhof für nicht vorzeigbare und verbrecherische Menschen. Zum Glück arbeite ich nicht mehr für sie, sonst würde mich das hundertmal mehr aufregen.

Nun verliert Telefónica seit einigen Monaten Kunden. Nutzer von ADSL und Mobil- und Festnetztelefonen verlassen das Unternehmen systematisch und viele Internetuser haben die Absicht geäußert, sich ebenfalls von Telefónica zu trennen. Wie Beatriz Rico (@bearicoactriz) lehnen sie Urdangaríns Millionengehalt ab:

@bearicoactriz: Si Telefònica renueva a Urdangarín por 1,5 millones d euros,no quiero q mi factura d teléfonía contribuya a ese sueldo;cambio d compañía.

@bearicoactriz: Wenn Telefónica den Vertrag über 1,5 Millionen mit Urdangarín erneuert, werde ich den Anbieter wechseln. Ich will nicht, dass meine Rechnung bei Telefónica zu seinem Gehalt beiträgt.

Währenddessen bestätigen andere, dass sie sich bereits abgemeldet haben und rufen die Leser auf, das gleiche zu tun. David Barba (@SmartPowerUp) ist einer von ihnen:

@SmartPowerUp: Vete de Telefónica. Mira lo que hacen con el dinero. CORROMPIDA LA VIDA ES MAS #Urdangarin #Vomistar http://pic.twitter.com/hNC23BVG

@SmartPowerUp Verabschiede dich von Telefónica. Sieh dir an, was sie mit dem Geld machen. KORRUPT HAT MAN MEHR VOM LEBEN [angelehnt an den Telefónica Slogan der übersetzt bedeutet: Gemeinsam hat man mehr vom Leben] #Urdangarin #Vomistar http://pic.twitter.com/hNC23BVG

Telefónica hat seinerseits die Entscheidung, den Vertrag zu verlängern damit begründet, Urdangarín nicht “vorschnell zu verurteilen”. Aufgrund “des Schadens, den der Fall Urdangarín für das Unternehmen bedeutet”, haben aber mehrere Mitglieder des Vorstandsrates ihre Ablehnung kundgetan.

Es bleibt hinzuzufügen, dass Telefónica ein ERE (Verfahren zur Regulierung von Arbeitsplätzen) durchführt, durch das man hofft, bis 2013 6.500 Arbeiter entlassen zu können und im Jahr 2012 250 Millionen Euro zu sparen. Damit ist der Bogen in der ohnehin bedrückenden wirtschaftlichen Lage Spaniens überspannt.

Dieser Bericht ist Teil unseres Dossiers Europa in der Krise.

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