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Netzbürger halten offizielle Erklärungen für die toten Fische Tianjins für so wahrscheinlich wie deren Ertrinken

Fishes die for many reason: suicide, homicide, suffocating, drowning. Cartoon drawn by DSX circulated on Weibo.

Eine Sammlung von Grabsteinen für die Fische listet deren Todesursachen: Mord, Selbstmord, Ersticken, Ertrinken – und Wutausbrüche. Cartoon gezeichnet von DSX, geteilt via Weibo.

Eine Woche nach den verheerenden Explosionen in einem Chemielabor in chinesischen Tianjin, die mindestens 116 Menschen das Leben gekostet hatte, tauchten tausende toter Fische an der Oberfläche des Flusses auf, der in der Nähe der Unglücksstelle fließt. Anwohner/-innen befürchten, dass die Fische durch Zyanid vergiftet wurden, das aus dem Gebäude ins Gewässer gelangt ist.

Im Bemühen, eine Massenpanik zu vermeiden, ließ das Umweltaufsichtszentrum in Tianjin (Environmental Monitoring Center) jedoch die Nachricht verbreiten, der Zyanidgehalt des Wassers – gemessen an drei Wasserproben, die am 20. August entlang des Flussufers genommen worden waren – sei “gleich Null”.

Obwohl der Zyanidgehalt der Gewässerproben, die von der Regenwasser-Pumpstation sowie vom Zentrum des Kraters entnommen wurden, jeweils 356 und 800 Mal über den regulären Standardwerten lag, betonte das Aufsichtszentrum, das verseuchte Wasser sei von der Unglücksstelle durch Versieglung räumlich abgetrennt worden. Deswegen gebe es keinen Zusammenhang zwischen den toten Fischen und dem Auslauf chemischer Substanzen. Dennoch zeigten selbst Wasserproben, die außerhalb der Sperrzone entnommen worden waren, einen Zyanidgehalt, der bis zu acht Mal höher war als die Werte, die als normal gelten.

Zu Beginn dieser Woche hatten chinesische Behörden noch bestätigt, dass in der Lagerhalle der Unglücksstelle zum Zeitpunkt des Unglücks am 12. August 700 Tonnen hochgiftiges Natriumzyanid gelagert waren.

In einer Pressekonferenz am 20. August sagte dann Deng Xiaowen, Direktor des Umwelt-Aufsichtszentrums von Tianjin, der Fisch könne aus vielen Gründen gestorben sein, wie beispielsweise durch eine Veränderung der Temperatur, des Salzgehaltes oder des Sauerstoffgehalts des Wassers. Auch bemerkte er, die Wasserqualität Tianjins sei schon lange schlecht gewesen und es sei in der Vergangenheit zu ähnlichen Vorfällen gekommen.

Viele fanden diese Erklärungen jedoch unglaubwürdig. Der Cartoonist DSX hat in seinem jüngsten Werk (siehe das Bild hier oben) die Skepsis der lokalen Bevölkerung  festgehalten: Gezeigt werden dort zwei Fische neben einer Sammlung an Grabsteinen, die verschiedene ihrer Todesursachen auflisten: Mord, Selbstmord, Ersticken, Ertrinken – und Wutausbrüche.

Auf Twitter macht @Lianhuaxiaofo eine ähnlich satirische Bemerkung:

Sina Artikelüberschrift: Massive Anzahl toter Fische gefunden im Hafen Tanjins, sechs Kilometer von der Unglücksstelle entfernt.

Diese Fische haben sich geschämt. Sie sahen, wie so viele Menschen starben. Sie fühlten Mitleid und haben sich selbst ertränkt. Die Bastarde der Regierung und die korrupten Geschäftsleute sind es, die eigentlich sterben sollten. Jetzt sind die Fische tot und diese *****löcher behaupten immer noch, das alles sei normal.

Und auf dem beliebten Social Media-Portal Weibo zitierten lokale Medien zahlreiche Expert/-innen, die erklärten: Was mit den Fischen passiert ist, hat nichts mit den Explosionen zu tun. Doch wie es Weibo-Nutzer Xue Hanbo ausdrückte, verfehlt dies den Zweck, die Ängste der Menschen zu beschwichtigen:

海河的死鱼事件虽然给出了解释,但是并没有真正的消除百姓的疑虑,尽管天津政府给出的答案可能是真的,可是由于政府的信息不够透明和前期没有赢得足够的信誉,所以简单出一个结论就想了事的想法会让事情变得更麻烦。涉及到百姓利益的事情,需要让百姓参与,让媒体透明公正的报道。

Obwohl [die Behörden] erklärten, was mit den toten Fischen geschehen ist, haben sie damit nicht die Zweifel der Menschen zerstreut. Möglicherweise sagen sie sogar die Wahrheit. Doch lief der gesamte Prozess der Untersuchung dermaßen undurchsichtig, dass die Regierung jetzt schon ihre Glaubwürdigkeit verspielt hat. Das Resultat: Eine schlichte Antwort scheint nur noch mehr Zweifel ausgelöst zu haben. Von den Risiken sind normale Bürger/-innen betroffen. Daher müssen [die Behörden] die Bürger/-innen auch involvieren bei der Untersuchung und müssen die Medien wirklich objektiv über die Ereignisse berichten.

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