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10 Athletinnen und Athleten aus vier Ländern treten bei den Olympischen Spielen unter einer gemeinsamen Flagge an: als Flüchtlinge

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Das olympische Team der Flüchtlinge. Quelle: UNHCR Facebook-Seite

In diesem Jahr wird erstmals in der Geschichte ein Team an den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro teilnehmen, das gänzlich aus Flüchtlingen besteht. Das Team setzt sich aus sechs Männern und vier Frauen zusammen, die aus dem Südsudan, der Demokratischen Republik Kongo, Syrien und Äthiopien geflohen sind. Sie werden an den Wettkämpfen und an der Eröffnungszeremonie im Maracana-Stadium unter der olympischen Flagge teilnehmen.

43 Athletinnen und Athleten hatten sich für das Flüchtlingsteam beworben. Der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) Thomas Bach stellte das Team der Presse vor.

These refugee athletes have no home, no team, no flag, no national anthem. We will offer them a home in the Olympic Village together with all the athletes of the world. The Olympic anthem will be played in their honor and the Olympic flag will lead them into the Olympic Stadium.

Diese Flüchtlingsathleten haben keine Heimat, kein Team, keine Fahne, keine Nationalhymne. Wir geben ihnen im olympischen Dorf zusammen mit allen Athleten aus der ganzen Welt ein Zuhause. Die olympische Hymne wird ihnen zu Ehren gespielt werden, und sie werden von der olympischen Fahne ins olympische Stadium geführt werden.

Hier sind die Lebensgeschichten von einigen der Athletinnen und Athleten.

Schwimmer aus Syrien

Rami Anis, 25, und Yusra Mardini, 18, sind zwei Schwimmer aus Syrien, die für das Flüchtlingsteam antreten.

Yusra, Screenshot Youtube

Die syrische Schwimmerin Yusra Mardini. YouTube-Screenshot.

Yusra und ihre Schwester sind im August 2015 aus ihrer Heimatstadt Damaskus über den Libanon und die Türkei geflohen. Dort bezahlten sie Schlepper, um über die Ägäis nach Griechenland zu gelangen, wo sie um Asyl in Europa ansuchten. Wie der US-Radiosender NPR berichtete, begann das Boot zu sinken, in dem sie sich befanden. Deshalb sprangen Yusra und ihre Schwester, beide sehr gute Schwimmerinnen, ins Meer, um das Gewicht des Boots zu erleichtern. Nach dreieinhalb Stunden im Wasser konnten sie schließlich die Insel Lesbos erreichen.

In Deutschland, wo Yusra letztlich Aufnahme fand, trat sie einem Schwimmverein bei und begann, für die Olympischen Spiele zu trainieren.

In einem Video des IOC beschreibt Yusra ihr letztes Training in Syrien als „vom Pool aus aufs Dach schauend und den Himmel durch die Bombenlöcher sehend“.

Leider beginnen im Jahr 2016 nicht nur die Olympischen Spiele in Rio. Der Krieg in Syrien feiert 2016 bereits ein fragwürdiges fünfjähriges „Jubiläum“, ein Ende ist nicht in Sicht.

Judokas aus dem Kongo

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Yolande Mabika. YouTube-Screenshot.

Popole Misenga, 24, und Yolande Mabika, 28, suchten Asyl in Brasilien, als sie das Land für die Judo-Weltmeisterschaften 2013 in Rio besuchten.

Beide stammen aus Bukavu im Osten der Demokratischen Republik Kongo, einem Gebiet, das auch nach dem Ende des zweiten Kongokriegs von Gewalt und Menschenrechtsverletzungen geplagt wird.

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Judoka Popole Misenga, YouTube-Screenshot.

Beide gaben an, dass sie von ihrem Trainer im Kongo jedes Mal misshandelt wurden, wenn sie einen Wettkampf verloren. Er soll sie tagelang mit nur wenig Nahrung eingesperrt haben.

Nachdem ihr Asylantrag in Brasilien genehmigt wurde, ließen sie sich in Rio de Janeiro nieder und begannen in der Judoschule des brasilianischen, olympischen Bronzemedaillengewinners Flavio Canto mit dem Training.

Leichtathleten aus dem Südsudan

30 Monate lang vertrieb der Bürgerkrieg im Südsudan hunderttausende Flüchtlinge in benachbarte Länder. Fünf glückliche südsudanesische Athleten, die nun in Kenia sind, wurden für das Flüchtlingsteam ausgewählt.

Die Athleten sind Paulo Amotun Lokoro, 24, Yiech Pur Biel, 21, Rose Nathike Lokonyen, 23, Anjelina Nadai Lohalith, 21, und James Nyang Chiengjiek, 28. Alle fünf südsudanesischen Leichtathleten leben und trainieren derzeit in Kenia und werden an den 800- bis 1.500-Meter-Läufen bei den Olympischen Spielen teilnehmen.

Sie berichten über ihre entsetzliche Flucht, Hunger und Leiden als Flüchtlinge. Yiech erzählte Radio Tamazuj, einem Pressedienst über den Südsudan:

In the refugee camp, we have no facilities – even shoes we don’t have. There is no gym. Even the weather does not favor training because from morning up to the evening it is so hot and sunny

Im Flüchtlingslager gibt es keine Trainingsanlagen – wir haben auch keine Schuhe. Es gibt keine Turnhalle. Auch das Wetter unterstützt das Training nicht, da es von früh bis spät so heiß und sonnig ist.

Ein Marathonläufer aus Äthiopien

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Der äthiopische Läufer Yonas Kinde, YouTube-Screenshot.

Der Marathonläufer und Äthiopienflüchtling Yonas Kinde, 36, wird auch Teil des Olympischen Teams in Rio 2016 sein. Er lebt seit fünf Jahren in Luxemburg, besucht regelmäßig einen Französischkurs und verdient sich mit Taxifahren sein Geld.

„Es ist unmöglich für mich, dort zu leben … Es ist sehr lebensgefährlich“, erzählte er der Flüchtlingsbehörde der Vereinten Nationen über sein Heimatland.

Er trainiert zweimal pro Tag, um sich auf die Spiele vorzubereiten. „Ich werde an den Olympischen Spielen teilnehmen. Ich werde sehr stolz sein. Ich werde glücklich sein”, sagte Kinde zu einem Reporter der offiziellen Website der Olympischen Spiele. Er findet es immer noch schwierig, über die Gründe zu sprechen, die ihn zur Flucht aus Äthiopien zwangen.

Flüchtlinge danken Brasilien für sein Willkommen in einem Musikvideo

In einem Musikvideo aus dem Jahr 2015 bedanken sich die Flüchtlinge bei Brasilien für sein Willkommen.

Ein guter Gastgeber

In den letzten Jahren ist die Anzahl der Asylbewerber in Brasilien stark angestiegen. In 2010 stellten weniger als tausend Menschen in Brasilien einen Asylantrag. In 2015 waren es mehr als 28.000.

Brasilien beherbergt nun 8.863 anerkannte Flüchtlinge (die Asylbewerber im Land nicht mitgezählt) aus 81 Nationen, laut Angaben des nationalen brasilianischen Flüchtlingskomitees (CONARE). Die meisten davon stammen aus Syrien, Kolumbien, Angola und der Demokratischen Republik Kongo.

Brasilien betreibt in Bezug auf Asylanträge eine Politik der offenen Tür. Asylbewerber erhalten eine Arbeitserlaubnis und befristete Reisedokumente, während ihr Asylantrag in Bearbeitung ist. Die Regierung stellt Flüchtlingen oder Asylbewerbern keine Unterkünfte oder Geldmittel zur Verfügung, aber sie können sich frei bewegen und in Brasilien eine Arbeit finden. Sie haben auch Zugang zu den öffentlichen Gesundheitseinrichtungen.

Es gibt jedoch nicht nur gute Neuigkeiten für Flüchtlinge in Brasilien. Die brasilianische Übergangsregierung, die das Land regiert, während das Amtsenthebungsverfahren gegen die Präsidentin Dilma Rousseff läuft, hat angekündigt, dass alle Gespräche mit der Europäischen Union über eine Umsiedlung von Flüchtlingen ausgesetzt werden.

Nur wenige Wochen vor den Olympischen Spielen heißt Brasilien das Flüchtlingsteam mit offenen Armen willkommen. Mario Cilenti, Leiter des olympischen Dorfs von Rio 2016 und Ansprechpartner des Nationalen Olympischen Komitees, sagte:

It is fantastic news that the IOC has created a team of refugee athletes to compete at the Rio 2016 Games. Alongside athletes from all corners of the globe, they will be received with open arms at the Olympic Village and by all of Rio 2016, and we are sure that Brazilians will also welcome them with the warmth for which they are renowned.

Es ist eine tolle Neuigkeit, dass das IOC ein Team aus Flüchtlingsathleten zusammengestellt hat, um an den Rio 2016 Spielen teilzunehmen. Zusammen mit Athleten aus allen Ecken der Welt werden sie mit offenen Armen im olympischen Dorf und von ganz Rio 2016 aufgenommen, und wir sind sicher, dass die Brasilianer sie ebenfalls, mit der für sie bekannten Wärme, willkommen heißen.

IOC-Präsident Thomas Bach merkte an:

This will be a symbol of hope for all the refugees in our world, and will make the world better aware of the magnitude of this crisis.

Das wird ein Symbol der Hoffnung für alle Flüchtlinge auf der Welt sein, und wird der Welt das Ausmaß dieser Krise besser vor Augen führen.

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