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Auf der Suche nach der ‘anderen Art von Bildung’ reisen zwei Argentinier durch Lateinamerika

„La educación en movimiento“ (etwa: Bildung im Wandel), eine Reise, auf der wir die Projekte zur Volksbildung, die sich durch die sozialen Bewegungen Lateinamerikas entwickelt haben, entdecken, miteinander verbinden und vorstellen Das Erkennungsbild der Kampagne, öffentlich geteilt über Facebook

„La educación en movimiento“ (etwa: Bildung im Wandel) ist eine Reise, auf der wir Bildungsprojekte, die sich durch die sozialen Bewegungen Lateinamerikas entwickelt haben, entdecken, miteinander verbinden und vorstellen. Das Titelbild der Kampagne, öffentlich geteilt über Facebook.

Wenn wir von Bildung und Bildungsqualität sprechen, denken nur wenige darüber nach, wie die traditionelle Bildung – trotz der erkennbaren Verbesserungen und fortlaufenden Weiterentwicklung – die Stereotypen einer vorherrschenden Kultur aufrechterhält, die sehr wenig mit der Realität der lateinamerikanischen Gemeinschaften zu tun hat. In den letzten Jahrzehnten haben soziale Bewegungen nach Alternativen gesucht, die Bildung in das Leben der Gemeinschaften integrieren. Daraus entstand eine pädagogische Lehre, die unter dem Namen Bildung von unten bekannt ist.

Dieser Denkrichtung folgen zwei junge Argentinier, die sich für diese Bewegungen begeistern, sie genauer kennenlernen und unterstützen möchten. Vor einem Jahr haben sie sich auf „eine Reise gemacht, um eine Art von Bildung kennenzulernen, die diese andere mögliche Welt aufbaut und für sie kämpft“ und die sie quer durch ganz Lateinamerika gebracht hat. Dieses ehrgeiziges Projekt heißt La educación en movimiento (etwa: Bildung in Bewegung).

Es ist eine Reise im wörtlichen Sinn: Mit Unterstützung von Familie, Freunden und Helfern haben sie ihren Bus startklar gemacht und sind in Buenos Aires am 11. August 2015 zu einer langen Reise durch Lateinamerika aufgebrochen, um die Bildungsprojekte dieser sozialen Bewegungen in den verschiedenen Gemeinden der Region selbst kennenzulernen. Ihr Ziel war es, diese Projekte zu untersuchen, aus ihnen zu lernen und daraus schließlich einen Dokumentarfilm zu erstellen, den sie bei ihrer Rückkehr fertigstellen würden und der kostenfrei zu sehen ist.

Die Hauptpersonen sind Malena und Martín, zwei junge Leute, die sich für die Volksbildung in den Vierteln ihrer Stadt einsetzen, und ihr „Guagua Transhumante“ (etwa: ‚Wanderbus‘), ein Renault Kangoo 1.9 Diesel, den sie in eine Art Wohnauto umgewandelt und mit grundlegenden Dingen ausgestattet haben, um ihn als einfache aber wohnliche Unterkunft nutzen zu können. Auf ihrer Homepage erklären sie:

En algunos países de Nuestramérica, “guagua” quiere decir  “ómnibus”, pero en otros significa “niñ@”. “Transhumante”, por nómade.

In manchen Ländern unseres Kontinents Lateinamerika bedeutet „guagua“ „Omnibus“, kann aber auch „Kind“ heißen. „Transhumante“ meint Nomade.

Auf ihrer Website, auf der die Reisenden ihre Erlebnisse auf großartige Art und Weise mit verschiedenen Medien dokumentieren, laden sie sämtliche Informationen, Interviews und Kurzfilme hoch, die sie unterwegs gesammelt und zusammengestellt haben und veranschaulichen so ihre Reise. All das wird später Teil des Dokumentarfilms sein. Außerdem haben sie eine Facebook-Seite, auf der sie Anekdoten, Fotos und die Erlebnisse des Tages teilen.

Die Suche nach einer anderen Art der Bildung war eine Reaktion auf das allgemeine Problem, das sich durch die Beziehung zwischen traditionellen Schulen und den Gemeinschaften ergibt. In einem der Interviews, die auf der Reise entstanden, erzählte Mario Rodríguez, ein bekannter bolivianischer Bildungsexperte und Mitbegründer des Red de la Diversidad Wayna Tambo (etwa: Netzwerk für Vielfalt Wayna Tambo), in einem Gespräch über seine Erfahrungen und erklärt, was es ist, das die Schulen „nicht erkennen“. Dazu sagte er:

Martín, Malena und der „Guagua Transhumante“ (‚Wanderbus‘) an der pazifischen Küste auf dem Weg nach Quito, Ecuador. Über Facebook öffentlich geteiltes Bild.

Martín, Malena und der „Guagua Transhumante“ (‚Wanderbus‘) an der pazifischen Küste auf dem Weg nach Quito, Ecuador. Über Facebook öffentlich geteiltes Bild.

Una de las cosas que más me impresionaba en el caso de las niñas […] es que la escuela, en determinado momento, era un perjuicio para sus vidas porque, si las niñas llegaban al bachillerato, entraban más tarde en los circuitos de intercambio mercantil a través de los mercados de ferias locales, y que gran parte de su posibilidad de vivir y de ampliar su experiencia, de generar riqueza, pasaba por su incorporación temprana a estos mercados y sistemas que la escuela era incapaz de mirar, ¿no? Y, entonces, al no mirar, no era capaz de formar a las niñas, a las jóvenes, para ese escenario, que era parte de su vida cotidiana.

Eine Sache, die mich mit an der Situation der Mädchen […] am meisten erschüttert hat, war, dass die Schule zu einem bestimmten Zeitpunkt eine Benachteiligung für ihr Leben bedeutet. Wenn Mädchen das Abitur erreichten, treten sie später in den Handel und in die lokalen Märkte ein. Ein Großteil ihrer Möglichkeiten, Berufserfahrung zu sammeln und zu erweitern, Vermögen zu bilden, entsteht dadurch, dass sie früh in diese Märkte und Systeme eingegliedert werden, und die Schule unfähig ist, das zu erkennen, nicht wahr? Und weil sie das nicht erkennen, sind die Schulen nicht in der Lage, Mädchen und junge Frauen, auf diese Situation vorzubereiten, die zu ihrem alltäglichen Leben gehört.

Zahlreiche soziale Bewegungen an verschiedensten Orten Lateinamerikas arbeiten weiterhin in Gemeinden, gemeinnützigen Organisationen, an staatlichen Stellen und in anderen engagierten Gruppen, um am Aufbau und an der Verbreitung von Bildungsprojekten mitzuwirken. Diese Projekte distanzieren sich von den stereotypen Bildungs-, sozialen und westlichen Konzepten und orientieren sich mehr an der Realität vor Ort, die auf die Lebensbedingungen der Menschen sowie ihre wirtschaftliche und geografische Situation ausgerichtet sind. Ziel ist es, den Gemeinden die Verantwortung zu überlassen und ihnen helfen, zu wachsen, während sie gleichzeitig ihre Umgebung schützen und ihre Kultur bewahren. Solche Projekte sind es, die „La educación en movimiento“ auf seiner Dokumentarreise finden möchte, untersucht und vorstellt. Einige von ihnen werden in diesem ersten Beitrag genauer beschrieben.

UNICAM-SURI, die erste Landuniversität Argentiniens

In Santiago del Estero, einer Provinz im Norden Argentiniens, haben Mitglieder der indigenen Bewegungen und Bewohner der ärmsten Viertel gemeinsam die erste Landuniversität Argentiniens aufgebaut. Schon der Aufbau ist eine lehrreiche Erfahrung für alle Beteiligten: Man wechselt sich bei den gemeinsamen Aufgaben ab, von der Herrichtung der Zimmer, Schulsäle und Bäder über die Zubereitung der Mahlzeiten für die Arbeitenden bis hin zur Sendung des Radioprogramms, das die Universität bekannt machen soll.

In dieser Provinz ergaben sich zahlreiche Gelegenheiten zu Kurzfilmen und Interviews, denn dort, wo Mocase VC sehr aktiv ist, werden eine Vielzahl an Projekten durchgeführt. Mocase VC, el Movimiento Campesino de Santiago del Estero Vía Campesina (etwa: bäuerliche Bewegung von Santiago del Estero Vía Campesina), ist eine Organisation, die sich für das Landrecht, die Gesundheit und die Bildung der Gemeinschaften dieser Region einsetzt.

Das neue bolivianische Bildungsgesetz: Für eine alternative Bildung

Ist eine Zusammenarbeit von Schulen, Staat und sozialen Bewegungen möglich? Im Jahr 2010 wurde das Bildungsgesetz Nr. 070 „Avelino Siñani – Elizardo Pérez“ erlassen. Es war der erste Schritt hin zu einem Bildungsprozess, der sich nicht am kolonisatorischen System orientiert und der die sozialen und kulturellen Ausdrucksformen der Nationen und Völker respektiert und unterstützt, insbesondere, weil die traditionellen Sprachen als erste Schulsprache neben dem Spanischen und einer Fremdsprache ist.

Die Volksbildung in Peru ist „lebendig und andauernd“

Die weitere Reise führt Malena und Martín nach Lima, wo sie unter anderem ein ausgiebiges Interview mit Nélida Céspedes führen, der Exekutivsekretärin des CEAAL, Consejo de Educación Popular del Caribe y América Latina (etwa: Volksbildungsrat der Karibik und Lateinamerikas). Der CEAAL ist „eine Bewegung der Volksbildung, die bildungsbezogene, soziale, politische, kulturelle und wirtschaftliche Transformationsprozesse von Vereinigungen in der Karibik und in Lateinamerika begleitet. Die Grundhaltung der Organisation beinhaltet, “in lokalen, nationalen und regionalen Aktionen, im Dialog mit der Welt, zugunsten der Souveränität und der Integration von Gemeinschaften, zugunsten der sozialen Gerechtigkeit und Demokratie, aus der Perspektive der Menschenrechte, der Gleichheit der Geschlechter, einer kritischen Interkulturalität und eines ethischen, pädagogischen und emanzipatorisch-politischen Anrechts“ zu agieren. Das folgende Video zeigt einen Teil des Interviews, in dem Nélida über die Bedeutung der Volksbildung und die durch sie angestrebte alternative Sichtweise spricht.

Das sind nur drei der vielen Erfahrungen, die Malena und Martín während der ersten Monate ihrer Rundreise gesammelt haben. Die Reise geht weiter. Sie waren bereits in Ecuador, Kolumbien, Brasilien und Mexiko, und während dieser Artikel geschrieben wurde, machen Sie sich auf den Weg nach Venezuela. Das wichtigste Ziel dieser Dokumentarreise ist es,ein Netzwerk zwischen den Bewegungen aufzubauen, sie zu unterstützen, indem sie ihnen die Zusammenarbeit und den Ideenaustausch ermöglichen. Die Kurzfilme sollen zu Gesprächen anregen und Grundlage sein für neue Ideen und Bewegungen, mit dem Ziel, sämtliche Gemeinschaften der Region in das Bildungssystem zu integrieren.

Im nächsten Beitrag erzählen wir euch mehr über die Reise, mit Interviews und Kurzfilmen, die die vielseitigen Erfahrungen dieses Projekts widerspiegeln und zeigen, was verschiedene Gemeinschaften Lateinamerikas in puncto Bildung auf die Beine gestellt haben.

„La educación en movimiento“ ist ein selbstverwaltetes Projekt, das dank der Unterstützung von Kollegen, Helfern und Freunden durchgeführt wird. Hier erfahrt ihr, wie ihr das Projekt unterstützen könnt, damit es ein voller Erfolg wird. Folgt auch der Facebook-Seite und teilt sie. Dort gibt es ein Fototagebuch und viele Anekdoten, über die ihr die beiden und auch die Leute, denen sie auf ihrer Reise begegnet sind, näher kennenlernt.

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