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Algerischem Karikaturisten drohen 18 Monate Gefängnis wegen Verunglimpfung des Präsidenten

[Alle Links verweisen, soweit nicht anders angegeben, auf französischsprachige Webseiten.]

Er heißt Djamel Ghanem und ist ein junger algerischer Karikaturist. In einem Land, in dem Zensur herrscht und Menschen, die ihre Meinung frei äußern, mit Verfolgung rechnen müssen, hat diese Arbeit wenig mit Spaß zu tun. Ghanem drohen 18 Monate Gefängnis wegen einer nicht veröffentlichten Karikatur über Algeriens Präsident Abdelaziz Bouteflika, die von den Behörden als beleidigend aufgefasst wurde.

Djamel Ghanem

Djamel Ghanem via Algérie Focus. Verwendung mit Genehmigung

Tatsächlich wird Präsident Bouteflika in der unveröffentlichten Karikatur weder dargestellt noch namentlich genannt. Die Zeichnung portraitiert zwei Bürger, die sich darüber lustig machen, dass der Präsident derzeit die vierte Amtszeit anstrebt, nachdem er Algerien seit 15 Jahren regiert. In der Karikatur wird das vierte Mandat mit Babywindeln verglichen. Mit seiner Zeichnung wollte Ghanem ausdrücken, dass die Algerier wie kleine Kinder behandelt werden.

Er wurde aus diesem Grund vor Gericht geladen, ihm wurde eine Gefängnisstrafe angedroht. Der Bezirksstaatsanwalt von Oran [de], der zweitgrößten Stadt Algeriens, 400 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Algier, bedrängte den Karikaturisten zuzugeben, dass es seine Absicht gewesen ist, den Präsidenten zu beleidigen. Ghanem dementierte jedoch kategorisch eine solche Absicht.

Weder Bouteflika noch seine Berater erhoben Klage gegen Ghanem. Es war Ghanems ehemaliger Arbeitgeber La Voix de l'Oranie (Stimme von Oran), eine als regimetreu bekannte Tageszeitung, die ihn wegen der nie in den Medien veröffentlichten Karikatur anklagte.

Nachdem seine eigene Zeitung ihn angeklagt hat, ist Ghanem der Zugang zu den algerischen Medien versperrt. In einem Interview mit Algerie-Focus erklärte Ghanem, dass er Schwierigkeiten hatte, einen Anwalt für seine Verteidigung zu finden, und man ihm auch in anderer Hinsicht Steine in den Weg legte.

Le directeur de publication d’un autre quotidien a été menacé si jamais il me recrutait. Je suis devenu persona non grata. A travers moi, ils veulent abattre l’opposition algérienne qui dit non à un quatrième mandat

Der Leiter einer anderen Tageszeitung wurde angewiesen, mich nicht einzustellen. Ich bin eine persona non-grata geworden. Sie versuchen, über mich die Pläne der algerischen Opposition zu durchkreuzen, die sich einer vierten Amtszeit des Präsidenten entgegen stellt.

Nach der ersten Anhörung in dem Prozess forderten die Richter, Ghanem zu 18 Monaten Gefängnis zu verurteilen. Das endgültige Urteil wird für den 4. März erwartet. In der Zwischenzeit zeigen Internetnutzer Unterstützung und Solidaritätsbekundungen für Ghanem. In einer Online Petition wird gefordert, Ghanem gehen zu lassen:

Si les médias et l’opinion se taisaient sur cette atteinte à la liberté d’expression et ces violations des droits d’un citoyen dans les bureaux d’un juge, les tribunaux pourraient demain condamner un journaliste pour avoir pensé du mal du président de la république, d’un gradé de l’armée, d’un ministre ou d’un élu. Nous signataires de cet appel exigeons l’arrêt des poursuites judiciaires engagées contre Djamel Ghanem

Wenn die Medien und die öffentliche Meinung zu diesem Verstoß gegen die Meinungsfreiheit und der Verletzung von Bürgerrechten schweigen, kann schon morgen jedes Gericht einen Journalisten für die Kritik am Präsidenten der Republik, einem Armeefunktionär, einem Minister oder einem stellvertretenden Minister verurteilen. Mit dieser Petition fordern wir ein Ende der Verfolgung von Djamel Ghanem.

Die Regierung versucht, ihren Bürgern eine totalitäre Ideologie überzustülpen, indem sie den Präsidenten gegen jegliche Kritik abschirmt. Meinungsfreiheit ist in Algerien mit Gefahren verbunden. Der Fall Ghanem zeigt deutlich die düstere Situation für Karikaturisten und andere, die ihre Meinung laut äußern.

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