Wir übersetzen die Beiträge von Global Voices in viele Sprachen, damit die Bürgermedien aus aller Welt für alle zugänglich werden.

Erfahre mehr zu Lingua-Übersetzungen  »

Heftige Proteste beim Abriss von Ghanas größtem Slum ‘Sodom und Gomorrah’

Residents watching bulldozers demolishing their homes and businesses. Photo by Hassi Baniaz. Used with permission.

Bewohner schauen dabei zu, wie Bulldozer ihre Hütten und Läden zerstören. Foto mit freundlicher Genehmigung von Hassi Baniaz.

Ghanas größter Slum Old Fadama, der vor allem unter dem Namen ‘Sodom and Gomorrah’ bekannt ist, wurde auf Beschluss der Stadtverwaltung von Accra (Accra Metropolitan Assembly) und der nationalen Katastrophenschutzorganisation (National Disaster Management Organization) abgerissen. In dem Slum lebten über 60.000 Menschen, die größtenteils aus dem Norden Ghanas stammen.

Grund für den Abriss war eine vorangehende Überschwemmung, die sich am 3.Juni ereignete und über 150 Menschenleben forderte. Die Überschwemmung ist die schlimmste Tragödie Ghanas nach der Massenpanik im Fußballstadion von Accra, bei der 2001 mehr als 120 Menschen starben.

Der Bürgermeister von Accra, Alfred Okoe Vanderpuije, hat weitere Abrissmaßnahmen in dem Gebiet angekündigt.

Viele Ghanaer werfen der Regierung vor, ihr Versprechen, den Bewohnern zu helfen, deren Geschäfte und Häuser zerstört wurden, nicht eingehalten zu haben. Wütende Bewohner von “Sodom and Gomorrah”, darunter Jugendliche, Frauen und Kinder, protestierten gegen die Zerstörung des Slums und drohten damit, bei den kommenden Wahlen nicht mehr für den amtierenden Präsidenten zu stimmen.

Die Journalistin und Bloggerin Nana Akua (@nanaakuab) twitterte ein Bild von einem wütenden, protestierenden Jugendlichen:

Die Lage in Sodom und Gomorrah @ Accra, Atta Mills High Street

Kobby Blay, Krankenschwester und Gründerin von Ghanas größtem Internetportal für Gesundheit Ghana Health Nest, verurteilte auf Facebook die Vorgehensweise der Regierung bei der Zerstörung des Slums, kritisierte aber auch die Protestaktionen der Bewohner:

they have every right to demonstrate but not as to how they doing it; burning tyres,blocking roads, and some acts of vandalism, unawful entries…Is any group not suppose to get warrant before even doing so??

Sie haben jedes Recht dazu, zu protestieren, aber nicht auf diese Art und Weise! Reifen wurden angezündet, Straßen blockiert und in manchen Fällen Vandalismus und Hausfriedensbruch begangen… Wird man normalerweise nicht für solche Taten verhaftet?

Der zuständige nationale Koordinator des Katastrophenschutzes Brigadegeneral Francis Vib Sanziri gab an, dass die Zerstörung des Slums zu Ausbaggerzwecken erfolgte:

It is to facilitate the overall project of dredging of the area and the initial stage of preventing the water from running through the city. It will also make the water get through to the sea. The place is the main outlet, so I think if we can get it cleared it will be prudent.

Der Abriss des Slums ist die erste erforderliche Maßnahme im Rahmen eines Großprojektes zur Flutprävention. Durch die Ausbaggerung des Gebietes soll das Regenwasser zukünftig ins Meer abgeleitet und somit verhindert werden, dass das Wasser durch die Stadt fließt. Daher ist der Abriss in meinen Augen ein kluger Schritt.

Ghanas Präsident John Dramani Mahama sagte, dass durch die Entfernung der Siedlung der natürliche Fluss des Wassers in die umliegende Kanalisation reguliert werde. Außerdem, so der Präsident, hätten die beauftragten Beamten vor Ausführung des Abrisses ausreichende Vorbereitungen zur Umsiedlung der Bewohner getroffen.

Dennoch bemängelten viele Ghanaer, dass die Entscheidung über die Zerstörung des Slums zu voreilig getroffen und unzureichend geplant worden sei, da viele Läden zerstört wurden und viele junge Menschen ihre Arbeit verloren. Joojo Cobbinah, Nachrichtenproduzent bei Joy News, meldete sich auf Facebook zu Wort, wo er die von der Regierung getroffenen Vorbereitungen für den Abriss des Slums in Frage stellt:

Well they have every right to demonstrate. If government of Ghana will sign conventions that says people should not be made homeless after demolitions and evictions. That people should be relocated when they have made a place a home, why shouldn't they demonstrate. Government is also perpetuating a serious illegality. Infringing on the rights of slum dwellers. If government wants to do what it wants then it should not deceive the public by signing laws they cannot obey. How many of us have driven through Accra Central at 11 pm. The state of homelessness will make you weep. Some will go back to the towns they came from but majority will stay.
Did Vice President Mahama now President not chair a committee to relocate the people back in 2011 when Mills was in power?

Wenn die Regierung von Ghana Abkommen unterzeichnet, die besagen, dass Menschen nach Abrissen und Zwangsräumungen nicht obdachlos, sondern umgesiedelt werden, diese Gesetze aber nicht befolgt werden, dann haben die Bewohner doch jedes Recht zu demonstrieren. Die Regierung begeht außerdem eine schwerwiegende Rechtswidrigkeit, indem sie die Rechte der Slumbewohner verletzt. Wenn die Regierung macht, was sie will, dann soll sie die Öffentlichkeit nicht mit Gesetzen täuschen, die sie selbst nicht einhält. Wie viele von uns sind schon um 11 Uhr nachts durch das Zentrum von Accra gefahren? Das Ausmaß der Obdachlosigkeit bringt einen zum Weinen. Ein paar von ihnen werden in die Städte zurückgehen, aus denen sie gekommen sind, aber die Mehrheit von ihnen wird hier bleiben.

Ghanaer diskutierten tagelang auf Twitter über “Sodom and Gomorrah”.

Zeta Sesh (@zetasesh) wies auf Folgendes hin:

Solange die Dezentralisierung nicht weiter vorangetrieben wird und alles von der Hauptstadt aus gesteuert wird, ist Sodom und Gomorrah unvermeidbar. Ghana hat versagt.

Anthony Momoh (@ant_moh), ein Kämpfer für soziale und politische Gleichberechtigung, stellte eine kritische Frage:

Warum müssen die armen Afrikaner immer wieder das Scheitern der Regierungspolitik ausbaden?

Der ghanaische Comedian David Oscar (@davidoscargh) wies erneut auf die Notwendigkeit hin, dass Bürger ihre Führungskräfte zur Rechenschaft ziehen müssten:

Ich habe Verständnis für die Unruhen der Bewohner von Sodom und Gomorrah. Lasst uns Verantwortung übernehmen und unsere Entscheidungsträger zur Rechenschaft ziehen.

Mutonbo (@mutonbodapoet), einer der besten Dichter Ghanas, gab dem Präsidenten folgenden scherzhaften Rat:

John Mahama, ich habe ein Video gesehen, in dem wütende Jugendliche aus Sodom und Gomorrah Sie ausdrücklich davor warnen, einen Fuß nach Tamale zu setzen. Also verwenden Sie doch bitte Skype für Ihren Wahlkampf.

Unterhaltung beginnen

Für Autoren: Anmelden »

Richtlinien

  • Alle Kommentare werden moderiert. Sende nicht mehrmals den gleichen Kommentar, damit er nicht als Spam gelöscht wird.
  • Bitte geh respektvoll mit anderen um. Hass-Kommentare, Obszönes und persönliche Beleidigungen werden nicht freigeschaltet..