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Sichtung widersprüchlicher Versionen von Indiens und Pakistans gemeinsamer Vergangenheit

Alle Links in diesem Artikel führen, soweit nicht anders gekennzeichnet, zu englischsprachigen Webseiten.

Rural Sikhs in a long ox-cart train heading towards India. Image by Margaret Bourke-White. 1947. Image uploaded to Flickr by Shaktishree DM CC By-ND 2.0

Ländliche Sikhs in einem langen Ochsenkarren-Zug auf ihrem Weg nach Indien. Bild von Margaret Bourke-White, 1947. Hochgeladen auf Flickr von Shaktishree DM CC By-ND 2.0

Es ist jetzt fast sieben Jahrzehnte her, dass das ehemalig unter britischer Kolonialherrschaft stehende Territorium Britisch-Indien entlang religiöser Linien zweigeteilt wurde [de]. Das war der Auslöser für die größte Massenabwanderung der Geschichte, als Muslime nach Pakistan und Sikhs, Hindus und andere Regilionsgemeinschaften nach Indien immigrierten. Millionen Menschen verloren ihr Leben durch die Gewalt, die der Trennung von Indien folgte.

In den darauf folgenden Jahren zerütteten Konflikte über Territorialgebiete und Ressourcen die ohnehin schon sehr angespannten Beziehungen der zwei Länder. Die bitteren Auseinandersetzungen spiegelten sich nicht selten in Klassenräumen wieder, wo aufgebauschter Nationalismus den Schülern ein verzerrtes Bild ihrer Nachbarn suggerierte.

Der in Lahore lebende pakistanische Unternehmer und Aktivist Qasim Aslam und sein Team junger Inder und Pakistaner haben sich diese Fehler vorgenommen und zum Ziel gesetzt, den Blick der jungen Generation dieser zwei Länder durch das The History Project zu verändern. Die Methode ist simpel: Man stellt Texte einander gegenüber, die in Geschichtsbüchern beider Länder Grundlage für den Unterricht sind, um den Schülern anschließend eine alternative, neutrale Erzählung der Geschichte vorzustellen.

Qasim sitzt außerdem im Vorstand von Seeds of Peace, einer internationalen NGO, die an der Auflösung internationaler Konflikte arbeitet. Er initiierte mehrere indisch-pakistanische Austauschprogramme, die ein besseres gegenseitiges, soziales Verständnis beider Seiten zum Ziel hatten.

Das Projekt fand im April 2013 in Mumbai statt und das enstandene Buch wird heute in mehreren Schulen in Indien und Pakistan im Unterricht benutzt. Qasim erklärte dazu der Journalistin und Bloggerin Beena Sarwar:

Die Art und Weise, wie uns die Geschichte gelehrt wird, hat zum Ziel, uns zu Konformisten zu machen. The History Project zielt darauf ab, eine Kultur des Infragestellens zu vermitteln und diese der Praxis gegenüber zu stellen, dass Geschichte als eine Sammlung von Fakten gelehrt wird und nicht als eine Erzählung – was es jedoch eigentlich ist. Ein Fakt kann keine zwei Seiten haben.

Screenshot of the cover of the book

Screenshot des Buchcovers

Der Einleitung des Buches zufolge entstand die Idee während eines Treffens pakistanischer und indischer Teenager in einer Kleinstadt des US-Bundestaates Maine. Die Grundidee, lesen wir dort, war:

Um Jugendlichen in ihren prägenden Jahren Zugang zu alternativen Perspektiven auf ihr gemeinsames kulturelles Erbe zu ermöglichen und sie zu einer Kultur des rationalen und kritischen Denkens zu ermutigen, mit einem besonderen Fokus auf Informationen, die den Blick auf unsere jeweilige Linie formen.

In einem Interview mit der Nachrichtenseite The Diplomat sprachen die Teammitglieder Qasim, Ayyaz, Ahmad und Zoya Siddiquiand über die Entwicklung des Projekts und darüber, eine Richtung zu finden, um die Vorteile von Illustrationen umzusetzen.

Online fand die Idee ein positives Echo. In einem Kommentar auf einem Projektprofil der Zeitung The Hindu schrieb der Nutzer Saurabh Sethi:

Großartige Maßnahme sowohl des Autors, als auch von The Hindu, diese Informationen zu beleuchten. Ihr seid ein gutes Besipiel für Leute, die wir heute dringend benötigen, um die indisch-pakistanischen Beziehungen zu stärken.

 
Auch auf Twitter lobten Nutzer das Projekt:

Ich erinnere mich noch daran, diese tief nationalistische Geschichte Pakistans gelehrt bekommen zu haben und auch an den Hass, den sie schürte. Ich bin froh über dieses Projekt.

Respekt und alle Achtung für dieses Projekt, das herausstellt, wie unterschiedlich Geschichte in Indien und Pakistan gelehrt wird.

Das Buch behandelt bislang nur Ereignisse bis zur Teilung Indiens 1947. Möglicherweise wird es eines Tages auch die Geschichte beinhalten, die danach geschrieben wurde. Ihr könnt das Projekt auf seiner Facebookseite verfolgen.

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