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Die Konfrontation zwischen Huthi und Hadi gefährdet den Jemen

Major General Mahmoud alSubaihi, Minister of Defense the day he arrived arrived in Aden. Tweeted by @Yemen411 on March 8, 2015.

Der Verteidigungsminister Generalmajor Mahmoud al-Subaihi am Tag seiner Ankunft in Aden. Getwittert von @Yemen411 am 8. März 2015.

Dieser Beitrag erschien im Original bereits am 10. März 2015.

Ein weiteres wichtiges Mitglied der jemenitischen Regierung ist aus der Hauptstadt Sana'a im Norden, welche die Huthi in ihre Gewalt gebracht haben, in die südliche Hafenstadt Aden geflohen. Der Verteidigungsminister Generalmajor Mahmoud al-Subaihi erreichte Aden am 8. März.

Am 21. Januar besetzten die Huthi, eine Stammesmiliz aus dem Norden mit zehntausend Mitgliedern, gewaltsam den Präsidentenpalast in Jemens Hauptstadt.

Seit sie am 21. September 2014 in Sana'a eindrangen, haben die Huthi einige der Hauptregierungsgebäude eingenommen, darunter den Flughafen, Jemens Zentralbank und gewinnbringende nationale Konzerne, wie die Safar Oil Company, eine Ölgesellschaft.

Die Flucht von General Al-Subaihi am 8. März wird als starker Auftrieb für den Präsidenten Abd-Rabbu Mansour Hadi wahrgenommen. Dieser baut sich im Süden mithilfe loyaler Armeeeinheiten und Stämmen ein rivalisierendes Machtzentrum auf, das sich gegen die Huthi stellt.

Am 7. März erklärte ein Adjutant Hadis: “Aden wurde in dem Moment die Hauptstadt des Jemens, als die Huthi Sana'a besetzten.”

Gemeinsam mit seiner Familie floh Hadi aus der Hauptstadt Sana'a, nachdem er dort einen Monat lang von den Huthi unter Hausarrest gestellt worden war.

Einen Tag, nachdem die Huthi den Präsidentenpalast eingenommen hatten, reichte Hadi seinen Rücktritt ein. Nachdem er geflohen war und am 24. Februar das von der Hauptstadt aus 400 Kilometer entfernte Aden erreicht hatte, veröffentlichte Hadi eine Stellungnahme, die erklärte, dass das jemenitische Parlament seinen Rücktritt nicht angenommen habe und er daher nach wie vor Präsident sei. Daraufhin kündigte er all die politischen Einigungen auf, welche die Huthi seit ihrer Übernahme in Sana'a getroffen hatten.

Stimmen, die sich gegen die Huthi ausgesprochen hatten, feierten Hadis Flucht aus Sana'a. Manche tragen Sorge, dass Hadi die Huthi dadurch dazu angestachelt haben könne, in Aden einzufallen. Andere wiederum glauben, dass Hadi bestehende Spannungen zwischen dem Norden und dem Süden des Landes mutwillig befeuert.

Separatistische Bestrebungen sind im Süden nach wie vor populär. Die Jemeniten dort fühlen sich durch den Norden ökonomisch wie auch politisch an den Rand gedrängt. Die Huthi gehören den Stämmen aus dem Norden an, wohingegen Hadi einem Stamm aus dem Süden zugehörig ist.

Der Aufenthalt in Aden ist so symbolisch wie gefährlich

Die einst blühende Küstenstadt Aden ist die zweitgrößte Stadt im Jemen. Aden war einst die Hauptstadt von Süd-Jemen, das bis ins Jahr 1990, als es sich mit dem Nord-Jemen vereinte, ein eigenständiger Staat war. Als im Jahr 1994 Uneinigkeiten mit Sana'a aufkamen, erklärte Süd-Jemen erneut seine Abspaltung vom Norden. Es folgte ein Bürgerkrieg als dessen Ergebnis der Norden schließlich den Süden besetzte.

Die einseitige und übermäßige Machtausübung der Huthi in Sana'a und den nördlichen Provinzen führte dazu, dass der Süden sich sämtlichen ihrer Befehle widersetzte. Auch befehligt der Südens seine eigenen Armeen, um sich im Falle eines Angriffs durch die Huthi verteidigen zu können.

Die populistische Bewegung der Huthi

Der Aufstand der Huthi gegen die Regierung nahm seinen Ausgang im Jahr 2004. Seither behauptet das Machtzentrum des Jemen in Sana'a, dass die Huthi es stürzen und religiöse Gesetze in Kraft setzen wollen. Dagegen behaupten die Huthi weiterhin, dass sie  “ihre Gemeinschaft gegen Diskriminierung” und Angriffe durch die Regierung “verteidigen”.

Zumeist gehören die Huthi einem Zweig des schiitischen Islam an, der sich Zaidismus nennt. Die Zaiditen machen ein Drittel der jemenitischen Bevölkerung aus und beherrschten den Nord-Jemen fast 1.000 Jahre lang, bis ins Jahr 1962.

Sowohl unter dem früheren Präsidenten Ali Abdullah Saleh als auch unter Hadi, dem aktuellen Präsidenten, schuldigte die jemenitische Regierung den Iran an, den Aufstand der Huthi zu finanzieren. Zwischen 2004 und 2010 versuchte die Regierung, diese Rebellion mit brutalen Mitteln niederzuringen.

Im Jahr 2011 schlossen sich die Huthi einem großen Aufstand gegen Saleh an. Bald darauf erweiterten sie ihren territorialen Einfluss in Saadah und der daran angrenzenden Provinz Amran.

Vor dem 21. September 2014 wäre niemand im Jemen auf den Gedanken gekommen, dass es den Huthi gelingen könnte, die Hauptstadt Sana'a zu erreichen. Ebenso glaubte keiner, dass die Huthi je auch nur in Betracht ziehen würden, einen Bürgerkrieg anzuzetteln, den sie nur verlieren konnten.

Als Sana'a von den Huthi-Milizen umzingelt wurde, war dies ein Schock. Sie verlangten eine Aufrechterhaltung der Subventionen für Treibstoffpreise.

Außerdem versprachen sie, sich der Korruption entgegenzustellen und die Beschlüsse der beispiellosen National Dialogue Conference (NDC) [Konferenz zum nationalen Dialog], welche nach dem Aufstand im Jemen im Jahr 2011 stattgefunden hatte, in Kraft zu setzen. Auch dieser Schritt steigerte die Beliebtheit der Huthi.

Bei der NDC handelte es sich um einen zehnmonatigen Prozess von Beratungen zwischen Hadi und Repräsentanten der Huthi, politischen Parteien, sowie Jugend- und Frauenorganisationen. Sie war dazu gedacht gewesen, dem Jemen einen vollständigen Wechsel aus der 33-jährigen Herrschaft von Saleh zu erleichtern. Jedoch gelang es den verschiedenen Gruppen nicht, eine Einigung darüber zu erreichen, wie mit den Belangen des Südens umgegangen werden sollte.

Da sich Beliebheit und Macht der Huthi steigerten, lenkte Präsident Hadi ein in deren Forderung, eine technokratische Regierung einzurichten.

Dies reichte jedoch nicht aus, sie marschierten in Sana'a ein.

Viele junge Jemeniten hinterfragten, wie es den Huthi so einfach gelingen konnte, bei der Übernahme der Hauptstadt auf geringen Widerstand zu treffen. Es dauerte einige Monate, bis es der Gruppierung gelang, die Salafisten abzusetzen. Bei diesen handelt es sich um eine konservative sunnitische Gruppierung, die im letzten Jahr Damaj unter ihrer Kontrolle hielten. Jener Bezirk befindet sich in der jemenitischen Provinz Saadah, mitten im Gebiet der Huthi. In Saadah begannen die Huthi im Jahr 2004 ihren bewaffneten Aufstand gegen die jemenitische Regierung.

Warum hat die jemenitische Armee die Huthi nicht aufgehalten?

Die jemenitische Armee besteht zum größten Teil aus Stämmen des Nordens. Jene waren dem vorigen Präsidenten Saleh ergeben, der das Land 33 Jahre lang regiert hatte. Saleh sorgte dafür, dass seine Unterstützer in der Armee zu Ansehen kamen und bestimmte Rechte besaßen.

Auch investierte Saleh stark in den Aufbau der Republikanischen Garde. Er tat dies mithilfe seines Sohnes, welcher die Division anführte.

Salehs Cousin, General Ali Mohsen, kommandierte die Erste Bewaffnete Division. Zu einem späteren Zeitpunkt schloss er sich dem Aufstand von 2011 an und wurde dafür bekannt, Einfluss auf die meisten jemenitischen Politiker ausüben zu können. Im Anschluss an den Aufstand wurden diese Brigaden zusammengeführt und ausgetauscht, da Hadi das Militär neu strukturieren musste. Dies geschah aufgrund der Golf-Kooperationsrats-Initiative, die eingeführt worden war, als sein Vorgänger, Präsident Saleh, das Amt niederlegte.

Die Republikanische Garde war von dieser Entscheidung bestürzt und hatte den Eindruck, einige ihrer Privilegien, wie bessere Bezahlung, besseres Training und bessere Waffen, verloren zu haben. Als Hadi ins Amt trat hielt dieser die Armee-Kommandanten aus dem Süden unter genauer Beobachtung. Dadurch fühlten sich die mächtigen Kriegerstämme im Norden noch stärker vor den Kopf gestoßen. Im Inneren der Armee kam es zu weiteren Zersplitterungen.

Von den Kriegerstämmen, die Saleh befürworteten, wurde die Herrschaft der Huthi verstärkt. Schließlich übernahmen die Huthi die meisten Militärlager, die keinen Widerstand leisteten, abgesehen von der Ersten Bewaffneten Division. Deren Kommandant, General Ali Mohsen, floh aus dem Jemen und versucht nach wie vor, von außen die Führung des Militärs zu übernehmen.

Als die Huthi sich anschickten, die Hauptstadt zu besetzen, war Präsident Hadis Macht bereits verringert gewesen. So konnte er weder den Präsidentenpalast, noch seine eigene Residenz verteidigen.

Manche derer, welche die Situation analysieren, sind der Meinung, dass die Huthi das Land nicht führen, sondern nur Hadi beeinflussen und im Land die Oberhand behalten wollen. In diese Rolle wurden sie durch den Rücktritt von Präsident Hadi und dem Premierminister gedrängt.

Nachdem sie sich dem Aufstand angeschlossen hatten begannen die Huthi-Milizen, Koalitionen mit politischen Mächten zu gründen. Dabei einigten sie sich in einigen Fällen darauf, den Staat gemeinsam aufzubauen. Jene Einigungen wurden jedoch nie umgesetzt. Nun betrachten andere politische Parteien die Huthi als trügerische Gruppierung, die nicht zu ihren Verpflichtungen steht. Daher wird es als Zeitverschwendung angesehen, Abmachungen mit ihnen auszuhandeln.

Jemeniten im Süden

Zur der Zeit, als all dies im nördlichen Teil des Jemen geschah, verschwand der ökonomisch und politisch an den Rand gedrängte Süden aus dem Blickfeld. Solange, bis Hadi Aden betrat.

Im Anschluss an den Aufstand von 2011 wurden die Bewohner des Südens im politischen Prozess des Übergangs beiseitegeschoben. In der NDC und anderen nationalen Versammlungen waren sie lediglich minimal vertreten. Dominiert wurden diese Treffen von den politischen Führern des Nordens.

Die Huthi haben aus dem politischen Kampf im Jemen soziale Auseinandersetzungen gemacht, wodurch sektiererische Kämpfe ausgelöst werden könnten. Dies könnte dazu führen, dass der Jemen weiter zersplittert wird.

Bedauerlicherweise wird der Fluch, der auf dem Jemen zu liegen scheint, so lange nicht gebrochen werden, bis all die politischen Akteure unseres Landes gleichberechtigt behandelt werden.

Osama Abdullah ist ein junger Blogger aus dem Jemen. 

Korrektur: Aufgrund eines Bearbeitungsfehlers wurde in einer früheren Version des Ursprungsartikels fälschlicherweise behauptet, Hadi käme aus einem Stamm im Norden.

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