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Palästina:”Ich will nicht, dass meine Kinder mich in Stücke gerissen sehen.”

Wie fühlt es sich an, wenn man nicht in der Lage ist, seine Kinder zu beschützen? In dieser Zusammenfassung der Blogs aus Gaza, hören wir eine Mutter, die sich schuldig fühlt, wenn sie die Furcht ihrer Kinder sieht: “War es von Anfang an falsch, Kinder zu bekommen? Habe ich nicht das Recht eine Mutter zu sein?

Der palästinensische Fotojournalist Sameh Habeeb bloggt im Gaza Strip, The Untold Story:

Most of the Gaza Strip plunges into deep darkness since the start of this war. I find several hardships to send out this report due to power problem. Today, a rocket targeted my uncle's house. My house got several splinters and rocket shrapnel. Thanks to God, we all safe but I don't know what will happen next. I live east of Gaza, Toffah area, were artillery shells rained down every single moment.

Der größte Teil des Gazastreifens ist seit Beginn des Krieges in tiefe Dunkelheit getaucht. Wegen des Stromausfalls habe ich einige Probleme, diesen Bericht zu senden. Heute hat eine Rakete das Haus meines Onkels getroffen. Mein haus hat mehrere Bomben- und Granatsplitter abbekommen. Gott sei Dank, sind wir alle sicher, aber wer weiß, was als nächstes passieren wird. Ich lebe östlich von Gaza, im Toffah-Gebiet, wo die Artilleriegeschosse in jedem einzelnen Moment herunterregneten.

Natalie Abou Shakra, eine libanesische Aktivistin, schreibt in dem Gruppen-Blog Moments of Gaza. In ihrem Beitrag übersetzt sie zwei Flyer, die vom israelischen Militär abgeworfen wurden. Diese Flyer rufen die Bürger von Gaza auf, Informationen über die Aufenthaltsorte der Hamas-Kämpfer zu geben. Natalie kommentiert:

What really shocked me is the username they chose for their email. “Helpgaza2008″ ?!

I think this e-mail of theirs deserves to be bombed with the right kind of messages!

Was mich wirklich schockiert hat, ist der Benutzername ihrer E-Mail. “Helpgaza2008″?!

Ich denke, diese E-Mail verdient es, mit den richtigen Nachrichten bombardiert zu werden!

Nirmeen Kharma Elsarraj schreibt in dem Gemeinschaftsblog Lamentations-Gaza:

There are things that are not well reported in the news, feelings!! I have three children, a daughter Nour who is 14, a son Adam who is 9 and another son Ali who is 3. We live in an area in Gaza city that used to be described ‘safe’. Nowhere is safe anymore. My children cannot sleep and I cannot help them. The feelings of helplessness and guilt (which always accompanies your inability to protect or at least comfort your children) are stronger than those of fear and horror. My daughter was telling a journalist on the phone yesterday that she had never got the real support she sought from me whenever there was a shelling. I was shocked!! I felt so guilty because my daughter felt my fears. But is it not normal to be scared after all?! Adam is asthmatic and he uses a ventilator. Due to the stress and the pollution resulting from rubbles, he is getting more frequent asthma attacks and there is no electricity for his ventilator. Each time he has an attack, we have to put the generator on for him and then put it off. There is no enough fuel to keep the generator on and we have no idea till when this is going to continue. Ali has no idea what this is all about. All what he does is scream in fear whenever there is a bombing and when it is over, he uses his imagination to tell stories about ‘qasef – bombing’. The kids do not sleep. We spend our days and nights in one single room with my sister in law and her daughter. You feel the stress and fear. You can see it on everyone's face.
Last night I was thinking about all this. I do not want anyone of my family to get hurt and I thought if anything should happen, I pray it happens to me and not my kids. Then I thought I do not want my kids to see me torn into pieces. The scenes on tv of people killed are so terrifying and I know what it means for children to see such thing. What I really want is for all this to end and for me and my kids to live just like anyone else in the world. I want to get rid of the feeling of guilt towards my kids. Was I mistaken to have kids in the first place? Do I not have the right to be a mother? But am I really doing a good mother's ‘job’ in being the source of comfort for my kids. I know it is not my fault but I knew also that I live in Gaza and Gaza has never been a healthy environment to raise children. Was I that selfish to think about my own feeling to want to be a mother and ignoring my expected failure to protect my kids?

Es gibt Dinge, über die in den Nachrichten nicht berichtet wird: Gefühle!! Ich habe drei Kinder, eine Tochter Nour (14), einen Sohn Adam (9) und einen Sohn Ali (3). Wir leben in einem Gebiet von Gaza-Stadt, welches als “sicher” beschrieben wurde. Nirgends ist es mehr sicher. Meine Kinder können nicht schlafen und ich kann Ihnen nicht helfen. Die Gefühle der Hilflosigkeit und der Schuld (welche die Unfähigkeit seine Kinder zu beschützen oder wenigstens zu beruhigen immer begleitet) sind stärker als die der Angst und des Entsetzens. Meine Tochter erzählte gestern einem Journalisten am Telefon, dass sie von mir nie den Halt bekommen hat, den sie bei mir gesucht hat, wenn ein Angriff war. Ich war schockiert!! Ich fühlte mich so schuldig, weil meine Tochter meine Ängste spüren konnte. Aber ist es nicht normal, ängstlich zu sein bei all dem?! Adam ist Asthmatiker und er benutzt einen Beatmungsgerät. Wegen dem Stress und der Luftverschmutzung die aus den Trümmern resultiert, bekommt er häufiger Asthmaanfälle und es gibt keinen Strom für sein Beatmungsgerät. Jedes mal, wenn er einen Anfall hat, müssen wir den Generator für ihn anmachen, und dann machen wir ihn wieder aus. Wir haben nicht genug Benzin, um den Generator anzulassen und wir haben keine Ahnung wie lange das noch dauern wird. Ali hat keine Vorstellung, worum es hier geht. Er kann nur schreien, wenn es ein Bombardement gibt. Und wenn es vorbei ist, nutzt er seine Fantasie und erzählt Geschichten über “qasef” – Bombenangriffe. Die Kinder schlafen nicht. Wir verbringen Tag und Nacht in einem einzigen Raum mit meiner Schwägerin und ihrer Tochter. Man kann den Stress und die Angst fühlen. Man kann es in jedem Gesicht sehen.
Letzte Nacht habe ich über das alles nachgedacht. Ich will nicht, dass jemandem aus meiner Familie etwas passiert und ich dachte, dass wenn etwas passiert, dann bete ich, dass es mir passiert und nicht meinen Kindern. Dann dachte ich, ich will nicht dass meine Kinder mich in Stücke gerissen sehen. Die Bilder der getöteten Menschen sind so entsetzlich und ich weiß, was es für Kinder bedeutet so etwas zu sehen. Was ich wirklich will, ist, dass das alles aufhört und dass ich und meine Kinder leben können, so wie alle anderen Menschen in der Welt. Ich möchte dieses Gefühl der Schuld gegenüber meinen Kindern loswerden. War es falsch von mir, Kinder zu bekommen? Habe ich nicht das Recht eine Mutter zu sein? Aber mache ich meine Mutteraufgabe denn wirklich gut, indem ich eine Quelle des Haltes für meine Kinder bin. Ich weiß, dass es nicht meine Schuld ist, aber ich weiß auch, dass ich in Gaza lebe und Gaza war noch nie eine gesunde Umwelt, um Kinder aufzuziehen. War ich zu selbstsüchtig, als ich mehr an meinen eigenen Wunsch, eine Mutter zu sein, gedacht habe und das vorhersehbare Versagen, meine Kinder zu beschützen, ignorierte?

Die australische Aktivistin Sharyn Lock schreibt bei Tales to Tell:

So, Thursday: the Red Cross co-ordinated evacuation into Zaytoun. Doctor Said would look good on a Red Cross poster – black sweater, shaved head, muscles enough to keep that Red Cross flag held above his head for the two hours we were behind army lines. You’d definitely invite him in for coffee to ask for his opinion on the state of the world. His colleague has more of an accountant look about him, but his job is to keep us alive – he is armed with a walkie-talkie and is negotiating our path constantly with the army as we move. With May, a small, quick woman who is the Engineer for the Red Crescent, supervising all the vehicles etc, I carry a stretcher and water. About 8 intrepid Red Crescent paramedics join us, wearing weighty bullet proof vests or not dependent on their preference for possible death or certain backache.
[…]
When I was a kid, I was very aware of war zones, but I always understood they happened in places different from my home. I would like to tell you about what I am seeing right now as I walk. I am seeing flowering vines. Bright curtains in windows. Chickens running about. This is your home, you know. This is the garden where your children play. This is your house with obscene holes blown in it, with Israeli snipers lurking in the shadows of its roof, with a dead resistance fighter sitting with his back to your wall.

Also Donnerstag, das Rote Kreuz koordinierte die Evakuierung von Zaytoun. Doktor Said würde auf einem Rot-Kreuz-Poster sehr gut aussehen – schwarzer Pullover, rasierter Kopf, genug Muskeln, um die Rot-Kreuz-Flagge für zwei Stunden über seinem Kopf zu halten, während wir hinter den Armeelinien sind. Man würde ihn definitiv auf einen Kaffee einladen, um ihn nach seiner Meinung über die Lage der Welt zu fragen. Sein Kollege sieht eher wie ein Buchhalter aus, aber es ist sein Job, uns am Leben zu erhalten. Er ist mit einem Walkie-Talkie bewaffnet und verhandelt fortwährend mit der Armee über unseren Weg, während wir uns fortbewegen. Zusammen mit May, einer kleinen schnellen Frau, die als Ingenieurin für das Rote Kreuz arbeitet und alle Fahrzeuge überwacht, trage ich eine Trage und Wasser. Etwa acht unerschrockene Sanitäter des Roten Halbmondes begleiten uns. Sie tragen kugelsichere Westen oder auch nicht. Das ist abhängig von der persönlcihen Vorliebe für einen möglichen Tod oder sehr wahrscheinliche Rückenschmerzen.
[…]
Als ich ein Kind war, wusste ich Bescheid über Kriegsgebiete, aber ich verstand immer, dass sie in anderen Gebieten als meinem Zuhause waren. Ich würde euch gern erzählen, was ich jetzt gerade beim Laufen sehe. Ich sehe blühenden Wein. Leuchtende Vorhänge an Fenstern. Hühner rennen herum. Dies ist euer Zuhause, wisst ihr. Dies ist euer Garten, wo eure Kinder spielen. Dies ist euer Haus mit obszönen Löchern hineingeschnitten, mit israelischen Scharfschützen, die im Schatten des Daches lauern, mit einem toten Widerstandskämpfer, der mit dem Rücken zur Wand sitzt.

In der arabischen Welt stellen die Blogger einen Song von Michael Heart ins Netz. Er heißt “We will not go down (Song for Gaza)“. Adham Khalil aus dem Jabaliya-Lager, der bei Free Free Palestine bloggt, ist einer von ihnen:

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