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Kann ein malawisches Kräutlein HIV heilen? ‚Africa Check‘ hat die Antwort

Werden Afrikaaner in Südafrika wirklich in Massen getötet? Ist es wahr, dass 80 Prozent der Südafrikaner regelmäßig traditionelle Heiler konsultieren? Wie viele Staaten gibt es auf dem afrikanischen Kontinent?

Die neue Website Africa Check [en] versucht, diese und andere Fragen zu beantworten, um Tatsachen von Erfindungen zu trennen und exaktere Behauptungen in öffentlichen Debatten auf dem Kontinent zu fördern.

Laut Website ist Africa Check [en]

… eine gemeinnützige Organisation, die exakte Angaben in öffentlichen Debatten fördert. Wir prüfen die Behauptungen von Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens auf dem gesamten Kontinent, beginnend in Südafrika, mit journalistischer Expertise, anhand von Beweismaterial aus den neuesten Online-Tools, und mithilfe unserer Leser, von öffentlichen Quellen und von Experten, um Tatsachen von Erfindungen zu trennen. Wir veröffentlichen unsere Erkenntnisse auf dieser Seite.

Africa Check-Logo. Bildnachweis: africacheck.org

Logo von Africa Check. Bildnachweis: africacheck.org

Die Öffentlichkeit wird dazu eingeladen, [en] neue Behauptungen einzureichen, die untersucht werden sollen. Hier wird erklärt [en], warum eine Prüfung der Behauptungen wichtig ist:

Die Prüfung von Fakten ist keine abstrakte Übung. Sie betrifft echte Menschenleben.

Mitte 2003 riet eine Gruppe aus religiösen und politischen Führern im Norden von Nigeria ihren Anhängern, ihre Kinder nicht gegen Kinderlähmung impfen zu lassen, da diese Impfung die Kinder unfruchtbar machen würde.

Die Impfkampagne sei Teil eines vom Westen geführten Komplotts, die Bevölkerung in der muslimischen Welt zu reduzieren, so die Behauptung. Prüfungen der Impfstoffe zeigten, dass diese Behauptungen unbegründet waren, und diejenigen, die diese Angaben weitergeleitet hatten, ohne sie zu hinterfragen, zogen ihre Behauptungen später zurück. Zu diesem Zeitpunkt war der Schaden jedoch schon angerichtet.

Die Kinderlähmung, die weltweit im Jahr 2012 rückläufig war, verzeichnete im Norden von Nigeria einen dramatischen Anstieg und breitete sich dann in viele Länder Westafrikas und in die ganze Welt aus. Und auch heute noch, fast ein Jahrzehnt danach, verkrüppelt diese Krankheit die Bevölkerung Afrikas und anderswo.

Falsche Angaben haben direkte Auswirkungen auf Menschenleben.

Und Prüfen von Fakten steht bei ihnen im Mittelpunkt. In einem Blog-Beitrag mit dem Titel „Mein Stamm liegt im Sterben“ [afr], behauptet der beliebte südafrikanische Schauspieler, Autor und Musiker Steve Hofmeyr, dass die Anzahl der weißen Südafrikaner, die von Schwarzen getötet wurden, [en] ein Fußballstadion füllen könnte, dass weiße Afrikaaner „wie die Fliegen“ umgelegt würden, und dass alle fünf Tage ein weißer Farmer ermordet würde.

Africa Check untersuchte die Daten von Hofmeyr und kam zum Schluss [en], dass Hofmeyr unrecht hatte:

Die Behauptungen sind jedoch falsch und total übertrieben. Tatsache ist, dass die Gefahr für Weiße geringer ist, ermordet zu werden, als für alle anderen Rassen.

In einem Update zum Beitrag am 2. Juli 2013 stand:

Am 1. Juli veröffentlichte Steve Hofmeyr eine schriftliche Antwort auf diesen Bericht und auf einen Beitrag in der afrikaanischen Zeitung Rapport, in dem die Ergebnisse von Afrika Check bestätigt wurden.

Die vielen Behauptungen von Hofmeyr und die von ihm veröffentlichten „Statistiken“ ergeben keinen Sinn. Seit der Veröffentlichung musste sein Beitrag mehrmals aktualisiert werden, wobei unter anderem Daten entfernt wurden, die sich seiner Aussage nach auf Südafrika bezogen, die jedoch von einem anderen Kontinent stammten (und außerdem missdeutet wurden).

Hofmeyrs stärkstes Argument kann folgendermaßen zusammengefasst werden: „Die Emotionen und Erfahrungen der Menschen sind viel wichtiger als Fakten … Deshalb ist ‚unsere Leute sterben wie die Fliegen‘ immer noch zutreffend, von einem emotionalen Standpunkt gesehen – und braucht nicht durch Fakten bestätigt werden.“

Africa Check ist sich klar, dass Empfindungen natürlich von Bedeutung sind. Wie in unserem Bericht aufgeführt, hat Südafrika eine der höchsten Kriminalitätsraten der Welt und alle Morde sind zu verabscheuen. Kriminalitätsraten könnten und sollten wie alle Daten verbessert werden. Dafür setzt sich Africa Check auch ein. Dies ist jedoch kein Grund, unbequeme Fakten zu verwerfen, wie es Mr. Hofmeyr tut.

Eine weitere Behauptung, die die Seite entlarvt hat: Suchen 80 Prozent der Südafrikaner wirklich regelmäßig traditionelle Heiler auf [en], wie es immer von vielen Medienquellen einschließlich der BBC und dem South African Medical Journal behauptet wird?

Eine südafrikanische Heilerin, im Zulu als Sangoma bezeichnet. Foto von africacheck.org

Ein südafrikanischer Medizinmann, im Zulu als Sangoma bezeichnet. Foto von africacheck.org, verwendet mit Genehmigung.

Hier [en] die Fakten:

Eine allgemeine Haushaltsumfrage ergab im Jahr 2011, dass fast ein Viertel der Haushalte (24,3 %) sagten, sie würden zuerst einen Privatarzt aufsuchen, obwohl 70,7 % der südafrikanischen Haushalte öffentliche Kliniken und Krankenhäuser bevorzugten. Die unbeliebtesten Optionen waren traditionelle Heiler (0,1 %) und Apotheken (0,3 %).

Eine weitere Analyse ergab, dass 81,3 % der schwarzen südafrikanischen Haushalte zuerst öffentliche Gesundheitseinrichtungen und 17,2 % zuerst private Gesundheitseinrichtungen aufsuchten, und dass nur 1,5 % zuerst „sonstige“ Gesundheitseinrichtungen, wie unter anderem spirituelle und traditionelle Heiler, aufsuchten. Interessanterweise gaben 1,5 % der weißen südafrikanischen Haushalte an, dass sie zuerst „sonstige“ Gesundheitseinrichtungen aufsuchten.

Diese Statistik widerlegt die Behauptung, dass 80 % der schwarzen Südafrikaner zuerst einen Sangoma in Gesundheitsfragen aufsuchen. Entgegen dieser Behauptung zeigen Umfragen, dass die meisten schwarzen Südafrikaner zuerst öffentliche Gesundheitseinrichtungen zur Behandlung aufsuchen.

Die Website untersuchte auch ein mysteriöses Arzneimittel aus Malawi, das von einem Mitarbeiter des malawischen Gesundheitsministeriums entdeckt wurde. Das Mittel „Garani-MW1“ wurde von malawischen Zeitungen und Websites als Heilmittel für HIV und AIDS angepriesen. Es gibt jedoch keinen Beweis [en] für diese Behauptung:

Ein mysteriöses „Wunderkräutlein“, das noch nie unabhängigen klinischen Studien oder Untersuchungen unterzogen wurde, wird ohne Hinterfragen von einer Anzahl an führenden malawischen Zeitungen und Websites als „Heilmittel“ für HIV und Aids angepriesen.

Als Garani-MW1 vom Bürokraten des malawischen Gesundheitsministeriums bezeichnet, der angibt, dass er es entdeckt hat, wird das „HIV- und Aids-Kräutlein“ auf der offiziellen Website des Produkts als „ein Kräuterpräparat, das zur Behandlung von Menschen mit HIV und Aids eingesetzt wird“ beschrieben.

Es gibt keinen Beweis, dass Garani-MW1 ein Heilmittel für irgendeine Krankheit, geschweige denn HIV und Aids ist. Die Substanz wurde noch in keinen unabhängigen klinischen Studien geprüft, es wurden keine Daten veröffentlicht, und keine der sogenannten „Erfolgsgeschichten“ wurden anscheinend unabhängig dokumentiert.

Die Schlussfolgerung [en]:

Die Tatsache bleibt, dass es kein Heilmittel für HIV oder Aids gibt. Antiretrovirale Wirkstoffe sind die derzeit einzige bekannt zuverlässige Methode zur Behandlung der Viruserkrankung. Falls je ein Heilmittel entdeckt wird, können Sie sicher sein, dass internationale Pharmagiganten in ihrem Eifer, das Mittel zu lizenzieren, übereinander fallen werden, und die Geschichte wird zum Thema einer internationalen Medienhysterie werden, wie wir sie bis jetzt noch selten erlebt haben.

Wie so viele andere Wundermittel beutet die Garani-MW1-Geschichte die Verzweiflung der mit HIV und Aids diagnostizierten Menschen aus.

Die Tatsache, dass angeblich angesehene Zeitungen in Malawi beschlossen haben, den Behauptungen durch kriecherische und sensationsgierige Reportagen Gehör zu schenken, ist besonders verabscheuenswert. Diese Art von Journalismus verursacht wirklichen Schaden und kostet Menschenleben. So etwas sollte verurteilt werden.

Und wie viele Staaten hat Afrika nun wirklich? [en] 54 oder 55 oder 57?:

Wie viele Staaten hat der gesamte Kontinent?“, fragte eine Gruppe von Verfechtern für Informationssicherheit in einer Nachricht an uns in der letzten Woche.

Der Absender, @Infosecafrica, merkte an, dass die regionale politische Organisation Afrikas, die Afrikanische Union, 54 Mitglieder hat, dass er jedoch einen Bericht gelesen hat, dass es 57 Staaten auf dem Kontinent gibt.

Also, wie viele Staaten gibt es in Afrika? Die AU behauptet, alle afrikanischen Staaten zu vertreten. Gibt es also 54 oder 57? Wie schwierig – so dachten wir – kann die Beantwortung dieser Frage sein?

Uneinigkeit über die Anzahl von Staaten ist nicht nur ein afrikanisches Problem [en]:

Obwohl es eigenartig scheint, nicht sicher sagen zu können, wie viele Staaten es auf dem Kontinent gibt, ist die Uneinigkeit über eine solche Anzahl nicht auf Afrika beschränkt.

In Asien ist man sich uneins, ob Taiwan, das sich von China im Jahr 1949 abgespalten hat, eine unabhängige Nation ist oder nicht. Aus Angst vor Gegenschlagsdrohungen durch Peking, falls es formal seine Unabhängigkeit erklären sollte, hat es das nicht getan. Jedoch hat es in seiner Hauptstadt, Taipeh, eine eigene, demokratisch gewählte Regierung und Währung und verwaltet sich unabhängig von China; also ein Staat, dem nur die Bezeichnung als solcher fehlt.

Und in Europa, wo die meisten Mächte den Kosovo als einen unabhängigen Staat anerkennen, tut dies Serbien, der Nachbar des Kosovo, nicht. Es gibt also auch in Europa Ungewissheit darüber, wie viele Staaten es dort gibt.

Die Antwort ist [en]:

Die beste Antwort auf die Frage von @Infosecafrica, die uns eingefallen ist, lautet, dass es 55 Staaten gibt, die international anerkannt sind und entweder Mitglied der AU oder der UNO oder von beiden sind. 53 dieser Staaten sind sowohl Mitglied der AU und der UNO. Marokko ist nicht Mitglied der AU, ist jedoch UNO-Mitglied. Die Demokratische Arabische Republik Sahara ist Mitglied der AU.

Außerdem, obwohl es viele andere Territorien gibt, die ihre Unabhängigkeit erklärt haben, gibt es einen De-facto-Staat, wie durch die übliche Definition eines Staates beschrieben, Somaliland. Das Land ist jedoch kein anerkannter Staat.

Die Hauptpartner von Africa Check sind die AFP Foundation und die Journalismusabteilung der Witwatersrand-Universität. Finanzielle Unterstützung geben die Open Society Foundation for South Africa und die African News Innovation Challenge.

Sie können das Projekt auf Twitter und auf Facebook verfolgen.

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