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Peru empört über Mord an 22-Jähriger: “Das ist kein Schicksal. Das ist Machismo”

Eyvi Ágreda. In den sozialen Netzwerken weit verbreitetes Bild.

Sofern nicht anders angegeben, leiten die Links in diesem Artikel auf spanischsprachige Webseiten weiter.

In kurzer Zeit war Eyvi Liset Ágreda Marchena, 22 Jahre alt, auf den Titelseiten von Perus Medien zu sehen. Das erste Mal am 24. April 2018, als sich herausstellte, dass ein Mann sie mit Sprit besprüht und angezündet hatte, als sie mit dem Bus von der Arbeit heimkehrte. Danach am 1. Juni als sie aufgrund der schweren Verbrennungen von 60% ihres Körpers starb.

Der letzte Fall von Frauentötung schockierte Peru und verdeutlicht ein ernstes Problem, von dem das Land weiterhin betroffen ist.

Der Angreifer, Carlos Javier Hualpa Vacas, war ein ehemaliger Kollege von Ágreda und soll sie wochenlang belästigt haben. Nachdem Hualpa seine Beteiligung zunächst geleugnet hatte, gestand er schließlich den Angriff, der zu Ágredas Tod führte.

In seinen Aussagen bestätigte Hualpa, dass er sie mit Benzin besprüht und angezündet hatte, “weil er sich von Ágreda benutzt fühlte”. Er behauptete, dass Ágreda eine Lektion lernen musste, weil sie ihm Geld schuldete:

Como no me pagaba, entonces sentí que me había utilizado. […] no dormía, me ponía a llorar. Ella era muy feliz, haciendo su vida normal y yo fregado, discutía con mi mamá. […] alguien tenía que ponerle un alto […].

Realmente, yo no tenía las intenciones de dañar a nadie. Yo solamente quería dañarle su cara, porque ella siempre decía que su cara era bonita.

Als sie mich nicht bezahlte, fühlte ich, dass sie mich benutzte.[…] Ich habe nicht geschlafen, ich habe viel geweint. Sie war sehr glücklich, sie lebte ihr normales Leben und ich saß in der Scheiße und stritt mit meiner Mutter. […] Jemand musste sie stoppen […].

Ich wollte wirklich niemanden verletzen. Ich wollte nur ihr Gesicht erreichen, weil sie immer sagte, sie hätte ein hübsches Gesicht.

Hualpa behauptete, dass er das Benzin nur auf ihr Gesicht sprühen wollte, aber der Bus begann sich zu bewegen und das Benzin verbreitete sich über ihren ganzen Körper. Auch andere Insassen wurden bei dem Angriff getroffen.

Am 27. April wurde Hualpa wegen des Versuchs der Frauentötung, der Zufügung von schweren Verletzungen von sieben Businsassen und dem Verstoß gegen die öffentliche Sicherheit zu neun Monaten Untersuchungshaft verurteilt.Während der Anhörung zeigte Hualpa Anzeichen von Reue:

Si je suis condamné à 20, 30 ans, je vais l'accepter […] Je le mérite.

Wenn ich zu 20, 30 Jahren verurteilt werde, werde ich es akzeptieren […] Ich verdiene es.

Während dieser Zeit wurde das Opfer mehreren chirurgischen Eingriffen unterzogen, um das nekrotische Gewebe zu entfernen und Schweinegewebe zu transplantieren. Ágreda wurde in einen Dämmerschlaf versetzt, künstlich beatmet und medikamentös behandelt, um sie vor den Schmerzen ihrer Verletzungen zu schützen. Am 17. Mai soll sie wieder zu sich gekommen sein und mit ihren Verwandten gesprochen und sie gefragt haben, ob sie nach Hause zurückkehren könne. Insgesamt soll sie in etwas mehr als einem Monat 12 Operationen durchlaufen haben.

“Für Eyvi, für uns alle.”

Am 1. Juni erschütterte die Nachricht von Ágredas Tod das Land. Die Gruppe “Ni una menos” (Nicht eine weniger) organisierte sofort eine Demonstration am gleichen Nachmittag:

Eine von uns fehlt.
Für Eyvi, für alle

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“Wir versammeln uns für Eyvi, für uns alle. Wir werden auf die Straße gehen, um gegen ein sexistisches System zu protestieren, das uns entmenschlicht, DAS UNS TÖTET. Denn wenn EINE VON UNS FEHLT, gehen wir alle auf die Straße. MAHNWACHE HEUTE AM GERICHTSHOF – 19:00 UHR.

Auf Twitter waren die Hashtags #EyviAgreda, #PorEyviPorTodas [für Eyvi, für alle] und der bereits weit verbreitete #NiUnaMenos [nicht eine weniger] Trendthemen und es gab eine Resonanz der allgemeinen Empörung:

Das ist ist es nicht, was das Leben für uns bereithält. Das ist Machismo.
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Das ist es nicht, “was das Leben für uns bereithält”, das ist Machismo. Das Graffiti ist heute in Lima als Reaktion auf Präsident Martin Vizcarra, der den Tod von Eyvi Ágreda, 23 Jahre [sic], dem Schicksal und nicht dem Sexismus zuschrieb, verursacht durch einen Kerl, der sie zwei Jahre lang belästigte und der ihr schwere Verbrennungen zufügte.

Dieses Graffiti bezieht sich auf die Bemerkungen von Präsident Martin Vizcarra zum Tod von Ágreda. Für ihn ist es “manchmal das, was das Leben für uns bereithält“. Vizcarra, der für seine Aussage scharf kritisiert wurde, erklärte anschließend, dass er nicht über den Angriff sprach, sondern eine Bemerkung machte, dass es das Schicksal gewesen sei, das den Ärzten nicht erlaubt habe, ihr Leben zu retten.

Ich bin 22 Jahre alt. Am 24. April hat mich Carlos Hualpa – der NEIN nicht als Antwort akzeptierte – mit Benzin übergossen und den Bus angezündet. Mit über 50% meines verbrannten Körpers habe ich gekämpft. Ich sage das, weil Eyvi Ágreda es nicht mehr kann. Machismo tötet.

Sogar Hualpas Anwalt hatte sehr harte Worte für seinen Mandanten:

Mario Arribas sagte, er werde Carlos Hualpa weiterhin verteidigen, aber “nur um das Recht auf Leben seines Mandanten zu schützen.” Was halten Sie davon?
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Der Anwalt von Carlos Hualpa, Eyvi Agredas Mörder: “Möge er im Gefängnis verrotten!” Was halten Sie davon?

Frauenmord und sexistische Gewalt sind ernste Probleme in der peruanischen Gesellschaft. Die Studie über Familienentwicklung und Gesundheit (ENDES 2017) kam zu dem Schluss, dass sechs von zehn peruanischen Frauen zugeben, Opfer von Gewalt durch ihren Partner oder Ehepartner geworden zu sein. Obwohl die Gewalt gegen Frauen in den letzten fünf Jahren von 71,5 Prozent auf 65,4 Prozent zurückgegangen ist, bleiben die Zahlen alarmierend. Allein in den ersten vier Monaten des Jahres 2018 wurden in Peru mehr als 40 Fälle von Frauentötungen gemeldet, was einem Anstieg von 26 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum im Jahr 2017 entspricht.

 

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