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Angola: „Andersdenkende“ werden festgenommen und verschwinden

Wieder endete eine für heute, den 30. März, angekündigte Demonstration in Luanda mit mindestens 18 Festnahmen, so berichtet Central Angola (Updates folgen hier).

Die Demonstranten, die sich über Facebook versammelt hatten [pt], forderten „Würde und Recht auf Leben und die Freiheit für Andersdenkende“ und erinnerten damit an die zum Schweigen gebrachten Journalisten und Aktivisten in Angola. Zu diesen gehören unter anderem Alves Cassule und Isaías Kamulingue, die seit Mai 2012 verschwunden sind:

(…) já esperámos demais, Cassule e Kamulingue esperaram demais, Milocas [jornalista guineense desaparecida em 2012 em Angola, como reportado pelo Global Voices] esperou demais, Mfulupinga [morto em 2004] esperou demais, Ricardo de Mello [morto em 1995] esperou demais, tantos outros que vão sendo empurrados para o limbo do esquecimento, cidadãos que não gozam nem do direito póstumo a uma investigação condigna que faça luz sobre os factos que conduziram ao seu desaparecimento físico.

(…) wir haben schon zu lange gewartet, Cassule und Kamulingue haben schon zu lange gewartet, Milocas [eine guineischer Journalistin, die 2012 in Angola verschwand, GV berichtete] hat lange genug gewartet, Mfulupinga [2004 ermordet [pt]] hat lange genug gewartet, Ricardo de Mello [ermordet 1995 [pt]] hat lange genug gewartet und so viele andere, die ins Vergessen geraten werden. Das sind Bürger, die noch nicht mal das posthume Recht auf eine angemessene Untersuchung der Umstände, die zu ihrem Verschwinden geführt haben, bekommen.

 „Wo sind Cassule und Kamulingue?“

Seit ungefähr 330 Tagen leben die Angehörigen von Alves Cassule und Isaías Kamulingue mit ihrem Kummer und ohne zu wissen, wo sich die beiden Aktivisten befinden. Alves Kamulingue und Isaías Cassule verschwanden, als sie eine Demonstration organisierten. Seitdem sind Stunden und Tage vergangen, ohne das es ein Zeichen der beiden Männer gibt.

Imagem partilhada por Bloco Democrático de Angola no Facebook.

Der Bloco Democrático de Angola verbreitete dieses Bild auf Facebook.

In einer fortdauernden Suche nach ihren Söhnen, wollen die Familienangehörigen nicht akzeptieren, dass die beiden tot sein könnten. In den sozialen Netzwerken, vorrangig auf Facebook, fragen verschiedene User beständig nach, wo die beiden sein könnten. Andere gehen weiter und fragen sich, wer sie umgebracht haben könnte.

In einem Kommentar in der Facebook-Gruppe Onde estão Cassule e Kamulingue? [pt] schreibt Luís Araújo:

Não nos esqueceremos deles, continuaremos a exigir que nos seja dito o que é que os agentes da ditadura endocolonialista de José Eduardo dos Santos fizeram com os nossos dois compatriotas. Seja o que for que a ditadura endocolonialista tenha feito com eles e ou deles vamos acabar por saber com rigor. Quem quer que seja o responsável pelo que lhes tenha acontecido e ou esteja a acontecer vai ter que assumir as responsabilidades morais e criminais de mais essa violação dos direitos humanos, pois são muitas, demasiadas, as violações desses direitos a que a justiça continua sendo falha. EXIGE DIGNIDADE COM DIGNIDADE.

Wir dürfen die beiden nicht vergessen, wir müssen weiter darauf pochen, dass uns gesagt wird, was die Männer der endokolonialistischen Diktatur von José Eduardo dos Santos mit unseren beiden Landsleuten angestellt haben. Was auch immer diese Diktatur des internen Kolonialismus mit ihnen gemacht haben sollte, wir werden es akribisch herausfinden. Wer auch immer dafür verantwortlich ist, was geschehen ist und was immer noch geschieht, wird die moralische und rechtliche Verantwortung für diese Menschenrechtsverstöße übernehmen müssen. Denn es sind viele, viel zu viele Verstöße gegen die Menschenrechte, bei denen die Justiz hier versagt. VERLANGT WÜRDE MIT WÜRDE. 

Die angolanische Journalistin Ana Margoso schreibt [pt] auf ihrer Facebook-Pinnwand:

Estou longe de casa, no Kuchi, interior do Kuando Kubango, fiquei emocionada, porque ouvi a população deste lugar cantar na língua local, quem matou Cassule e Kamulingue… A mensagem passa afinal . Mesmo sem TPA, mesmo sem RNA, [Televisão e Rádio Pública de Angola] mesmo com a manipulação da informação, a mensagem está a passar no boca-à-boca. GAME OVER regime caduco!

Ich bin weit weg von zu Hause, in Kuchi, im Inneren der Provinz Kuando Kubango, und war dennoch ergriffen, weil ich gehört habe, wie die Menschen hier in ihrer eigenen Sprache singend nach den Mördern von Cassule und Kamulingue fragen,… Die Nachrichten kommen also doch an. Selbst ohne TPA [das staatliche Fernsehen], selbst ohne RNA [das staatliche Radio], sogar mit der Informationsfälschung ist die Nachricht von Mund zu Mund zu gewandert und angekommen. GAME OVER überfälliges Regime!

Das Stillschweigen im Untersuchungsprozess seitens der Polizei von Luanda ist derweil beständig. In diesem Raum der Unsicherheit, sprießen die Gerüchte. In seinem Profil schreibt Cassessa Vunge, dass eine bestimmte Partei das Verschwinden der beiden Aktivisten strategisch genutzt haben könnte:

DNIC [Direcção Nacional de Investigação Criminal] PODE TER DESCOBERTA CONVERSA, ENTRE KASSULE/CAMULINGUE E DIRIGENTES DA UNITA. As fontes, confirmaram que assim que o processo de investigação estiver pronto, e se tais provas forem viáveis, serão apresentadas em público. O que é facto é que dirigentes como Isaías Samakuva, General Numa, e dirigentes da Rádio Deseprtar terão mantido contactos telefónicos, com os dois desaparecidos. As suspeitas, segundo as quais a UNITA terá feito desaparecer os jovens para comprometer o Executivo angolano, é quase uma certeza.

Die DNIC [Direcção Nacional de Investigação Criminal, die staatliche Behörde für Verbrechensermittlung] könnte ein Gespräch zwischen Kassule/Camulingue und führenden Persönlichkeiten der UNITA entdeckt haben. Die Quellen werden, sobald die Ermittlungen es erlauben und sie sich als echt erweisen, der Öffentlichkeit vorgestellt. Fakt ist, dass führenden Persönlichkeiten der UNITA, wie Isaías Samakuva, General Numa und andere von Rádio Deseprtar mit den beiden verschwundenen Aktivisten telefonischen Kontakt gehalten hatten. Der Verdacht, dass die UNITA die beiden Aktivisten verschwinden ließ, um die angolanische Exekutive zu belasten, erhärtet sich derweil.

Fast ein Jahr nachdem die beiden verschwunden sind, kämpfen die Angehörigen dafür, dass die Nationalpolizei, oder eine andere staatliche Einrichtung, die Untersuchung richtig und ordnungsgemäß führt. Im Internet mit VOA bestätigt [pt] Veloso Cassule, Bruder von Isaías Cassule, dies:

Cartaz da manifestação convocada no Facebook.

Cartaz da manifestação convocada no Facebook.

Nós estamos a achar que eles não estão a fazer nenhuma investigação porque eles também têm medo. Nós assim não sabemos o que vamos fazer ou vamos nos unir com outra família e vamos sair às ruas

Wir sind der Meinung, dass sie überhaupt keine Ermittlungen führen, weil sie auch Angst haben. So wissen wir nicht, was wir machen sollen. Oder wir tun uns mit der anderen Familie zusammen und gehen gemeinsam auf die Straße

In den sozialen Netzwerken unterstützen verschiedene User die Angehörigen, damit diese auf die Straßen Luandas ziehen. Mauro Sérgio schreibt in einem Kommentar:

Se as duas famílias saírem a rua podem ter a certeza terão bastante apoio, aconteceu com a família deles podia ser com a nossa… são duas vidas então as pessoas envolvidas no desaparecimento dos mesmo têm que libertar esses jovens, cometeram crime nenhum mesmo se cometessem devia se tomar as medidas apropriadas para os corrigir. queremos os dois jovens de volta as suas casas, temos e vamos apoiar quando os familiares saírem as ruas…..

Wenn die beiden Familien auf die Straße gehen, können sie sicher sein, dass sie sehr viel Unterstützung haben werden. Was ihnen passiert ist, könnte auch unserer Familie passieren… Das sind zwei Leben. Die Menschen, die das angestellt haben, müssen die beiden befreien, haben sie doch kein Verbrechen begangen. Und sollten sie eines begangen haben, müssen die angemessenen Mittel ergriffen werden, um dies wiedergutzumachen. Wir wollen, dass die beiden wieder nach Hause können, wir müssen und werden die Angehörigen unterstützen, wenn sie auf die Straße gehen werden… 

Zahlreiche Jugendliche und Aktivisten versammelten sich zu einer friedlichen Kundgebung [pt], die um zehn Uhr vom Cemitério da Santa in Richtung Largo da Independência gehen sollte. Inzwischen berichtet Central Angola, dass „nachdem alle rechtlichen Bedingungen erfüllt waren, sie [die Kundgebung] wieder Ziel der üblichen Repression des Regimes wurde“. Es gibt Berichte von 18 Festnahmen, darunter auch der Rapper Luaty Beirão [pt] und der Journalist Pedrowski Teca [pt].

Derweil kehrt für die Familien von Isaías Cassule und Alves Kamulingue erst dann wieder Ruhe und Normalität ein, wenn der echte und tatsächliche Aufenthaltsort der beiden bekannt ist.

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