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Ein Fotoprojekt will die Erinnerung der Mexikaner an unaufgeklärte Verbrechen am Leben halten

„Mientras Orabamos“ (Als wir beteten). Foto: Pablo Tonatiuh Álvarez Reyes. Verwendung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers.

Warnung: Die Fotos in diesem Artikel sind zwar gestellt, zeigen aber drastische, gewalttätige Szenen.

Der mexikanische Fotograf Pablo Tonatiuh Álvarez Reyes hat mit seinem Fotomontagen-Projekt „Sin Olvido“ (Kein Vergessen) eine eindringliche Bilderserie geschaffen, die neun Fälle unaufgeklärter Verbrechen in Mexiko in den Fokus rückt.

Tonatiuh sagt selbst, er möchte die kollektive Erinnerung der Mexikaner kritisieren, die nur allzu leicht Verbrechen vergessen, die ungestraft bleiben und von denen viele von Politikern vertuscht wurden. Die Opfer dieser Ungerechtigkeiten sind oft Personen, die zu den am meisten gefährdeten Gruppen in Mexiko gehören.

Die Fotos werden als Tableau vivant (französisch: „lebendes Bild“) inszeniert, eine künstlerische Darstellungsform, bei der die Darsteller durch Theater- und Lichteffekte dramatisch in Szene gesetzt werden, um die Darstellung noch realistischer wirken zu lassen.

Aktuell hat Tonatiuh bereits sieben von insgesamt neun Fotos aus dem Projekt „Sin Olvido“ auf seiner Facebook-Fanseite veröffentlicht. In einem Interview mit Global Voices erklärte er, dass seine Fotomontagen nicht nur Kunst, sondern auch eine Form von Aktivismus sind. Deshalb ist auch der Zeitpunkt der jeweiligen Veröffentlichung so gewählt, dass die maximale Wirkung erzielt wird.

Mientras Orabamos (Als wir beteten)

Die oben abgebildete Fotomontage „Mientras Orabamos“ (Als wir beteten) stellt das Massaker von Acteal nach. Bei dem Massaker am 22. Dezember 1997 töteten paramiltärische Gruppen im mexikanischen Bundesstaat Chiapas 45 Menschen – darunter auch Frauen und Kinder – die in dem kleinen Dorf Acteal gerade an einem Gebetstreffen teilnahmen. Das Massaker fiel mitten in den bewaffneten Konflikt zwischen dem Staat und der linken militanten Gruppe Ejército Zapatista de Liberación Nacional (deutsch: Zapatistische Armee der Nationalen Befreiung) nach dem Inkraftreten des „Plan de Campaña Chiapas“, mit dem die Regierung den Kampf und die Infiltration der zapatistischen Regionen durch paramilitärische Gruppen beschlossen hatte, um eine Ausbreitung der Ideologie zu verhindern.

In unserem Interview erklärte Tonatiuh, dass er vor allem an die indigenen Opfer des Massakers erinnern wolle:

Habla sobre la matanza que ocurrió en una pequeña localidad en Acteal, en Los Altos de Chiapas, ahí se encontraba orando indígenas tzotziles en una iglesia cristiana pentecostal, cuando llegó un grupo de paramilitares, a disparar contra ellos, el resultado fueron 45 muertos, entre los que se encontraban mujeres y niños, se culpó a un grupo paramilitar contrario al EZLN de haber perpetrado el crimen, pero nunca se esclareció de manera correcta quienes fueron los instigadores, pero la respuesta más obvia, es que fue el mismo gobierno federal que buscaba dar un escarmiento a la guerrilla en Chiapas.

Hablar de este sucesos significa darle voz a un grupo poco escuchado en el país, los indígenas.

„Mientras Orabamos“ (Als wir beteten) erzählt von dem Massaker in dem kleinen Dorf Acteal im Hochland von Chiapas. Angehörige der indigenen Gemeinschaft der Tzotziles beteten gerade in einer Pfingstkirche, als eine paramilitärische Gruppe eintraf und das Feuer eröffnete. Bei dem Angriff starben 45 Menschen, darunter auch Frauen und Kinder. Eine paramilitärische Gruppe, die gegen die Zapatistische Armee der Nationalen Befreiung kämpfte, wurde für das Verbrechen verantwortlich gemacht, obwohl nie aufgeklärt wurde, wer wirklich dafür verantwortlich war. Die meisten glauben jedoch, dass die mexikanische Regierung den Guerillas in Chiapas eine Lektion erteilen wollte.

Indem wir diese Geschichte erzählen, wollen wir einer in diesem Land kaum bekannten Gruppe eine Stimme geben: der indigenen Bevölkerung.

El Silbato de Mancera (Manceras Trillerpfeife)

Die Fotomontage „Silbato de Mancera“ (Manceras Trillerpfeife) bezieht sich auf eine Kampagne der Regierung von Mexiko-Stadt, mit der Gewalt gegen Frauen durch die Verteilung von Trillerpfeifen, die sie im Falle eines Angriffs auf der Straße benutzen sollten, verhindert werden sollte. Benannt nach Miguel Ángel Mancera, dem aktuellen Bürgermeister von Mexiko-Stadt, wurden die pinkfarbenen Trillerpfeifen als oberflächlich und wirkungslos im Kampf gegen die weitverbreitete Gewalt gegen Frauen in Mexiko kritisiert.

„El Silbato de Mancera“ (Manceras Trillerpfeife). Foto: Pablo Tonatiuh Álvarez Reyes. Verwendung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers.

La violencia hacia las mujeres no se arregla separándolas en los vagones del metro, recomendándoles ropas largas, o dándoles silbatos rosas para que pidan auxilio. La violencia se combate desde la educación, cuando se comprende al otro, cuando se le respeta, cuando se le conoce. Medidas paliativas para solucionar problemas graves y profundos, sólo destacan la indiferencia que se tiene hacia el tema, y peor aún, demuestran que mas que una solución son ellos mismos, parte del problema. – Pablo Tonatiuh Álvarez Reyes

Das Problem der Gewalt gegen Frauen kann man nicht lösen, indem man U-Bahnwagen nur für Frauen einsetzt, ihnen rät, lange Röcke zu tragen oder ihnen pinkfarbene Trillerpfeifen gibt, mit denen sie um Hilfe rufen können. Gewalt kann man nur durch Bildung bekämpfen – indem man anderen Verständnis entgegenbringt, indem man einander respektiert, indem man einander kennt. Wenn man nur die Symptome ernster und tiefgreifender Probleme bekämpft, zeigt das nur die Gleichgültigkeit gegenüber dem eigentlichen Problem. Schlimmer noch, es zeigt, dass die Maßnahmen selbst nicht die Lösung, sondern Teil des Problems sind. – Pablo Tonatiuh Álvarez Reyes

Peñabot

Mit der Fotomontage „Peñabot“ wird der Einsatz öffentlicher Mittel zur Erzeugung positiver Propanganda für die Regierung von Präsident Enrique Peña Nieto im Internet kritisiert. Peñabot ist die weit verbreitete Bezeichnung für automatische Bots und Trolle in sozialen Medien in Mexiko, mit denen gegen Trendthemen gesteuert wird. Diese sind größtenteils kritisch gegenüber der Regierung und beeinflussen die öffentliche Meinung und schikanieren die Nutzer.

„Peñabot“. Foto: Pablo Tonatiuh Álvarez Reyes. Verwendung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers.

Laut Dr. Ernesto Villanueva, Wissenschaftler und Forscher am Insitut für Rechtsforschung der Universidad Nacional Autónoma de México stellt der Einsatz von Peñabots einen Verstoß gegen Artikel 6 und 134 der mexikanischen Verfassung dar. Die Kosten dafür könnten sich nach seinen Schätzungen auf bis zu 80 Millionen Pesos pro Monat (umgerechnet über 4 Millionen Euro) belaufen.

Hasta el Fin del Mundo (Bis zum Ende der Welt)

Diese Fotomontage bezieht sich auf den Brand im Kindergarten ABC im Jahr 2009 im Bundestaat Sonora im Norden Mexikos. Bei dem Großbrand starben 49 Kinder. Mehr als 70 Kinder leiden seither unter Atemwegsproblemen und anderen chronischen Erkrankungen. Der Brand war in einem benachbarten Lager, das als Archiv für Dokumente einer Abteilung des Finanzministeriums des Bundesstaats Sonora genutzt wurde, ausgebrochen. Deshalb bestand der Verdacht, dass das Feuer absichtlich gelegt worden war.

Der ABC-Kindergarten ist eine staatliche Einrichtung und untersteht dem mexikanischen Institut für Soziale Sicherheit, wurde jedoch privat geführt. Dort wurden mehrere Sicherheitsbestimmungen verletzt – unter anderem fehlte es an Feuerlöschern, funktionierenden Rauchmeldern und die Notausgänge waren unzureichend.

„Hasta el Fin del Mundo“ (Bis zum Ende der Welt). Foto: Pablo Tonatiuh Álvarez Reyes. Verwendung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers.

Nach dem Brand wurde eine Untersuchung eingeleitet, um die Brandursache und die Schuldigen zu ermitteln. Dabei gerieten mehrere hochrangige Beamte unter Verdacht – darunter auch Juan Molinar Horcasitas, einer der engsten Mitarbeiter des damaligen mexikanischen Präsidenten Felipe Calderon, sowie die Verwaltungsmitarbeiter und Besitzer des Kindergartens, darunter auch ein Cousin von Calderóns Ehefrau. Einige Staatsbeamte traten nach der Bandkatastrophe zurück, wurden jedoch nicht strafrechtlich verfolgt. Die einzige damals verhaftete Funktionärin wurde im Januar 2014 aus dem Gefängnis entlassen.

In einem Interview mit der mexikanischen Zeitung El Universal sprach Danissa López Arvizu, die Mutter eines Opfers und selbst Erzieherin im damaligen ABC-Kindergarten, 2016 über ihren Schmerz aufgrund der ausbleibenden Strafverfolgung:

Cada día lo recuerdo más, el dolor va a estar ahí siempre, alguien irá a la cárcel? quizás, ¿pero mi hijo qué? Él jamas va a estar conmigo y con sus hermanos. ¿Quién va a pagar por su muerte y las de los otros 48 niños y los otros 70 lesionados? El paso del tiempo no me ayuda, al contrario peor es su ausencia. Mi niño me hace falta y siempre va a estar en mi pensamiento, me hubiera gustado que viviera hasta el fin del mundo.

Ich denke jeden Tag mehr daran. Der Schmerz wird immer da sein. Wird jemand dafür ins Gefängnis kommen? Vielleicht, aber was ist mit meinem Sohn? Er wird nie wieder bei seinen Brüdern und bei mir sein. Wer wird für den Tod meines Sohnes und der 48 Kinder und für die 70 Verletzten bezahlen müssen? Es hilft mir nicht, dass die Zeit vergeht. Im Gegenteil, er fehlt mir immer mehr, je mehr Zeit vergeht. Ich brauche mein Kind und er wird immer in meinen Gedanken sein. Ich hätte mir für ihn gewünscht, dass er bis zum Ende der Welt lebt.

Las Edecanes (Die Helfer)

„Las Edecanes“ (Die Helfer). Foto: Pablo Tonatiuh Álvarez Reyes. Verwendung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers.

Tonatiuh erklärt die Geschichte hinter „Las Edecanes“ wie folgt:

Cuando el equipo de la periodista Carmen Aristegui descubrió la red de prostitución encabezada por Gutiérrez de Torre del PRI del Distrito Federal muchos sentimos una gran satisfacción de ver cómo el periodismo había logrado lo que nuestras autoridades corruptas en nuestro país no habían podido, desenmascarar cómo el poder político en nuestro país convierte a las mujeres en prostitutas. Tristemente el gusto duró poco, De la Torre fue exonerado, y anda por la vida como si nada hubiera pasado, por eso me decidí hacer este tableau vivant, para que no se olvida lo que hizo él, para que no se nos olvide lo que representa el PRI en nuestro país, y para que quede constancia de lo que el poder de muchos políticos, radica en su impunidad sin límites.

Que este tableau vivant fotográfico sirva para perpetuar la indignación que tan rápido se disuelve con el tiempo en nuestro país.

Als das Team um die Journalistin Carmen Aristegui den Prostituierten-Ring aufdeckte an dessen Spitze Gutierrez de Torre, der damalige Vorsitzende der Partido Revolucionario Institucional (PRI) stand, war es für viele Menschen eine große Genugtuung zu sehen, dass die Journalisten etwas geschafft hatten, was korrupte Behörden in unserem Land nicht schafften – aufzudecken, wie politische Machthaber in unserem Land Frauen zu Prostituierten machen. Leider hielt dieses Gefühl jedoch nicht lange an. De la Torre wurde entlastet und geht seither durch das Leben, als sei nichts passiert. Deshalb habe ich mich entschieden, diese Fotomontage zu machen. Niemand soll vergessen, was er getan hat. Damit wir nicht vergessen, was die PRI in unserem Land darstellt und um festzuhalten, dass die Macht vieler Politiker auf absoluter Straffreiheit beruht.

Möge dieses Foto die Empörung aufrechterhalten, die sich in unserem Land viel zu schnell wieder legt.

La Construcción del Nuevo Aeropuerto (Der Bau des neuen Flughafens)

San Salvador Atenco ist eine Stadt im Bundestaat México, die wegen ihres Widerstands gegen den Bau eines neuen Flughafens im Jahr 2002 bekannt wurde. Die Bewohner organisierten sich und gründeten die Frente del Pueblo en Defensa de La Tierra (deutsch etwa: Front der Dörfer zur Verteidigung der Erde), um Widerstand gegen den Bau des Flughafens zu leisten – letzten Endes sogar erfolgreich, denn die Regierung nahm von dem Projekt Abstand. Ihr erfolgreicher Widerstand brachte den Einwohnern von San Salvador Atenco im ganzen Land Anerkennung.

Am 3. Mai 2006, mehrere Jahre nach diesen Ereignissen, verweigerte die Polizei 60 Blumenverkäufern den Zugang zum Markt von Texcoco nicht weit von San Salvador Atenco. Die, die sich zur Wehr setzten, wurden geschlagen und verhaftet. Die Blumenverkäufer baten ihre Nachbarn um Hilfe und die Einwohner von San Salvador Atenco reagierten mit der Blockade einer Schnellstraße. Was dann passierte, wurde später das Massaker von Atenco bekannt. Mit einem massiven Polizeieinsatz wurde die Straßenblockade am 3. Mai gebrochen. Am 4. Mai eskalierte die Situation, als die Polizei Razzien in Privatwohnungen der Einwohner durchführte, Menschen willkürlich schlug und verhaftete und die gesamte Stadt terrorisierte. Die Medien stellten die Belagerung der Stadt als einen gerechtfertigten Einsatz der Polizei gegen eine kleine Gruppe gewalttätiger, macheteschwingender Unruhestifter dar.

Zwei Jugendliche kamen dabei ums Leben, mehr als 200 Menschen wurden verhaftet – darunter Frauen, Minderjährige, Journalisten, Menschenrechtsbeobachter und mehrere Ausländer. Einige der 26 festgenommenen Frauen wurden während des Transports in Gefängnis Opfer schwerer sexueller Folter durch die Polizei. Die Fahrt, die normalerweise nur etwa 2 Stunden dauern sollte, wurde zu einem sechsstündigen Alptraum. Zeugenaussagen von 11 der 26 Frauen waren Teil einer Klage der Interamerikanischen Kommission für Menschenrechte (IAKMR) gegen den mexikanischen Staat. In der Klageschrift wird detailliert beschrieben, wie die Frauen von der Polizei entkleidet, gedemütigt, zu Oralverkehr gezwungen und vergewaltigt wurden.

„La Construcción del Nuevo Aeropuerto“ (Der Bau des neuen Flughafens). Foto: Pablo Tonatiuh Álvarez Reyes. Verwendung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers.

Von den 16 Polizeibeamten, gegen die für die schrecklichen Missbrauchsfälle eine Untersuchung eingeleitet wurde, wurden 15 ohne Anklage freigelassen. Ein Polizeibeamter wurde wegen „libidinöser Handlungen“ zu drei Jahren Haft verurteilt, die er jedoch nie antreten musste. Die Strafe wurde als minderschweres Vergehen nach der mexikanischen Strafgesetzgebung eingestuft und in eine Geldstrafe in Höhe von 8.427 mexikanischen Pesos (umgerechnet etwa 425 €) umgewandelt.

Der damalige Gouverneur des Bundesstaats México Enrique Peña Nieto trat in den nationalen Nachrichten auf und versicherte der Öffentlichkeit, dass er den Polizeieinsatz angeordnet habe und dass dieser notwendig gewesen sei, um Frieden und Ordnung wiederherzustellen. Er erklärte auch, dass es weitere Untersuchungen geben werde, schloss aber auch nicht aus, dass es sich um von den Frauen „erfundene Anschuldigungen“ handeln könnte. Einige Jahre später wurde Peña Nieto zum Präsidenten von Mexiko gewählt – ein Amt, das er auch heute noch inne hat.

Mehrere Frauen, die Opfer der Übergriffe in Atenco wurden, kamen nicht aus Mexiko. Die Spanierin María Sastres sagte gegenüber Amnesty International aus:

nos hicieron de todo, y como estábamos encapuchadas no veíamos quiénes eran, cuando mucho veíamos el suelo lleno de sangre y escuchábamos los gritos de dolor de la gente. No quiero entrar en muchos detalles sobre las agresiones sexuales, pero nos quitaron la ropa, nos la rompieron, nos pasaban la mano muchos policías y prefiero ya no decir más cosas…

Sie machten alles mit uns. Wir sahen das ganze Blut auf dem Boden und hörten, wie Menschen vor Schmerzen schrien. Aber weil unsere Gesichter bedeckt waren, konnten wir nicht sehen, wer das war. Ich möchte zu den sexuellen Übergriffen nicht zu sehr ins Detail gehen, aber sie zogen uns aus, sie rissen uns die Kleider vom Leib, die Hände vieler Polizisten berührten uns und mehr möchte ich nicht dazu sagen…

No Nos Olviden (Vergesst uns nicht)

Zwei Jahre sind vergangen seit eine Gruppe von Studenten der Escuela Normal Rural “Raúl Isidro Burgos” – einer Hochschule zur Ausbildung von Grundschullehrern mit Sitz in Ayotzinapa im Bundestaat Guerrero im Westen von Mexiko – von der örtlichen Polizei verhaftet und angeblich der bewaffneten Gruppe Guerreros Unidos übergeben wurden. Seither hat man nie wieder etwas von den Studenten gesehen oder gehört. Der Fall Ayotzinapa, wie die Serie tragischer Ereignisse meist genannt wird, bleibt ungestraft und die Familien der 43 Studenten wissen nach wie vor nicht, was aus ihren geliebten Menschen wurde.

„No Nos Olviden“ (Vergesst uns nicht). Auf den Schildern steht „Es war der Staat“ und „Vergesst uns nicht“. Foto: Pablo Tonatiuh Álvarez Reyes. Verwendung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers.

‘Alle neuen Kämpfe sind gleichzeitig auch die alten Kämpfe’

In einem Interview mit der Webseite revistakulte.com sagte Tonatiuh über seine Arbeit:

La gente ya no quiere recordar ni pensar en esos hechos, porque tal vez no le ve ningún caso; por ello este proyecto nos dice que no deberíamos olvidar lo que nos ocurrió, como Atenco, el News Divine, que tal vez fue más local, pero todos los sucesos de ese tipo son importantes cuando no han tenido un cierre, cuando no se ha castigado a los responsables. Debemos seguir luchando porque todas las luchas nuevas, también son las viejas, son la misma.

Die Menschen wollen sich nicht mehr an diese Fälle erinnern oder darüber nachdenken, weil sie vielleicht gar nicht sehen, was dort wirklich passiert ist. Dieses Projekt sagt uns, dass wir nicht vergessen dürfen, was uns passiert ist – wie zum Beispiel Atenco oder die News Divine Disko-Tragödie, die vielleicht nicht im ganzen Land so großes Aufsehen erregt hat. Alle diese Fälle sind aber wichtig, solange sie keinen Abschluss finden, solange die Schuldigen nicht dafür bestraft werden. Wir müssen weiter kämpfen, denn alle neuen Kämpfe sind gleichzeitig auch die alten Kämpfe. Es sind die gleichen Kämpfe.

Die Arbeiten von Tonatiuh kann man unter dem Namen Pablo A. Tonatiuh Fotografía auf Facebook verfolgen.

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