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Ein Künstler verbrennt seine Gemälde als Zeichen der Solidarität mit den in Nepal ermordeten Madhesi

Image courtesy Govinda Shah's Facebook page

Bild mit freundlicher Genehmigung von Govinda Shah's Facebook Seite.

Nepal wurde in alte Zeiten zurück geworfen. Die Nepali sind derzeit gezwungen, ihr Essen wieder über Holzfeuern zu kochen und sich per Fahrrad fort zu bewegen, da der Brandstoff, der normalerweise aus Indien kommt, durch die so genannte inoffizielle Blockade knapp geworden ist. Unterdessen hat ein in London lebender nepalesischer Künstler seine wertvollen Gemälde verbrannt, als Zeichen der Solidarität mit den unschuldigen Madhesi, die inmitten dieser Unruhen in Nepal ermordet wurden.

Seht euch an, wie ein international renommierter Künstler #Nepals seine Last verbrennt; Govinda Azad! – #peace! https://t.co/bsSRZEYLNK

— Shishi (@Shishi_Samir) 8. November 2015

In Madhes, der südlichen Flachland-Region Nepals, unterdrücken Sicherheitskräfte auf brutale Weise eine Volksbewegung. Die Unruhen haben bislang fast 50 Todesopfer gefordert, die meisten davon unschuldige Zivilisten. Der Konflikt war ausgebrochen, nachdem eine neue Verfassung bekannt gegeben worden war. Die Situation eskalierte, nachdem die Forderungen der Protestierenden im zentral-westlich gelegenen Hügelland zwar erfüllt worden waren, die Regierung sich jedoch gleichzeitig den Forderungen ethnischer Tharu und Madhesi gegenüber taub gestellt hatte. Die Proteste lähmen das gesamte Land, seitdem die Protestierenden begonnen haben, an diversen Orten entlang der nepalesischen Grenze, Blockaden zu errichten. Indien behauptet, keinerlei Blockaden an Handelsknotenpunkten angeordnet zu haben und gibt den Protestierenden die Schuld an den Verzögerungen. Unterdessen entsteht durch den Lieferstopp in Nepal eine zunehmend schwere humanitäre Krise.

Govinda Sah ‘Azad’ ist ein Mann, der Stimmungen ausdrückt. Er ist bekannt für seine Wolkengemälde, die er Gefühle der Natur nennt. Dadurch verwesentlicht er abstrakte Konzepte wie Moral, die Umwelt, das Sublime und Spiritualität.

Während des Aufstandes der Maoisten in Nepal hatten ihn seine Gefühle und Absichten bereits zuvor zu einer besonderen Aktion bewogen: Um die Chance des Friedens mittels Kunst bewusst zu machen, begab er sich auf eine Fahrradtour von Ost nach West, quer durch Nepal. Unter dem Motto “Das 21. Jahrhundert ist das Jahrhundert der Kunst und des Friedens” radelte er damals von März bis Juni 2000 durch das Land. Unterwegs veranstaltete er Kunst-Happenings und Workshops. In Schulen und bei lokalen Versammlungen gab er Lesungen.

15 Jahre später kehrte er nun in sein Land zurück und verbrannte seine Gemälde, die er damals während dieser Fahrradtour gemalt hatte. Er widmete sie denen, die ihr Leben verloren hatten bei ihrem Einsatz für Gleichberechtigung, Respekt und Gerechtigkeit. Das Ereignis mit dem Titel “Lasst uns die Last verbrennen, verbrennen wir die Bilder”, fand im Oktober in Kathmandu statt. Er verbrannte 28 seiner Ölgemälde.

Hier ein Video von Govinda Sah, hochgeladen von Katha Haru:

Sah kommt aus Rajbiraj, einer kleinen Stadt im südlichen Flachland. Aus einer Familie der Mittelschicht stammend, geht Govinda kurz nach seiner Schule nach Dehli, Indien, wo er als Schildermaler arbeitet. Dabei kultiviert er, was ihn schon seit seiner Kindheit interessiert: Zeichnen und Skulpturen erschaffen. Nach mehreren Jahren kehrt er nach Nepal zurück. Dort studiert er an der Hochschule der Künste (Fine Arts College) und geht daraufhin erst nach Dhaka, dann nach London (UK), um seine Studien fortzusetzen.

Image courtesy Govida Shah's Facebook page

Bild mit freundlicher Genehmigung von Govida Sah's Facebook Seite.

Nicht alle können sich jedoch mit seiner Form des Protests anfreunden. Krishna Adhikari schrieb auf Facebook:

Well things might change as hoped, and emotional state of hopelessness might change to hope as well. Like those who have already lost lives, the treasure of your work once burnt won’t be brought back. So find another way of expressing discontent than burning them. Artists have power to change pessimism to optimism, not the opposite.

Nun, die Dinge könnten sich wie erhofft verbessern und auch das Gefühl der Hoffnungslosigkeit könnte sich in Hoffnung verwandeln. Doch genau wie bei denen, die bereits ihr Leben verloren haben, wird auch der Schatz deiner Werke nie mehr zurück gebracht werden können. Finde einen anderen Weg um Protest auszudrücken als den, deine Werke zu verbrennen. Künstler haben die Macht, Pessimismus in Optimismus zu verwandeln, nicht umgekehrt.

Er hingegen, mit der Kritik mancher Leute rechnend, nennt es einen symbolischen Akt. Mit dem er nicht nur Künstlerkollegen in Nepal und weltweit erreichen will, sondern auch die übrigen seiner Landsleute. Sie sollen dem Land helfen, wieder zum Frieden zu finden, um ein Leben frei von Angst, Gewalt, Diskriminierung, Ungerechtigkeiten oder Abschottung leben zu können.

Sah ist nicht der erste Künstler, der sein Werk zerstört, um eine Nachricht zu übermitteln. Mit seiner mutigen und leidenschaftlichen Aktion reiht er sich in eine historische Gemeinschaft Gleichgesinnter: Der italienische Maler Michelangelo hatte eines seiner Werke verbrannt. Der amerikanische Künstler Robert Rauschenberg radierte eine Zeichnung seines Landsmanns und Kollegen Willem de Kooning aus. Und der chinesische Künstler Ai Wei Wei ließ eine antike Vase aus der Han Dynastie fallen.

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