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Um am Leben zu bleiben: belagerte Syrer lernen, Pilze zu pflanzen

Screenshot aus dem Werbevideo. Text soviel wie “Pilze sind eine hervorragende Quelle für nötige Mineral- und Ballaststoffe.” Quelle: CanDoAction

Seit Beginn der syrischen Revolution im Jahr 2011 und im nachfolgenden Bürgerkrieg leiden viele syrische Städte unter brutaler Belagerung und Blockaden, hauptsächlich durch dem Assad-Regime gegenüber loyale Truppen.

Laut Siege Watch, einer gemeinsamen Initiative der Friedensorganisation PAX und dem Forschungsinstitut The Syria Institute, befinden sich in Damaskus und Umland, Homs, Deir Ezzor und Idlib derzeit rund eine Million Syrer in einem Zustand der Belagerung.

Besonders stark betroffen ist die Region Ost Ghouta, wo ein Angriff mit chemischen Waffen am 21. August 2013 das Leben hunderter Zivilisten forderte. Viele Regierungen, internationale Organisationen und die syrische Opposition gehen davon aus, auf Grundlage von Untersuchungen der Vereinten Nationen und anderen Menschenrechtsorganisationen, dass das Massaker vom Assad-Regime verübt wurde.

Seit 2013 haben diese von Rebellen kontrollierten Gebiete außerhalb von Damaskus unter Belagerung gestanden, was dazu führte, dass Einwohner auf örtlich hergestellte oder durch Tunnel und Kontrollpunkte geschmuggelte Nahrungsmittel angewiesen sind.

Durch die jahrelange Blockade sind traditionelle Nahrungsmitteln wie Fleisch unerreichbar geworden für große Teile der Bevölkerung. Als Gegenmaßnahme lehrt eine Gruppe von syrischen humanitären Helfern und Akademikern die Einwohner Ost Ghoutas, wie sie ihre eigenen Pilze als “lebensrettende Nahrungsmittelquelle” anpflanzen können.

Sie nennen sich selbst Ghiras Alnahda und führen das Projekt gemeinsam mit der NGO Al Adala durch.

Pilze gehören nicht zu den herkömmlichen, in Syrien angepflanzten Nahrungsmitteln und sind nur äußerst selten Teil der syrischen Küche. Ihre Nahrhaftigkeit macht sie jedoch zu einer attraktiven Nahrunsquelle für viele Anwohner des belagerten Ost Ghouta.

Der Direkt des Projekts, Abo Nabil, sagte gegenüber der französischen Nachrichtenagentur AFP:

We turned to cultivating mushrooms because they're a food that has high nutritional value, similar to meat, and can be grown inside houses and basements.

„Wir entschieden uns für die Kultivierung von Pilzen, weil sie einen hohen Nährwert haben, ähnlich wie Fleisch, und weil man sie in Häusern und Kellern anpflanzen kann.“

Dr. Ahmed Leila, einer der Organisatoren, berichtet Global Voices, dass schon seit drei Jahren darum gekämpft wurde, dieses Projekt bekanntzumachen und drückte seine Erleichterung aus, dass es nun mehr und mehr “an Bekanntheit gewinnt”.

Um Geld für die Initiative zu sammeln, nutze man in Absprache mit der NGO Ghiras Alnahda die humanitäre Crowdfunding-Plattform CanDo. Es ist geplant, 125 Familien Kenntnisse zur Anpflanzung von Pilzen zu vermitteln, so Dr. Leila zu Global Voices.

Zum Zeitpunkt der Verfassung dieses Artikels haben sie über 100% ihres erwarteten Ziels von rund 12.700 € erreicht, werden aber bis Montag, den 04. September 2017, weiterhin Spenden auf CanDo sammeln.

Die Initiative ist angewiesen auf Generatoren, die die Temperatur stabil bei 25°C und die Luftfeuchtigkeit bei 80% halten. Wegen der Treibstoffknappheit werden lokal hergestellte Treibstoffe aus Plastik verwendet, um die Generatoren mit der nötigen Energie zu versorgen.

Dr. Leila sagte Global Voices, dass sie begannen mit der “Produktion von aus der Regionen stammenden Pilzsamen”, bevor sie ihre Qualität überprüften und, ob sie zum Verzehr geeignet sind.

Anschließend pflanzten sie einen kleinen Pilzhof in einer Wanne. Als dies gelang, verwendeten sie eine größere Wanne. Und so weiter. Nun haben sie einen “Lehrbauernhof für die Region entworfen”.

Seit Beginn des Projekts und nach weiteren 3 Monate haben sie Pilze überall in Ost Ghouta kostenlos verteilt.

Dr. Leila erklärte, dass es Teil einer größeren Bewegung ist. “Wir wollen den Menschen die Pilzzucht aus verschiedenen Gründen beibringen”:

  1. Bruch der Belagerung.
  2. Bereitstellung einer neuen Nahrungsquelle auf dem Markt.
  3. Verbreitung einer Kultur der Selbstversorgung, indem Essensreste (wie Papier, Tee, Kaffeesatz, Karton, etc) zur Gewinnung neuer Nahrungsmittel genutzt werden.
  4. Schaffung neuer Arbeitsplätze, besonders für Frauen, die Zuhause arbeiten.
  5. Schaffung neuer Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderungen, die an ihr Zuhause gebunden sind.

Er sagte: “Wir hoffen, diese Idee in der ganzen Welt zu verbreiten, sodass unser Erfolg sowie unser Kampf gegen den Hunger und die Belagerung sichtbar wird. Wir wollen, dass unsere Erfahrungen Menschen in Krisengebieten inspiriert und wir der Menschheit helfen können.“


Das Interview mit Dr. Ahmed Leila wurde von Joey Ayoub durchgeführt und von Elias Abou Jaoude übersetzt.

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