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Menschen im Jemen kämpfen während der unsicheren Waffenruhe, um den Kontakt zur Welt zu halten

A picture taken of a shutdown gas station due to the lack of oil - Photo by Fahmi Al Baheth.

Ein Bild von einer Tankstelle die aufgrund Benzinmangels geschlossen wurde. Fotografie von Fahmi Al Baheth.

Das Original auf Arabisch zu dieser Übersetzung ist bereits am 24. April 2015 erschienen.

Rebellen und arabische Koalitionstruppen im Jemen haben sich derzeit auf Waffenruhe geeinigt, allerdings haben die gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen den Gruppen einen Großteil des Landes zerstört. Neben der architektonischen und kommunalen Infrastruktur hat der Konflikt zudem verheerende Auswirkungen auf die Kommunikationstechnologie im Land. Stromausfälle und Störungen der Telekommunikation sind alltäglich geworden und einige befürchten, dass die Kommunikationsinfrastruktur im Land völlig zusammenzubrechen wird und damit die Menschen im Jemen buchstäblich abgeschnitten werden vom globalen Internet.

Die arabischen Koalitionsstreitkräfte, unter der Leitung Saudi-Arabiens, begannen am 26. März mit Luftangriffen den Jemen zu zerschlagen. Mehr als 1.400 Menschen, überwiegend aus der zivilen Bevölkerung, wurden innerhalb von sieben Wochen getötet. Die Angriffe gehen weit über Militäranlagen und das Hauptziel der Militärkampagne, die Stammesmiliz der Houthis, die die Kontrolle über Jemens Hauptstadt Sana'a im Januar übernahmen, hinaus. Auch die südliche Hafenstadt Aden ist massiv zerstört, wo die Houthis gemeinsam Vergeltungsschläge mit einer regierungstreuen Militärmiliz des früheren Präsidenten Ali Abdulla Saleh führten, der nach drei Jahrzehnten der Macht 2011 aufgrund von Protesten der Bevölkerung zurückgetreten war.

Kraftwerke, Festnetze und Mobilfunknetze sind in vielen Städten des Jemens tot und jeden Tag kommen neue Städte hinzu. Ingenieure erreichen die Stationen nicht und sind somit nicht in der Lage, sie wieder in Betrieb zu nehmen. Das Land ist zudem dazu gezwungen, Öl zu rationieren, über das die Kraftwerke und Telekommunikations-Stationen betrieben werden. In vielen Regionen hat das zur Folge, dass die Bevölkerung von der gesamten Telekommunikation, auch dem Internet abgeschlossen ist.

Schon vor dem Konflikt war Jemens Infrastruktur geschwächt im Bereich der Telekommunikation und Energieversorgung. Ölleitungen, Kraftwerke und Glasfaserkabel erlitten schon seit vielen Jahren wiederholt Angriffe von bewaffneten Regierungsgruppen.

Jemeniten befürchten, dass ihnen nun längere Zeiten bevorstehen, in denen sie abgeschnitten sein werden von Elektrizität und Telekommunikation. Einige Regionen sind davon schon seit über vier Wochen betroffen. Wenn das allerdings passieren würde, hätte es zur Folge, dass Millionen Menschen im Jemen abgeschlossen sind vom Rest der Welt und das alles während immer mehr zivile Bevölkerung von Angriffen betroffen sind. Ein Internetaktivist, der es bevorzugt anonym zu bleiben, erzählte uns:

نحن قلقون بأننا لن نتمكن من نشر وتوثيق انتهاكات حقوق الإنسان والوضع الإنساني الصعب بشكل مباشر على الإنترنت خلال الأيام القليلة القادمة، لا إنترنت، لا اتصالات، حتى هواتفنا المحمولة لن نستطيع استخدامها لعدم توفر الطاقة الكهربائية.

Wir sind alle besorgt, dass wir in den nächsten Tagen nicht in der Lage sein werden, Menschenrechtsverletzungen zu dokumentieren und zu veröffentlichen und von der schwierigen humanitären Lage live im Internet zu berichten. Kein Internet, keine Telekommunikation, sogar unsere Handys werden nutzlos werden, denn wir werden sie ohne Elektrizität nicht nutzen können.

Soziale Medien sind ein wichtiges Instrument, um internationalen Berichterstattern, die nicht im Jemen bleiben können, von den Ereignissen zu erzählen. Sie müssen sich nun auf lokale Aktivisten verlassen, die filmen, diese Videos veröffentlichen und davon berichten, was sie gehört und gesehen haben, tage- oder sogar stundenweise.

Laut offiziellen Telekommunikationsunternehmen ist der Telefon- und Internetverkehr um über 30 Prozent verringert. Andere Quellen bestätigten, dass die Anzahl der Internetnutzer um mehr als 60 Prozent in den vergangenen Wochen, im Vergleich zu den vorherigen Monaten, gesunken sei. Diese Zahlen verschlechtern sich weiter durch der zunehmen katastrophalen Situation.

Dr. Ali Nosary, der Vorstandsvorsitzende von TeleYemen, erwartet, dass in den nächsten Tagen im Internet- und Telekommunikationssektor großen Störungen auftreten werden. Er stellt fest:

مع استمرار الوضع الحالي وانعدام المشتقات النفطية لفترة أطول ربما لن تتمكن معظم شبكات الاتصالات من العمل لأكثر من بضعة أيام وليس أسابيع.

Wenn die derzeitige Situation und die Ölknappheit für eine längere Zeit weiter fortschreiten, werden vielleicht die meisten Telekommunikationsnetzwerke nur noch ein paar Tage halten, ganz zu schweigen von den folgenden Wochen.

TeleYemen bietet Internet Service durch Satelliten an, allerdings sind die Preise sehr hoch (600 bis 1.400 Dollar zum Einrichten des Internets, 48 Dollar für fünf Gigabyte und 1.110 Dollar für 100 Gigabyte). Davon werden natürlich nur wenige Nutzer profitieren können. Dadurch überschreitet die Anzahl der Abonnenten auch keine tausend Personen und die Mehrheit von ihnen sind Mitarbeiter von privaten Banken und Unternehmen.

Als Eigner von YemenNet und TeleYemen, beides sind Tochtergesellschaften des Telekommunikationsunternehmens der Regierung, hat die jemenitische Regierung ein Monopol für die leitungsgebundene Kommunikation im Land. Diese Situation hat im Jemen verhindert, dass sich ein robusterer Telekommunikationssektor entwickeln konnte und sie hinterlässt eine fragile Infrastruktur, die von Kupferkabeln abhängt und eine veralterte Infrastruktur, die für Stimmübertragung, aber nicht Datenkommunikation geschaffen wurde.

Was Mobilfunkdienste betrifft, arbeiten drei von vier Betreibergesellschaften an GSM und bieten 2G-Technologien an. Die vierte Gesellschaft, die eine Aktiengesellschaft ist – mit der Regierung als Anteilseigner – arbeitet an CDMA und bietet in einigen Regionen einen sehr begrenzten 3G-Internetservice an.

Trotz der rasanten Zunahme an Internetnutzern im Jemen ist die Prozentzahl, verglichen mit den Nachbarländern, noch sehr niedrig. Verschiedene Berichte geben an, dass die Prozentzahl von Internetnutzern sich zwischen 14 und 20 Prozent beläuft. Man kann daran erkennen, dass digitale Isolierung sehr nah ist.

Angesichts der verheerenden humanitären Situation, einer weit verbreiteten Armut und anhaltenden bewaffneten Konflikten, könnte die Isolation vom Internet katastrophale Folgen haben. Das Internet ist ein notwendiges Mittel für Journalisten, die in Krisengebieten arbeiten und für Aktivisten, die Neuigkeiten, Menschenrechtsverletzungen und über die gesamte humanitäre Situation berichten. Ebenso wichtig ist es für Menschen des Landes, um zu erfahren, was passiert und mit ihren Angehörigen außerhalb des Landes kommunizieren zu können.

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