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Uber scheint in China beliebt zu sein. Bei den chinesischen Behörden? Nicht so sehr.

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Screenshot von Ubers Guangzhou-Seite

Screenshot von Ubers Guangzhou-Seite

Die Behörden durchsuchten im chinesischen Chengdu die Niederlassung des beliebten, in den USA ansässigen Dienstes Uber, der Privattaxis vermittelt. Diese Aktion folgte circa eine Woche nach der Durchsuchung der Uber-Niederlassung in Guangzhou aufgrund von angeblich ohne Lizenz und illegal abgewickelten Geschäften.

Die Behörden behaupteten, dass die Razzia Teil einer umfassenden Operation gegen nicht lizenzierte Taxis war. China ist bei Weitem nicht das erste Land, das aus diesem Grund gegen Uber vorgeht. Manche glauben jedoch, dass die Razzien aus anderen Gründen durchgeführt wurden – um inländische Taxiunternehmen zu schützen, indem scharf gegen die ausländische Konkurrenz durchgegriffen wird.

Uber begann mit dem Betrieb in China im Februar 2014 und betreibt den Dienst derzeit in circa zehn chinesischen Städten. Im Dezember 2014 schloss das Unternehmen einen Deal mit Baidu ab, der größten Suchmaschine Chinas. Durch den Zugriff auf Baidus Karte konnte die App das Geschäft beleben.

Im Januar 2015 kündigte das chinesische Verkehrsministerium ein Verbot der Vermittlung von privaten Taxidiensten über mobile Apps an. Kurz danach beschlossen die zwei größten chinesischen Betreiber von Taxivermittlungs-Apps – Kuaidi Dache, von der Alibaba-Gruppe finanziert, und Didi Dache, von Tecent Holdings finanziert – eine Fusion. Die Unternehmen gaben an, dass sie ihre Dienste stärker überwachen und ihre Passagiere an Autos im Besitz von Mietwagenfirmen vermitteln wollen, das heißt an Autos von Drittanbietern, die nach den Richtlinien des Verkehrsministeriums lizenziert sind.

Im März verhandelte Didi Dache mit Uber über eine Partnerschaft, durch die ein Marktmonopol entstehen würde. Uber kommentierte diese Meldungen nicht.

Es scheint, dass Uber den Wettbewerb bevorzugt. Außer der Zusammenarbeit mit privaten Autoverleihs hat Uber China eine „UberPop“-Fahrgemeinschaftsstrategie entwickelt, um mehr Privatautos für das Uber-Netzwerk zu gewinnen. Thomas Luo, ein Technoblogger, lobte den Mut des Unternehmens, eine solche Plattform einzurichten:

尽管大量低价车充斥着人民优步的市场[…]司机试图在意用户的感受并尽量满足乘客的需求——这种平衡让Uber在中国获得了“人民性”。而获得了“人民性”的Uber和它的“人民优步”服务,事实上成为了一个将那些被摒弃在出租车营运体系和资格之外的私家车们(官方亲切地称之为“黑车”)凝聚和组织在一起的“另一个出租车”营运体系,一个依靠人民群众,放手发动群众的出行供需平台。[…]也正是因为如此,它让竞争对手恐慌——微信平台曾多次以“恶意营销”为名封禁Uber在各个城市的运营公众号[…]

Obwohl viele heruntergekommene Privatautos dem Uber-Markt beigetreten sind, […] passen sich die Fahrer den Bedürfnissen der Kunden an – das Marktgleichgewicht hilft Uber, die Unterstützung der Bevölkerung in China zu gewinnen. Der kundenorientierte UberPop-Dienst hat sich zu einem Autoverleihsystem für diejenigen Privatfahrer entwickelt, die vom offiziellen Autoverleihsystem ausgeschlossen wurden. (Die offizielle Bezeichnung solcher Fahrer lautet „schwarze Autos“.) Das System hängt von der Bevölkerung ab, und die Plattform wird auf Basis von Angebot und Nachfrage betrieben. […] Aufgrund [dieses kundenorientierten Ansatzes] sind die Konkurrenten sehr nervös. WeChat hat die öffentlichen Konten von Uber in vielen Städten unter dem Vorwand des „Spam-Marketings“ blockiert.

Die chinesischen Behörden sind jedoch keine Fans dieser „kundenorientierten“ Geschäftsstrategie. Luo meint, dass der ausländische Firmensitz Ubers der Hauptgrund für die Razzien sei:

对一家试图在中国开展业务的美国科技公司来说,保守和矜持会遭到轻视和“不接地气”的嘲笑,但决绝和生猛毫无疑问会遇到更严酷的反扑——2008年的Google中国和现在的Uber都是这样的例子。
但Uber在中国面临的并非Google当年的窘境——Google在中国的业务从第一天起就有文化与意识形态的壁垒,最终的结局也是由于双方(Google与中国监管机构)之间无可调和的价值分歧。而Uber不同,更方便、更实惠和更有赚头的利益驱动是放之四海而皆准的普世价值,而其遭遇的一些被触动利益的主管机构的制裁与打压 […]

Für US-basierte Technologieunternehmen, die ihre Geschäfte in China ausbauen wollen, würden sie, wenn ihre Strategien konservativ sind, als nicht lokalisiert gedemütigt werden. Wenn sie jedoch entschlossen und proaktiv sind, würden sie unter großen Druck geraten – das geschah mit Google China im Jahr 2008 und heute mit Uber.

Aber Uber unterscheided sich von Google: Das Geschäft von Google in China stand vom ersten Tag an vor kulturellen und ideologischen Hindernissen und schlußendlich überschritt der Unterschied der Werte zwischen Google und den chinesischen Behörden die Zerreißgrenze. Die Werte von Uber stützen sich auf seinen bequemen, kostengünstigen und profitablen Dienst. Von Interessen getrieben zu werden, ist universell und als das Geschäft die Interessen anderer beeinflusste, schritten die Behörden ein.

Außer den Razzien der Büros von Uber hat die chinesische Polizei auch Uber-Fahrer in den großen Städten ins Auge gefasst, wobei manche Polizisten als verdeckte Ermittler als Kunden über die App Taxis bestellen.

Luo ist jedoch für die Zukunft Ubers optimistisch. Er glaubt, dass die Bevölkerung ihre eigenen Strategien gegen das scharfe Vorgehen entwickeln wird:

看看在人民优步被严厉打压的北京和广州正在发生的事吧——打开Uber应用,5分钟以内可到的“人民优步”轿车仍然密布在地图上随处可见。可能一些司机会提前打电话过来摸一下情况,判断一下是不是被“钓鱼执法”,可能有的司机会跟你商量“咱们到机场直接下停车场,省得被查”,还有的人会跟你约定接头方式和暗号,但一个基本的事实是:活照拉[…]

Sehen Sie sich Peking und Guangzhou an, wo der UberPop-Dienst stark unterdrückt wird. Schalten Sie die Uber-App ein und Sie werden auf der Karte viele UberPop-Privatautos sehen, die ihre Dienste innerhalb von fünf Minuten anbieten können. Manche Fahrer rufen vielleicht zurück, um zu sehen, ob die Polizei eine „Fangoperation“ durchführt. Manche Fahrer schlagen sogar vor, auf dem Flughafenparkplatz stehen zu bleiben, um Polizeikontrollen zu vermeiden. Manche vereinbaren einen Geheimcode mit Ihnen, bevor Sie in das Auto einsteigen. Im Grunde alles wie gehabt.

Er ruft die Bevölkerung auf, Partei zu ergreifen und UberPop zu unterstützen:

这是一场人民优步的人民战争。我们来自五湖四海,为了更自由方便地出行的目的,走到一起来了。当你接到人民优步司机小心谨慎地询问的电话的时候,多给一点理解和耐心——这就是你们接头的暗号。每一个乘客和每一个司机的每一次接头和交易,都指向一条真正通向自由之路。

Dies ist ein Volkskrieg über UberPop. Wir kommen aus verschiedenen Orten und kommen auf einer Plattform zusammen, weil wir beim Reisen Freiheit und Komfort genießen wollen. Wenn Uber-Fahrer nach Ihrer Telefonnummer fragen, seien Sie bitte verständnisvoll und geduldig – das ist ein Geheimcode. Jede Transaktion führt in die Freiheit.

Nach den Reaktionen in sozialen Netzwerken zu schließen, hat Uber tatsächlich die Unterstützung vieler gewonnen. Die Richtlinien des Staates sind jedoch nicht unbedingt auf der Seite der Bevölkerung, wie man aus Audrey Lis Bemerkung über den Kommentar des chinesischen Journalisten Michael Anti zum scharfen Vorgehen gegen den twitterähnlichen Dienst Weibo schließen kann:

关于广州查封Uber总部,安替有句精彩评论:感觉政府解决交通问题无能,但解决能解决交通问题的人非常有能力。

Micheal Anti hat einen sehr intelligenten Kommentar über die Razzia in Ubers Guangzhou-Büro: Es scheint, dass die Regierung das Verkehrsproblem nicht lösen kann, jedoch diejenigen „auflösen“ kann, die das Verkehrsproblem lösen können.

In den überbevölkerten chinesischen Städten lässt das öffentliche Verkehrssystem normalerweise viel zu wünschen übrig. Deshalb sind viele der Kommentare zu Michael Antis Aussage zustimmend:

不解决群众提出的问题!而解决提出问题的群众

Das wird das von der Bevölkerung aufgeworfene Problem nicht lösen, aber es wird die „auflösen“, die das Problem aufwerfen.

3 Kommentare

  • Ebenfalls Social Media und Michael Anti betreffend, der in diesem hochinteressanten Artikel zitiert wird: Vor ein paar Jahren bereits gab dieser einen hervorragenden, lebendigen Vortrag bei TED über die spannende Landschaft der sozialen Medien in China. Genießt und erfahrt mehr über die faszinierenden chinesischen Pendants zu Facebook, Twitter und dergleichen: https://tinyurl.com/qjkgzgr (mit deutschen Untertiteln versehen!)

  • Jessica

    Uber ist schon eine tolle Sache, für mich ist Uber sowas ähnliches wie Google für Taxis. Leider werden beide Firmen von chinesischen Behörden ausgegrenzt.

  • su comentario es aquí

    Uber scheint in China beliebt zu sein. Bei den chinesischen Behörden? Nicht so sehr. · Global Voices auf Deutsch

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