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Die libanesische Hauptstadt ertrinkt im Müll

"Rivers of garbage" zigzag the Lebanese capital Beirut after the first winter rains. Photo credit: You Stink Page on Facebook

“Flüsse aus Müll” fließen nach den ersten winterlichen Regenfällen durch die libanesische Hauptstadt Beirut. Bildrechte: die Facebook-Seite von You Stink (“Ihr stinkt”)

Im Libanon hat es geregnet und Beiruts Müll, der sich monatelang an den Straßenrändern aufgetürmt hatte, hat die Straßen der Hauptstadt in “Flüsse aus Müll” verwandelt. Die Berge aus Müll, gegen die Aktivisten seit längerer Zeit protestieren, haben das Abflusssystem der Stadt verstopft. Die Angst vor einer Cholera-Epidemie erscheint deswegen nicht unbegründet.

Auf der Facebook-Seite der Kampagne “You stink” (“Ihr stinkt”) warnen die Aktivisten vor einem Cholera-Ausbruch:

شو منقول لولادنا بكرا؟ ايه نحنا الجيل اللي شاف اول طوفان زبالة؟ ايه نحنا الجيل اللي اجت الكوليرا عايامه؟

ولمن يسألونا ليه صار هيك؟ شو منقلهم؟ ما تواخذونا كنا ملتهيين بمشاكل السياسيين بين بعضهم وقنعونا أنها مشاكلنا وما خلونا نتوحد؟ شو منقلهم؟ نزل كم شاب وصبية آدمي بس ما خلينا عصاية غير ما حطيناها بدولايبهم؟

‫#‏مستمرون‬ ‫#‏طلعت_ريحتكم‬

Was sollen wir unseren Kindern einmal erzählen? Dass wir die Generation sind, die die Müllflut miterlebt hat? Dass wir die Generation sind, die einen Cholera-Ausbruch miterlebt hat? Und wenn sie uns fragen, wie das passieren konnte, was sagen wir ihnen dann? Dass es uns Leid tut, dass wir zu sehr mit politischen Streitigkeiten beschäftigt waren, von denen die Politik uns überzeugt hatte, dass es auch unsere Probleme sind und uns nicht erlaubt hat, uns gegen das Müllproblem zusammenzuschließen? Dass junge Männer und Frauen auf die Straße gegangen sind und wir alles daran gesetzt haben, ihre Proteste zu unterbinden?

Die sekuläre “You stink”- bzw. “Tol3et Re7atkom”-Bewegung hatte im August eine Protestwelle gestartet, an der sich tausende Libanesinnen und Libanesen aus allen gesellschaftlichen Schichten beteiligt hatten, um gemeinsam gegen die Müllkrise zu demonstrieren. Bald vergrößerte sich die Bewegung und stellte durch die Beteiligung neuer Gruppen weitere Forderungen. Alles hatte damit angefangen, für eine nachhaltige Lösung des Müllproblems einzutreten. Nachdem die Menschen aber erst einmal auf den Straßen waren, eskalierte die Situation schnell und es wurde nicht mehr nur gegen den Müll, sondern auch gegen größere Probleme im Zusammenhang mit Korruption in der gegenwärtigen Regierung demonstriert.

Ausgehend von ihrem Hauptanliegen, gegen das Missmanagement des Abfallproblems zu protestieren – die größte Mülldeponie des Landes war im Juli geschlossen worden -, forderten die Demonstranten unter anderem den Rücktritt der Regierung, ein Ende der Korruption und Neuwahlen. Der Libanon hat nämlich nicht nur mit einer schlechten Infrastruktur und täglichen Stromausfällen zu kämpfen, sondern auch schon seit über einem Jahren keinen Präsidenten mehr. Im Jahr 2009 hatte das libanesische Parlament seine Amtszeit bis zum Jahr 2017 verlängert, als Grund dafür wurde die Instabilität des Landes angegeben.

Auf dem Blog Baladi warnt Najib:

So what exactly happens when it starts to rain? Heavy rainstorms will “cause the garbage to disintegrate into the soil reaching underground water reserves such as natural wells and fossil water (non-renewable)”, which means that diluted garbage would “sink into the soil, spreading downwards and outwards in a characteristic brush-stroke shape known as a plume, contaminating soil and water as it moved”.

Was genau passiert also, wenn es zu regnen anfängt? Durch starke Regenfälle “wird sich der Müll auflösen und über den Boden in Grundwasserreserven wie natürliche Quellen und nicht erneuerbares fossiles Wasser gelangen”. Das bedeutet, dass der verdünnte Müll “in den Boden sickert, sich wie ein Pinselstrich nach unten und zu den Seiten hin in einer so genannten Schadstofffahne ausbreitet, die Boden und Wasser nach und nach verunreinigt.”

Weitere Probleme werden genannt:

– Landfills contaminate the air that we are breathing with various toxic substances.
– Contaminated water could lead to the widespread of several diseases such as Cholera, Typhoid, Dysentery and Dengue Fever. Add to that typhoid fever, food poisoning, gastroenteritis, and enteric fever.
– Populations exposed to untreated chemicals witness an increase in cancer rates.

– Mülldeponien verunreinigen unsere Luft mit verschiedenen giftigen Substanzen.
– Verunreinigtes Wasser kann zur Ausbreitung von Krankheiten wie Cholera, Typhus, Ruhr oder Denguefieber führen, außerdem zu Lebensmittelvergiftungen, Magen-Darm-Erkrankungen und anderen bakteriellen Erkrankungen.
– In Gegenden, wo die Bevölkerung ungeklärten Chemikalien ausgesetzt ist, gibt es höhere Krebsraten.

Der Blogger teilt auch diese Fotos, auf denen von Müll überschwemmte Straßen zu sehen sind.

Auf dem Gesundheitsblog eTobb wird gewarnt:

heavy rainstorms [..] will cause the garbage to disintegrate into the soil reaching underground water reserves such as natural wells and fossil water (non-renewable). These reserves serve as a main source of water for a very big percentage of Lebanon’s population and with all the contaminants seeping into them, we are bound to get our share of this unexplainable pollution in our drinking, cleaning and irrigation water.

Durch starke Regenfälle […] wird sich der Müll auflösen und über den Boden in Grundwasserreserven wie natürliche Quellen und nicht erneuerbares fossiles Wasser gelangen. Diese Reserven sind die Hauptwasserquelle eines sehr großen Teils der libanesischen Bevölkerung. Durch die hineinsickernden Schadstoffe wird zwangsläufig ein Teil dieser unfassbaren Verschmutzung in unser Trink-, Reinigungs- und Bewässerungswasser gelangen.

In den sozialen Medien teilen Blogger schnell Fotos und Videos der Müllkrise, vor der sie schon seit Monaten gewarnt haben.

Der libanesische Blogger und Global-Voices-Mitglied Joey Ayoub teilt dieses Video, das eine in einen “Fluss aus Müll” verwandelte Straße zeigt:

Für diejenigen, die sich wundern, warum sich Libanesen vor dem Regen fürchten, hier ein Foto, welches von @AbirGhattas geteilt wurde.

So sieht der #Libanon jetzt aus. Schon vor Monaten haben wir davor gewarnt. Video von der #طلعت_ريحتكم-Seite.

Blogger und Global-Voices-Mitglied Abir Ghattas fügt hinzu:

Der Müll im #Libanon ist eine Tatsache, die nicht ignoriert werden kann. Sie steht für: Korruption, fehlende Neuwahlen, Arbeitslosigkeit, Verantwortungslosigkeit.

Der libanesische Satiriker Karl Sharro stimmt ebenfalls mit ein:

Der traditionelle libanesische “Wettlauf der Müllsäcke”. Ein Highlight für Touristen und Einheimische gleichermaßen.pic.twitter.com/1pFvkkgVT6 @LeNajib

Dieser Tweet ist bereits 130 Mal (A. d. Ü.: zum Zeitpunkt des Erscheinens des Originalartikels) geteilt worden.

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