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Wir sind von Tod umgeben, twittert ein jemenitischer Blogger über die Schrecken des Krieges

Buildings targeted in Saudi-led air strikes on Yemen. Photograph shared on Twitter by Sana'a-based blogger @Omeisy

Von den saudischen Luftangriffen ins Visier genommene Gebäude. Foto wurde von einem Blogger aus Sanaa getwittert @Omeisy

Das Original zu dieser Übersetzung ist bereits am 16. April 2015 erschienen.

Laut Angaben der Vereinten Nationen wurden seit Beginn des Krieges im Jemen bereits 18 der insgesamt 22 jemenitischen Gouvernements von der saudiarabischen Allianz angegriffen. Auf dem Pfad der Verwüstung blieben hunderte Tote, tausende Verwundete und eine Nation von 24 Millionen Menschen in Armut, Schrecken und ohne lebenswichtige Grundversorgung zurück.

Die Luftwaffenangriffe der Operation “Decisive Storm” waren für die Bombardierung von Militäranlagen und Waffendepots zur Unterdrückung der durch den vertriebenen Präsidenten unterstützten Huthi-Rebellen vorgesehen. Doch die Angriffe brachten viele Tote und Vertriebene sowie Zerstörung im ganzen Land. Trotz der massiven Anzahl von Angriffen im Laufe der letzten drei Wochen hat sich die brutale Gewalt der Huthi bis in den Süden, besonders aber in Aden, ausgebreitet und verstärkt. Zahlreiche Zivilisten wurden getötet und Wohngebiete zerstört.

Mit der Unterstützung seiner Verbündeten um den arabischen Golf – Ägypten, Jordanien, Marokko und dem Sudan – hat Saudi-Arabien Luftwaffenangriffe gegen die Huthi-Kämpfer geführt, die seit Januar die Kontrolle über den Jemen an sich gerissen haben. Die Unternehmung wird auch durch die USA unterstützt, wofür diese dem saudischen Partner Aufklärungsdienste und logistische Unterstützung bereitstellen.

Nach Schätzungen der Vereinten Nationen wurden etwa 150.000 Menschen vertrieben und die Weltgesundheitsorganisation berichtet, nach Informationen des jemenitischen Gesundheitsministers, von 767 Toten und mehr als 2.900 Verwundeten in weniger als einem Monat.

Die aktuellsten Berichte des Büros der Vereinten Nationen für die Koordination humanitärer Angelegenheiten bietet einen Überblick über die durch die Kämpfe zerstörte und beschädigte Infrastruktur. Menschen sitzen zu Hause fest, ohne Treibstoff, Gas oder Wasser. Lebensmittel sind rar und Elektrizität nicht vorhanden.

Ein Leben unter ständigem Beschuss

Die Bewohner der Städte Sanaa und Aden twittern unablässlich über den Schrecken, den sie während der Kämpfe erleiden müssen.

Osama Abdullah aus Sanaa beschreibt das Leben in der Hauptstadt als einen “Tanz mit dem Tod”:

Wir schlafen und wachen auf zu den Geräuschen der Luftangriffe. Jeden Tag verlieren wir entweder einen guten Freund oder Familienmitglieder. Wir sind von Tod umgeben und unser Leben hat keine Bedeutung mehr. #Jemen

Hisham Al-Omeisy teilt Fotos über die Zerstörung durch die Luftangriffe in Sanaa:

Fotos von Sanaa über die Luftangriffe der letzten zwei Stunden… Sie sind noch nicht vorbei.

Amal Suqaf beschreibt, wie beängstigend es ist, täglich unter solchen Bedingungen zu leben:

Sehr sehr starke Explosionen in Aser, Attan und hinter Abdurabohs Haus, 60 Meter die Straße entlang. Es ist so schrecklich, ich bin taub.

Das Leben steht aufgrund der andauernden Bombardements still. Ammar Al-Aulaqi twittert über Treibstoffknappheit und Blackouts:

Die großen Lebensmittelgeschäfte in der Hauptstadt Sanaa sind leer. Durch die Treibstoffknappheit sind auch die Straßen leer. Der Müll türmt sich. Überall Blackouts. “I Am Legend”.

Rooj berichtet über die allgegenwärtige Angst und über eine Mahlzeit am Tag, im Dunkeln:

Um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie es momentan im #Jemen so ist: Kappe de Elektrizität, das Wasser, die Heizung und iss nur einmal pro Tag, lebe im Dunkeln und fürchte um dein Leben. #KefayaWar.

Haykal Bafana lebt in Sanaa und schreibt, dass der jemenitischen Bevölkerung sowohl einfache lebensnotwendige Güter als auch Frieden verwehrt bleiben:

Im #Jemen und seiner Hauptstadt Sanaa gibt es seit rund 34 Stunden keine Elektrizität mehr. Kein Benzin, kein Diesel, kein Gas zum Kochen, kein Wasser und auch keinen Frieden.

Ibrahim Alhemyari zeigt, was der jemenitische Wetterbericht statt der Standardvorhersage wirklich angeben sollte:

So sollte es wirklich aussehen, wenn ich auf meinem iPhone die Wettervorhersage checke. #DecisiveStrom

Während Sanaa unter den Attacken der saudiarabischen Koalition leidet, spiegelt sich dieser Horror auch im Süden des Landes wieder, wo die Allianz der Huthi und Anhänger von Saleh in Aden kämpft. Bisher wurde jedoch darüber nicht viel berichtet.

Ammar Al-Aulaqi hebt diese Tatsache hervor:

Mit allem Ernst: Die Bewohner von Aden trifft es sehr schwer, dort gibt es zehnmal mehr tote Zivilisten. Sanaa bekommt die ganze Aufmerksamkeit. Fakt.

Zudem twittert er über die Schließung von Schulen und Universitäten seit Beginn des Krieges:

Lasst die Welt wissen: In #Aden sind alle Schulen, Universitäten und sonstige Bildungseinrichtungen seit dem 26. März geschlossen. #AdenBleeding #Jemen #KefayaWar

Die Sprecherin des Internationalen Kommittees des Roten Kreuzes in Jemen, Marie Claire Feghali, sagte, dass die humanitäre Lage landesweit “sehr schwierig sei … [da] See-, Luft- und Landwege abgeschnitten sind”. Dabei beschreibt sie die Situation in Aden als “gelinde gesagt katastrophal”. Sie fügt hinzu: “In Aden ist der Krieg auf jeder Straße, hinter jeder Ecke präsent… Viele können dem nicht entkommen.”

Ein britisch-jemenitischer Mann spricht mit dem BBC World Service Radio über die Schwierigkeiten und Gefahren der Menschen in Aden.

Weitere Bewohner aus Aden berichten über ihre Not. Nisma, eine 20-jährige Studentin aus Aden, erzählt dem BBC World Service Radio über die schrecklichen Lebensbedingungen vor Ort:

Mein Alltag sieht so aus: Keine Elektrizität, kein Wasser, keine Lebensmittel, keine Sicherheit. Das Leben im Dschungel wäre besser. #Aden #Jemen

Laut Fakhuus Hashim leidet Aden unter einem Krieg, den die Stadt nicht begonnen hat:

Aden leidet unter einem Krieg, den hier niemand begonnen hat und an dem sich auch niemand beteiligt. Dennoch zeigt die Zahl der Toten rasant. Gott schütze uns!

Hussain Al-Yafai berichtet über Scharfschützen, die Frauen und Kinder töten:

Jetzt töten die Scharfschützen der Huthi Frauen und Kinder aus #Aden! Der Tod vieler Frauen und Kinder durch Huthi-Scharfschützen wird gemeldet! #Jemen

Von Sala aus twittert Mohammed über die katastrophale humanitäre Lage:

In #Aden, #Dhalea und #Lahj wird dringend humanitäre Hilfe benötigt, es gibt einen Mangel an Wasser, Nahrung, Treibstoff und Gesundheitsversorgung. #Südjemen #Decisive_Storm

Zu guter Letzt betont Al-Omeisy, dass das Leiden alle Jemeniten aus Aden vereint:

Um das Ganze mal in Perspektive zu setzen. Sanaa leidet und den Luftangriffen der Koalition. Aden genauso, inklusive Beschuss durch die Huthi-Rebellen, Beschuss der Seerouten und Onlineattacken… und so weiter. #Jemen

Bleibt dran für mehr Berichterstattung aus dem Jemen!

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