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Diese ostafrikanischen Länder zeigen, wie Technologie und Teamarbeit die illegale Fischerei erfolgreich bekämpfen können

Photo courtesy of FISH-i Africa — an endeavor working to halt large-scale illegal fishing.

Photo ©FISH-i Africa — ein Projekt, dass die wilde illegale Fischerei bekämpft.

Dieser Beitrag, geschrieben von Emma Bryce, wurde ursprünglich bei Ensia.com, veröffentlicht, einem Magazin, dass gezielt über internationale, praktizierte Lösungen für Umweltprobleme berichtet. Die Wiederveröffentlichung geschieht im Rahmen einer Vereinbarung mit Global Voices zur gemeinsamen Nutzung von Inhalten. Wenn nicht anders angegeben, führen die Links im Artikel zu englischsprachigen Webseiten. Bitte ebenfalls beachten: Zum Zwecke einer besseren Lesbarkeit habe ich auf geschlechtsspezifische Formulierungen verzichtet. Selbstverständlich beziehen sich alle personenbezogenen Bezeichnungen, wo nicht ausdrücklich anders erwähnt, grundsätzlich auf alle Geschlechter.

In den ersten Dezembertagen 2012 wurde im Indischen Ozean ein Schiff aus Südkorea gesichtet, die Premier. Es war gekommen, um dort zu fischen. In Westafrika war damals bekannt, dass dieses Schiff bereits in liberianischen Gewässern illegalen Fischfang betrieben hatte, bevor es die andere Küste Afrikas aufsuchte. Die ostafrikanischen Länder waren hierüber dementsprechend aufgebracht und wenig geneigt, einen Gesetzesbrecher dieser Art an ihren Küsten willkommen zu heißen. Kenia, Tansania, Mauritius, die Komoren, Mosambik und die Seychellen mobilisierten sich rasch gegen das Schiff. Sie verweigerten ihm, einen ihrer Häfen anzulaufen und weigerten sich auch, ihm eine Fischereigenehmigung zu erteilen.

‚‚Urplötzlich war die Premier umgeben von Ländern, die ihr einfach alles verweigerten‘‘, erinnert sich Benedict Kiilu, ein leitender Angestellter der kenianischen Fischereibehörde. Er ist Teil eines Teams, das das Schiff seinerzeit entdeckte und verfolgte. 2013 wurde das Schiff dann aus den Gewässern der Region vertrieben: Es war ihm nicht gelungen, dort Fische zu fangen. Letztendlich wurde es auch gezwungen, 2 Millionen US Dollar an Liberia zu zahlen, wegen Plünderung der Fischbestände des Landes.

Der Kern dieser Initiative, die kriminelle Praktiken durchkreuzt und Ressourcen schützt, war FISH-i Africa: Ein Netzwerk von Ländern, 2012 von der NRO Stop Illegal Fishing (Illegale Fischerei stoppen) gegründet. Die Mitglieder dieses Netzwerks sind neben Somalia und Madagaskar die sechs Länder, die damals die Premier aus ihren Gewässern vertrieben hatten. Sie haben sich verpflichtet, Fischerei-Informationen miteinander auszutauschen. FISH-i Africa will so eine gemeinsame Front im Kampf gegen illegale – oder die so genannte ‘Piratenfischerei’ – schaffen.  

‚‚Damit haben wir acht Länder, die gleichgesinnt sind und zusammen arbeiten. Sie tauschen Informationen aus und stehen sich gegenseitig bei, wo es um illegale Fischerei geht‘‘, sagt Tony Long, Leiter des Pew Charitable Trusts Projektes Ending Illegal Fishing. Dieses Projekt bietet FISH-i technische Unterstützung.

Illegale Fischerei ist per Definition unreguliert: Was gefangen wird, wird verborgen, weswegen es extrem schwierig aufzuspüren ist. Damit ist die illegale Fischerei eine Hauptursache der Überfischung von Regionen. Durch die absichtliche Missachtung bestehender Gesetze, mittels derer bestimmte Lebensräume und Arten geschützt werden sollen, kann die illegale Fischerei Ökosystemen schaden, die ein delikates Gleichgewicht haben. Meerestiere und -pflanzen werden hierdurch bedroht. Doch während Aktionen gegen die illegale Fischerei einst durch bürokratische Hürden behindert wurden und auch durch das Schneckentempo, mit dem Informationen zwischen einzelnen Ländern kursierten, so geschehen die Aktionen heutzutage in Echtzeit, mit verfolgbar auf FISH-i's digitaler Kommunikationsplattform. Dort können die einzelnen Länder miteinander beispielsweise Listen existierender Lizenzen austauschen, Neuigkeiten zu verdächtigen Aktivitäten oder Details, die man während einer Hafeninspektion bemerkt oder erfahren hatte. Auf diese Art werden Datenbestände zu Schiffen gesammelt, die in den jeweilige Gewässern aufgetaucht sind.  

FISH-i verfolgt die Aktivitäten von Schiffen auch sehr aufmerksam, wenn sich diese auf der offenen See bewegen, mittels Satellitendaten. Die Resultate werden dann ebenfalls über die Kommunikationsplattform geteilt. Das ermöglicht es den Behörden, Schiffe zu kennzeichnen, die in verbotenen Gebieten fischen. Auch lassen sich so verdächtige Fahrrouten entdecken – etwa solche, die darauf hindeuten, dass ein Schiff seinen gefangenen Fisch unterwegs auf andere Schiffe lädt.

Im Idealfall können solche Untersuchungen zeigen, ob die beteiligten Schiffe eine Fischfanglizenz haben, wo sie unterwegs waren und eventuell auch, ob sie ein Strafregister haben. Länder, die gegen illegalen Fischfang sind, können auf Basis dieser Informationen dann die Annahme solcher Schiffe in ihren Häfen verweigern. Was bedeutet, dass die Schiffe ihre Ladung nicht verkaufen werden können. Und dass sie sogar zum Zahlen von Strafen gezwungen werden könne, wie im Fall der Premier.

‚‚Es geht dann um erhebliche finanzielle Verluste für den Besitzer [des jeweiligen Schiffs], was bedeutet, dass der illegale Fischfang sich finanziell nicht mehr lohnt. Und das ist, was wir erreichen wollen,‘‘ sagt Per Erik Bergh, leitender Direktor von NFDS Africa. Letztere ist eine Beraterfirma, die sich für den Kampf gegen illegale Fischerei in Afrika einsetzt und dabei auch FISH-i unterstützt. 

Eine geschlossene Front

Die bereits genannte Plattform wurde geschaffen, um geschätzte 20 Millionen USD an verlorenem Umsatz zurück zu gewinnen, die die acht Mitglieder des Netzwerkes HISH-i jedes Jahr verlieren wegen der illegalen Fischer, die in ostafrikanische Gewässer eindringen. Ostafrika hat eine der produktivsten Thunfisch-Fischereien, weswegen die Region kommerziellen Fischfang aus der ganzen Welt anzieht. Unter diesen auch ebenjene illegalen Fischer. Zu deren Praktiken u.a. Aktionen zählen wie das Segeln unter falscher Flagge, gefälschte Lizenzpapiere, Angabe von Phantasienamen, das Fischen geschützter Arten und das Fischen in Naturschutzgebieten.

‚‚Sie nutzen gezielt die fehlende internationale Zusammenarbeit aus und machen sich die Schwächen eines nicht lückenlos organisierten Kontrollsystems zunutze‘‘, sagt Long. ‚‚Früher konnte ein Schiff illegal fischen und ein Land konnte dann sagen ‘Du darfst meinen Hafen nicht anlaufen’. Doch ein anderes Land konnte sagen ‘Komm zu mir’.‘‘ Und genau dieses legale Schlupfloch versucht FISH-i nun zu schließen.

Bislang funktioniert die geschlossene Front. Seit seiner Gründung war FISH-i an mehr als 30 Untersuchungen verdächtiger Schiffe beteiligt. Es hat kriminelle Netzwerke aufgedeckt, die gefälschte Lizenzen in Tansania verteilt hatten. Es entdeckte Schiffe, die mehrere betrügerische Identitäten verwendeten und es hat flüchtende Schiffe verfolgt und gefunden. Aufgrund seiner Zusammenarbeit mit INTERPOL, der internationalen Behörde zur Bekämpfung von Verbrechen, kann FISH-i Informationen zu illegaler Fischerei über große Entfernungen hinweg teilen und erhalten.

‚‚Manche unserer Untersuchungen führen uns ziemlich weit in die Netzwerke organisierter Verbrechen‘‘, sagt Bergh.

Trygg Mat Tracking analyst Duncan Copeland is building a system to help FISH-i more precisely pinpoint suspect boats. Photo courtesy of FISH-i Africa.

Duncan Copeland, Analyst bei Trygg Mat Tracking. Er baut ein System, das FISH-i helfen soll, verdächtige Schiffe präziser zu orten. Foto mit freundlicher Genehmigung von FISH-i Africa.

FISH-i’s Satellitensystem, das stets weiterentwickelt wird, hilft auch dabei, die illegalen Schiffe aufzuspüren die sich gerne verstecken.

‚‚Die illegalen Fischer benutzen sehr raffinierte Techniken, um ihre Aktivitäten und ihre Position zu verbergen. Und das versuchen wir zu durchkreuzen,‘‘ sagt Duncan Copeland, Chefanalyst bei Trygg Mat Tracking, einer NRO, die sich ebenfalls mit Fischereidaten befasst und FISH-i technische Unterstützung bietet. Manche der Schiffe schalten zum Beispiel ihre automatischen Identifikationssysteme ab, womit sie nicht mehr von Satelliten geortet werden können. Copeland hilft deshalb, ein System zu bauen, das verschiedene Informationsebenen miteinander verbindet. Es soll FISH-i dabei helfen, kriminell agierende Schiffe mit größerer Präzision zu finden.

Ein Modellprogramm

Doch kann FISH-i’s Team afrikanischer Nationen tatsächlich Einfluss nehmen auf das zweifellos globale Problem der illegalen Fischerei? John Amos, Präsident der NRO SkyTruth, glaubt das. Vor kurzem hat SkyTruth gemeinsam mit Google und der Meeresschutzorganisation Oceana die Plattform Global Fishing Watch eröffnet: Eine Plattform, die Satellitendaten bietet und mittels der die Position jedes einzelnen verfolgbaren Schiffes weltweit angezeigt werden kann.

‚‚Sich zusammentun mit den Nachbarn, um ein besseres Bild davon zu bekommen, wer was wo tut – das ergibt einfach Sinn,‘‘ sagt er. ‚‚Hier ist eine Chance für Länder, sich zu vereinen und ihre Ressourcen zur Untersuchung zu bündeln. Wir sollten dies auf globaler Ebene tun.‘‘ Pew Charitable Trusts hat ein ähnliches Projekt zu laufen, bei dem ein globales System die Verfolgung von Schiffen zulässt. Name: Eyes on the Seas. Ab dem Frühjahr 2017 soll es FISH-i unterstützen.

Es gibt Anzeichen, dass FISH-i’s Aktivitäten nicht nur Kriminelle aufspüren, sondern sie auch abschrecken. Schiffe, die früher ohne Lizenz fischten und kaum mit Konsequenzen zu rechnen hatten, wissen nun, dass sie beobachtet werden. Laut Kiilu verzeichnen manche der an FISH-i beteiligten Länder inzwischen einen 33% Anstieg an Fischereiumsatz, seitdem Fischerboote mehr Lizenzen kaufen.

After FISH-i helped Somalia home in on the Greko 1, inspectors found banned trawl nets on board. Photo courtesy of FISH-i Africa.

Nachdem FISH-i Somalia geholfen hatte, Greko 1 aufzuspüren, fanden die Inspektoren dort an Bord Schleppnetze, deren Einsatz verboten ist. Foto mit freundlicher Genehmigung von FISH-i Africa.

Auch andere Länder bemerken diese Erfolge. ‚‚Die Wirkung ist dermaßen stark, dass uns nun auch andere Länder kopieren,‘‘ sagt Kiilu. ‚‚Wir sind ein Studienobjekt geworden.‘‘ In Westafrika verschwinden jährlich mehrere hundert Millionen Dollar durch illegale Fischerei. Dort haben sich 2015 sechs Länder zusammengeschlossen, zur so genannten West Africa Task Force. Auch sie bekämpfen nun die illegale Fischerei, nach exakt dem gleichen Modell wie FISH-i. ‚‚Mit Sicherheit ist das Ziel, noch mehr solcher Initiativen und Strukturen auch in anderen Regionen entstehen zu lassen,‘‘ sagt Copeland.

Kürzlich erst konnte FISH-i's jüngstes Mitgliedsland Somalia seinen ersten großen Triumph melden: Im Oktober stellte es Greko 1, ein Schiff, das unter falscher Flagge unterwegs war. Und nicht nur war das Schiff auch ohne Lizenz unterwegs und wurden Schleppnetze verwendet, die mittlerweile verboten sind. Das Schiff war auch noch in verbotene Gewässer eingedrungen, die für Fischer aus Somalia reserviert sind. ‚‚Mit dem Nehmen von Maßregeln gegen Greko 1 setzten die [Somalier] ein starkes Zeichen, dass sie gegen illegalen Fischfang vorgehen,‘‘ sagt Bergh.

Für FISH-i ist dies ein weiterer Erfolg von vielen. Und zugleich der Beweis, dass eine solch besondere, kollaborative Arbeitsweise zum Schutz der Ozeane tatsächlich im gesamten Weltmeer funktioniert.

Emma Bryce ist freiberufliche Journalistin und lebt in London. Dort schreibt sie zum Thema Umwelt, Technik und Ernährung. Ihre Artikel erscheinen im Wired Magazine, TED Education, der New York Times und im Guardian.

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