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Wie konnte Palmöl zu so einem großen Problem werden – und was können wir dagegen tun?

Oil palm fruits in Jambi, Indonesia. Photo by Iddy Farmer for Center for International Forestry Research (CIFOR). CC-BY-NC-SA 2.0

 Palmölfrüchte aus Jambi, Indonesien. Foto von Iddy Farmer für das Center for International Forestry Research (CIFOR). CC-BY-NC-SA 2.0

Falls nicht anders angegeben, führen alle Links in diesem Artikel zu englischsprachigen Webseiten.

Dieser Post von Michael Kodas erschien im Original bei Ensia.com, einem Magazin das über laufende internationale Lösungskonzepte zu Umweltproblemen berichtet. Gemäß einer Vereinbarung zum Content-Sharing wurde der Artikel hier wieder veröffentlicht. 

Von dem Fenster eines Jets, der letzten August hoch über der indonesischen Insel Sumatra flog, konnte ich vom riesigen Dschungel und den Plantagen unter mir, knapp ein Dutzend Rauchwolken aufsteigen sehen. Manche waren breiter als 800 Meter und sahen aus wie Säulen, die den Himmel hoch halten wollten. Genau in dieser Woche entdeckte die Indonesische Agentur für Katastrophen Eingrenzung, in der Provinz Riau 143 neue Lauffeuer. Alle diese Feuer stehen mit aller größten Wahrscheinlichkeit in Zusammenhang mit der Abholzung für Holzbetriebe und Landwirtschaft — hauptsächlich für den Anbau von Ölpalmen.

Palmöl ist verantwortlich für viele Umweltprobleme — es kommt in schwindelerregenden Mengen in Nahrungs-und Kosmetikprodukten vor, und ist der Rohstoff für Biosprit. Es ist der Hauptgrund für Indonesiens Waldzerstörung, die die Zerstörung von Lebensräumen nach sich zieht und die zum Klimawandel beiträgt. Auch geben die Absetzbecken der Palmölraffinerien gewaltige Mengen an Methan ab. Methan besitzt eine 34-mal stärkere Treibhauswirksamkeit als Kohlendioxid.

Lösungsansätze zu den Umweltproblem, die die Palmölgewinnung mit sich bringt, sind nicht einfach zu finden. Zum einen, weil Palmöl überall verwendet wird, aber auch weil Alternativen nicht die vielen Vorteile besitzen, wie dieses vielseitig verwendbare Öl. Aber es gibt sie.

Erdbrände

Ein paar Tage nachdem ich in Riau auf Sumatra angekommen war, machte ich mich auf den Weg in den Dschungel, um eines der Feuer anzusehen. Als ich zurück auf meine Fußabdrücke blickte, die teilweise bis zu 30 Zentimeter tief im Torf versanken, sah ich Rauch von meinen Fußspuren aufsteigen.

Der Torf der hier unter den Wäldern brennt, kann als der größte Schaden den die Palmölindustrie auf das Klima ausübt, angesehen werden. Um Platz zu schaffen für die Palmölplantagen, werden die Wälder üblicherweise durch Brandrodung beseitigt. In Riau brennt die Mehrzahl der gewaltigen Feuer auf Torfböden. Torf besteht aus sumpfigen Schichten teilweise verrotteter Pflanzenreste, der in den Wäldern dieser Provinz bis zu 18 Meter tief sein kann.

Fires associated with clearing land for oil palm plantations in the Indonesian province of Riau release massive amounts of carbon into the atmosphere and spread health-harming haze across the landscape. Photo by Aulia Erlangga for Center for International Forestry Research.

Die ungeheuren Mengen an Kohlenstoff, die in die Atmosphäre gelangen, werden mit Brandrodungen der Palmölindustrie in der Provinz Riau in Verbindung gebracht. Sie sind auch verantwortlich für den gesundheitsschädlichen Qualm, der sich über die Landschaft ausbreitet. Foto von Aulia Erlangga für das Center für International Forestry Research.

Torfböden bergen in sich 28-mal mehr Kohlenstoff als Regenwälder, die auf Mineralböden wachsen. Torf weist einen sehr hohen Kohlenstoffgehalt auf. Wenn der Torf lange genug unter der Erde ist, für etwa eine Million Jahre und Druckverhältnisse, Wärme und Zeit auf ihn einwirken, wird daraus Kohle. Ein einziger Hektar moorigen Regenwalds, der in eine Plantage verwandelt wird, kann 6.000 Tonnen treibhauswirksames Kohlendioxid freisetzen. Forscher schätzten, dass im Jahr 2012 fast 70 Prozent des freigesetzten Kohlenstoffs von Torfböden kamen. Dieser hohe Wert entstand als die Regenwälder Sumatras zu Palmölplantagen umgewandelt wurden. Es entspricht einem Anstieg von 75 Prozent gegenüber dem Emissionsanteil der neunziger Jahre und ist ein Indiz dafür, dass die Palmölindustrie sich mehr und mehr auf das Torfland ausbreitet.

Aber es ist nicht nur das CO2: Im Jahr 2013 hatte sich der damalige Präsident,  Susilo Bambang Yudhoyono, bei Singapur und Malaysia wegen der braunen Rauchwolke, die von den Feuern Sumatras verursacht wurde, entschuldigt. Die Datenaufzeichnungen zur Luftverschmutzung kamen in den Nachbarländern durcheinander, Krankenhäuser füllten sich mit Zehntausenden Patienten die durch den Rauch erkrankt waren und die Regierungen waren gezwungen die Schulen zu schließen. Indonesische Flugzeuge impften die Wolken über den Feuern mit über 90 Tonnen Salz, in der Hoffnung, dass der dadurch ausgelöste Regen, die Schwelbrände im Torf löschen würde.

Als die Wälder sechs Monate später wieder brannten, wurde das Präsidialamt mit über 9.000 Tweets geradezu bombardiert. Während eines eilig anberaumten Fluges nach Riau sagte er, die Feuer seien beschämend. Da sich der Rauch schädlich auf ihre Lungen, Augen und Haut auswirkte, mussten sich fast 50.000 Einwohner Sumatras in ärztliche Behandlung begeben. Wieder wurden Wolken per Flugzeug geimpft.

Durch die Feuer sind Tausende Indonesier dazu gezwungen ihre Häuser zu verlassen, sie zerstören auch die Lebensräume der vom Aussterben bedrohten Elefanten, Nashörner, Tiger und Orang-Utans. Ein Bericht der Vereinten Nationen warnte davor, dass bis zum Jahr 2020, Orang-Utans nur noch in Schutzgebieten existieren können. Bei dem jetzigen Tempo der Zerstörung von Lebensräumen könnte laut einer Schätzung der Internationalen Union zur Bewahrung der Natur, der Sumatra Elefant innerhalb der nächsten 30 Jahre ausgestorben sein.  

Ein Bericht der IUCN von 2013 mahnte: „Um die Sumatra Elefanten vor dem Aussterben zu bewahren, müssen vor Ort effektive Sofortmaßnahmen in Kraft treten. Besonders in Riau”

Es tut sich was

Es waren eher scheinheilige Versprechen die Indonesien und der Rest der Welt in der Vergangenheit abgegeben haben, um die die Zerstörung der indonesischen Wälder durch die Palmölindustrie und somit die Erderwärmung zu stoppen. Aber kürzlich schien es, als würden sie es nun ernst meinen.

Victims of habitat destruction driven in part by palm oil production, Sumatran elephants are now considered critically endangered by the International Union for Conservation of Nature. Photo by Vincent Poulissen (Flickr/Creative Commons).

Opfer der Lebensraumvernichtung zum Teil verursacht durch die Palmölherstellung. Der Sumatra Elefant gilt nun, laut der Internationalen Union zur Bewahrung der Natur, als stark bedrohte Art. Foto von Vincent Poulissen (Flickr/Creative Commons).

2010 versprach Norwegen, eine Milliarde US-Dollar an Indonesien zu zahlen, damit sie ihre Wälder erhalten würden. Das Jahr darauf schwor Yudhoyono, dass die Nation mit internationaler Unterstützung bis 2020 ihre Treibhausgas-Emission um 41 Prozent, gegenüber dem was sie üblicherweise ausstoßen,verringern würde. Singapur begann letzten August damit Geldstrafen von bis zu zwei Millionen US Dollar für ortsansässige und ausländische, rauchverursachende Firmen anzuordnen. Einen Monat später wurde Indonesien das letzte der zehn Mitglieder der Association of Southeast Asian Nations. Erst dadurch konnten sie ein Abkommen ratifizieren, das beabsichtigt den Rauch, der eine ganzjährliche Belastung mit den südost-asiatischen Nachbarn darstellt, zu reduzieren. Kurz darauf, bei der UN-Klimakonferenz in New York, versprachen Firmen wie, McDonald's, Nestlé und Procter and Gamble, bis zum Jahr 2020 die Abholzung weltweit um die Hälfte zu reduzieren und sie bis zum Jahr 2030 total zu unterbinden. 

Im Jahr 2013 verbrauchte die Welt 55 Millionen Tonnen Palmöl, das ist fast viermal so viel, wie vor 20 Jahren. 

Schon kurz nachdem der neue Präsident Indonesiens, Joko Widodo, das Amt im Oktober übernommen hatte, schlug er vor, das Ministerium für Umwelt und das Ministerium für Forstwirtschaft zusammenzulegen. Wenn das Ministerium für Umwelt die Vollmacht über die Wälder und das Torfland bekommt, könnte diese Reform der Nation helfen ihre ehrgeizigen Ziele von Waldschutz und Emissionsreduktion zu erreichen. Es ist nämlich das Ministerium für Umwelt, das mit der UN festsetzt, wie die Nation ihre Emissionsziele erreichen kann. Es wäre auch möglich, dass sich das Ministerium für Forstwirtschaft einige Aufgaben des Umweltministeriums aneignet.

Der Vorsitzende von Greenpeace Indonesien, Longgena Ginting, stellte in der Jakarta Post fest: „Das Zusammenlegen von wirtschaftlicher Nutzung und Naturschutz Behörden, ist kein Garant für eine ausgewogene Entscheidungsfindung.”

Palmöl-Boom

Ohne grundlegende Veränderungen jedoch, werden Gesetze, Abkommen, staatliche Stellen und Fördergelder wenig Einfluss darauf haben, wie Palmöl hergestellt und verbraucht wird. Und unglücklicherweise gibt es kaum brauchbare Alternativen zu Palmöl.

Bevor ich nach Indonesien reiste, sagte mir der Dekan der Nicholas School of the Environment an der Duke Universität:„Es gibt Vorteile des Palmöls, die nicht übergangen werden können. Die Palme ist eine der ertragreichsten Nutzpflanzen des Planeten Erde, mit der Fähigkeit an unglaublich vielen verschiedenen Orten zu wachsen. Wenn man das dann mit den hohen Gewinnspannen, den unglaublich vielseitigen Anwendungsmöglichkeiten des Palmöls und dem Mangel an wettbewerbsfähigen Ersatzstoffen koppelt, kann man schnell erkennen warum dieser Industriezweig so schnell gewachsen ist.”

Im Jahr 2013 verbrauchte die Welt 55 Millionen Tonnen Palmöl, das ist fast viermal so viel, wie vor 20 Jahren. Indonesien und Malaysia decken 85 Prozent des Bedarfs des weltweit beliebtesten Speiseöls. 1985 hatte Indonesien noch weniger als circa 6.500 Quadratkilometer an Palmölplantagen. Zwanzig Jahre später umfassten sie schon 56.000 Quadratkilometer und Im Jahr 2025 werden die Plantagen, laut den Hochrechnungen der indonesischen Regierung, mindestens 259.000 Quadratkilometer umfassen.

Einen Monat vor meiner Ankunft in Riau berichtete die Zeitschrift Nature Climate Change, dass Indonesien 2012 fast zweimal so viel Wald abholzte, wie Brasilien und das, obwohl Brasilien noch vor Kurzem seine Wälder schneller als jede andere Nation zerstörte.

Der exponentielle Anstieg von Palmölplantagen ist zu einem Großteil eine unbeabsichtigte Folge der Wirtschaft und der Nahrungs- und Energierichtlinien in anderen Teilen der Welt.

„Zurzeit gibt es keine bedeutenden Alternativen zum Palmöl.” — Rhett Butler

Aufgrund einer Anordnung der behördlichen Lebensmittelüberwachung und Arzneimittelzulassungsbehörde (FDA), begannen im Jahr 2006 US Nahrungsmittelmarken „ungesättigte Fettsäuren” auf den Etiketten anzugeben, da sie das Risiko einer Herzerkrankung erhöhen. Das wiederum führte zu einem rasanten Anstieg der Nutzung tropischer Fette, die keine ungesättigten Fettsäuren aufweisen, insbesondere Palmöl. Der TV-Doktor, Dr. Oz, warb dafür, wie vorteilhaft Palmöl für Gehirn und Herz sei. Dadurch stieg der Verbrauch von Palmöl in den USA, seit dem Jahr 2000 um das Sechsfache an.

Die Bemühungen Europas gentechnisch veränderte Nahrungsmittel zu vermeiden führten dazu, dass Palmöl auf den Markt gedrängt wurde, da es so reiche Ernten liefert, dass es noch nicht die Interessen der Genetik Tüftler geweckt hat. Die wachsenden Mittelklassen Chinas und Indiens, die sehnsüchtig auf hochwertige Speiseöle warten, können einstweilen nur mit Palmöl zufrieden gestellt werden.

Der Boom wird auch davon beeinflusst, welches Auto wir fahren. Das wachsende Interesse an Biokraftstoff ersetzt die Umweltschäden, die durch Rohöl verursacht werden, mit der Zerstörung, die durch die Palmöl-Produktion auf die tropischen Wälder und das Klima ausübt wird.

Einige Auswirkungen der Palmölproduktion, wie etwa Abholzung und Lebensraumzerstörung, haben zu einem Boykott bei den Verbrauchern geführt. Aber solcherlei Aktionen steigern die Nachfrage für Ölsaaten, die noch schädlicher sind für die Wälder und das Klima. 

Rhett Butler, der Gründer des Online-Magazins Mongabay, das auf Berichterstattungen und Forschungen über die Regenwälder basiert, schrieb in einem Email: „Zurzeit, gibt es keine bedeutenden Alternativen zum Palmöl. Wenn das Ziel erreicht werden soll, die wachsende Nachfrage für Speiseöle zu decken, dann liefert Palmöl das höchste Volumen an Öl pro Landstück. Wenn man aber Kokosnuss oder Rapssamen anbaut, bräuchte man mehr Land, um dieselbe Menge an Öl zu produzieren.”

Vielversprechende Alternative

Während die Nachfrage für Alternativen wächst, könnte eines allerdings alles verändern. Tatsächlich braucht ein vielversprechendes Alternativ-Öl, im Gegensatz zu Palmöl, überhaupt kein Land.

Dank ihrer Vielseitigkeit sind Mikroalgen als Ölquelle ein aussichtsreicher Konkurrent zum Palmöl.

Solazyme, eine Firma mit Sitz in Kalifornien, nutzt Mikroalgen um Öle für Biodiesel herzustellen. Dieser Biodiesel hat bereits Jets der United Airline und Schiffe der US Navy angetrieben. Sie expandierte in Öle für Seifen, Kosmetikprodukte und Nahrungsmittel, da sie eine höhere Gewinnspanne erzielen, als Biotreibstoffe. Letztes Jahr hatte der Konzernriese Unilever angekündigt, circa 11 Millionen Liter Algenöl von Solazyme, anstelle von Palmöl zu verwenden, um zu versuchen seine Umweltbelastungen zu verringern.

Microalgae cultivated by California-based Solazyme show promise as a source of palm oil substitutes. Photo courtesy of Solazyme.

Mikroalgen-Kulturen von Solazyme (Kalifornien), gelten als vielversprechende Ersatzquelle für das Palmöl. Foto, freundliche Leihgabe von Solazyme.

„Ähnlich wie beim Bier” erklärt Jill Kauffman Johnson, die Nachhaltigkeitsdirektorin der Firma, wenn sie die Fässer beschreibt in denen Solazyme die Algen wachsen lässt. „Eine unserer Anlagen in Illinois befindet sich sogar in der früheren Anlage der Pabst Blue Ribbon Brauerei.”

Weiterhin erklärt sie: „Wir können ein Speiseöl herstellen, das gut für das Herz ist, da es einen hohen Ölsäuregehalt hat. Tags drauf verwendet man einfach einen anderen Stamm und man kann eine umweltfreundliche Alternative zum Palmöl oder Palmkernöl herstellen. „Im Vergleich zu allen anderen Ölen, die auf dem Markt zu erhalten sind, hat es den niedrigsten Gehalt an mehrfach ungesättigten Fettsäuren und besitzt keine Transfette. Es wächst innerhalb von Tagen und nicht monatelang auf den Feldern.”

Dank ihrer Vielseitigkeit sind Mikroalgen als Ölquelle ein aussichtsreicher Konkurrent zum Palmöl.

„Es ist unser Ziel zu versuchen, bei der Unterstützung zur Entlastung der äquatorial Tropen mitzuhelfen”, so Kauffman Johnson. Da die Algen von Solazyme überall wachsen, egal wo die Firma ihre Tanks aufstellt, kann Solazyme ihre Anlagen da platzieren wo sie am praktischsten sind für den Verbraucher, die Handelspartner und für das Ausgangsmaterial, dadurch verkürzen sich die Belieferungsketten. Auch werden durch Zellulose-haltige Rohstoffe, wie zum Beispiel die Rutenhirse, die Umweltbelastungen verringert. Die Firma eröffnete gerade eine 100.000 Tonnen-Anlage in Brasilien, die Zuckerrohr verwendet.

Außerdem sagt Kauffman Johnson: „Unsere Technologie ist in der Lage sehr schnell hochgefahren zu werden.”

Dennoch, die Vorlieben der Verbraucher und die Landwirtschaft nehmen Öle auf Algenbasis nur langsam an. Somit ist es wahrscheinlich, dass es noch Jahre dauern könnte, bis diese Öle mit mehr als nur ein paar Tropfen die Palmölflut ersetzen.

Optimierung der Palmölindustrie

Als Sofort-Lösung sollten in der Palmölindustrie Sanierungen vorgenommen werden, so Butler.

„Firmen könnten Hilfe leisten, indem sie Richtlinien und einen optimalen Geschäftsablauf durchsetzten, um eine Umwandlung der Wälder zu vermeiden. In den letzten Monaten gab es eine Welle der Bereitschaft, von Käufern und auch von Produzenten, überhaupt nichts abzuholzen”, so Rhett Butler

Philip Taylor, ein Post-Doc Student des Instituts für Arktische und Alpine Forschung der Universität von Colorado, arbeitet zusammen mit Townsend. Taylor, der intensiv die Tropen erforscht hat, sagt, dass die meisten Palmplantagen nicht die Ernten erzielten, die sie eigentlich in der Lage wären zu erzielen.

Es müssen Anreize für die Palmölproduzenten geschaffen werden, so dass das Wissen über Produktionsoptimierung angenommen wird. Nur so kann jeder Hektar der Plantagen, so ertragreich wie möglich werden. 

„Die Unterschiede zwischen dem, was erreicht wird und dem, was machbar wäre, sind sehr groß“, meint Philip Taylor. In Malyasia und Indonesien liegt der durchschnittliche Ertrag im Moment bei 16.8 Tonnen frischer Palmfruchtbündel pro Tag. Dort wo die Managementmethoden am besten sind, liegt der Ertrag schon bei 27,2 Tonnen“, so Philip Taylor.

Die Erträge für Palmfrüchte stagnieren seit 1975, während zeitgleich die Soja-Produktion um fast 100 Prozent optimiert wurde, so eine Feststellung Taylors.

„Teilweise ist das wissensbasiert, die richtige Saat am richtigen Ort, der richtige Dünger zur richtigen Zeit”, so Taylor.

Es müssen Anreize für die Palmölproduzenten geschaffen werden, so dass das Wissen über Produktionsoptimierung angenommen wird. Nur so kann jeder Hektar der Plantagen, so ertragreich wie möglich werden. In dem Bericht „Erfolgsrezepte” der Union of Concerned Scientists (Vereinigung besorgter Wissenschaftler) aber wird behauptet, dass der gesteigerte Profit durch die erhöhten Ernteerträge wiederum eine Erweiterung der Plantagen auslösen könnte. Hinzu kommt, dass Wissenschaftler aus England und Singapur in einem neuen Bericht des Science Journals anmerkten, dass ansteigende Ernteerträge und eine Palmfrucht, die auch geeignet ist für das Wachstum unter schwierigen Bedingungen, dazu führen könnte, dass mehr Land in Afrika und Latein Amerika für den Ölpalmenanbau verwendet werden würde — beide Länder stehen noch vor einer intensiven Anpflanzung von Ölpalmen, so wie es in Südost-Asien geschehen ist. Deswegen müssen erhöhte Ernteerträge mit strengerem Waldschutz einhergehen. In Indonesien besteht seit 2011 ein Abholzungsverbot, es ist aber durchsiebt mit Schlupflöchern. Vor 10 Jahren hat die Organisation des Roundtable für umweltfreundliches Palmöl, angefangen Zertifikate für Palmöle zu erstellen, die Umweltqualitätsstandards erfüllten. Dennoch haben viele seiner Mitglieder weiter Wälder abholzen lassen. Die Regierung versprach letzten Sommer, die Waldzerstörung total zu beenden, bei den Palmöl-Produzenten und den palmölverbrauchenden Firmen kann man bemerken, dass sich verstärkt darum bemühen.

”Es muss ein Moratorium für die Waldrodungen geben”, fordert Taylor, wobei er anmerkt, dass die kürzlich erfolgten Verpflichtungen von Firmen, wie Wilmar und Golden Agri, die Waldrodung für ein und allemal zu stoppen, ein wesentlicher Schritt in die richtige Richtung sei. „Diese beiden machen einen riesigen Anteil der Palmölindustrie aus”, meint Taylor.

Wenn alle der weltweit mehr als 1.000 Palmölraffinerien, das bei den Arbeitsabläufen anfallende Methan in Elektrizität umwandeln würden, könnte das die Folgen der Klimabelastung, um das 34-fache verringern.

Taylor machte darauf aufmerksam, dass am Ende des Produktionsablaufs eine Möglichkeit bestehe ohne viel Aufwand die Umweltbelastung des Palmöls zu reduzieren. Die Forschungsarbeiten von Taylor und Townsend zeigen, dass freigesetztes Methan der Palmölraffinerien mit mehr als einem Drittel zur Umweltbelastung beiträgt, ein einziges Absetzbecken mit Schmutzwasser aus der Raffinerie setzt so viel Treibhausgase frei, wie 22.000 Autos. Dieses Methan könnte für die Stromerzeugung verwendet werden, ganz einfach indem man das Absetzbecken luftdicht abdeckt und einen Bio-Gas Generator daneben stellt. Wenn alle, der weltweit mehr als 1.000 Palmölraffinerien, das bei den Arbeitsabläufen anfallende Methan in Elektrizität umwandeln würden, könnte das die Folgen der Klimabelastung um das 34-fache verringern. Dennoch wird das nur bei 5 Prozent der Anlagen so gehandhabt.

Die Pamlölraffinerien und Palmölmühlen Indonesiens agieren, als ihre eigenen Stromversorger, indem sie die unbrauchbaren Reste der Früchte verbrennen. Meist sind sie weit entfernt vom Stromnetz und hätten auch nicht die Infrastruktur um Strom ins Netz einzuspeisen, aber sie könnten Strom in die nahegelegenen Dörfer liefern.

„Die Firmen Musim Mas und New Britain Palm, tun dies bereits”, bemerkt Taylor.

Die indonesische Initiative, Umweltfreundliches Palmöl, verlangt von den Anlagebetreibern mit der Entwicklung von Biogas-Auffanganlagen zu beginnen. Das sollte auch andere Firmen dazu anspornen, sich diese Technik anzueignen.

Auch die hunderte von Fahrzeugen, die in der Versorgungskette gebraucht werden, könnten mit Biogas betrieben werden — ein Kraftstoff, der in anderen Zonen Asiens gerade ein schnelles Wachstum erfährt. In der Provinz von Riau fahren überall und ständig diese gelben Laster, beladen mit feuerroten Bündeln voller Palmölfrüchte. All diese Fahrzeuge könnten mit günstigem, leicht erhältlichem Kraftstoff betrieben werden. Es würde für die Palmöl-Anlagen Betreiber eine zusätzliche Einkommensquelle darstellen und würde Klimabelastungen verringern.

„Da wird sich in den nächsten paar Jahren etwas tun”, so Taylor.

Aber in den kommenden Jahren wird sich der Heißhunger auf Palmöl auch noch verstärken. Ein Produzent, Asian Plantations, schätzt, dass die weltweite Nachfrage für Speiseöle, sich bis zum Jahr 2050 vervierfachen wird. Palmöl wird fast 60 Prozent dieses Bedarfs decken.

Vielleicht ist also der wichtigste Schritt auf der Suche nach Palmölalternativen, das Gefühl für Dringlichkeit zu vermitteln.

Michael Kodas ist stellvertretender Direktor des Zentrums für Umweltjournalismus an der Universität von Boulder, Colorado und ein preisgekrönter Fotojournalist, Autor und Filmredakteur. Folgen Sie ihm auf Twitter @MichaelKodas oder auf seiner Webseite MichaelKodas.com

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