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Der Papst in Kamerun (1): Kontroverse über Aufräumaktionen in Yaoundé

Papst Benedikt XVI ist vom 17. bis 20. März in Kamerun zu Besuch. Das hat dazu geführt, dass die Regierung einige radikale Aufräummaßnahmen durchgeführt hat, wie Griet,Thorsten, Jara und Lisa bloggen:

1 Sämtliche kleinen Läden, Häuser, Verkaufsstände, die nicht hübsch genug aussehen, werden mithilfe großer Raupen zerstört. Der LKW kommt vorbei, sieht sich deinen Stand/Haus/was-auch-immer an und wenn es dem Fahrer nicht gefällt, zerstört er es einfach samt dessen Inhalt. Alles begann vor ca. einer Woche im Zentrum der Stadt. Auf einmal gab es auf den Straßen keine Straßenhändler mehr, alle Läden am Postamt verschwanden usw. Das Ganze wurde nun bis zum Flughafen ausgeweitet.
2 Die Straße zum Flughafen wird von brandneuen Straßenlampen erleuchtet. Allerdings NUR die Straße vom Flughafen ins Stadtzentrum.
3 Am Dienstag (das ist gesichert, andere Tage müssen noch bestätigt werden) wird die Straße zwischen Flughafen und Stadtzentrum gesperrt sein. Hinweis: Der Papst kommt abends an, aber die Straße muss schon ab dem FRÜHEN MORGEN gesperrt werden. Es kommt also niemand zur Arbeit/nach Hause, zur Schule usw.

Dieser Post verlinkt auf einen anderen Blog einer Expat-Familie, Sander Elke en Milan, auf dem es Fotos über die Zerstörung von Läden am Straßenrand von Yaoundé gibt.

Diese Zerstörung löste in den Blogs zweier anderer Expats in Kamerun eine Diskussion aus. Συγκακοπαθησον, ein Blog, das von einer Mission in Kamerun betrieben wird und in dem über die Veränderungen im Aussehen Yaoundés als Ergebnis des Papstbesuchs geschrieben wird.

Wie sehe ich also die ganze Sache? Es ist schön, dass die Stadt ein Facelift bekommt – alles sieht auf jeden Fall viel schöner aus und die großen Straßenlaternen machen das Fahren in der Nacht oder das Anhalten eines Taxis an der Hauptstraße so viel einfacher und sicherer – es ist allerdings schade, dass diese Aufräumaktion die Zerstörung der Lebensweise von Menschen bedeutet. Leider haben diese Leute die “Regeln” einfach ignoriert, einige davon absichtlich, und werden nun mit den Konsequenzen konfrontiert. Traurig ist, dass die Regierung offensichtlich damit zufrieden war, den Dingen ihren Lauf zu lassen (möglicherweise seit 10 Jahren oder länger), bis etwas Großes passierte, wie etwa der Besuch des Papstes. Wenn sie, sobald sich diese Strukturen zu bilden begannen, eingegriffen hätte, wäre die jetzige Art der Zerstörung der Lebensgrundlage von Menschen vermeidbar gewesen. Aber auch hier gilt, Gesetz ist immer noch Gesetz, auch wenn es nicht durchgesetzt wird.

Diese Ansicht wurde von einem in Großbritannien geborenen VSO-Volontär, der auf Our Man in Cameroon bloggt, nicht wirklich geteilt. Seine Reaktion in einem Post mit dem Titel Impossible Missionary (Unmöglicher Missionar) war einfach:

Straßenstände sind hier eine Lebensart. Es gibt sie überall. Es ist einfach, zu sagen, sie seien illegal, sie bestehen jedoch teilweise aus solidem Material. Dazu kommt, dass wenn sie tatsächlich illegal sind, ich mir vorstellen kann, dass sie nur deshalb geduldet wurden, weil irgendjemand, irgendwo regelmäßig ein paar tausend Franc Bestechungsgeld kassiert hat.
Die Menschen rackern sich hier ab. Man kann davon ausgehen, dass aus diesen Buden nicht viel herausspringt, und in einem Land, in dem Unternehmen und das Unternehmertum an sich so schwach sind… nun, was für eine Art und Weise, das zu belohnen. Wenn ihr dem, was ich geschrieben haben, grundsätzlich zustimmt und die Sichtweise der Mission genauso ignorant findet wie ich, bitte ich euch, einen Kommentar zu hinterlassen. Vielleicht nicht hier unten, sondern auf der Seite der Mission.

Leser haben dazu jedoch auch Kommentare auf dem Blog Our Man in Cameroon hinterlassen. Die Reaktionen schaukelten sich so hoch, dass Karis, die Frau des Missionars, begann, ihren Mann zu verteidigen:

Wow! Ich hätte nie gedacht, dass mein Mann einen solchen Aufruhr verursachen könnte. Ich glaube, manchmal denken wir, dass nur Leute unser Blog lesen, die uns kennen, und diese Leute wissen, wie zu verstehen ist, was wir schreiben, anstatt es Zeile für Zeile auseinanderzunehmen, ohne uns überhaupt zu kennen. Trav, vielen Dank für deine netten Worte. Dad A, vielen Dank für den Humor. Du bringst mich immer zum lächeln. Ich wünschte nur, ihr alle, die ihr hier auf seinem Blog einen Kommentar hinterlassen habt, würdet meinen Mann kennen — ihr wäret nicht so hart dabei, Sätze auseinanderzunehmen.
Er und ich haben viele Gespräche darüber geführt, wie schrecklich es ist, wie Menschen ihre Lebensgrundlage entzogen wird, und all das für ein paar Tage Papstbesuch. Als wir am Montag in der Stadt waren und sahen, wie Habseligkeiten auf LKWs geworfen wurde, wurde mir schlecht. Mehr als einmal sagten wir: “Aber wie werden diese Menschen heute Abend essen? Und am Tag danach und danach?” Es ist sogar noch schlimmer als das in…
Und dann heute sah ich ihn, wie er Menschen weiter unten in unserer Straße mit ihren Nähmaschinen, ihren Tische, ihren Taschen voll Habseligkeiten half, als die Regierung mit ihren Bulldozern anrückte. Nein, das wurde wurde in diesem Post nicht ausreichend betont, um all unsere Gespräche und Taten zu zeigen, aber wow… das bedeutet nicht, dass mein Mann kein Mitgefühl für die Menschen hier hätte! Vielleicht kann ich ihn dazu überreden, einen neuen Post zu schreiben, aber ich bin mir nicht so sicher, denn es ist vielleicht besser, die Sache ruhen zu lassen, anstatt wieder zerrissen zu werden. Ich höre an dieser Stelle wohl besser auf. Eine Ehefrau, die sich auf die Seite Ihres Mannes stellt, gibt wohl kaum Anlass zum Umdenken.

Dieser Meinungsaustausch war hier noch nicht zu Ende. Dieser päpstliche Besuch nimmt innerhalb der Blogosphäre so manche Wendungen!

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