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Männliche Universitätsstudenten in Taiwan tragen zur Unterstützung der Transgender-Gemeinschaft Röcke

The Gender Equality Workshop at held a one-month event for male students to wear skirts and share their experience. The cover image for the Facebook event. CC BY-NC 2.0.

Der Gender-Gleichberechtigungsworkshop an der National Taiwan Universität rief eine einmonatige Veranstaltung ins Leben, bei der Männer Röcke tragen und ihre Erfahrungen mit Anderen teilen konnten. Das Cover-Bild der Facebook-Veranstaltung. CC BY-NC 2.0.

Im Juni 2014 veröffentlichte ein Facebook-Nutzer in Taiwan ein Foto, auf dem eine Person in einer McDonald's Filiale zu sehen war, bei der es sich augenscheinlich um einen Mann handelte, der wie eine Frau gekleidet war. Der Nutzer schrieb dazu, dass die Person die Damentoilette betreten habe und gefährlich sei. Der lokale Nachrichtensender Apple Daily griff die Meldung auf, womit sie eine ausgedehnte Online-Diskussion über Gender-Stereotype und Diskriminierung gegenüber Transgendern in Taiwan loslösten.
Einen Monat später fassten zwei Studenten der National Cheng Kung Universität den Beschluss, ihre Unterstützung für die häufig geschmähte Transgender-Gemeinschaft deutlich zu machen, indem sie Männer dazu aufriefen, Röcke zu tragen. Nach dem Vorbild der beiden Studenten rief der Gender-Gleichberechtigungsworkshop der National Taiwan Universität für die Dauer des gesamten Dezembers 2014 eine ähnliche Veranstaltung ins Leben. Im Rahmen dessen wurden Männer dazu aufgefordert, durch das Tragen von Röcken für die Transgender-Gemeinschaft Stellung zu beziehen.

Tutu shared his photo with a skirt. CC BY-NC 2.0.

Tutu teilte ein Foto, auf dem er einen Rock trägt. CC BY-NC 2.0.

Manche posteten Fotos von sich in den Röcken auf der Facebook-Seite der Veranstaltung und ließen Andere an ihren Gedanken zu dem Schlüsselerlebnis teilhaben.

Yu-Han und Shao-Hung schrieben:

裙子不只是服飾本身,還承載著這個社會所信仰與建構的價值。

Röcke sind nicht nur Kleidungsstücke. An Röcken haften auch die Wertvorstellungen, an die eine Gesellschaft glaubt und die sie erschafft.

Ein anderer Teilnehmer, Tutu, erklärte, dass Männer auch feminin sein können:

沒有人說男生不能擁有好臉蛋以及身材
更沒有說男生就算不是同性戀也不能有女人味
我這角度擁有你遐想的範圍
我也喜歡更喜歡分享
所以我也想知道大家看到這角度的我的感覺
更用此方式證明
不是要是男生就一定要M.A.N!

Niemand kann bestimmen, dass Männer keine hübschen Gesichter und Körper haben können, und niemand kann bestimmen, dass Männer, die nicht schwul sind, nicht feminin sein können.
Dieser Aspekt von mir [das feminine Aussehen] beflügelt eure Vorstellung von mir. Ich mag diesen Aspekt an mir, und es gefällt mir, ihn mit euch zu teilen, deswegen würde mich interessieren, welche Gefühle ich bei denjenigen auslöse, die diese andere Seite an mir zu sehen bekommen.
Außerdem möchte ich auf diese Art beweisen, dass Männer nicht M.A.N.N. sein müssen!

Ryo-Ryo shared his photo with the skirt and make-up. CC BY-NC 2.0.

Ryo-Ryo teilte ein Foto, auf dem er einen Rock trägt und geschminkt ist. CC BY-NC 2.0.

Wenn diese männlichen Studenten in Röcken oder sogar geschminkt durch die Straßen gingen, wurden sie manchmal mit schwierigen Situationen konfrontiert. Ihre Erfahrungen regten Überlegungen über die Diskriminierung, der die Transgender-Gemeinschaft sich täglich ausgesetzt sieht, an.

So überlegte Ryo-Ryo:

雖然穿上了裙子,我的外表仍是社會多數定義下的男性樣貌,也並未挑戰進入一些男/女二元分類下限定進出的公共場所(例如廁所),一週下來我發現到的是,無論是學校或是城市裡外大多數人其實並不會特別在意你今日的裝扮是什麼,投射過來的幾乎都是以年輕人為主的好奇眼光,而年長者的視線雖不那麼友善,但多數人並不會特別刁難什麼。有兩次印象深刻的是,當我在速食店排隊購餐時,一位女性用匪夷所思的表情望著我,令我非常的不舒服;還有一次是,當我漫步走在校園裡,一位男性突然往我身旁靠近,惡狠狠的瞪了我一眼,口中念念有詞,當時我嚇傻了,只得愣在原地看著他離開,雖然沒發生爭執,但仍令我感到害怕。[…]
我不禁感到難過,是什麼樣的意識形態讓我們在面對少數族群時的第一直覺反應充滿了否定與負面感?
在推廣性別友善時,我們為跨性別朋友發聲並給予支持,過程辛苦但開心,因為我們知道那是應做之事!但對於他們真實的情況,我們卻不一定都那麼清楚,很多只能藉由想像與朋友們的訴說來了解
而當我們真正感受跨性別朋友所面對的惡意與困境時,即使只是數天,即使只是稍微體會,那種感覺是截然不同的。

Obwohl ich einen Rock trug, hatte ich durch die Vorgaben der Gesellschaft noch immer eine männliche Perspektive. Ich habe nicht versucht, öffentlichen Raum, der durch die duale Bedeutung von männlich/weiblich klar definiert wird (wie beispielsweise Toiletten), anzufechten. Durch diese einwöchige Erfahrung hatte ich den Eindruck, dass es den meisten Menschen heutzutage, sei es an der Universität oder in der Stadt, tatsächlich egal ist, was man trägt. Die meiste Zeit über war ich den neugierigen Blicken junger Leute ausgesetzt. Obwohl die Blicke mancher älterer Menschen nicht besonders freundlich waren, bereiteten mir die meisten kein unbehagliches Gefühl. Es gab aber zwei besondere Begegnungen. Als ich mich einmal in einem Fast-Food-Restaurant in die Schlange stellte, sah mich eine Frau mit missbilligender Miene an, wodurch ich mich sehr unwohl fühlte. Zu einem anderen Zeitpunkt ging ich auf dem Campus herum, ein Mann kam eilig auf mich zu, starrte mich wütend an und murmelte etwas. Ich war schockiert und wusste nicht, wie ich reagieren sollte. Ich stand einfach nur da und habe zugesehen, wie er wieder davonging. Obwohl es nicht zu einer wirklichen Auseinandersetzung kam, fühlte ich mich dennoch bedroht.
[…]
Es macht mich einfach traurig. Warum werden wir derart von negativen Gefühlen übermannt, wenn wir eine Minderheit sehen, die sich von uns unterscheidet?
Bei der Förderung eines gender-freundlichen Umfelds erheben wir unsere Stimme für unsere Transgender-Freunde und zeigen ihnen unsere Unterstützung. Es ist ein schwieriges Unterfangen, aber es macht uns auch glücklich, denn wir wissen, dass es genau das ist, was getan werden sollte! Trotz allem können wir ihre Erfahrungen nicht komplett fühlen. Ihre wirkliche Situation können wir nur durch ihre Erzählungen verstehen.
Jetzt, da wir die Gelegenheit haben, wenn auch nur für wenige Tage ein klein wenig den Widerstand und die Herausforderungen, denen unsere Transgender-Freunde begegnen, zu erleben, hat sich dieses Gefühl vollkommen verändert.

Hao-Cheng gradually felt comfortable with the skirt. CC BY-NC 2.0.

Hao-Cheng gewöhnte sich nach und nach an seinen Rock. CC BY-NC 2.0.

Die einmonatige Aktion hat es geschafft, die Perspektive und das Verständnis Einiger, insbesondere der Teilnehmer, zu verändern.

Hao-Cheng Hsieh fand, dass es immer leichter wurde, einen Rock zu tragen und damit auf die Straße zu gehen:

這大概是我在這個月第三或是第四次穿上裙子了吧!
從第一次拍宣傳照的彆扭,到現在的自適。
我開始明白到突破框架只是需要時間,並不是做不到。

Das müsste jetzt das dritte oder vierte Mal sein, dass ich diesen Monat einen Rock trage.
Durch das komische Gefühl, dass ich hatte, als ich zum ersten Mal einen Rock anzog und ein Foto machte, und das angenehme Gefühl, das ich dieses Mal hatte, wurde mir klar, dass es einige Zeit dauern kann, aus alten Gewohnheiten auszubrechen. Es ist aber nicht unmöglich.

A leading badminton double play wore a skirt to support this event. CC BY-NC 2.0.

Ein Spitzen-Spieler im Badminton-Doppel trug einen Rock, um die Veranstaltung zu unterstützen. CC BY-NC 2.0.

NTU-Tsuyoshi-Kusanagi bat ihren Freund, zum Badmintonspielen ein Badminton-Röckchen anzuziehen. Überraschenderweise fiel ihr dabei auf, dass männliche Spieler auch in Röckchen anmutig aussehen:

裙子事實上是人類最早的下身服飾,通風透氣舒爽,方便行動。裙子不僅是過去漢族男子主要的服飾,也是台灣的原住民族群裡勇士的穿著。但是不知何時開始,裙子成為一種禁錮、禮法的象徵;不知何時開始,裙子退出了男性的服飾圈;不知何時開始,我們給予裙子的意象就是嬌弱和女性化。
我有個傑出的朋友,叫做台大陳冠C,他是台大羽球校隊第一的雙打手,對於穿求裙打球這件事他一點猶豫都沒有,很爽快的答應了。不論他當初答應我時內心有過什麼掙扎,結果是令人驚豔的,我們沒想到他竟然能這麼適合穿球裙、穿起來這麼好看,令人目不暇給!
我仔細想想,一個迷人的人,不需要一定是女生或是男生,不需要必定著褲裝或裙裝;一個迷人的人是因為他勇於接受不同於與別人賦予他的意象,而且擁有美好的內在特質,更重要的是,不論他穿著什麼,他永遠自信。

Eigentlich sind Röcke das häufigste menschliche Kleidungsstück für unsere untere Körperhälfte. Röcke sind luftig und bequem, und man kann sich gut in ihnen bewegen. Röcke waren in der Han-Kultur das wichtigste Kleidungsstück für Männer. Außerdem ziehen sich auch die tapferen indigenen Männer Taiwans Röcke an. Trotzdem wurden Röcke zu einem unbestimmten Zeitpunkt als Symbol von guten Umgangsformen außen vor gelassen. Es ist unklar, wann Röcke von der Männerkleidung ausgeschlossen wurden. Es ist unklar, wann damit begonnen wurde, Röcke als Symbol von Schwäche und Weiblichkeit zu verstehen.
Ich habe an der National Taiwan Universität einen besonderen Freund mit Namen Chen Kuan-C. Er ist der beste Spieler der Universität im Badminton-Doppel. Als er gefragt wurde, ob er in einem Röckchen Badminton spielen würde, hat er ohne zu zögern zugestimmt. Das Ergebnis war verblüffend, ganz egal, welche Kämpfe er geistig ausfechten musste, als er meinem Vorschlag zugestimmt hat. Wir hatten nicht erwartet, dass ihm das Badminton-Röckchen so gut stehen würde, oder dass er in dem Röckchen so umwerfend, so atemberaubend aussehen würde!
Ich habe ernsthaft darüber (über das, was ich beobachtet habe) nachgedacht, und ich glaube, dass eine einnehmende Person weder Frau noch Mann sein und weder Hosen noch Röcke tragen muss. Eine Person ist deswegen einnehmend, weil sie eine sympathische Persönlichkeit besitzt und mutig eine Vorstellung annimmt, die sich von der unterscheidet, die sich die Menschen von ihr machen. Und am wichtigsten ist, dass sie, egal was sie trägt, immer selbstbewusst ist.

1 Kommentar

  • […] Diskriminierung Nur der Tim geriet eine Fahrscheinkontrolle. Er blieb dabei nur stiller Beobachter, weil man ihm nicht zutraute schwarz zu fahren. Über Alltagsrassismus könnte ich auch Geschichten erzählen. Sind keine Türken und Farbige da, wird eben der langhaarige Rockträger kontrolliert. In Taiwan solidarisieren sich Studenten mit Transsexuellen, indem sie Röcke tragen. […]

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