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Französisches Afrika: Bloggen über afrikanisch-französische Literatur

Réassi Ouabonzi

Die Best of blog Awards 2010 brachten viele faszinierende Blogs in elf Sprachen ins Licht der Öffentlichkeit. Heißer Anwärter auf den Preis als Best blog in French war Chez Guangoueus (fr). Réassi Ouabonzi bloggt seit 2007 aus der Sicht eines LEsers über afrikanische und Diaspora-Literatur auf Französisch, ein Buch nach dem anderen. Mit der Zeit ist Chez Guangoueus zu einem einmaligen Wegweiser für afrikanische Autoren geworden.


GV: Warum hast du begonnen über Bücher zu bloggen?

Als Jugendlicher war ich ein begeistertet Leser, ich verschlang jedes Buch im französischen Kulturzentrum in Brazzaville (Kongo), wo ich lebte. Ich bin in Frankreich geboren worden, meine Eltern waren Kongolesen. In beiden Ländern habe ich 18 Jahre gelebt, heute wohne ich in Frankreich. Lesen verschlingt viel Zeit, während meines Physikstudiums habe ich es darum bleiben gelassen. Aber eines Tages sah ich Beloved, ein Film von Jonathan Demme, basierend auf einem Buch des Nobelpreisträgers Toni Morrison. Das gab mir so einen Ruck, dass ich beschloss all ihre Bücher zu lesen. Sie hat mich zum Lesen zurückgebracht.

Warum konzentrierst du dich auf schwarze französische Literatur?

Das war ein wohlüberlegter Schritt. Es interessiert mich, wie Schwarze sich sehen und dargestellt werden. Ich habe ein Blog erstellt um mein Lesen zu dokumentieren – und die brutale Realität ist nun einmal, dass man nichts über Afrikanische oder Schwarze Literatur findet im französischsprachigen Netz, abgesehen von dem Onlinemagazin Cultures Sud.

"Les écailles du ciel" von Tierno Monenembo

Was sind die aktuellen Trends in der französischsprachigen afrikanischen Literatur?

Ich schreibe über Autoren aus allen afrikanischen Ländern, von den französischen Antillen oder in Diaspora, vor allem schwarze Literatur. Aber lass mich nachdenken: Im Kongo bildet sich eine neue Generation von Schreibern, inspiriert von dem ausgezeichneten Autor und Intellektuellen Alain Mabanckou. Im Sengal tauchen plötzlich Autorinnen auf, ermutigt von der Bestseller-Autorin Marie Ndiaye. Die Autoren in Kamerun schreiben mit großer Direktheit und Energie, für die sie berühmt sind. Ich muss gestehen, dass ich nigerianische Autoren bewundere, etwa den großartigen Chinua Achebe. Ich könnte so viele französche Autoren nennen: Abdourahman A.Waberi aus Djibouti, Jimi Yuma aus dem Kongo, Patrice Nganang und Leonora Miano aus Kamerun… sie sind alle in meinem Blogroll.

"Saisons sauvages" von Kettly Mars (Haiti)

Mittlerweile gewinnen afrikansiche Autoren regelmäßig französische Literaturpreise, aber die meisten deiner Funde sind völlig unbekannt, unauffindbar in französischen Buchläden.

Schwarze Literatur hat es nicht leicht in Frankreich einen Verlag zu finden, es fehlt aber auch die Leserschaft. Im französischsprachigen Afrika ist es schwierig Bücher zu veröffentlichen, sie sind teuer und kaum zu finden. Aber das Problem ist ein anderes. Wir westlichen Afrikaner können unsere eigene Perspektive aufschreiben und veröfentlichen, aber wir sollten sie auch lesen! Aus irgendeinem Grund haben die Afrikaner ein Problem damit, Bücher über sich selbst zu lesen. Sie suchen anderswo nach Bezügen. Mein Blog bietet den Autoren ein bisschen Öfentlichkeit: Ich habe jeden Monat tausend Besucher, 50% aus den französischen Städten, 30% aus Westafrika.

Manchmal schreibst du in deinem Blog über japanische oder südamerikanische Bücher, aber nie über “weiße” französische Literatur.

"Le passé devant soi" von Gilbert Gatore

Französische Literatur ist zu selbstbezogen. Wir sind nicht lange in dieser Welt. Lasst uns vorankommen! Und weiße franzöische Autoren sind noch immer blind für die wahren Probleme Frankreichs, die leidige Entrechtung der schwarzen und arabischen Jugend in den armen Vororten.

"Trois femmes puissantes", der preisgekrönte Bestseller von der französisch-senegalesischen Autorin Marie Ndiaye

Warum hast du dein Blog “Chez Gangoueus” genannt?

Ngangoué ist mein zweiter kongolesischer Vorname. Ich habe einen afrikanischen und einen westlichen kuturellen Hintergrund. Das wollte ich widerspiegeln, und hängte die Sillbe -us an, als Referenz an die lateinische Kultur mit Namen wie Brutus, Octavius oder Britannicus. Gangouéus steht für meine doppelte Identität.

Du machst immer ein Bild von dem Buch das du ließt, meistens in Bus oder Bahn.

Weil ich dort nun einmal lese! Arbeit ist Arbeit, Familie ist Familie. Die Zeit auf dem Weg zu und von meiner Arbeit in Paris wurde zu meiner Lesezeit.

"Les phalènes" von Tchicaya U Tam'Si

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