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Mazedonien: Aktivisten gewinnen Kampf für sauberes Trinkwasser trotz Jahren der Geringschätzung durch frührere Regierung

Werbeveranstaltung für das Mineralwasser der Spottmarke „Arsena  das mit Arsen angereicherte Wasser, direkt aus den Wasserhähnen von Gevgelija” in Skopje am 17. Februar 2014. Foto von Vanco Dzambaski, CC BY-NC-SA.

Alle Links in diesem Artikel führen zu englisch- oder mazedonischsprachigen Webseiten.

Nach jahrelangem Kampf lokaler Aktivisten, die nicht müde wurden, auf die Verunreinigung ihres Trinkwassers mit Arsen hinzuweisen, errang der Graswurzelaktivismus in Mazedonien mit dem Bau eines neuen Systems der Trinkwasserversorgung in der südlichen Gemeinde Gevgelija einen wichtigen Sieg.

Am 7. November 2018 eröffneten die Behörden eine neue Anlage zur Trinkwasserversorgung, die Wasser aus drei neu erschlossenen Brunnen sammelt und zudem über eine Kläranlage und Rohrleitungen verfügt. Diese Einrichtung wird die 19.500 Einwohner der Umgebung mit Trinkwasser versorgen, wie die örtliche Nachrichtenseite Gevgelijanet.com berichtete.

Durch die Anlage, die 1,7 Millionen Euro kostete, ist endlich das Problem, dass giftiges Arsen in das Trinkwasser sickert, behoben. Die Verunreinigung begann vor 15 Jahren, nachdem durch ein Erdbeben arsenhaltiger Fels in Kontakt mit dem Wasserspiegel gekommen war.

Durch diese Entwicklung ist „Arsena“ rehabilitiert – eine Gruppe örtlicher Aktivisten, die seit mehreren Jahren versuchten, die Öffentlichkeit vor dem Giftgehalt des Wassers zu warnen. Von dem rechtsgerichteten, populistischen Regime, das Mazedonien von 2006 bis 2017 regierte, als Unruhestifter angesehen, wurden die Aktivisten aufgrund ihrer Bemühungen verfolgt.

Obwohl das Institut für Gesundheitswesen der Republik Mazedonien (Institute of Public Health of the Republic of Macedonia) schon 2012 feststellte, dass das Wasser auf gefährliche Weise vergiftet war, lehnten es die politischen Behörden ab, ein Problem mit der Wasserversorgung einzuräumen. Die populistische Partei VMRO-DPMNE, die zu dieser Zeit an der Macht war, hielt es für wichtiger, den Eindruck zu erwecken, das Land würde unter ihrer Regierung wachsen und gedeihen, statt tatsächlich vorhandene Probleme zu lösen, die die Lebensqualität beeinträchtigen, wie die Wasser- und Luftverschmutzung. Daher beharrten sowohl die Stadtverwaltung als auch die Staatsregierung darauf, dass alles in Ordnung sei, und dass diejenigen, die etwas anderes behaupten, lediglich Schachfiguren der Opposition seien.

Arsena ließ im Jahr 2014 zusätzliche Analysen des Trinkwassers in verschiedenen Laboratorien durchführen und versuchte, die Resultate zu veröffentlichen. Die Regierung reagierte darauf, indem sie die Aktivisten als Geächtete behandelte und sie über mehrere Jahre diversen Schikanen aussetzte, unter anderem durch Verleumdungskampagnen und willkürlichen Kontrollen mit dem Ziel ihre Arbeit zu behindern. Außerdem zensierten die meisten örtlichen Medien die Informationen, die sie von den Aktivisten erhielten, freiwillig. Die Zensur war so ausgeprägt, dass selbst Unternehmen sich weigerten, ihnen Plakatwände zu vermieten, um die Ergebnisse der Analysen zu veröffentlichen.

Um ihre örtliche Zielgruppe zu erreichen, waren die Aktivisten gezwungen, einen Umweg zu nehmen, und die Information zuerst landesweit zu verbreiten. Am 17. Februar 2014 hielten sie daher eine Pressekonferenz in der Hauptstadt ab, die nicht als Initiative der Zivilgesellschaft (die Medien meist ignorierten) angekündigt wurde, sondern stattdessen als Produktpräsentation einer neuen Marke von Mineralwasser – Arsena.

Als die Reporter der nationalen Medien zu der „Geschäftsveranstaltung“ kamen, überreichten die Aktivisten ihnen mit Trinkwasser aus den Wasserhähnen von Gevgelija gefüllte Plastikflaschen. Sie erklärten den Markennamen Arsena durch den hohen Anteil an Arsen in dem Wasser und luden die Anwesenden dazu ein, das Wasser mit den Einwohnern Gevgelijas zu teilen, die es täglich konsumierten. Zusätzlich präsentierten sie die Ergebnisse der wissenschaftlichen Analysen und Gesundheitsstatistiken, die ein erhöhtes Auftreten an Krebserkrankungen und eine erhöhte Sterblichkeitsrate in der Gegend zeigten, was beides sehr wahrscheinlich auf das vergiftete Wasser zurückzuführen ist.

Eine Aktivistin bereitet im Februar 2014 im Zentrum von Skopje, Mazedonien, die Werbeveranstaltung der Mineralwasser-Spottmarke „Arsena” vor. Sie verteilten Flaschen, die mit dem Trinkwasser aus Gevgelija, das einen gefährlich hohen Anteil an Arsen enthält, gefüllt waren. Foto von Vancho Dzhambaski, CC BY-NC-SA.

Nur ein einziger nationaler Fernsehsender berichtete über die Veranstaltung, was ausreichte, damit die Bewohner von Gevgelija davon erfuhren und zu den örtlichen Geschäften eilten, um Mineralwasser zu kaufen.

In den folgenden Jahren trieben die Aktivisten die Angelegenheit auf jede nur denkbare Art voran. Sie starteten Petitionen und Spendenaktionen für nicht verunreinigtes Mineralwasser für die unterprivilegierten Bevölkerungsschichten. Sie nahmen außerdem den Kampf gegen weitere Gesundheitsprobleme auf.

Allmählich gelang es den Aktivisten, die Ablehnung der Behörden zu überwinden, die zwar niemals zugaben, dass das Trinkwasser verunreinigt ist, aber dennoch die Errichtung neuer Wasseraufbereitungsanlagen bekannt gaben. Mehrere Monate nach der publikumswirksamen Veranstaltung in der Hauptstadt wurde in einer Zeremonie der Stadtverwaltung von Gevgelija das Band für die Bohrung eines neuen Brunnens durchschnitten. Die Baustelle blieb jedoch während der folgenden drei Jahre unverändert.

Der tatsächliche Bau der neuen Trinkwasseranlage begann im Februar 2017, dank eines neuen Projektes finanziert von der mazedonischen Regierung, der Europäischen Union und der Weltbank. Im selben Jahr wurde in Kommunalwahlen die bisherige Stadtregierung abgelöst. Die neue Verwaltung sah die Lösung des Trinkwasserproblems als eines ihrer dringlichsten Ziele an und die Anlage wurde im November 2018 fertiggestellt.

Fotocollage von der Eröffnung der neuen Trinkwasseranlage in Gevgelija, Mazedonien. Mit freundlicher Genehmigung von Gevgelijanet.com, mit Erlaubnis veröffentlicht.

Die Aktivisten der Arsena-Initiative feierten auf ihre übliche bescheidene Weise, indem sie folgende Stellungnahme neben den erfreulichen Neuigkeiten auf ihrer Facebook-Seite veröffentlichten.

АРСЕНА си ја заврши својата превземена граѓанската задача – поттикна една локална власт да го признае постоењето на отровниот арсен во гевгелиската вода (за кое четири години лажеше дека не постои) и да започне проект за нов водоснабдителен систем, а новата локална власт тоа го препозна како проектен приоритет за гевгеличани и го заврши проектот со сите неопходни додатни средства вложени за изведба на констатирани недостатоци во проектот, неопходни за целосно функционирање на истиот.

Чиста вода за пиење без арсен е новиот подарок за гевгеличани по повод 74 годишнината од ослободувањето на Гевгелија и денот на општина Гевгелија „7-ми Ноември“.

Arsena hat den staatsbürgerlichen Auftrag, den es angenommen hatte, erfüllt  es hat die örtliche Regierung dazu gebracht, die Verunreinigung des Trinkwassers von Gevgelija mit giftigem Arsen zuzugeben (nach vier Jahren der Lüge, es gäbe sie nicht) und ein Projekt für eine neue Wasseraufbereitungsanlage zu beginnen. Die neue Stadtverwaltung hat anerkannt, dass dies ein Projekt mit hoher Dringlichkeit für die Bürger von Gevgelija ist, und hat die Anlage fertiggebaut, indem sie die notwendigen Ressourcen zur Verfügung gestellt hat, um die vorhandenen Fehler in dem Projekt, aufgrund derer es nicht funktionierte, zu beheben.

Sauberes, arsenfreies Trinkwasser ist ein Geschenk an die Menschen von Gevgelija am 7. November, dem 74. Jahrestag der Befreiung der Stadt [im Zweiten Weltkrieg], der ebenso der Tag der Gemeinde ist.

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