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Beim Sauti za Busara Festival auf Zanzibar fragen Musiker: Kann ein Song wirklich die Welt verändern?

Carola Kinasha, Sauti za Busara Festival Moderatorin, 2017. Foto mit freundlicher Genehmigung von Markus Meissl.

Zum 15. Mal startete auf den teilautonomen Inseln Zanzibar am 8. Februar 2018 das Sauti za Busara (Swahili für “Klänge der Weisheit”) Festival, inoffiziell weitläufig bekannt als Ostafrikas ‘freundlichstes Musikfestival’. Es ist der Auftakt zu zu vier Tagen voller live Musik aus Afrika und der Diaspora. Die jährlich im Old Fort der Hauptstadt Stone Town stattfindende Veranstaltung stand dieses Jahr unter dem Motto „United in Music“ (Vereint in Musik) und hatte zum Ziel, Frieden und Einigkeit in einer immer unbeständigeren und geteilten Welt zu stärken.

Teil des Festivals war die tägliche Networking-Reihe “Movers and Shakers” (Macher und Shaker), die Branchenbeteiligte zu drei Tagen des Dialogs zum Thema Musik auf dem Kontinent einlud. Am ersten Tag beschäftigte sich die Konversation mit „Musik und Veränderung“ und wurde moderiert von Festival-Direktor Yusuf Mahmoud, der die Veranstaltung mit der Frage eröffnete: „Kann ein Lied wirklich die Welt verändern?“

Von Billie Holidays “Strange Fruit” über Bob Marleys “Get Up, Stand Up” und Tracy Chapmans “Talking bout a Revolution” zu Public Enemys “Fuck the Police” und Kendrick Lamars “We Gon’ Be Alright zeigte Mahmoud, dass ein Lied tatsächlich diese Kraft hat. Diskussionsteilnehmer Isack Abeneko aus Tansania und Herman Kabubi aus Uganda teilten Erlebnisse, die aufzeigten, wie sich Veränderung in ihren jeweiligen Ländern durch Musiker, Dichter und Kulturschaffende manifestiert.

Abeneko, ein Künstler, Schauspieler, Tänzer und Choreograph, dessen beliebtes Lied “Salam” 2017 erschien, sagt, er will mit den Botschaften seiner Lieder über „Fahnenschwenken“ hinausgehen:

Ich möchte, dass junge Tansanier ihr eigenes musikalisches Erbe würdigen. In Dar verlieren wir unser Selbstbild.

Dar es Salaam, Tanzanias kulturelle Hauptstadt, ist in Swahili bekannt als „Bongo“ oder „Gehirn“, um den Wahnsinn des Lebens in einer der lebhaftesten afrikanischen Megacities anzudeuten. „Bongo Flava“, ihr einzigartiges Musikgenre, wird oft von symbolträchtigen Bildern von hüftenschwingendem Tanzen, Glamour am Pool, maskulinem Gehabe und schnellen Autos angetrieben. Aber Abenekos Lieder sind viel mehr als das:

Ich entschied, meine Musik ‚Bongo Fusion‘ zu nennen, denn es ist nicht wirklich ‚Bongo Flava‘. Ich singe über Straßenkinder, ich singe über wirtschaftliche Schwierigkeiten, ich singe über Frieden in der Familie und meine Musik geht über das Studio hinaus. Ich möchte live spielen. Aber als wir unsere Songs an lokale DJs verteilten, sagten sie uns, es gäbe kein Programm dafür. Ich stellte fest, dass Veränderung mit dem eigenen Netzwerk beginnt: wirkliche Freundschaften aufbauen und erhalten, eine Verbindung zu meinem Publikum aufbauen. Ich glaube, dass Veränderung mit einer Person nach der anderen erfolgt.

Herman Kabubi aus Kampala (Uganda), auch bekannt als „Slim MC“, ist Dichter und Programmdirektor des Bayimba International Festival of the Arts. Programme, die Stereotypen über Afrika herausfordern, ziehen ihn am meisten an:

Wenn ich Programme kuratiere, suche ich die neuen Geschichten, die wir über den Kontinent erzählen möchten. Aber auch die, auf die unser Publikum im Kontext gut anspricht. Ich suche nach dem, was wir wichtige Inhalte nennen.

Kabubi sagte, er lobt Künstler und Kulturaktivisten, die sich dem System entziehen, indem sie neue Systeme außerhalb des Mainstreams schaffen:

Ich möchte Programme kuratieren, die Gespräche entfachen. Entweder durch die Präsentation einer neuen Technik, eines neuen Inhalts oder durch das Überschreiten von Grenzen. Aber immer auf unser Publikum konzentriert und das beinhaltet das Schaffen von Räumen für LGBTQIA Ausdrucksformen.

Kabubi deutete auch Hoffnung an, als er auf den Musiker Bobi Wine (Robert Kyagulanyi Ssentamu) verwies, der vor Kurzem ins ugandische Parlament gewählt wurde und „Musik zur Vereinigung der Menschen“ in Uganda einsetzen möchte. Vor den Wahlen von 2016 in Uganda brachte Kyagulanyi das Lied “Situka heraus. Der Titel bedeutet in Luganda, sich erheben / gegen etwas aufstehen. Der Liedtext enthält eine Herausforderung zum Kampf gegen Korruption und Ungerechtigkeit:

Wenn es hart auf hart kommt, müssen die Harten weitermachen; besonders, wenn unsere Anführer zu Irreführern werden und Mentoren zu Peinigern. Wenn Meinungsfreiheit Unterdrückung entgegengebracht wird.

Abdi Rashid Jibril, Promoter und Produzent bei der Musikproduktions- und Veranstaltungsfirma Roots International, die ihren Sitz in Nairobi (Kenia) hat, erinnerte die Diskussionsteilnehmer und das Publikum schnell an die signifikanten Belastungen, denen sich Künstler gegenübergestellt sehen, die Risiken eingehen weil sie als Aktivisten und Künstler eine Botschaft haben:

Wir leben in einer Zeit der weltweiten Unterdrückung. Aber besonders in Ostafrika leben wir in einem kulturellen Moment und einer Bewegung, wo Künstler sich in große Gefahr begeben. Ich fordere Interessenvertretungen wie Music in Africa and Busara Promotions dazu auf, Künstler im Gefängnis nicht zu übersehen, die dafür festgenommen wurden, weil sie gegen Repression Stellung genommen haben. Künstler brauchen die Solidarität der internationalen Gemeinschaft, die Druck auf Regierungen ausüben kann, um zu gewährleisten, dass Künstler und Kulturaktivisten nicht weiter ausgeschaltet werden, so wie kürzlich vor allem in Nairobi.

Am 31. Januar wurden Amani Baya und Jack Muguna vom Nairobi Horns Project verhaftet, für was Jibril „erfundene Anklagen, die die Straffreiheit und grobe Ungerechtigkeit unseres Rechts- und Vollzugssystems wiederspiegelt“ nennt. Fans von Jibrils sehr beliebtem Choices Thursday Night — Live Musikevent wurden dazu aufgerufen:

Kommt alle zum Nairobi City Hall Magistrates Court, bringt ein zusammengefaltetes Schild mit, das wir auf Brusthöhe ausklappen können, wenn unsere Freunde raufgebracht werden. Freiheit für Amani & Jack. Freiheit für die Musik.

Die beiden wurden daraufhin gegen Zahlung einer Kaution in Höhe von 200.000 Kenia-Schilling (rund 1.600 Euro) freigelassen und die ihnen vorgeworfene „Lärmbelästigung“ soll in einer Anhörung am 15. Februar verhandelt werden.

Die Verfolgung von Musikern ist ein Thema, das über die Grenzen Kenias hinausgeht. In Äthiopien wurden Musiker beispielsweise für ihre Liedtexte wiederholt mit Terrorismus-Vorwürfen konfrontiert.

Es blieb nicht unbemerkt, dass ein ausschließlich aus Männern bestehender Ausschuss eine kritische Auffassung gegenüber dem Thema ‘Musik für Veränderung in Afrika’ vetrat, bei dem Geschlechtergleichheit noch immer der Elefant im Raum ist. Carola Kinasha, eine in Dar es Salaam lebende wegweisende Kulturaktivistin und preisgekrönte Musikerin, die auch Moderatorin des diesjährigen Festivals war, erklärte, dass Frauen in Tansania beim Komponieren und dem Schreiben ihrer eigenen Liedtexte nicht dieselben intellektuellen Rechte wie Männer genießen:

Lassen Sie es mich so sagen: die DJs in Dar diktieren alles, was in ist – was out ist, und ich widerspreche dem entschieden.

Kinasha führte fort: 

Wenn ich ein Album mit neun Liedern produziere, könnten acht über soziale Themen sein und nur eines über Liebe. Dieses eine Lied über Liebe wird das sein, das im Radio gespielt wird.

Kinasha, Projektdirektorin von Music Mayday,  einer gemeinnützigen Gesellschaft in Dar es Salaam, unterstützt Jugendliche in ihrer kreativen und künstlerischen Entwicklung. Sie sagt:

Heute ist es in Tansania viel schwieriger, uns auszudrücken. Künstler werden verhaftet, eingeschüchtert, vermisst und verprügelt. Das sagt mir, dass es nicht nur eine Geschlechterfrage ist, sondern eine Frage der Meinungsäußerung aller Musiker. Das sagt mir, wie viel Macht Musik hat. Wenn sie nicht so stark wäre, würde sie nicht so gefürchtet.

Anmerkung der Redaktion: Die Autorin dieses Beitrags hat in der Vergangenheit für das Sauti za Busara Festival gearbeitet. 

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