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Falsch, unwahr, trügerisch, fingiert – die Suche nach den passenden Worten, um die Wahrheit hinter der Berichterstattung zu erkennen

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Das Phänomen der sogenannten “Fake News” hat in letzter Zeit viel Aufsehen erregt, nicht zuletzt, da jüngste Ereignisse gezeigt haben, was für verheerende und weitreichende Auswirkungen sie haben können. Gleich zu Beginn dieses Jahres zeigte sich, dass ihr Potenzial als Gewaltauslöser nur zu real ist. Man denke nur an die Drohung, die der pakistanische Verteidigungsministers Khawaja Mohammad Asif Ende Dezember an Israel richtete, man sei zur nuklearen Aufrüstung bereit. Diese Drohung basierte auf einer Falschmeldung über die Absichten Israels. In den Vereinigten Staaten werden “Fake News” mittlerweile oft als Bezeichnung für Medien verwendet, die kritische Berichterstattung zu Donald Trump betreiben. Andererseits gelten sie auch als mögliche Erklärung für seinen Sieg bei der dortigen Präsidentschaftswahl.

Menschen wie Melissa Zimdars (eine Dozentin, deren Liste von Falschmeldungen sich unmittelbar nach dem Ausgang der Präsidentschaftswahl im Netz verbreitete) betonen, dass Fake News nicht das einzige Problem sind. In der Tat scheinen Propaganda, Fehlinformationen, Desinformation, Clickbaiting und “gefühlte Wahrheiten” genauso verbreitet und in einigen Fällen noch schädlicher zu sein, wie Gilad Lotan vor kurzem argumentierte.

Tatsächlich ist es schwer zu sagen, was Fake News eigentlich genau sind. Es reicht nicht, dass eine Nachricht falsche Informationen beinhaltet – auch Journalisten können sich irren. Ebenfalls davon ausgenommen ist offenkundiger journalistischer Schwindel. Die ursprüngliche Verwendung des Begriffs “Fake News” bezog sich in erster Linie auf erfundene Inhalte, die der Profiterzeugung dienten. Heute kann er ein breites Spektrum an Nachrichten von zweifelhafter Natur umfassen, zu denen auch einige der oben genannten Problemfälle zählen. Zumindest in englischsprachigen Massenmedien ist der Begriff bestenfalls umkämpft – und der Versuch, ihn zu übersetzen, macht das Ganze noch komplizierter. Zum Beispiel lautet das japanische Wort für “Fake News” デマ bzw. “dema”, was sowohl “inkorrekte Nachrichten” als auch “falsche Gerüchte” bedeuten kann.

Der Begriff Fake News spiegelt wider, wie schwer es den Lesern fallen kann, den Unterschied zwischen Wahrheit und Unwahrheit in der Berichterstattung zu erkennen. Zum Beispiel zeigt eine Studie der Stanford University aus dem vergangenen Jahr, an der über 7800 Schüler teilnahmen, dass die Mehrheit der Highschool-Schüler in den USA Bilder und deren Beschreibungen schlicht und einfach als “wahrhaftig” annehmen, ohne sie zu hinterfragen. Und welches Bild wurde ihnen gezeigt?

Als ihnen das obige Bild gezeigt wurde, fiel es den Schülern schwer, es nicht als Beweis für eine Nuklearkatastrophe zu interpretieren.

Wie können wir also über dieses und noch weitere Probleme reden, die DIESER BEGRIFF schafft, ohne noch mehr Verwirrung zu stiften – vor allem, wenn man bedenkt, dass die Herausforderungen, die sich aus den Fake News ergeben, aus der globalen Perspektive von Global Voices nichts Unbekanntes sind? Aus diesem Anlass hat es sich die Initiative NewsFrames zum Ziel gesetzt, in diesem Bereich auf globaler Ebene Aufklärungsarbeit zu betreiben.

Dieses Bestreben schloss auch die Herausforderung ein, die richtigen Worte zu finden, um dieses Problem und Phänomen zu beschreiben. Im Dezember verwendeten wir noch den Begriff fake [“falsch”], sind dann aber zu Wörtern wie false [“unwahr”] und fraudulent [“trügerisch”] übergegangen. Allerdings unterstellen letztere beiden Wörter dem Autor kriminelles Handeln und böswillige Absichten, weshalb es uns letztendlich unangenehm war, sie weiterhin zu gebrauchen. Inzwischen haben wir uns mehr oder weniger auf den Begriff Fabricated News [etwa: “gefälschte” oder “fingierte Meldungen”] geeinigt. Hier gibt es mehr dazu zu lesen. Wir gehen hierbei von einem fortlaufenden Prozess aus, der die Bemühungen unserer ehrenamtlichen Helfer berücksichtigen wird, welche bestimmte Ausprägungen solcher problematischen Nachrichten in allen möglichen Sprachen zusammentragen werden.

Die Tatsache, dass wir Fake News so viel Aufmerksamkeit widmen, kann zur Frage führen, ob faktenbasierte Nachrichtendienste nicht doch irgendwann an ihre Grenzen stoßen. Nichtsdestotrotz nehmen wir es auch als Gelegenheit wahr. Die Problematik, die mit dem Erstellen, Lesen und Verbreiten fingierter Inhalte einhergeht, existiert schon seit geraumer Zeit, und professionelle wie nicht professionelle Journalisten berichten regelmäßig von den Herausforderungen, die eine präzise, unvoreingenommene und objektive Berichterstattung mit sich trägt. Während wir diese Herausforderungen nach und nach reflektieren werden, finden wir womöglich auf dem Weg die richtigen Worte, um zu einem Standard für wahrheitsgetreue Berichterstattung und reflektiertes Lesen (zurück) zu finden und eine aufrichtige Gesellschaft zu fördern.

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