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OpenDyslexic: eine Schriftart die Legasthenikern das Lesen erleichtert

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Die Schriftart OpenDyslexic im Vergleich mit konventionellen Schriftarten. Quelle: OpenDyslexic

[Alle Links führen, soweit nicht anders angegeben auf englischsprachige oder deutsche Internetseiten.]

Als Abelardo Gonzalez 2011 davon erfuhr, dass es keine Schriftart gibt, die sich an den speziellen Bedürfnissen von Legasthenikern orientiert, begab sich der junge App-Designer an die Entwicklung der weltweit ersten Open-Source Schriftart für Legastheniker: OpenDyslexic. Dank Abelardo Gonzalez ist das Internet für Menschen mit einer Lese- und Rechtschreibschwäche nun zugänglicher geworden.

Etwa zehn Prozent der Bevölkerung weltweit sind  Legastheniker. Diese neurologische Prägung verursacht Schwierigkeiten beim Lesen, Schreiben und Buchstabieren. Jüngste Forschungen zeigen, dass Legastheniker individuelle Töne nur schwer in Wörter umwandeln können, was sie wiederum daran hindert, spezifische Töne mit den jeweiligen Buchstaben zu assoziieren. Legasthenie wird bei vielen Menschen oft nicht erkannt. Viele Legastheniker kämpfen sich daher trotz einer durchschnittlichen oder gar überdurchschnittlichen Intelligenz durch ihre Schulzeit. Ein spezieller Unterricht – in Kombination mit Ressourcen wie OpenDyslexic – kann Schülern entscheidend helfen.

Abelardo Gonzalez startete die Arbeit an OpenDyslexic mit Tests an sich selber, seiner Frau und seinen Freunden. In diesem Prozess passte er die Schriftart immer weiter an. “Es gab nur wenig verfügbare Forschungsergebnisse über Schriftarten speziell für Legastheniker, aber es gab einige Erkenntnisse über Hilfestellungen für Legastheniker: größere Abstände, das Unterschneiden von Buchstaben, usw.”, sagt er. “Ich habe versucht all das zusammen zu führen.” Über das Internet haben einige Leute wertvolles Feedback gegeben. Die Schriftart wird auf Basis der Rückmeldungen von Legasthenikern stetig weiterentwickelt.

Die öffentliche Reaktion auf das Projekt war überwältigend positiv. Nutzer der OpenDyslexic Website können eine große Zahl von Empfehlungen von Legasthenikern, welche vom Einsatz der Schriftart bereits profitiert haben, auf  Facebook lesen:

This is amazing! I'm pretty dyslexic and this helps me so much I almost started crying! I usually can't read out loud with out extreme stuttering but when I tried this font I could actually think about what I was reading, I didn't have to spend all my energy struggling from word to word.

Das ist wirklich erstaunlich! Meine Legasthenie ist sehr ausgeprägt aber dies hat mir so sehr geholfen, dass ich fast weinen musste! In der Regel kann ich nicht laut lesen ohne extrem zu stottern aber als ich diese Schriftart ausprobiert habe, konnte ich sogar darüber nachdenken was ich lese. Ich musste nicht all meine Energie darauf verwenden mich von Wort zu Wort zu hangeln.

I have been using this to write my papers for college and it's made reading and editing so much easier and manageable. I don't get discouraged as often. Highly recommended.

Ich habe diese Schriftart benutzt, um meine Hausarbeiten fürs College zu schreiben und es hat mir das Lesen und Bearbeiten um ein Vielfaches erleichtert. Ich bin nicht mehr so oft entmutigt. Wärmstens empfohlen.

OpenDsylexic orientiert sich an den Bedürfnissen von Legasthenikern durch das Einfügen großer Abstände und einzigartig gestalteter Buchstaben. Die dicken unteren Enden der Buchstaben helfen bei der Orientierung, so dass Menschen mit einer Leseschwäche schnell den korrekten Buchstaben identifizieren können und sie diese nicht als durcheinander gewürfelt wahrnehmen. Die Entwickler nehmen für die Schriftart außerdem in Anspruch, dass die einzigartigen Buchstaben einer Verwirrung bei Menschen mit einer Leseschwäche vorbeugen. 

 

Weighted bottoms help orient readers' eyes, say the font developers. Source: OpenDyslexic.

Dicke untere Buchstabenenden helfen den Augen bei der Orientierung, sagen die Entwickler. Quelle: OpenDyslexic.

OpenDyslexic wurde mit der Hilfe von Glyphs erstellt, einem Editor für das Erstellen und das Bearbeiten neuer Schriftarten. Das Projekt ist komplett Open Source. Entwickler können zum Projektcode auf GitHub beitragen und Nutzer können Bugs melden oder Anfragen stellen.

Viele Entwickler haben die Schriftart bereits in ihren Projekten verwendet. Dyslite beispielsweise, ist ein Plug-in das den kompletten Text einer Website in die OpenDyslexic Schriftart umwandelt. Dies erlaubt es den Nutzern von OpenDyslexic das Internet einfacher zu nutzen. Beeline Reader hat eine OpenDyslexic Version und der E-Reader Kobo kann die Schriftart ebenfalls anzeigen. OpenDyslexic hat die Schriftart kürzlich auch für iOS 7 veröffentlicht. Diese erlaubt es Nutzern, angepasste Schriftarten auf ihre mobilen Geräte zu laden.

Zusätzlich zu diesen digitalen Anwendungen gibt es bereits einige Verlage die Bücher mit dieser Schriftart herausgeben, inklusive Strawberry Classics, welches schon einige Taschenbuchklassiker für Legastheniker wie Moby Dick, Oliver Twist, The Scarlet Letter und Pride and Prejudice herausgegeben hat.

Abelardo Gonzalez hofft OpenDyslexic in der Zukunft weiter verfeinern zu können und zusätzlichen Support in unterschiedlichen Sprachen anbieten zu können. Während die Schriftart in den USA positiv aufgenommen wurde, gibt Gonzalez doch zu, dass sie im Ausland, wo “Legasthenie offenbar ernster genommen wird”, besser angenommen wurde. Er hofft, Hilfe von anderen Internetnutzern zu bekommen, um die Schriftart auch in anderen Sprachen anbieten zu können. 

Die Schriftart kann auf der OpenDyslexic Website heruntergeladen werden. Auf Twitter und Facebook könnt Ihr mehr über das Projekt erfahren.

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