#SiAceptoCR: LGBTQ+-Paare feiern online Legalisierung der Ehe für Alle in Costa Rica

Bryan Vargas Leon und sein Partner Wagner Quiros Quiros. Foto von Leons Twitter-Account. Verwendung mit freundlicher Erlaubnis.

Am 26. Mai legalisierte Costa Rica als sechsten Land Lateinamerikas die Ehe für alle, nach Argentinien, Brasilien, Kolumbien, Ecuador, Urugay und Teilen Mexikos. Auf Twitter zählten Nutzerinnen und Nutzer die Stunden bis Mitternacht, wo sie das soziale Netzwerk dann mit Nachrichten zur Feier des Tages und Fotos von glücklichen Paaren füllten.

Der Weg zur Ehe für Alle war kein leichter für dieses traditionell konservative und religiös geprägte Land. Jedoch kam es zu einer Wende als der Interamerikanische Gerichtshof für Menschenrechte nach Aufforderung Costa Ricas eine Stellungnahme veröffentlichte zur Gender-Identität und der Gleichberechtigung gleichgeschlechtlicher Paare. Zu einem späteren Zeitpunkt desselben Jahres schloss sich Verfassungsgericht in Costa Rica dem internationalen Gerichtshof an und entschied, dass das Parlament Costa Ricas 18 Monate Zeit habe, eine Gesetzgebung zu finden, welche den Sachverhalt regele. Andernfalls würde das Verbot der Ehe für Alle, welches im Familienrecht des Landes verankert ist, automatisch am 26. Mai aufgelöst werden. Im selben Jahr wählten die Bürgerinnen und Bürger Costa Ricas Carlos Alvaro Alvarado Quesada, der die Ehe für Alle befürwortet, zum Präsidenten anstelle seines konservativen evangelikalen Rivalen Fabricio Alvarado. Im frühen Mai 2020 versuchten konservative Gesetzgeber*innen, die Entscheidung zu verzögern, scheiterten letzlich jedoch, ihr Gesuch durchzusetzen.

Dieses Gesetzt ist das erste seiner Art in Zentralamerika, einer Region, aus der LGBTQ+-Menschen oftmals flüchten müssen aufgrund von Gewalt und Diskriminierung ihnen gegenüber. Beispielsweise wurden in El Salvador laut staatlich veröffentlichten Zahlen 600 Mitglieder der LGBTQ+-Gemeinschaft zwischen 1993 und 2017 ermordet. Auch in Guatemala, Nicaragua und Honduras wurden Hassverbrechen gegenüber LGBTQ+-Menschen verzeichnet. Obwohl Costa Rica eine niedrigere Mordrate als seine nördlichen Nachbarn hat, gab es dennoch einen aufgrund der sexuellen Orientierung Agressionsausbrüche, der in manchen Fällen tödlich endete. Deshalb veranlasste Costa Ricas neues Gesetz auch andere Zentralamerikanerinnen und -amerikaner dazu, freudige Tweets voller Glückwünsche (und zugegebenermaße einer Prise Neid) für den großen legislativen Fortschritt des Nachbarlandes.

Zwei erste, rechtens geehelichte Paare

Die erste Hochzeit erfolgte zwischen Alexandra Quirūs und Dunia Araya unter Einhaltung der geltenden Abstandsregeln. Um Mitternacht am 26. Mai schauten knapp 20.000 Menschen per Facebook Live zu, wie die beiden sich vor ihrer Anwältin das Ja-Wort gaben und noch mehr Menschen schauten per Fernsehübertragung zu. Rund fünfzig weitere Hochzeiten waren beim Standesamt seit Wochen geplant.

Nach der Hochzeit sagte Araya gegenüber der BBC:

“Con la entrada en vigencia de la ley, ojalá que quienes siguen luchando en la región centroamericana, e inclusive a nivel mundial, tomen la inspiración y el ejemplo no de nuestro matrimonio, sino de Costa Rica, que ha dado ese paso importante.”

“Mit dem Inkrafttreten des Gesetzes werden Menschen, die noch immer kämpfen müssen in Zentralamerika, und sogar weltweit, hoffentlich inspiriert und nehmen nicht unsere Hochzeit sondern Costa Rica als Beispiel, welches einen wichtigen Schritt gegangen ist.”

Um 00:01 Uhr am 26. Mai fand die erste LGBT-Hochzeit in Costa Rica statt und wurde live im landesweiten Fernsehen übertragen 🇨🇷❤🏳️‍🌈

Am Morgen danach wurde eine zweite Hochzeit ebenfalls per Live Stream übertragen. Bei dieser Hochzeit gab der langjährige Aktivist Marco Castillo seinem Partner Rodrigo Campos das Ja-Wort. Zwei Tage später versuchte der Richter Francis Porras León ihre Ehe zu annulieren, scheiterte jedoch.

Gestern. Die erste Hochzeit gleichgeschlechtlicher Menschen vor einem Familiengericht. Ein simpler Akt mit riesiger Symbolwirkung. Ich bin dankbar, Zeuge der beginnenden Veränderung sein zu können. #vielfalt #ehefüralleCR

Ein online zelebriertes Fest

Aufgrund der geltenden Abstandsregeln vor dem Hintergrund von COVID-19 fanden die Feierlichkeiten online unter dem Hahtag #SiAceptoCR (#JaIchAkzeptiereCR) statt. Paare teilten Fotos von sich auf Twitter.

Heute, der 26. Mai ist ein riesiger Schritt für Costa Rica.
Heute, am 26. Mai sind wir unserem Ziel einen Tag näher gekommen.
🖤❤️💛💚💙💜 #lovewins #EheGleicheberechtigungCR #JaIchAkzeptiereCR

Dieser Twitter-Nutzer erzählt, wie er darüber nachdachte, Costa Rica aufgrund des Mangels an LGBTQ+-Rechten zu verlassen.

Viele Jahre dachte ich, dass, sollte der Tag einmal kommen, ich es nie hätte in meinem Land tun können. Ich dachte, ich müsste gehen und mir an einem anderen Ort mit mehr Möglichkeiten ein neues Leben aufbauen. Heute bin ich dankbar, dass es nun eine Möglichkeit in Costa Rica ist. 🏳️‍🌈 #JaIchAkzeptiereCR

Weitere Paare feierten online:

🏳️‍🌈 Heute feiern wir Gleichberechtigung und Liebe! @kingdobleq 💕
Costa Rica sagt “Ja, Ich akzeptiere” die Ehe für Alle! #JaIchAkzeptiereCR #EhefuerAlleCR #Gleichberechtigung #LiebeistLiebe #EheGleichberechtigung #LiebeSiegt 💖

Auch wenn wir nicht physisch beieinander sind, feiern wir trotzdem weil die “geheime” Liebe endlich legal von den Dächern Costa Ricas gebrüllt werden kann, denn Liebe ist Liebe. #JaIchAkzeptiereCR ❤️💛💚💙💜

Dieguito, Oliver und Ich sind unfassbar bereit für die #EhefuerAlle #EhefuerAlleCR #Liebesiegt

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