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Guinea: Wegen der Ebola-Epidemie drohen Hungersnöte und der Zusammenbruch der Agrarwirtschaft

Scientists wearing personal protective equipment (PPE) testing samples for the Ebola virus - Public Domain

Forscher tragen ihre persönliche Schutzkleidung (PSA) beim Testen von Ebola-Proben. Public Domain

Die Weltgesundheitsbehörde (WHO) berichtet in ihrem neuesten Gutachten vom 11. März, von 24.000 bestätigten Ebolafällen, seit die Epidemie in Guinea, Sierra Leone und Liberia vor 14 Monaten ausbrach. Fast 10.000 Menschen fielen der Epidemie bereits zum Opfer (wegen der fehlenden Infrastruktur ist die Dunkelziffer der unentdeckten Fälle noch immer sehr hoch).

Diese Epidemie ist auf dem besten Wege, die Wirtschaftssysteme dieser drei Länder gänzlich an den Bettelstab zu bringen. Die Weltbank schätzt, dass die kumulativen Wachstumsverluste für diese drei Länder, wegen der Epidemie bis auf 1,6 Milliarden US-Dollar ansteigen könnten. Im Jahr 2014 verzeichneten Liberia und Sierra Leone einen Anstieg des Bruttoinlandprodukts von 2,2 Prozent, beziehungsweise von 4 Prozent gegenüber den Prognosen von 5,9 Prozent und 11,3 Prozent bevor die Krankheit ausgebrochen war.

Da ein Abflauen der Neuansteckungen beobachtet werden kann, scheint dank internationaler Hilfe, unter Beteiligung der US-Armee und aufgrund entschiedener Strategien der jeweiligen Staaten ein Sieg über das Virus in greifbarer Nähe zu sein. Zu den Strategien gehörten das Verhängen von Quarantänen über die ganze Region von Sierra Leone und Aufklärungskampagnen, um die Bevölkerung zu informieren und zu schulen.

Aber besonders in Guinea bleibt die Situation besorgniserregend. Laut der Weltbank hatte Guinea bereits 2014 eine schwächere Wirtschaft als die anderen beiden Länder und die Wachstumsrate fiel auf 0,5 Prozent gegenüber dem geschätzten Wert von 4,5% vor der Epidemie. Alle Wirtschaftsbereiche sind deutlich ins Stocken geraten. Dieser Tiefstand des Wachstums vergrößert nicht nur die Fragen um die Nahrungsmittelknappheit, es stellt auch eine noch größere Bedrohung für die 230.000 armen Menschen des Landes und für die gefährdete Bevölkerung Guineas dar. Falls nichts dagegen getan wird, könnte die Zahl bis Ende März 2015 auf 450.000 weiter ansteigen, so die Warnungen. Die gesamte Agrarproduktion ging deutlich zurück, der Reisertrag fiel um 20 Prozent, Weizen um 25 Prozent, Kaffee um die Hälfte und der Kakaoertrag fiel um ein Drittel.

Wegen der Stigmatisierung, die infizierten Bezirken anhaftet geraten selbst noch 14 Monate nachdem das erste Ebola-Opfer verstarb, Ortsansässige und Sicherheitskräfte aneinander, was oft den Tod von Menschen und Sachschäden nach sich zieht. In einer Mitteilung vom 12. Februar hat die Internationale Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung die Gewalt aufs Schärfste verurteilt, der viele der freiwilligen Helfer zum Opfer fielen.

Depuis juillet 2014, les volontaires de la Croix-Rouge en Guinée ont subi une dizaine d’attaques par mois, qui vont des agressions verbales à des actes de violence physique. L’incident le plus récent est survenu dimanche 8 février à Forécariah, dans l’ouest de la Guinée. Deux volontaires de la Croix-Rouge guinéenne ont été battus alors qu’ils étaient venus dans la ville pour organiser un enterrement digne et sécurisé d’un membre de la communauté.

Seit Juli 2014 haben die freiwilligen Helfer des Roten Kreuzes jeden Monat dutzende Übergriffe erlitten. Diese Attacken gehen über Beleidigungen bis hin zu tätlicher Gewalt. Der jüngste Zwischenfall ereignete sich am Sonntag, den 8. Februar in Forécariah, West Guinea. Als das Rote Kreuz von Guinea ein Dorf erreichte, in dem es eine würdige und sichere Beerdigung eines Gemeindemitglieds organisieren sollte, wurden zwei seiner Freiwilligen verprügelt.

Anfang Februar kam es zu Konflikten, als ein Imam vorübergehend festgenommen wurde. Er wurde angeklagt, weil er das traditionelle Beerdigungsritual an einem vermutlichen Ebola-Opfer vollzogen haben soll. Bandjou Keith, ein guineischer Blogger der Webseite guineeunivers.com, erinnerte die Leser:

Ce n’est pas la première fois que les jeunes de yimbaya [un quartier de la banlieue de Conakry] expriment leur réticence face à l’épidémie d’Ebola dans leur quartier. On se rappelle il y a quelques mois, ils ont manifesté contre les autorités gouvernementales et communales de Matoto, les responsables de la coordination de lutte contre Ebola, les Ambassadeurs des Etats-Unis d’Amérique et de la France et les agents de médecins sans frontières (MSF) venus pour procéder à la réunion d’une sensibilisation en vue de la construction d’un centre de traitement Ebola dans ledit quartier.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Jugend von Yimbaya (ein Vorort von Conakry) ihre Wut über die Epidemie innerhalb der Nachbarschaft zum Ausdruck gebracht hat. Ein paar Monate vorher haben sie gegen die Regierung und die Ortsbehörden von Matoto demonstriert. Sie haben gegen die Botschafter der USA und Frankreich und gegen das Team von Ärzte ohne Grenzen demonstriert, gegen eben jene, die das Sagen haben im Kampf gegen Ebola. Sie wollten damit erreichen, dass eine Besprechung anberaumt wird zur Lage des geplanten Aufbaus eines Ebola-Versorgungszentrums.

Sidy Bah, ein Bewohner Conakrys, der bei VisionGuinee.Info Blogs erstellt, berichtet von einem Vorfall aus dem etwa 450km entfernten Faranah:

Le virus des rumeurs semble se propager plus vite qu’Ebola. De Conakry à Coyah en passant par Dabola et Faranah, les colporteurs des rumeurs gagnent du terrain. Vendredi, la tension était vive à Faranah où des élèves affolés s’en sont pris au centre de Transit Ebola de la localité

Eine Epidemie ganz anderer Art, nämlich eine aus wilden Gerüchten, scheint sich schneller als Ebola zu verbreiten. Von Conakry über Coyah, bis hin zu Dabola und Faranah haben die Kolporteure Fuß gefasst. Am Freitag war im Bezirk von Faranah die Anspannung groß, denn panische Studenten attackierten das einzige Ebola-Transit-Center des Dorfes.

Nach der Ankunft eines Gesundheitsteams, das die Schulkinder impfen wollte, begannen laut Sidy Bah ausgehend von den Schulen eines Vorortes von Faranah, die Gerüchte zu kursieren. Die Verbreitung dieser Gerüchte hat weitere Akte der Gewalt ausgelöst. Im folgenden Post gibt Bah weitere Details für die Gründe dieser Unruhen:

Le Centre de Transit Ebola, encore non achevé, situé à proximité de la cité Niger a été saccagé par des écoliers survoltés. Une équipe de Médecins sans frontières chargée d’opérationnaliser le Centre a échappé de peu à un lynchage.

Leur véhicule a été incendié par une foule furax. A l’allure où vont les choses la stratégie ‘’zéro Ebola en 60 jours‘’ se dirige tout droit vers l’échec si rien n’est fait pour arrêter les rumeurs.

Obwohl das nahe der Stadt Niger gelegene Ebola-Transit-Zentrum noch nicht einmal fertig gestellt ist, wurde es von wütenden Studenten verwüstet. Das diensthabende Team der Ärzte ohne Grenzen entging nur knapp dem Lynchmord, dennoch wurde ihr Dienstwagen von der aufgebrachten Menschenmenge abgefackelt. Wenn nichts dagegen unternommen wird, solche Gerüchte zu stoppen, ist die Strategie “Ebola auf Null in 60 Tagen”, so wie die Dinge laufen, wohl zum Scheitern verurteilt.

Die Staatsoberhäupter der drei Länder, die am schlimmsten betroffen sind, haben sich dem Ziel “Ebola auf Null in 60 Tagen”, verschrieben. Start hierfür war der 15. Februar. Im Moment ist Guinea, wegen mangelnder Information und mangelnder Achtsamkeit, noch weit entfernt von einer Verbesserung der Lage.

Das sind aber nur ein paar Beispiele der Gewalt, die im ganzen Land gegen das Gesundheitspersonal gerichtet waren. In der Woche vom 15. Februar, berichtete die Weltgesundheitsorganisation, dass 13 Länder mindestens einen Übergriff auf Sicherheitspersonal gemeldet haben.

Während er den Rückzug seiner Truppen aus der Region ankündigte, begrüßte US-Präsident Barack Obama, wie weit der Kampf gegen die Epidemie in diesen drei Ländern Fortschritte gemacht hat. Dennoch betonte er, dass Guinea wohl den längsten Weg vor sich habe. Amadou Tham Camara, ein Guineer der nach Frankreich ausgewandert ist, analysierte die letzten Berichte, die auf guineenews.org veröffentlicht wurden und hierbei stellte er folgendes fest:

Depuis le début de l’épidémie, la coordination nationale de lutte contre Ebola est éberluée, toujours avec une longueur… de  retard. Les stratégies subrepticement concoctées par Dr Sakoba, pour vaincre le Mal en Six mois, en 90 jours et maintenant en 60 jours, se sont toutes révélées inefficaces, les unes plus que les autres.

Incapable de rompre les chaînes de contamination, la coordination s’est résolue, en désespoir de cause,  de faire de l’omertà, depuis plusieurs mois, sur les chiffres des sujets “contacts” (les malades potentiels) dans ses communications hebdomadaires. Sans doute, pour ne pas heurter les sensibilités.

Mais, à ce train, tout porte à croire qu’à l’instar du patient zéro, le dernier patient d’Ebola sera…..un guinéen.

Seit dem Beginn der Krise ist die landesweite Koordination, um die Epidemie unter Kontrolle zu bekommen, immer wieder verzögert worden und sie ist immer viel zu langsam und zu spät. Strategien, die im stillen Kämmerlein von Dr. Sakoba ausgebrütet wurden, um das Unheil erst innerhalb von sechs Monaten, dann in 90 Tagen und nun in 60 Tagen zu besiegen, haben sich alle, mehr oder weniger, als unwirksam erwiesen.

Da unfähig, die Kontaminationskette zu unterbrechen, hat die Koordination aus reiner Verzweiflung beschlossen, seit mehreren Monaten in den wöchentlichen Mitteilungen über die Fallzahlen ( der potentiell Erkrankten) zu schweigen. Sicherlich auch um Gefühle zu schonen.

Aber so wie die Dinge laufen, deutet alles darauf hin, dass wie der erste Patient auch der letzte Patient ein Guineer sein wird.

Überdies kommt zu den Konflikten mit dem Sicherheitspersonal und den Zusammenstößen mit dem Pflegepersonal noch hinzu, dass bestätigte Fälle gemeldet wurden und das aus Regionen wo vorher nie über Kontaminationen berichtet wurde. Zum Beispiel berichtet die Webseite InternationalSOS, dass in der Woche des 8. Februar nur 18 Prozent der neuen Fälle aus den bereits als infektiös deklarierten Bereichen kamen, wobei im Idealfall diese Zahl ja eigentlich bei hundert Prozent liegen sollte.

Die Weltgesundheitsorganisation klärt Gemeinden erst über die Risiken auf, wenn jemand an Ebola verstorben ist. Das beweist doch, dass sie keine Behandlung bekommen haben, aber auch, dass weitere Gemeindemitglieder dem Virus schutzlos ausgesetzt waren. In den Gemeinden wurden mehr als 30, als gefährlich eingestufte Grabstätten vorgefunden und 21 Todesfälle registriert, aber nicht so in den Behandlungszentren.

Das ist der Beweis, dass trotz aller öffentlichen Debatten, die Situation noch lange nicht unter Kontrolle ist. Man kann nicht die Bevölkerung beschuldigen, eher die Obrigkeiten, die durch Manipulation der Tageszahlen versuchen die Seuche zu besiegen und es aber versäumt haben ausreichend und effektiv aufzuklären, wie man die Seuche ausrotten kann.

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