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“Eine Frau kann nur dann Präsidentin werden, wenn die Männer in Tadschikistan aussterben”

In Tadschikistan, wo oft selbst die Erwähnung von Wahlen die Leute zum Gähnen bringt, verspricht der baldige Präsidentschaftswahlkampf alles andere als langweilig zu werden. Zum ersten Mal in der Geschichte des Landes kandidiert eine Frau für das höchste politische Amt. Oynihol Bobonazarova, eine bekannte Anwältin und Menschenrechtsaktivistin, hat sich am 9. September 2013 zur Wahl gestellt, nachdem eine Koalition, bestehend aus tadschikischen Oppositionsparteien und Nichtregierungsorganisationen (NGOs), sie zu ihrer Kandidatin nominiert hatten.

‘Das Beste, was hätte geschehen können’

Oynihol Bobonazarova. Image by ASIA-Plus, used with permission.

Oynihol Bobonazarova. Foto von ASIA-Plus, Verwendung genehmigt.

Bobonazarovas Antritt zur Wahl – und die Tatsache, dass sie von der Islamischen Partei der Wiedergeburt Tadschikistans unterstützt wird – hat die öfffentliche Meinung der Gesellschaft aufgeschreckt, in der patriarchalische Geisteshaltungen tief sitzen. Auch wenn wenige Leute glauben, dass sie eine Chance hat, die Wahlen zu gewinnen, sind viele Blogger und Nutzer sozialer Medien allein schon über ihre bloße Teilnahme an der Wahl enthusiastisch.

Tomiris schreibt [ru] auf ihrem Blog:

…[Я] думаю, что выдвижение Ойнихол Бобоназаровой единым кандидатом от оппозиции для участия в президентских выборах  это лучшее из всего, что могло произойти на этих выборах.

Я не настолько наивна, чтобы думать, что у ОБ есть хоть малейший шанс победить на этих выборах или хотя бы набрать четверть голосов. Нет, за неё мало кто проголосует. Но её выдвижение все равно лечшее из всего, что могло произойти.

Ich denke, dass die Tatsache, dass die Opposition Oynihol Bobonazarova zu ihrer einzigen Kandidatin für die Präsidentschaftswahlen nominiert hat, das Beste ist, was bei diesen Wahlen hätte geschehen können.

Ich bin nicht so naiv zu denken, dass [Bobonazarova] auch nur die geringste Chance hätte, diese Wahlen zu gewinnen oder auch nur ein Viertel der Wählerstimmen zu bekommen. Wenige werden sie wählen. Doch ihre Nominierung ist dennoch das Beste, was hätte geschehen können.

Tomiris erklärt [ru] dann, warum sie so enthusiastisch wegen einer Kandidatin beim Präsidentschaftswahlkampf ist:

[Бобоназарова] хотя и проиграет, но покажет своим примером что женщина может претендовать на самые высокие политические должности в стране. Это будет иметь огромные, положительные и долго-срочные последствия для всех девушек и женщин в Таджикистане. У нас появится идеал к которому будут стремиться. А мучжчины возможно поймут, что к девушкам нужно относиться серьёзнее и что место женщины может быть не только на кухне, но и в президентском кресле.

Selbst wenn sie verliert, wird Bobonazarova ein Beispiel setzen und zeigen, dass eine Frau für das höchste politische Amt im Land kämpfen kann. Das wird einen großen, positiven und langanhaltenden Eindruck auf alle Mädchen und Frauen in Tadschikistan haben. Wir werden ein Vorbild haben, dem wir nacheifern können. Gleichzeitig werden Männer möglicherweise erkennen, dass Mädchen ernster genommen werden sollten und dass der Platz einer Frau nicht bloß in der Küche, sondern auch auf dem Stuhl des Präsidenten ist.

‘Nur wenn alle Männer aussterben’

Auch wenn viele Nutzer sozialer Medien im Land ihrer Unterstützung für Bobonazarova Ausdruck verliehen haben, zeigt selbst ein flüchtiger Blick auf Kommentare, die auf News-Foren hinterlassen werden, dass viele Leute in Tadschikistan nicht dazu bereit sind, für eine Kandidatin zu stimmen.

Unter einer Nachrichtenmeldung über Bobonazarovass Präsidentschaftsnominatierung auf ozodi.org, schreibt [tj, ru] Sham:

Давлатро зан рохбари кунад? Наход дар байни онхо як мард пайдо нашуд, ки занро пешниход карданд? Это уже слишком!!!

Eine Frau das Land leiten? Konnten sie [die Oberhäupter der Opposition] nicht wenigstens einen einzigen Mann unter sich finden statt eine Frau zu nominieren? Das ist jetzt zu viel zu ertragen!!!

In ähnlicher Weise stellt [tj] Mahmadullo fest:

мардуми мо барои он ки зан сардори давлат шавад таер нест . Мумкин худи он кас таер бошанд аммо фахмиши мо менталитети мо дигар аст барои мо дар айни хол сарвари мард даркор …Хубаст ки занро пешбари мекунанд аммо холо барвакт аст.

Unsere Leute nicht nicht dazu bereit, eine Frau an der Spitze der Regierung zu haben. Vielleicht ist sie [Bobonazarova] dafür bereit, doch unsere Denkweise und unsere Mentalität ist eine andere. Wir brauchen momentan einen Mann als unseren Anführer. Es ist gut, dass sie eine Frau [zur Präsidentin] nominieren, aber es ist früh, das jetzt zu tun.

Auf news.tj fragt [ru] Tokhir Muzhik [‘the man’] scherzhaft:

Женщина президент??? Разве уже первое апреля???

Ein weiblicher Präsident??? Wir haben schon den 1. April???

Und unter Tomiris’ Blogeintrag stellt [ru] Gafur fest:

Лично я думаю что женщина сможет стать президентом только когда все мужчины вымрут в Таджикистане. Да и тогда навряд ли.

Ich persönlich denke, dass eine Frau nur dann Präsidentin werden kann, wenn alle Männer in Tadschikistan aussterben. Und selbst dann wäre es kaum möglich.

‘Die tadschikische Margaret Thatcher’

Dennoch glauben manche Internetnutzer in Tajikistan, dass Bobonazarova die Wahlen gewinnen und eine gute Anführerin sein könnte.

Als Antwort zu einem Kommentar, der nahelegt, dass eher ein Mann als eine Frau das Land regieren sollte schreibt [tj] Ramziya auf ozodi.org:

мо дидем ки мардхо дар давоми хукумронишон ба кучо халку миллатро ватанро бурда расондаанд.

Wir können sehen, was Männer unserem Land und unseren Leuten in der Zeit ihrer Herrschaft angetan haben.

Benom [‘Anonymous’] fügt hinzu [tj]:

танҳо зан моро аз ин торики метавонад раҳо кунад.

Nur eine Frau kann uns aus dieser dunklen Zeit führen.

Während Rustam verkündet [tj]:

[Бобоназарова] Бехтарин номзад. Мо уро аз дилу чон табрик мекунем ва ба у овоз хохем дод. У Маргарита Течер ва Ангела Маркели точикон хохад буд.

[Bobonazarova] ist der beste Kandidat. I weite meine Glückwünsche auf sie aus und werde für sie stimmen. Sie wird die neue tadschikische Margaret Thatcher und Angela Merkel werden.

Ein Sieg ist unwahrscheinlich

Patriarchale Einstellungen sind nicht der einzige Grund, warum es unwahrscheinlich ist, dass Bobonazarova Präsidentin wird. Auf seinem Blog, behauptet [ru] Mustafo, es gäbe auch erhebliche politische und internationale Faktoren, die Bobonazarovas Erfolg bei den Wahlen äußerst unrealistisch machen würden:

Победить на ноябрьских выборах Бобоназаровой конечно не удастся. Этому есть целый ряд причин. Ну, во-первых, вопрос, который я сам себе недавно задавал: кто она вообще такая? Большинство людей, которые будут голосовать, не знают ее и поэтому не имеют ни малейшего представления о том, что она из себя представляет. Во-вторых, она женщина, а за женщину у нас не многие будут голосовать. Такое уж у нас общество, патриархальное. А в третьих, она довольно немолодой человек. Нашей республикой должен управлять кто-то помоложе, у кого будет достаточно сил ломать и перестраивать. У Бобоназаровой особой энергии не наблюдается.

Есть еще и четвертая причина. Бобоназарова долгое время возглавляла Фонд Сороса, то есть американскую неправительственную организацию, и сейчас возглавляет другую неправительственную организацию, которая занимается правами человека. Не думаю, что Россия позволит такому проамериканскому кандидату прийти к власти в Таджикистане. Да и наши чиновники и силовики не захотят видеть во главе государства человека, обеспокоенного правами человека.

Bobonazarova wird die Wahlen im November nicht gewinnen. Es gibt eine Reihe von Gründen, warum ads so ist. Zunächt gibt es da eine Frage, die ich mich selbst in letzter Zeit öfters gefragt habe: Wer zur Hölle ist sie überhaupt? Die meisten Wähler kennen sie nicht und haben deswegen nicht die geringste Vorstellung davon, wie sie ist. Zweitens, sie ist eine Frau, und nicht viele in unserem Land werden für eine Frau stimmen. Wir sind so eine Gesellschaft, eine patriarchale. Drittens, sie ist keine junge Person. Jemand Jüngeres sollte unsere Republik leiten – jemand, der genügend Kraft haben wird, alles niederzureißen und neu aufzubauen. Bobonazarova scheint nicht zu viel Kraft zu haben.

Ist gibt außerdem einen vierten Grund. Für sehr lange Zeit hat Bobonazarova als Kopf der Soros-Stiftung gearbeitet, einer amerikanischen Nichtregierungsorganisation und sie leitet momentan eine weitere Nichtregierungsorganisation, die sich mit Menschenrechtskonflikten beschäftigt. Ich denke nicht, dass Russland einen solch pro-amerikanischen Kandidaten in Tadschikistan an die Macht kommen lassen wird. Zudem werden unsere Beamten und Sicherheitsdienste nicht jemanden, der um Menschenrechte besorgt ist, als Kopf der Regierung haben wollen.

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