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Erster Kanadier somalischer Herkunft gewinnt einen Sitz im kanadischen Parlament

Justin Trudeau on the campaign trail, visiting then-candidate Ahmed Hussen in his Toronto district. Ahmed Hussen won the race, becoming Canada's first member of parliament of Somali descent.  Credit: Adam Scotti. Used with PRI's permission.

Justin Trudeau wie er auf seiner Wahlkampftour den damaligen Kandidaten Ahmed Hussen in seinem Wahlbezirk in Toronto besucht. Ahmed Hussen gewann die Wahl und wird damit das erste Parlamentsmitglied somalischer Herkunft Kanadas. Foto von Adam Scotti. Verwendung mit Genehmigung von PRI.

Dieser Artikel und ein Radiobericht von Carol Hills für The World erschien ursprünglich am 22. Oktober 2015 auf PRI.org und wird hier im Rahmen eines Content Sharing-Abkommens neu veröffentlicht.

Ahmed Hussen kam 1993 im Alter von 16 Jahren als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling von Somalia nach Kanada. In dieser Woche wurde der Anwalt und Vater zweier Kinder als erstes Mitglied somalischer Herkunft in das kanadische Parlament gewählt.

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„Ich denke, damit beschreiten wir wirklich ganz neue Wege”, sagt er. „Das zeigt, dass Kanada eins der großartigsten Länder der Welt ist, in das man sich schnell integrieren und alles werden kann, was man sein möchte.”

Hussen zieht als Vertreter das Bezirks York South-Weston ins Parlament ein – ein Stadtteil in Toronto, der überwiegend von Einwanderern bewohnt wird. In Kanada leben Schätzungen zufolge etwa 150.000 Somali-Kanadier. „Für diese relativ neue und isolierte Gemeinde wie auch für viele andere Kanadier somalischer Herkunft und viele junge Menschen mit denen ich zusammengearbeitet habe, ist dieser Sieg etwas, das auch sie selbst motiviert, nach mehr zu streben.”

Hussens Weg ins Parlament klingt wie eine kanadische Ausgabe der Geschichten von Horatio Alger – ein US-amerikanischer Autor, der durch seine Geschichten von Jungen, die durch Fleiß und Ehrlichkeit der Armut entkommen, berühmt wurde. Nach seiner Ankunft in Kanada als Teenager schloß Hussen die High School ab, lebte bei Verwandten in einer Sozialwohnung und arbeitete in schlecht bezahlten Jobs, um Geld für das Studium zu sparen. Außerdem arbeitete er ehrenamtlich für Lokalpolitiker. Dies brachte ihm Enpfehlungsschreiben für bezahlte Arbeit ein und führte schließlich dazu, dass Hussen eine Stelle bei einem Kandidaten der Liberalen Partei bekam, der später Premierminister der Provinz Ontario wurde. Danach wurde Hussen Vorsitzender des Canadian Somali Congress, der Organisation der Kanadier somalischer Herkunft und arbeitete im Bereich Community Organizing. Hussen stellt klar: „Ich bin in erster Linie Kanadier und erst in zweiter Linie Somalier.”

Amerika wird gern als Schmelztiegel bezeichnet, Kanada hingegen beansprucht für sich eine andere Metapher: die des multikulturellen Mosaiks.

„Schmelztiegel bedeutet, dass die eigene Kultur mit allen anderen in einen einzigen großen Topf geworfen wird und darin verschwindet”, sagt Hussen. „In Kanada ermuntern wir die Menschen jedoch, ihr Erbe und ihre Kultur zu schätzen, sich aber auf der anderen Seite auch allgemein anerkannte kanadische Werte wie die Einhaltung der Menschenrechte und die Anerkennung von Minderheiten zu eigen zu machen.”

Kanadas Einwohner kommen wie in den USA auch aus der ganzen Welt. Für Hussen zieht das Land genau aus dieser Vielfalt seine Stärke. „Andere Länder wurden durch unterschiedliche Religions- und Volkszugehörigkeiten zerissen. Kanada ist es hingegen irgendwie gelungen, trotz all dieser Unterschiede größtenteils stark und vereint zu bleiben.”

Ahmed Hussen erklärt, dass die kanadisch-somalische Gemeinde über ganz eigene natürliche Stärken verfügt. „Schon in Somalia waren die Menschen für ihren Unternehmergeist und ihre Bereitschaft bekannt, an Orten, die man schon längst abgeschrieben hatte, geschäftliche Risiken einzugehen. Dies haben sie nach Kanada mitgenommen.” Hussen erzählt, dass die Kanadier somalischer Herkunft in Edmonton, in der Provinz Alberta, durch die Eröffnung kleiner Betriebe, Restaurants und Läden ganze Stadtviertel wieder zu neuem Leben erweckt hätten.

Die kanadisch-somalische Gemeinde ist aber auch nicht frei von Problemen. Die Menschen sind von Arbeitslosigkeit, Armut und Gewalt unter Jugendlichen betroffen. Nach Angaben kanadischer Behörden, mussten sie in einigen Fällen auch gegen Jugendliche einschreiten, die sich der somalischen Al-Shabaab-Miliz anschließen wollten. Aber Hussen sagt, dass es nur einige wenige derartige Fälle gebe. „Die große Mehrheit der Gemeinde schaut nach vorn und möchte vorankommen. Sie integrieren sich in die Gesellschaft. Junge Leute schließen das College und die Universität ab. Sie haben immer mehr Zugang zu Jobs und Berufen.”

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