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Mexiko: Kinder in viralem Video mischen Präsidentschaftswahlkampf auf

Im Rahmen des derzeit in Mexiko stattfindenden Wahlkampfes für die nächste Präsidentschaftswahl verbreitete die Bewegung Nuestro México del Futuro [es] (Unser Mexiko der Zukunft) ab dem 9. April 2012einen Videoclip mit dem Titel “Niños incómodos exigen a candidatos” (Unbequeme Kinder fordern Kandidaten auf) an.

Während vier Minuten und zwei Sekunden stellt der Clip traurigerweise alltägliche Szenen für die Mexikaner dar (Raubüberfälle, Entführungen, Armut, Gewalt, Korruption der Beamter, chaotischer Verkehr und Umweltverschmutzung), gespielt von Kindern, mit einer starken Schlußbotschaft für die Präsidentschaftskandidaten:

Si éste es el futuro que me espera, no lo quiero. Basta de trabajar para sus partidos y no para nosotros. Basta de arreglar el país “por encimita”. Doña Josefina, don Andrés Manuel, don Enrique, don Gabriel, se acabó el tiempo, México ya tocó fondo. ¿Sólo van a ir por la silla o van a cambiar el futuro de nuestro país?

Wenn dies die Zukunft ist, die mir bevorsteht, möchte ich sie nicht. Hört auf, für eure Parteien und nicht für uns zu arbeiten. Hört auf, das Land so oberflächlich zu regeln. Frau Josefina, Herr Andrés Manuel, Herr Enrique, Herr Gabriel, es gibt keine Zeit mehr, Mexiko hat den Tiefpunkt erreicht. Haben Sie es nur auf die Präsidentschaft abgesehen oder werden Sie die Zukunft unseres Landes ändern?

Der Clip wurde viral und und tausende Benutzer bei Facebook und Twitter veröffentlichten ihn. So wie es häufig geschieht mit Viralclips, kamen die Reaktionen rasch.
Auf Vivir México, lobte Katya Albiter [es] das Video. Sie blieb aber skeptisch und fragte sich wer dahinter stecke:

Desgraciadamente, me cuesta trabajo dejarme llevar tan fácil porque, tras la emoción, lo primero que pienso es: este video no es cosa de niños. La producción es demasiado buena y bien cuidada. Y entonces me pregunto ¿quién está detrás de esto? La respuesta más inmediata es Nuestro México del Futuro. Ellos se definen como “un movimiento social sin precedente a escala nacional que ha convocado a todos los mexicanos a expresar su visión sobre el México en el que les gustaría vivir” -yo me niego a calificarlo de “movimiento social”, es lo malo de estudiar sociología, nada nos complace-.

Leider kann ich mich nicht so einfach mitreißen lassen, weil das erste, was ich nach der Aufregung denke, ist: dieses Video ist kein Zeug für Kinder. Die Produktion ist zu gut und zu gepflegt. Und deshalb frage ich mich “Wer steckt dahinter?” Die schnellste Antwort ist Nuestro México del Futuro. Sie definieren sich als “eine soziale Bewegung ohne Vorgänger in nationalem Umfang, die alle Mexikaner aufruft, ihre Vorstellung über das Mexiko, in dem sie leben möchten, zu äußern.” Ich weigere mich sie als eine “soziale Bewegung” zu qualifizieren. Das ist das Schlechte am Soziologiestudium: nichts stellt uns zufrieden.

Auf dem Blog Estupideces sin sentido [es] drückte Vitochas seine Meinung aus. Er ist nicht einverstanden mit der Kritik am heutigen System und mit der von ihr erzeugten Empörung, die nur eine “Modeerscheinung” sei:

Contrario a la muy probablemente opinión mayoritaria, que aplaude ese ejercicio de libertad de expresión de traumatizantes efectos mediáticos, a mi no me causa furor justiciero. Y no sólo por mi tendencia natural a ejercer de advocatus diavoli, ni por la indignación tipo señora gorda histérica que ha producido en la clase política y en la intelectualidad inorgánica, el empleo de niños actores para intervenir en el proceso electoral federal en curso, violando las disposiciones legales, sino por la esencia del mensaje que forma parte de una tendencia en boga entre la sociedad civil.

A principios de los años noventa comenzó a gestarse en la escena política mexicana una moda que en ese momento tenía una razón de ser y resultaba efectiva en sus propósitos. Era la moda de constituir grupos críticos, formados por empresarios, intelectuales, ex guerrilleros, curas liberacionistas y activistas ambientales y de derechos humanos.

Im Gegensatz zur wahrscheinlichen Mehrheitsmeinung, welche dieser Ausübung der Meinungsfreiheit der traumatisierenden Effekte der Medien applaudiert, verursacht es mir keinen gerechtfertigten Ärger. Weder wegen meiner natürlichen Tendenz Advocatus Diaboli zu spielen, noch aufgrund der Empörung nach Art einer dicken, hysterischen Frau, die aus einer politischen Klasse und in der inorganischen Intellektualität entsteht, oder durch die Anstellung von Kinderdarstellern, um sich in den heutigen Wahlprozess einzumischen, wobei sie die Rechtsbestimmungen übertreten, sondern wegen der Essenz der Nachricht, die zu einer unter der bürgerlichen Gesellschaft beliebten Tendenz gehört.

Am Anfang der neunziger Jahre begann in der mexikanischen politischen Szene eine Mode Gestalt anzunehmen, die in dem Moment vernünftig war und in Bezug auf ihre Ziele effektiv. Es war eine Modeerscheinung die Gruppen von Kritikern schuf, bestehend aus Unternehmern, Intellektuellen, Ex-Freiheitskämpfern, liberalen Pfarrern, Umweltaktivisten und Menschenrechtlern.

Der Autor rechtfertigt seine Ideen folgendermaßen:

Ser ciudadano no se agota en andar denunciando con el índice flamígero, ni en el áurea impoluta que se forma al pertenecer a una organización de la sociedad civil que no quiere contaminarse incursionando en actividades políticas. Tampoco significa promover una percepción maniquea y bastante rudimentaria de “ciudadanos buenos vs. políticos malos”, ni en frases soeces del tipo “estamos hasta la madre”.

Ser ciudadano, y esto lo dicen algunos personajes con más o menos “cierta” credibilidad ganada al paso de los años e incluso de los siglos, como Hobbes, Rousseau, Montesquieu y más recientemente Hannah Arendt, es ser parte activa de lo público que es la fuente primigenia de su condición de cive, es decir el que vive en la civitas, que a su vez tiene su origen en la polis, formada por los pólites o politkós (ciudadanos).

Staatsbürger sein, heißt weder mit dem Zeigerfinger auf die Schurken zu zeigen, noch in das makellose einer Organisation der Bürgergesellschaft, die sich nicht durch Einmischung in politische Aktivitäten verschmutzen will, behalten. Es heißt auch nicht eine manichäistische und ziemlich rudimentäre Wahrnehmung à la “gute Bürger versus schlechte Politiker” oder ordinäre Sprüche wie “Wir haben die Schnauze voll!” zu verbreiten.
Staatsbürger sein, heißt, und dies sagen einige Prominente, die über die Jahre und Jahrhunderte hinaus eine gewisse Glaubwürdigkeit erworben haben, so wie Hobbes, Rousseau, Montesquieu und neuerdings auch Hannah Arendt, aktiver Teil der Öffentlichkeit zu sein. Diese Öffentlichkeit ist die Quelle der Kondition des Cive, der in der Civitas lebt, die ihren Ursprung in der Polis hat, die wiederrum besteht aus Pólites oder Politkós (Staatsbürgern).”

Die Verbreitung des Videos scheint ihre Zielsetzung, wenigstens einige Akteure der politischen Szene zu “belästigen”, erfüllt zu haben. So meldet auch Marco Antonio Gómez Lovera [es]:

El día de hoy en el pleno algunos diputados dieron su opinión al respecto del video que muestra a unos niños representando la situación actual del país y que increpa a los candidatos a la presidencia sobre la finalidad de sus actos.

El diputado priista Miguel Ángel García Granados pidió a la Secretaría de Gobernación retirar el spot del aire y no escudarse tras el pretexto de permitir la libertad de expresión.

Heute haben einige Parlamentarier ihre Meinung kundgetan bezüglich des Videos, das Kinder zeigt, die den heutigen Zustand des Landes darstellen und die Absichten der Präsidentschaftskanditaten zurechtweist.
Miguel Ángel García Granados, ein Abgeordneter der Partei Partido Revolucionario Insitucional,  hat das Regierungssekretariat gebeten, den Clip zurückzuziehen und sich nicht hinter dem Vorwand der Meinungsfreiheit zu verbergen.

Bezüglich des Ärgers der Gesetzgeber, insbesondere von García Granados, fragte sich der Journalist Carlos Marín [es], weshalb es keine Kritik gibt, wenn Politiker  während ihrer Kampagnen Kinder verwenden:

Impúdicos y desvergonzados, cuando se trata de políticos en campaña besuqueando a niñas y niños, no ven “uso”: simplemente se hacen pendejos.

Unkeusch und schamlos, wenn es sich um Politiker handelt, die während der Kampagne Mädchen und Jungen abküssen, sehen sie dies nicht als “Gebrauch” an: sie stellen sich einfach dumm.

Bei Twitter verspottete Gabriel Guerra (@gabrielguerrac) den Ärger, der das Video erzeugte, nicht nur unter den Gesetzgebern, sondern auch in der allgemeinen Öffentlichkeit:

Hay quienes se molestan más por un video que por la realidad que refleja… Eso SÍ es el mundo al revés…

Es gibt Leute, die sich mehr über ein Video aufregen, als über die Realität, die es wiederspiegelt…. Das ist wirklich eine verkehrte Welt…

Alessia Corcuera (@top_roping_ale) drückte ihre Freude über die Verbreitung des Videos aus:

Ya vieron el video de los #NiñosIncómodos? uff, está buenísimo, a mi me gustó y coincido, “si ese es el futuro que me espera, no lo quiero”

Habt ihr schon den Clip der #NiñosIncómodos [unbequemen Kinder] gesehen? Uf, ist der gut! Mir gefiel er und ich stimme zu: “Wenn die die Zukunft ist, die mir bevorsteht, möchte ich sie nicht.”

Der Besitzer des Kontos @Dios_Padre deutete seinerseits an:

Es más que obvio que detrás de los “niños incomodos” están unos adultos muy “acomodados”.

Es ist mehr als offensichtlich, dass hinter den “unbequemen Kindern” einige sehr “bequeme” Erwachsene stehen.

Andere Benutzer wie @JCsudias stellten das Video auch in Frage. Er führt an, dass die Zielsetzung eine “andere” ist, obwohl er nicht erwähnt, welche genau:

#niñosincómodos la mayoría de los mexicanos ya no somos tan tontos para caer en chantajes de ese tipo el trasfondo de su petición es otra

#niñosincómodos Die Mehrheit der Mexikaner ist nicht mehr so dumm, dass sie auf solche Erpressungen hereinfallen. Der Hintergrund ihrer Forderung ist ein anderer.

Ein virales Video erzeugt immer verschiedene Reaktionen und es wird in der Entwicklung dieses Wahlkampfes in Mexiko weitere Videos geben, die Erregung und Aufruhr in der Blogosphäre und in sozialen Medien erzeugen. Wir behalten die Situation im Auge.

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