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Eine Werbeanzeige der malaysischen Regierung verwendet „bellenden Hahn“ zur Feier des chinesischen Jahres des Hundes

Die malaysische Regierung begrüßt das chinesische Jahr des Hundes mit einer Werbeanzeige, auf der ein bellender Hahn zu sehen ist. Bild von der Facebook-Seite des Ministeriums für Binnenhandel, Genossen-schaften und Verbraucherschutz in Malaysia.

Das Ministerium für Binnenhandel, Genossenschaften und Verbraucherschutz (KPDNKK) in Malaysia hat sich für ein Bild mit einem bellenden Hahn in einer Werbungsanzeige entschuldigt, dass verwendet wurde, um den Chinesen ein erfolgreiches Jahr des Hundes zu wünschen.

Die Bevölkerung von Malaysia ist mehrheitlich muslimisch, die gleichzeitig die soziale Harmonie zwischen den verschiedenen Rassen und Religionen fördert. In den vergangenen Jahren haben jedoch unnachgiebige muslimische Führer in Malaysia immer wieder versucht, islamische Lehren in der Staatsführung durchzusetzen.

Einige glauben, dass die Verwendung des bellenden Hahns in der Werbeanzeige zur Begrüßung des chinesischen Mond-Neujahres dazu dienen soll, die Beledigung von Muslimen zu vermeiden, die den Hund als ein unreines Tier betrachten. Tatsächlich haben viele Einkaufszentren beschlossen, Dekorationen für das Mond-Neujahr zu vermeiden, um Muslime nicht zu beleidigen.

Die Anzeige wird von einigen als Spiegelbild des kulturellen Konflikts zwischen Muslimen und der chinesischen Minderheit gesehen. Die Oppositionspartei Democratic Action Party (DAP) kritisierte die Anzeige, denn sie diene zur Schürfung der Spaltung und Untergrabung des Multikulturalismus innerhalb der Gesellschaft.

Das Ministerium entschuldigte sich millionenfach [ein chinesischer Ausdruck von tiefem Bedauern] und teilte mit, es handele sich um einen „technischen Fehler“ ohne weitere Erklärung. Dennoch akzeptierte die Mehrheit der Netizens [Bezeichnung für „Bewohner“ des Internets] die Erklärung nicht. So wurde in einem Kommentar geschrieben:

This department needs to be more cultured or exposed to the understanding of other cultures. This is really embarrassing and reflects the ignorance of your department. A barking rooster? Seriously? What planet does KPDNKK live on???

Dieses Ministerium muss kultiviert bzw. dem Verständnis anderer Kulturen ausgesetzt werden. Das ist echt peinlich und reflektiert nur die Ignoranz unseres Ministeriums. Ein bellender Hahn? Ernsthaft? Auf welchem Planeten lebt denn das KPDNKK???

Mariam Mokhtar, Kolumnistin beim unabhängigen Nachrichtenmagazin Free Malaysia Today, gab die Stimmung vieler Beobachter wieder:

Our institutions are either gripped by a tide of Islamic conservatism, or are paralysed by supervisors who are lazy, and do not believe in proofreading.

Unsere Institutionen wurden entweder von einer Flut islamischem Konservatismus gepackt oder von den Aufsichtsbehörden lahmgelegt, die faul sind und nicht an das Korrekturlesen glauben.

Inzwischen glauben einige chinesische Netizen, dass der „bellende Hahn“ eine Verhöhnung des derzeitigen Premierministers Najib Razak ist, der den Spitznamen „dieser Hahn“ trug, da die Aussprache von Najib ähnlich wie Putonghua „Na-Ji“ klingt (那雞). Die bekannte Video-Bloggerin „So I'm Jenn“ sprach daher in ihrem Neujahrsgruß über die Symbolik des „bellenden Hahnes”.

Dies ist nicht das erste Mal, dass Hunde in Malaysia kontrovers diskutiert werden. 2016 empfahl die malaysisch-islamische Entwicklungsabteilung (Jakim) einer Brezelkette, ihren „Brezelhund“ in „Brezelwurst“ umzubenennen. Im Oktober 2014 organisierte ein junger muslimischer Aktivist namens Syed Azmi Alhabshi ein „I Want to Touch a Dog“-Event, um das muslimische Tabu herauszufordern und erhielt somit letzten Endes Morddrohungen. Er musste sich dafür entschuldigen.

Das von Chinesen bevölkerte Malaysia macht ungefähr ein Viertel der Landesbevölkerung aus. Da das Jahr des Hundes durch das Jahr des Schweins abgelöst wird, ist es sehr wahrscheinlich, dass der kulturelle Konflikt um das chinesische Mond-Neujahr im nächsten Jahr schwer zu vermeiden sein wird. Doch hoffentlich haben die malaysischen Behörden bereits ihre Lektion gelernt und wissen nun, wie wichtig es ist, den Multikulturalismus aufrechtzuerhalten.

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