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Peru: Was verursacht Delfinsterben?

Dieser Artikel wurde von Kerstin Lisewski, Studierende des FTSK Germersheim, unter der Leitung von Dr. Eva Katrin Müller im Rahmen des Projektes „Global Voices“ übersetzt.

Die Delfine zählen zu den intelligentesten Lebewesen auf diesem Planeten. Sie haben nur sehr wenige natürliche Feinde und sind in fast allen Meeresregionen vorzufinden. Besonders in Peru sind Delfine an den verschiedenen Küstenabschnitten und an den Stränden vor Lima zu finden [es], in denen sie gemeinsam mit Surfern [es] im Meeresschutzgebiet Reserva Nacional de Paracas [es] auf den Wellen reiten. Aber sie halten sich auch vor den Küsten Piuras auf, einem Aussichtspunkt [es], um Delfine und Buckelwale zu beobachten.

Deshalb hat die Nachricht [es] über den Fund von 3 000 toten Delfinen seit Jahresbeginn an der Nordküste Perus für Entsetzen gesorgt. Carlos Yaipén-Llanos, Leiter der peruanischen Tierschutzorganisation ORCA (Organization for Research and Conservation of Aquatic Animals) [es], weist darauf hin [es], dass der Tod dieser Tiere eine Folge „des Einsatzes von Tiefsee-Sonaren zur Suche von Erdöl, Erdgas und anderen Mineralien“ sei.


Delfine in Pisco, Peru

Delfine in Pisco, Peru. Bild von Flickr-Nutzer Alicia0928 unter der Lizenz von CC Attribution 2.0 Generic (CC BY 2.0).

Der Leiter von ORCA hat aufgrund durchgeführter forensischer Analysen zudem aufgezeigt, dass die Delfine unter der „akuten Dekompressionskrankheit leiden, die durch periostale Schäden, Blutungen im Innenohr, disseminiertes Lungenemphysem sowie Luftbläschen in Organen wie Leber und Nieren und in den Blutgefäßen nachgewiesen wurde.“

In einem nachfolgenden Zeitungsartikel [es] wurde berichtet, dass die Tiefsee-Sonare, die die Delfine verletzen, Teil der sogenannten „seismischen 3D-Technologie“ im Rahmen der Erkundung des Meeresgrundes seien. In Tumbes, nördlich von Piura, befindet sich das Öl- und Energieunternehmen BPZ [en], das diese Technologie verwendet, um Daten über Erdöl- und Erdgasvorkommen zu erhalten. Das Unternehmen bestreitet jedoch, dass ihre Untersuchungen für den Tod der Meereslebewesen verantwortlich seien. Im Bericht [es] über die Umweltauswirkungen heißt es aber, dass diese Technologie sehr wohl Auswirkungen hat.

Der Präsident des peruanischen Kongresses, Daniel Abugattás, erklärte [es], er erwarte, dass die Minister für Umwelt, Produktion, Energie und Bergbau das Parlament über diesen Vorfall informieren. Eine andere Quelle [es] weist darauf hin, dass das Meeresinstitut von Peru, IMARPE (Instituto del Mar del Perú) [es], offiziell darüber Bericht erstatten müsste.

Hardy Jones, Filmemacher und Aktivist für die Erhaltung des Meeresraums sowie Gründer der Organisation BlueVoice [en] flog [en] nach Peru, als die ersten Berichte vom 25. März von Dr. Yaipén-Llanos bekannt wurden. Bereits an der Nordküste Perus twitterte [en] er am 27. März:

Found 615 dead #dolphins on 135 kilometers of beach N of San Jose, Peru. Tragedy unspeakable. Please retweet. This must be investigated.

615 tote #Delfine [en] entlang des 135 km langen Strandes im Norden von San José, Peru, gefunden. Es ist eine unbeschreibliche Tragödie. Bitte retweeten. Dies muss untersucht werden.

In seinem eigenen Blog [en] beschreibt er detaillierter seine Reise nach Peru, was er über die Geschehnisse herausgefunden hat und was er dort gesehen hat:

Carlos and his team performed necropsies on a couple of the dolphins. Seeing a new born common dolphin, umbilicus still attached was wrenching.
We raced along the hard sand at the edge of the surfline crying out when we saw a dead dolphin. At first they came every couple minutes. But then we’d hit intervals when the cries would go “dolphin! Delphin! Otro! Dos mas! There’s another one up by the dune.”

Carlos und sein Team haben Autopsien bei einigen Delfinen durchgeführt. Dabei sahen wir einen neugeborenen Delfin, der noch mit der Nabelschnur verbunden war. Es war herzzerreißend.
Wir rannten den gesamten harten Sandstrand entlang und schrien auf, wann immer wir einen toten Delfin sahen. Zuerst alle zwei Minuten. Aber dann kamen die Schreie immer häufiger: „Delfin! Delfin! Noch einer! Zwei weitere! Auf der Düne liegt noch ein anderer.”

Später wurde im Blog von BlueVoice ein Ausschnitt aus dem Bericht von Dr. Yaipén-Llanos gepostet [en]:

As previously reported, two species have been affected: Long beaked common dolphin (Delphinus capensis) and Burmeister’s porpoise (Phocoena spinipinnis). We counted 615 common dolphins. All age classes were affected: Adult males, females, lactating females, juveniles, calves and newborns. We counted 19 porpoises, only females and calves.

Wie schon vorher berichtet wurde, sind zwei Arten betroffen: der Langschnäuzige Gemeine Delfin (Delphinus capensis) und der Burmeister-Schweinswal (Phocoena spinipinnis). Wir haben 615 tote Langschnäuzige Delfine gezählt. Alle Altersklassen waren betroffen: männliche und weibliche erwachsene Tiere, Muttertiere, Jungtiere, Kälber und Neugeborene. Wir zählten 19 Schweinswale, allerdings nur weibliche Tiere und Kälber.

ORCA hat auf Facebook Bilder [es] von ihrem Fund eingestellt. In CNN wurde Dr. Yaipén-Llanos hinsichtlich der Geschehnisse interviewt [es]. Ein Teil des Rundgangs von Hardy Jones und Carlos Yaipén-Llanos an der Nordküste Perus wird im folgenden Video [en] gezeigt:

Währenddessen wurden die Minister für Umwelt und Fischerei am 10. April einbestellt [es], um über den Zusammenhang zwischen dem Delfinsterben und den Ölbohrungen zu berichten. Sie mussten auch darüber Auskunft leisten, welche Maßnahmen sie einleiten wollen, um weitreichendere Auswirkungen auf die Meeresfauna zu verhindern, da in einem Bericht bereits aufgezeigt wurde, dass sich etwa 20 000 Delfine sowie andere Arten in Lebensgefahr befinden. Ungeachtet dessen wurde bereits geplant [es], Bohrungen entlang der gesamten peruanischen Küste mit der seismischen 3D-Technologie durchzuführen.

Ursprünglich veröffentlicht im eigenen Blog [es] von Juan Arellano.

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