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In Mexiko erscheint die erste Tageszeitung in der Maya-Sprache

Imagen de la edición de La Jornada Maya publicada en Twitter por @YUCATANALMINUTO.

Foto der maya-sprachigen Ausgabe der mexikansichen Tageszeitung La Jornada . Veröffentlicht auf Twitter @YUCATANALMINUTO.

La Jornada, eine der führenden Tageszeitungen in Mexiko, gibt seit kurzem auch eine Ausgabe mit Inhalten in der Maya-Sprache heraus. Die Zeitung wird täglich in Mérida, der Hauptstadt des Bundesstaates Yucatán im Südosten Mexikos, erscheinen.

Nach Angaben des Nationalen Instituts für Statistik und Geographie ist die Maya-Sprache mit etwa 800.000 Sprechern die am zweithäufigsten gesprochene indigene Sprache nach Nahuatl. Heute leben die meisten Sprecher der Maya-Sprache in den mexikanischen Bundesstaaten YucatánCampecheQuintana RooTabasco und Chiapas.

Nach Aussagen der mexikanischen Statistikbehörde sprechen in Mexiko etwa 6,6 Millionen Menschen eine indigene Sprache. Das entsprach im Jahr 2010 einem Anteil von 6,5% der mexikanischen Bevölkerung – ein Rückgang seit 1930, wo dieser Anteil noch bei 16% lag.

Die Maya-Sprache wird auch in anderen Ländern in Mittelamerika wie zum Beispiel in Belize und Guatemala gesprochen. Sie ist ein wichtiger Teil des kulturellen Erbes der Maya, das berühmt für seinen literarischen und architektonischen Reichtum ist und Stätten wie Tikal in Guatemala and Chichén Itzá in Mexiko hervorbrachte.

La Jornada kommentierte die neue Ausgabe in der Maya-Sprache so:

Con dos plataformas, una digital y otra de papel, la franquicia más reciente del periódico nacional La Jornada se publica con la intención de responder a las necesidades informativas de la sociedad yucateca, cambiante, diversa y culta, con todas las herramientas del periodismo.

Echamos mano de la noticia que no se conforma con la versión oficial, sino en presentar todos los ángulos de los hechos; la perspectiva editorial insistirá en dar voz a movimientos y actores sociales; la vocación del periodismo crítico; la crónica que narra hechos sin perder capacidad del asombro; el reportaje que profundiza y cuestiona; la entrevista que indaga y sostiene diálogos inteligentes y amenos con los actores políticos, sociales y culturales; el editorial, el artículo y la columna rigurosos e independientes.

Mit zwei Plattformen – einer digitalen Ausgabe und einer Printausgabe – möchte der neueste Ableger der Tageszeitung La Jornada die Mittel des Journalismus einsetzen, um dem Bedürfnis nach Information der vielfältigen, dynamischen und gebildeten Gesellschaft in Yucatán gerecht zu werden.

Wir veröffentlichen nicht nur die offiziellen Nachrichten, sondern präsentieren Geschichten aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Diese Zeitung möchte auch sozialen Bewegungen und Aktivisten eine Stimme geben – eine Plattform für kritischen Journalismus, für unerwartete Geschichten, für tiefgreifende und aufrüttelnde Berichte, für Interviews, die in die Tiefe gehen und intelligente und unterhaltsame Gespräche mit Akteuren aus Politik, Gesellschaft und Kultur abbilden, ein unabhängiger Verlag, unabhängige Artikel und Kolumnen.

Die Webseite Chilam Balam stellte die Idee zu einer Tageszeitung in der Maya-Sprache in Frage:

Un periódico diario editado en lengua maya y en español, destinado a toda la Península de Yucatán… ¿Es esto en verdad posible? En un contexto donde la cultura maya se ha usado sólo para “vender” turismo, en un contexto social donde la gente la han avergonzado de declararse maya y las instituciones educativas menosprecian nuestra cultura y especialmente nuestro idioma ¿es esto en verdad posible?

Eine Tageszeitung in der Maya-Sprache und in Spanisch für die gesamte Halbinsel Yucatán – ist das wirklich möglich? In einer Situation, in der die Maya-Kultur eher dazu dient, Touristen anzulocken, in der Menschen sich schämen, sich als Maya zu bezeichnen und in der Bildungseinrichtungen auf unsere Kultur und vor allem auf unsere Sprache herabsehen – ist so eine Initiatve in diesem Kontext überhaupt möglich?

Der Linguist Enrique Martín Briceño betonte hingegen die Bedeutung einer Publikation in der Maya-Sprache:

Todavía hoy son muchos los que ignoran que el maya yucateco es un idioma –como el español, el náhuatl, el inglés y el chino– y que lo hablan más de 800 mil personas en Yucatán, Campeche y Quintana Roo. Muchos son también los que no saben que el maya peninsular es la lengua indígena mexicana con el mayor número de hablantes y que cuenta con una importante literatura colonial y una floreciente literatura contemporánea (el Premio Nezahualcóyotl de Literatura en Lenguas Mexicanas 2014 lo obtuvo la narradora maya Sol Ceh Moo).

Es gibt heutzutage immer noch viele, die gar nicht wissen, dass die auf der Halbinsel Yucatán gesprochene Maya-Sprache genauso eine eigene Sprache ist wie Spanisch, Nahuatl, Englisch und Chinesisch und dass mehr als 800.000 Menschen in Yucatán, Campeche und Quintana Roo diese Sprache sprechen. Viele Menschen wissen auch nicht, dass die auf der Halbinsel Yucatán verbreitete Maya-Sprache die indigene Sprache ist, die in Mexiko die meisten Sprecher hat und die ein wichtiges literarisches Erbe aus der Kolonialzeit darstellt und auch heute eine blühende Literaturszene hat (die in der Maya-Sprache schreibende Autorin Sol Ceh Moo gewann 2014 den Nezahualcoyotl Preis für Literatur in mexikanischer Sprache).

Er fügte hinzu:

Así pues, en una región donde la lengua maya tiene tal número de hablantes –no se trata de una lengua minoritaria, sino de una lengua minorizada–, en una zona donde la cultura indígena tiene tal vitalidad –y no solo en el medio rural: Mérida y Cancún son en gran medida mayas–, la presencia del idioma y la cultura originarios no puede reducirse al ámbito familiar y a los contados espacios públicos que hasta ahora se les han otorgado.

In einem Gebiet mit so vielen Sprechern, kann man bei der Maya-Sprache nicht von einer Minderheitensprache sprechen, sondern von einer an den Rand gedrängten Sprache. In einem Gebiet, in dem eine indigene Sprache nicht nur in ländlichen Regionen so lebendig ist – in Mérida und Cancún wird größtenteils die Maya-Sprache gesprochen – kann man die ursprüngliche Kultur und Sprache nicht mehr nur wie bisher auf ein familiäres Umfeld und einige wenige öffentliche Orte beschränken.

Der Twitter-Nutzer Martin del Mar begrüßte die Veröffentlichung der Tageszeitung:

Die beste mexikanische Tageszeitung kommt auf die Halbinsel Yucatán: Ab heute wird La Jornada Maya in Mérida veröffentlicht. Glückwunsch!

Chakz Armanda kündigte an, dass er für die Zeitung schreiben werde:

La Jornada Maya kommt nach Yucatán und ich werde regelmäßig dafür schreiben. Holt euch jetzt euer kostenloses Exemplar!…

Die nationale Ausgabe von La Jornada ist eine regierungskritische Boulevardzeitung, die eher auf der Seite der „linken” Parteien wie zum Beispiel der Partei der demokratischen Revolution, und der neugegründeten Bewegung Movimiento de Regeneración Nacional steht. Die Zeitung Clarín (Chile) und die BBC (Großbritannien) arbeiten auf nationaler Ebene mit der Zeitung zusammen.

Im nächsten Schritt soll La Jornada Maya auch in den Bundesstaaten Quintana Roo und Campeche im Südosten Mexikos erscheinen. Wenn dieser Versuch Früchte trägt, wird dies eine der interessantesten Initiativen für die Erhaltung und Verbreitung der amerindischen Sprachen sein, die andernfalls Gefahr gelaufen wären, in Vergessenheit zu geraten oder gar auszusterben.

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