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Energie-, Nahrungsmittel- und Treibstoffknappheit verstärken Leid der Jemeniten, während Bomben der Saudi-Koalition fallen

"#Yemen is deep into the humanitarian disaster. Monitors can't see the reality & won't. People are starving in #Aden,' tweets @yemen-updates, who shares this photograph of Yemenis in Aden queuing for food

“Jemen steckt in einer humanitären Krise. Beobachter können und werden die Realität nicht sehen. Menschen verhungern in Aden,'”schreibt @yemen-updates auf Twitter und zeigt dieses Foto von Jemeniten in Aden, die auf Nahrungsmittel warten.

Dieser Beitrag ist im Original am 21. April 2015 erschienen.

Jemeniten haben schon immer unter einem Mangel an grundlegenden Dienstleistungen gelitten, wie beispielsweise in Form von Stromausfall und Wasserknappheit, doch der durch den Krieg verursachte tagelange Ausfall des elektronischen Systems führt zu Leid und gefährdet das Leben von Krankenhauspatienten.

Seit Saudi-Arabien am 26. März einen Militäreinsatz im Jemen gestartet hat, sollen Berichte zufolge Hunderte von Menschen bei Kämpfen getötet worden sein. Bei der Operation „Sturm der Entschlossenheit“ (“Decisive Storm“), hat ein von Saudi-Arabien geführtes golf-arabisches Bündnis von Ägypten, Jordanien, Marokko und dem Sudan mit Luftangriffen gegen Huthi-Rebellen begonnen, die seit Januar die Kontrolle über den Jemen haben.

Obwohl die Luftangriffe des Einsatzes „Sturm der Entschlossenheit“ nur militärische Einrichtungen und Waffendepots der vom gestürzten Präsidenten Ali Abdullah Saleh unterstützten Huthi-Rebellen bombardieren sollen, haben die Luftangriffe zu vielen Toten, Vertreibungen und Zerstörungen im Land geführt. Trotz der hohen Anzahl an Luftangriffen sind die brutalen Angriffe der Huthi und Saleh noch intensiver geworden und haben sich auf den Süden ausgebreitet, vor allem in Aden, wobei viele Zivilisten getötet und Wohngegenden zerstört wurden.

Gemäß einer Schätzung der Vereinten Nationen sind 150.000 Menschen auf der Flucht und die Weltgesundheitsorganisation berichtete von 944 Toten und 3.487 Verletzten in weniger als einem Monat.

Laut dem Amt der Vereinten Nationen zur Koordinierung humanitärer Angelegenheiten hat der „Konflikt schwere Folgen für Zivilisten.” Der Sprecher fügte hinzu:

Food insecurity is rising. The World Food Programme (WFP) estimates that the number of food insecure people in Yemen has increased to 12 million people – a 13 per cent rise since the start of the crisis. Prior to the escalation of the conflict, over 90 per cent of Yemen’s staple food was imported, but the closure of ports and other restrictions on imports have decreased availability.

[…] Fuel has run out in many areas. Where fuel is available, prices have skyrocketed – Oxfam estimates that fuel prices have quadrupled in some locations. Fuel is urgently needed to pump water from the ground and to maintain services at hospitals and other critical facilities facing frequent power outages.

Es gibt eine verstärkte Ernährungsunsicherheit. Laut Schätzungen des Welternährungsprogramms gilt die Ernährungslage von 12 Millionen Menschen im Jemen als unsicher – ein Anstieg von 13 Prozent seit Beginn der Krise. Vor der Eskalation des Konflikts wurden mehr als 90 Prozent von Jemens Grundnahrungsmittel importiert, doch Hafenschließungen und andere Einfuhrbeschränkungen haben die Verfügbarkeit reduziert.

[…] In vielen Gegenden gibt es keinen Treibstoff mehr. Wenn Treibstoff vorhanden ist, sind die Preise dafür massiv angestiegen – laut einer Schätzung der Hilfsorganisation Oxfam haben sich die Treibstoffpreise in einigen Gegenden vervierfacht. Treibstoff wird dringend zur Betreibung von Grundwasserpumpen benötigt und um wichtige öffentliche Einrichtungen wie Krankenhäuser gegen Stromausfall abzusichern.

Auch vor Beginn dieses Krieges sah sich der Jemen einer humanitären Krise gegenüber. Ende 2014 waren ungefähr 16 Millionen Menschen oder mehr als 61 Prozent der Bevölkerung, auf Hilfsgüter angewiesen.

In einem Bericht der UN wird erklärt:

The current escalation will significantly exacerbate needs among many of these already vulnerable people, in addition to affecting people who were not previously in need of humanitarian assistance.

Basic services in Yemen are on the verge of collapse. The Government is largely unable to pay civil servant salaries, which is having a direct impact on the provision of basic services. Increasing reports have been received of health and nutrition facilities closing or drastically curtailing services in affected areas, particularly in the south and in Sa’ada. Schooling has also been suspended for over 1.5 million children since the crisis began.

Die aktuelle Eskalation wird die Lage der ohnehin bereits gefährdeten Menschen weiterhin verschärfen und sich zusätzlich negativ auf diejenigen auswirken, die vorher nicht auf Hilfsgüter angewiesen waren.

Grundleistungen im Jemen stehen am Rande des Zusammenbruchs. Die Regierung ist weitgehend außerstande, Beamtengehälter zu zahlen, was einen direkten Einfluss auf die Grundversorgung hat. Immer häufiger wird von der Schließung von Gesundheits- und Ernährungseinrichtungen oder von drastischen Einschränkungen von Dienstleistungen in den betroffenen Gebieten berichtet, vor allem im Süden und in Sa’ada.
Die Hilfsorganisation Oxfam verurteilte die Luftangriffe des von Saudi-Arabien geführten Bündnisses, bei dem eines ihrer Lagerhäuser mit lebenswichtigen humanitären Hilfsmitteln und Trinkwasser bombardiert wurde.

Oxfams Landesdirektor im Jemen sagte in einer Stellungnahme:

This is an absolute outrage particularly when one considers that we have shared detailed information with the Coalition on the locations of our offices and storage facilities. The contents of the warehouse had no military value.

Das ist eine echte Untat, vor allem, wenn man bedenkt, dass wir der Koalition ausführliche Informationen bezüglich der Standorte unserer Büros und Lagerräume gegeben haben. Der Inhalt der Warenhäuser hatte keinerlei militärischen Wert.

Über Twitter geben uns Jemeniten kurze Einblicke in ihr Leben inmitten des Krieges.

Hisham Al-Omeisy berichtet aus Sana'a über Stromausfälle und fehlendem Treibstoff für Notstromaggregate in Krankenhäusern, was ein hohes Risiko für die Patienten darstellt:

Es könnte nicht mehr schlimmer kommen… ohne Treibstoff für die Krankenhaus-Notstromaggregate werden viele Menschen bald sterben.

Yemen Updates erläutert:

Sanaa versinkt wie auch andere Städte in totaler Finsternis. Den Huthis ist es egal und das Saudi-Bündnis wird nicht aufgeben. Beide töten Jemeniten auf ihre eigene Weise.

Und Nisma Alozebi fügt hinzu, dass „ein Leben im Dschungel besser wäre”:

Mein Alltag: Kein Strom, kein Wasser, kein Essen, keine Sicherheit. Ein Leben im Dschungel wäre besser.

In Aden beklagen sich Jemeniten über ähnliche Notstände. Mohammed Alsalafi tweets:

Die Lage in Aden ist prekär. Familienmitglieder erzählen mir: „Kein Wasser, kein Strom und es ist heiß”, und er fügt hinzu „Korps überall auf den Straßen”.

Aufgeladene Handys:

Mobiltelefonkommunikation und der Austausch über die Kriegsschrecken schwirren vielen Jemeniten im Kopf herum, während sie wegen der Stromausfälle vollständig von der Welt abgeschnitten sind.

Ammar Al-Aulaqi teilte dieses Foto von einer Reihe von Handys, die darauf warten, aufgeladen zu werden:

Lustiges Foto ist im Umlauf. Auswirkungen des Stromausfalls.

Akram Al-Akhali teilte ein ähnliches Foto einer „Auflade-Party”:

Freund hatte Glück und erhielt Treibstoff für den Generator, lud Freunde zur „Auflade-Party” ein. 50 Stunden kein Strom und keine Besserung in Sicht.

Nahrungsmittel-, Treibstoff- und Wasserknappheit:

Während der Luft-, Land- und Seeblockade gegen den Jemen kamen keine Importe ins Land, das auf Importe von Treibstoff und Nahrungsmittel angewiesen ist. Jemens Importabhängigkeit für Weizen liegt bei 90 Prozent und zu 100 Prozent für Reis. Der Mangel hat die Preise für Nahrungsmittel und Treibstoff in die Höhe getrieben, was eine weitere Lähmung der nationalen Mobilität verursacht. Treibstoff wird außerdem zur Stromerstellung, für die Wasserverteilungssysteme und den Betrieb der Krankenhaus-Generatoren benötigt. Manche Wasserquellen wurden zudem durch den Konflikt weiter beschädigt, entweder durch Luftangriffe auf eine nahegelegene Militärbasis oder durch die Zerstörung einer wichtigen Wasserleitung vonseiten der Huthi- und Saleh-Rebellen, die Wasser für eine Million Menschen in die Stadt Aden beförderte.

Rasha Jarhum erklärt:

Adens Hauptwasserverteilungssystem liegt in Jabal Hadid, wo gerade ein Waffenlager explodiert.

Ein von SamaYemen hochgeladenes Video zeigt Berichten zufolge eine beschädigte Wasserleitung in Aden, im Distrikt Mualla:

https://www.youtube.com/watch?v=L5YQ0PaF51o

Und “Yemen Updates” warnt vor einer humanitären Katastrophe:

Andauernde humanitäre Katastrophe im Jemen. Berichterstatter können und werden die Realität nicht sehen. Menschen verhungern in Aden.

Wesam Qaid sagt, dass Bäckereien das Mehl ausgeht:

Die humanitären Bedingungen werden noch weiter verschlimmert, da Bäckereien in Aden schließen und den anderen das Mehl ausgeht.

Und die Zeitung, die “Yemen Post Newspaper” zeigt auf Ihrem Twitterkonto eine Warteschlange von Jemeniten, die auf Brot warten:

Hungerkrise im Jemen: Hunderte warten und hoffen auf Brot. Bäckereien bleiben geschlossen, weil sie kein Mehl mehr haben.

Kein Wasser:

Über das Internet berichten Jemeniten von gravierender Wasserknappheit. UNICEF, das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen berichtet aus Aden:

Adens Wassersystem, das eine Million Menschen versorgt, wurde durch die Kämpfe beschädigt, dazu kommt noch Treibstoffknappheit.

Fatik Al-Rodaini zeigt eine Reihe von Kindern, die in Aden auf Wasser warten:

Im Jemen gibt es überall Warteschlangen, aber in Aden warten die Kinder auf Wasser für ihre Familien.

Muraisi RedDevil erklärt, welche Mühe sich die Menschen machen, um an Wasser zu gelangen:

Akuter Wassermangel in Aden. Menschen nehmen lange Wege auf sich, um ihre Grundversorgung zu sichern.

Kein Treibstoff:

Der Nahrungs- und Wassermangel wird noch durch die Treibstoffknappheit für Autos und Generatoren verschlimmert. Ala'a Assamawy fotografiert einen 2,6 Kilometer langen Stau vor einer Tankstelle in Sana'a:

Neuer Leidensrekord im Jemen… eine 2,6 Kilometer lange Autoschlange vor einer Tankstelle in Sanaa.

Ahmed Sayaghi teilt dieses Foto aus Sana'a:

Foto: Die längste Schlange vor einer Tankstelle.

Und Yemen Post Newspaper schreibt auf Twitter:

Hunderte von Fahrzeugen stehen tagelang um eine Tankstelle herum… kein Benzin …

Auf dem gleichen Twitterkonto der Zeitung wird ein Foto von einem geschäftstüchtigen Jemeniten gezeigt, der sein Handy mit einem tragbaren Solar-Ladegerät auflädt:

Verzweifelt bemüht sein Handy aufzuladen. Tragbares Solar-Ladegerät… dank 6 Tage langem Stromausfall im Jemen.

Und viele Jemeniten machen sich Fahrgemeinschaften – ob per Auto oder Motorrad – zunutze.

Kein Benzin? Hier ist Jemens Lösung!!!

Wir werden weiter berichten, solange die Kriegstrommeln in diesem kriegsgeplagten Land weiterhin ertönen.

 

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