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Gesundheit weltweit: Twitter-Duell für Kampf gegen Malaria

In der vergangenen Woche wurde Twitter zur neuesten Waffe im Kampf gegen Malaria. Der amerikanische Schauspieler Ashton Kutcher forderte den Nachrichtensender CNN zu einem Wettrennen darum heraus, wer als Erster eine Million Follower verbuchen kann. Der jeweilige Sieger des vieldiskutierten Wettbewerbs gelobte, rechtzeitig zum Weltmalariatag am 25. April, Moskito-Bettnetze zu spenden.

Letzten Donnerstag schlug Kutcher in der Nacht den Nachrichtenticker von CNN knapp und wurde zum ersten Twitter-User mit einer Million Tweet-Abonnenten. Im Fall eines Sieges hatte Kutcher versprochen 10.000 Moskito-Bettnetze an die gemeinnützige Organisation “Malaria No More” zu spenden und dabei zu helfen, Familien in Afrika vor Malaria zu schützen. Kutcher begann Anfang des Monats, noch vor dem Wettbewerb mit CNN, über Malaria zu twittern, um auf die Krankheit aufmerksam zu machen.

Malaria ist eine tödlich verlaufende Krankheit, die durch bestimmte Moskitoarten zwischen Menschen übertragen wird. Mehr als 500 Millionen Menschen werden jährlich infiziert und über eine Million sterben daran. Alle 30 Sekunden stirbt ein Kind an Malaria. Die schlimmsten Auswirkungen hat die Krankheit in Schwarzafrika, aber Malaria sucht auch Asien, Lateinamerika, den Nahen Osten und Teile Europas heim. Malaria ist vermeidbar und behandelbar, dazu sind allerdings mit Insektiziden behandelte Moskitonetze, das Versprühen von Insektiziden im Raum und Medikamente gegen Malaria von Nöten.

Viele Blogger sind begeistert von Kutchers Gag, bei dem es darum ging, auf das Problem aufmerksam zu machen. Zum Beispiel dankt das Malaria Policy Center Kutcher, während ein Artikel auf The Singapore Enquirer Kutchers Sieg als Win-Win-Situation feiert:

“Obwohl man das Ganze auf den ersten Blick für ziemlich absurd halten könnte, sieht es nun so aus, als ob der Erste, der das 1-Million-Ziel erreicht hat, eine bedeutenden Summe für den Kampf gegen Malaria in Afrika spenden wird…

…Es sieht also ganz danach aus, als ob sich hier alle in einer Win-Win-Win-Sitution befänden. Twitter bekommt Werbung gratis. Es gibt Geld für den Kampf gegen Malaria in Afrika. Und James Cox [der frühere Eigentümer des Twitter-Accounts für den CNN-Newsticker] lacht auf dem Weg zur Bank. Aber so etwas gibt es nur in Amerika, der amerikanische Traum existiert zumindest noch für einen glücklichen Burschen.”

Ein Artikel im Blog A Mexican View fügt hinzu, dass Unternehmen in Lateinamerika von Kutchers Eskapaden lernen können:

“Lateinamerikanische Unternehmen haben noch nicht begriffen, dass es möglich ist, mithilfe von sozialen Netzwerken Markentreue aufzubauen…Ich denke, sie sollten das nicht als Modeerscheinung sehen, sondern damit beginnen, eine Präsenz für ihre Marke aufzubauen, und ich hoffe, Unternehmen in Lateinamerika werden es verstehen, soziale Medien zu ihrem Vorteil auszunutzen, eine Verbindung zu ihren Konsumenten aufzubauen, so wie Ashton und andere Hollywood-Stars es tun.”

Andere kritisieren jedoch Kutchers Schritt. Ihrer Meinung nach untergräbt es den gesamten Sinn hinter Twitter. Ein Artikel auf A Pinoy Blog About Nothing nimmt Kutchers Siegesrede auseinander und hat dem Schauspieler Folgendes zu sagen:

“Was dir gelungen ist, ist den Fokus auf den falschen Aspekt von Twitter zu lenken. Jetzt denkt jeder Star: “Hey, ich bin berühmter als Ashton, ich könnte locker mehr als eine Million schaffen.” Du müsstest lügen, wenn du behaupten wolltest, jeden Post deiner Million Follower zu lesen — das ist einfach nicht möglich. Der Wert von Twitter lag für mich schon immer in den Informationen, die von jedem Kontakt weitergegeben werden. Dir ist es gelungen, das in den alten Medien verhaftete Hollywood in Twitter zu zwängen, nach dem Motto: Je größer das eigene Publikum, desto besser.”

Clement Nthambazale Nyirenda, der von Malawi auf Clement Nyirenda's blog world bloggt, sagt, dass es bei dem Twitter-Wettbewerb mehr um Kutchers Ego geht als um Malaria.

“Ich, für meinen Teil, bin vollkommen gegen Kutchers Motive. Warum sollte ich ihm dafür auf Twitter folgen, dass er Netze an leidende Menschen in Afrika ausgibt? Dieser Typ benutzt Afrika für seinen eigenen Ruhm. Übrigens, ich kenne ihn nur aufgrund dieser Nachrichten heute. Und ich bin sicher, dass so viele Leute heute zum allerersten Mal von ihm erfahren, sogar während ich schreibe. Wenn es ihm gelingt, vor CNN und dem Rest 1.000.000 Follower zu bekommen, wird er als erster Twitter-User in die Geschichte eingehen, dem dies gelungen ist. Er wird am Ende sehr viel mehr Geld damit machen, als die 10.000 Netze kosten werden. Wenn er wirklich ein Herz für Afrika hat, sollte er die 10.000 Netze ohne Vorbedingungen nach Afrika senden.”

Ein Artikel auf Project Diaspora stimmt Nyirenda zu und fügt hinzu, dass Gags durch Berühmtheiten für nicht nachhaltige Lösungen werben und den Menschen in Afrika in Wirklichkeit nicht helfen:

“Natürlich schützen Bettnetze uns davor gestochen zu werden, aber was sollen wir tun, wenn wir nicht unter den Netzen sind? Aber unsere Leben könnten soviel erfüllter sein, wenn wir als Arbeiter in der nicht existierenden afrikanischen Anti-Malaria-Branche arbeiten würden. Wir hätten Artemisia und Pyrethrum anbauen oder in einer Bettnetz-Fabrik arbeiten können; ich hätte meine Familie durch den Erlös ernähren können, aber leider kann ich es nicht. Ashton Kutcher fühlte sich ungeliebt und hatte Lust auf einen kleinen Popularitätswettbewerb, und wir sind die Zuschauer Arena Handlanger Opfer.

Wäre es nicht besser, Geld in einheimische Firmen zu investieren, die die Netze herstellen könnten, und so ein nachhaltiges Unternehmen zu betreiben, das Bettnetze verkauft? Oder in den Landwirtschaftssektor zu investieren, so dass Bauern leichter die Nachfrage nach Pflanzen wie Artemesia annua und Pyrethrum, einfach anzubauende pflanzliche Wirkstoffe für Anti-Malaria-Medikamenten, befriedigen können?”

In einem Artikel auf The Content Police heißt es aber, dass das, was er tat trotz der breit gefächerten Meinungen zu Kutchers Gag, es am Ende wert war:

“Es ist schwer, sich dem Hype um Ashton Kutchers Sieg gegen CNN im “Twitter-Rennen” zu entziehen. Es gibt jede Menge Meinungen zu dem Thema:

1) ES IST MIR VOLLKOMMEN EGAL!!!
2) Die Macht dem Volk!
3) Twitter ist zu einem Popularitätswettbewerb geworden
4) Twitter ist jetzt offiziell – Gott bewahre – MAINSTREAM
5) Hierdurch verändern sich die Medien grundlegend
6) Twitter ist tot (soll entweder bedeutet, dass es für seinen eigenen Niedergang verantwortlich ist oder für die mit einem Hang zur Dramatik: “Du bist für mich tot, Twitter, schnief, schnief, tot für mich”)…

…Die Zyniker unter uns werden Kutchers Versprechen, 10.000 Anti-Moskito-Netze für Afrika zu kaufen für eine Marketing-Masche halten, einen billigen Trick etc., um seine Twitter-Follower auf eine Million zu hieven. Sucht Kutcher einfach nur nach mehr Publicity? Oder versucht er wirklich die Macht des Volkes auf den Seiten von sozialen Medien zu demonstrieren? Kommt es darauf am Ende überhaupt an? Für mich nicht. Für mich ging es immer nur um die Anti-Moskito-Netze. Wenn schon ein Leben dadurch gerettet werden konnte, war es die Sache wert. Und 10.000 Malaria-Netze werden sicherlich viele Leben retten.”

CNN wird mit Kutcher gleichziehen und ebenfalls 10.000 Moskito-Bettnetze für den Weltmalariatag spenden. Als Trittbrettfahrerin erweist sich auch Oprah Winfrey, die sagte, sie wolle 20.000 Moskito-Bettnetze für einen guten Zweck spenden; ebenso der Moderator von “American Idol” Ryan Seacrest.

Foto: Prevent Malaria von eürodäna auf Flickr.

2 Kommentare

  • […] Beitrag erschien zuerst auf Global Voices. Die Übersetzung erfolgte durch Tina Seidenberger, Teil des “Project Lingua“. Die Veröffentlichung […]

  • Eine sehr gute Zusammenfassung und Übersetzung. Danke fürs Einstellen. Ich bin selbst auf Twitter und hab die Ehefrau von Ashton Kutcher auf die Sache mit der Billboard Werbung und der PR Sache angesprochen Sie hat nett geantwortet http://twitter.com/mrskutcher/status/1560589934
    Und ich finde, es war die Sache wert. Natürlich hat er auch von davon und vor allem Twitter (niemand weiss ja def. ob die einen Deal haben) Die Frage bleibt, ob twitter letztlich unter der Medienbekanntheit “leiden” wird. Aber für die Organistion war es ein wichtiger Schritt.

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