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Portugiesen fordern Gerechtigkeit für die Opfer der Brände von 2017

In vielen portugiesischen Städten fanden am 21. Oktober Proteste für bessere Präventivmaßnahmen gegen Waldbrände statt. Foto: Bildschirmaufnahme, Beira Alta TV (YouTube)

Mehrere hundert Menschen protestierten am 21. Oktober in vielen Bezirkshauptstädten in Portugal und forderten Gerechtigkeit für die Opfer der Brände, die in der Woche davor im Norden von Portugal grassierten.

Zweiundvierzig Personen starben und etwa 70 wurden infolge der Waldbrände vom 15. und 16. Oktober verletzt. Dies führte dazu, dass die Regierung letzte Woche aus Solidarität mit den Opfern für 3 Tage eine Staatstrauer ausrief.

Brände wurden auch in der Region Galizien in Spanien registriert, wo es 4 Tote gab.

Man schätzt, dass es mehr als 500 Feuerausbrüche gab, die sich in den nördlichen und zentral gelegenen Regionen des Landes ausbreiteten und etwa 250 Millionen Hektar Wald und zahlreiche Dörfer erreichten.

Aufgrund der Waldbrände gab es 2017 bereits 64 Todesfälle in Portugal. Foto: Bildschirmaufnahme von Despertar da Consciência Cósmica (YouTube)

Im Juni ereignete sich in Pedrógão Grande eine ähnliche Tragödie, wo es durch die Brände 64 Todesfälle und mehr als 200 Verletzte gab.

Laut dem europäischen Forstüberwachungssystem, das die Waldflächen per Satellitenaufnahmen überwacht, sind allein 2017 in Portugal etwa 500.000 Hektar Wald verbrannt – eine Fläche von der Größe des Bezirks Lissabon.

Damit ihr euch ein besseres Bild vom Ernst der Lage machen könnt: Es gibt nur in 4 Bezirken kein Feuer. Ganz Portugal brennt im wahrsten Sinne des Wortes #PrayForPortugal

— nata 💔 (@a_ataner) 15. Oktober, 2017

Einige von Twitter-Nutzern geteilte Bilder:

Das ist Braga heute Nacht.#PrayForPortugal #Braga #FogosPT

Zahlreiche Videos verbreiten sich im Netz und zeigen Bilder, die bessere Einblicke in das Geschehene erlauben:

Die absehbare Tragödie

Das Ziel der Proteste vom Samstag war die Forderung nach besseren Präventiv- und Brandbekämpfungsmaßnahmen durch den Staat.

Die Menschen fragten sich, warum der Zivilschutz nicht in der Lage war, das Ausmaß der Tragödie so weit wie möglich einzudämmen

João Soveral vom Bund der Landwirte von Portugal erklärte der Zeitung Público:

Depois de Pedrógão fechavam estradas e evacuavam aldeias por tudo e por nada, neste domingo não fizeram isso em lado nenhum, houve dezenas de relatos de estradas abertas rodeadas pelo fogo, na mata de Leiria podia ter ocorrido uma tragédia semelhante à de Junho porque só se cortaram estradas muito tarde.”

Nach Pedrógão wurden Straßen und Dörfer für alles und nichts evakuiert. Diesen Sonntag taten sie dies nirgendwo: Es gibt dutzendfach Berichte von offenen Straßen, die von Feuer umschlossen waren. Im Wald von Leiria hätte eine ähnliche Tragödie wie im Juni wieder passieren können, da die Straßen sehr spät gesperrt wurden.”

Des Weiteren werden Baugenehmigungen in Örtlichkeiten mit hohem Brandrisiko hinterfragt. Ein weitreichender Vorschlag zur Waldreform, den die Regierung nach schwerwiegenden Bränden in den Jahren 2003 und 2005 eingebracht hatte, wurde von den Kommunen beanstandet, die die neuen Regeln als Hindernis für Investitionen sahen.

“O Governo introduziu uma flexibilização na lei que autorizava casuisticamente construções caso o proponente tivesse meios de autoprotecção – era uma porta aberta para que tudo pudesse ser construído”, completa João Sorval, na mesma matéria do Público.

“Die Regierung führte eine Lockerung des Gesetzes ein, welches die Bautätigkeit von Fall zu Fall erlaubte, wenn der Antragsteller über Mittel zum Selbstschutz verfügte – das war eine offene Hintertür, sodass alles gebaut werden konnte”, führt João Sorval im selben Artikel der Zeitung Público weiter aus.

Die Umweltorganisation Quercus machte darauf aufmerksam, dass große Flächen mit Eukalyptus, Bäume aus leicht brennbarem Holz, sich, wie in einem Teufelskreis, nach Bränden dieser Art immer weiter ausbreiten.

Zu diesen Problemen kommt hinzu, dass die Webseite des Zivilschutzes von Portugal am 15. und 16. Oktober, als Einwohner Informationen suchten oder versuchten, Angehörige zu kontaktieren, offline war.

Es war eine Privatinitiative, die die Bevölkerung mit Informationen versorgte: Sie nutzte die eigenen Zivilschutzdaten mithilfe der Applikation fogos.pt und informierte die Bevölkerung in Echtzeit über den Standort und die Ausbreitung der Brände.

Das Projekt wurde 2015 durch den Entwickler João Pina ins Leben gerufen, um die Arbeit der Feuerwehr zu vereinfachen und wurde an diesem schicksalhaften Wochenende im Oktober so ausschlaggebend, dass die Server dem Ansturm der 400.000 Nutzer, die die Brände verfolgten, nicht standhielten: Dabei zählte die Webseite mehr als eine halbe Million Zugriffe.

Sogar der Gründer bat um Hilfe:

KANN MIR JEMAND MEHR KEYS VON GOOGLE MAPS JAVASCRIPT API BESORGEN?

— Tomahock (@tomahock) 16. Oktober 2017

Sogar Google leistete schlussendlich einen Beitrag, um der Seite zu helfen,  weiter zu funktionieren.

Kontingent durch @google erhöht: 1 Million. Wir werden sehen, wie lange es reicht!

— Tomahock (@tomahock) 16. Oktober 2017

Auch den Feuerwehrleuten, die bis zur Erschöpfung im Kampf gegen die Flammen arbeiteten, wurde viel Anerkennung zugesprochen.

Die Feuerwehrleute sind unsere Helden! Sehr stolz ❤️🔝#PrayForPortugal #FogosPT pic.twitter.com/uTleZ230jB

— ⭐ Alexandre 1904 ⭐ (@RapazSemNome92) 16. Oktober 2017

Unmöglich gleichgültig zu bleiben angesichts einer solchen Tragödie. Solidarität mit den Angehörigen und Freunden der Opfer. Meine volle Unterstützung gilt den Feuerwehrleuten, die ihr Leben riskieren, um bestmöglich zu helfen.🙏🏽🇵🇹🇪🇸 pic.twitter.com/VO8Tjx0jHG

— Cristiano Ronaldo (@Cristiano) 16. Oktober 2017

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