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Brasilien: “SlutWalk” – in Bildern durch das Land

Dieser Beitrag ist Teil unserer Dossiers Global Development 2011 [en] und SlutWalks 2011.

Zweihundert Frauen und Männer sind an einem Junisamstag durch die Straßen mehrerer Städte in Brasilien marschiert, um den Ausbeutungen des weiblichen Körpers als Objekt und der Schuldigkeit der Frauen bei sexuellen Übergriffen ein Ende zu machen.

Sie hielten Banner, Poster und Slogans und rockten São Paulo am vierten Juni, Recife am elften Juni. Belo Horizonte und Brasília, die Hauptstadt, empfingen [pt] die Feministen am Samstag, den 18. Juni, und diese brachten die Gesellschaft dazu, ein wenig über Unterdrückung der Geschlechter nachzudenken. In diesem Artikel teilen wir die besten Momente in der Form von Bildern von brasilianischen Bürgern.

Die Initiative war vom “SlutWalk” inspiriert, der im April in Kanada begann, nachdem ein Polizist gesagt hatte, dass Frauen aufhören sollten sich wie Schlampen anzuziehen, um zu vermeiden, Opfer einer Vergewaltigung zu werden. Die Aussage verursachte Empörung und eine große Bewegung im Internet, die Anfang April mit dem Protest in Toronto anfing und bis jetzt [Stand vom Juni 2011] in mehr als 20 nordamerikanischen und australischen Städten stattgefunden hat.

Am vierten Juni fand der SlutWalk auch in Los Angeles, Chicago, Edmonton, Stockholm, Amsterdam und Edinburg statt, und der erste seiner Art in Brasilien war in São Paulo.

Demonstranten mit Postern. Mindestens 200 Menschen nahmen an dem SlutWalk in São Paulo teil, inspiriert von einer Demonstration in Kanada im April, mit Frauen die gegen Gewalt und für das Recht kämpfen, selbst zu bestimmen welche Art Kleidung sie tragen. Bild von Andre M. Chang, copyright Demotix (4/6/2011

Demonstranten mit Postern. Mindestens 200 Menschen nahmen an dem SlutWalk in São Paulo teil, inspiriert von einer Demonstration in Kanada im April, mit Frauen die gegen Gewalt und für das Recht kämpfen, selbst zu bestimmen welche Art Kleidung sie tragen. Bild von Andre M. Chang, copyright Demotix (4/6/2011)

Die Aufrufe zum Marschieren fanden auf Facebook statt. Obwohl in São Paulo 6000 Leute in dem sozialen Netzwerk zusagten, an der Veranstaltung teilzunehmen, lag die tatsächliche Zahl der Teilnehmer bei rund 300. Jesus Toic, einer der Urheber der Veranstaltung auf Facebook, schrieb [pt] über den Marsch in Recife:

A Marcha das Vadias Recife reuniu cerca de 400 pessoas interessadas em expressar sua indignação contra o histórico controle machista sobre o corpo das mulheres. Frases que culpabilizam as mulheres, e não os estupradores, advinda de um imaginário doentio, foram rechaçadas com inteligência lúdica.

Der Recife SlutWalk versammelte etwa 400 Personen, die ihre Empörung über die historische männliche Kontrolle über die Körper der Frauen ausdrücken wollten. Sätze, die die Frauen und nicht die Vergewaltiger beschuldigten, und die aus einem kranken Vorstellungsvermögen entstehen, wurden mit spielerischer Intelligenz zurückgewiesen.
Vergewaltigung ist kein Witz, sondern Gewalt. SlutWalk Brasilien 2011. Photo von rogeriotomazjr auf Flickr (CC BY-NC 2.0)

Vergewaltigung ist kein Witz, sondern Gewalt. SlutWalk Brasilien 2011. Foto von rogeriotomazjr auf Flickr (CC BY-NC 2.0)

Die Kommentare des Komödianten Rafinha Bastos, der dem Marsch vor seinem Comedy-Klub beendete und Banner an den Türen anbrachte, blieben den Demonstranten im Gedächtnis. Rafinha, der im brasilianischen Unterhaltungsprogramm CQC (Caiga Quien Caiga) [en] mitspielt, verursachte eine Debatte, als er im Rolling-Stone-Magazin [en] sagte, dass hässliche Frauen dankbar seien sollten, dass jemand sie vergewaltige.

Danke, dass ihr uns Grausamkeit aussetzt - SlutWalk São Paulo. Bild von Leandro Pena auf Flickr (CC BY-NC-SA 2.0)

Danke, dass ihr uns Grausamkeit aussetzt – SlutWalk São Paulo. Bild von Leandro Pena auf Flickr (CC BY-NC-SA 2.0)

Ein weiteres Mitglied von CQC blieb in Erinnerung. Der Schauspieler und Journalist Marcelo Tas wurde dafür ausgebuht, dass er Lola Aronovich [pt] attackierte, eine der berühmtesten feministischen Bloggern des Landes, als sie einen Text publizierte [pt], in dem sie einen Bericht kritisierte, der in seinem Programm über das #mamaço (#stillen) in São Paulo gemacht worden war.

Tas und seine Kollegen persiflierten die Einstellung der Mütter, die in der Öffentlichkeit stillen, und verlangten, sie sollten ihre Brüste bedecken. Die Frauen protestierten, weil eine Mutter daran gehindert wurde, in einer Bank zu stillen.

SlutWalk, São Paulo. Bild von Marcel Maia auf Flickr (CC BY-NC-SA 2.0)

SlutWalk, São Paulo. Bild von Marcel Maia auf Flickr (CC BY-NC-SA 2.0)

Als Reaktion auf den ersten brasilianischen SlutWalk sagte Lola Aronovich [pt]:

(…) a sexualidade de uma mulher é dela, não é pública, não é do homem ou da sociedade, e que deve ser respeitada. Respeitada de todas as formas, desde não ser julgada (sim, queremos a mesma liberdade sexual a que os homens têm direito) a não ser invadida, seja através de estupros, seja através de “passar a mão” (que, assim como as grosserias verbais na rua, funcionam como uma espécie de terrorismo sexual).

(…) die Sexualität einer Frau gehört ihr, sie ist nicht öffentlich, sie gehört nicht den Männern oder der Gesellschaft, und muss respektiert werden. Respektiert auf jede Weise, sowohl darin, nicht verurteilt zu werden (ja, wir wollen dieselbe sexuelle Freiheit, die die Männer haben), als auch dadurch, dass wir nicht durch Vergewaltigungen oder “Antatschen” (das, genau wie verbale Grobheit auf den Straßen, wie Sexualterrorismus funktioniert) überfallen werden wollen.
#Slutwalk Bingo: Platziert eure Wetten! Beispiele verbaler Grobheit gegenüber Frauen. Bild von #slutwalkbr auf Twitpic von @umadeboravieira geteilt

#Slutwalk Bingo: Platziert eure Wetten! Beispiele verbaler Grobheit gegenüber Frauen. Bild von #slutwalkbr auf Twitpic von @umadeboravieira geteilt

Auf Twitter wurden die Hashtags #MarchaDasVadias [pt] (Schlampenmarsch) und #MarchaDasVagabundas [pt] (Marsch der Landstreicherinnen) weit verbreitet, und der Nutzer @slutwalkbr [pt] verbreitete Informationen und Updates, und schärfte das Bewusstsein für die Veranstaltungen.

Wenn der Körper der Frau gehört, gibt sie ihn wem sie will. SlutWalk Brasilien. Photo von @josipaz auf Twitpic.

Wenn der Körper der Frau gehört, gibt sie ihn wem sie will. SlutWalk Brasilien. Photo von @josipaz auf Twitpic.

Die Abgeordnete der Arbeiterpartei, Erika Kokay(@ErikaKokay) forderte [pt] am elften Juni:/p>

Chega de sermos culpadas pela violencia que sofremos! Estarei na marcha das vadias.Vamos todas! #marchadasvadias

Genug davon, für die von uns erlittene Gewalt beschuldigt zu werden! Ich werde auf dem SlutWalk sein. Lasst uns gehen, uns alle!

Die Gründe der Brasilianerinnen sind dieselben wie die anderer Frauen weltweit: Respekt. Die Bloggerin Lia Padilha schrieb [pt] darüber:

Nós brasileiras nos deparamos cotidianamente com o controle da sexualidade feminina. A concepção conservadora-religiosa é repressora e dita que a mulher deve esconder o corpo ante a sociedade e se resguardar para o marido. Por outro lado, a voracidade do capitalismo tem interesse pelo corpo feminino descoberto, e nesse caso expõe, banaliza, explora e agride a sexualidade feminina.

Wir Brasilianerinnen werden jeden Tag mit der Kontrolle der weiblichen Sexualität konfrontiert. Die religiös-konservative Vorstellung ist unterdrückend und sagt den Frauen, dass sie ihre Körper vor der Gesellschaft verstecken und sich für ihre Ehemänner aufsparen müssen. Auf der anderen Seite hat die Gier des Kapitalismus Interesse an dem nackten weiblichen Körper, und in diesem Fall wird weibliche Sexualität ausgebeutet, pauschalisiert, vergewaltigt und angegriffen.

Dieser Beitrag ist Teil unserer Dossiers Global Development 2011 [en] und SlutWalks 2011.

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