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Chile: Wie viele demonstrierten gegen Hidroaysén Hydroelectric Station und wieso?

Dieser Post ist Teil einer Serie über das geplante Staudammprojekt Hydroaysén im Süden Chiles. Hier sind Artikel zu dem Projekt selbst, Pro- und Kontra-Argumente,  die ersten Reaktionen, nachdem die Baugenehmigung erteilt wurde, sowie Augenzeugenberichte von den ersten Protesten.

Vergangenen Samstag, den 28. Mai 2011, fand erneut ein massiver Protest gegen das Staudammprojekt Hydro-Aysén statt.

Es handelte sich um den dritten Aufruf durch  Acción Ecológica [es] und den vierten Massenprotest in Santiago seit der Annahme des Projekts am 9. Mai. Im Unterschied zu den vergangenen Demonstrationen endete diese ohne größere Zwischenfälle.

Die online-Tageszeitung El Dinamo beschrieb sogar eine fröhliche und vertraute Atmosphäre [es], welche die Demonstration kennzeichnete. Ein Zweifel bleibt jedoch – wie viele marschierten tatsächlich mit? Die angegebenen Zahlen unterscheiden sich so sehr entsprechend ihrer Quelle, dass das Thema durch die sozialen Netzwerke ging.

Blick vom Alameda Hügel auf den Protestmarsch gegen Hidroaysén. Foto des Twitter user @esopino

Ivan Rebolledo (@OscuroSer), IT-Netzwerktechniker bemerkte auf Twitter:

Marcha contra HidroAysén: Organizadores aseguran que fueron 100 mil personas http://bit.ly/iAZ1gW [FOTOS] #Hidroaysén #NoaHidroaysén #ERNC !

Aufmarsch gegen HidroAysén: Organisatoren sprechen von 100.000 Teilnehmern! http://bit.ly/iAZ1gW [FOTOS] #Hidroaysén #NoaHidroaysén #ERNC !

Dagegen verwies Tweeter Roberto (@fuznet) auf die unterschiedlichen Schätzungen

Las cifras según… Terra: 5 mil participantes, La Tercera :20 Mil, Cooperativa: 80 mil, Emol: 0 detenidos. Juzgue ud. #Noahidroaysen.

Die Zahlen laut … Terra: 5000 Teilnehmer, La Tercera: 20.000 Cooperative: 80.000 Emol: 0 Verhaftete. Bildet euch selbst ein Urteil #Noahidroaysen.

Was die traditionellen Medien angeht, so berichtete Radio Bio-Bio [es] auf seinem Internetauftritt von Schätzungen zwischen 18.000 bis hin zu 90.000 Teilnehmern.

Neben der Kluft zwischen offiziellen Zahlen und jenen, die von Teilnehmern und Organisatoren genannt werden, lohnt es zu analysieren,was denn eigentlich so viele Menschen für so lange und beständig auf die Straße treibt und warum das Projekt Hidroaysén (nach Barrancones, in Punta de Choros [es] in 2010) einen derartigen Aufschrei in allen gesellschaftlichen Bereichen erzeugt hat, inklusive der sozialen Netzwerke. Dazu gibt es mehrere Standpunkte:

Marcelo Mena, Professor, nennt in seiner täglichen Kolumne für die Online-Tageszeitung El Dinamo [es] einige Gründe unter dem Titel “Natur im Diensten der Menschheit” [es]

El rechazo a Hidroaysén es solo la manifestación de la desconfianza que tenemos frente a grandes proyectos pintados de verde. Subestimamos a la gente al pensar que rechazan el proyecto porque Patagonia Sin Represas mostraba las Torres del Paine con cables. […] Viene porque la mayoría de la población ha sentido problemas de contaminación en su vida (de acuerdo a una encuesta que hicimos el 2010 junto con Opina). Viene de que encuentran irracional destruir algo único como la Patagonia para satisfacer demandas energéticas teóricas (proyectadas linealmente) que ni siquiera aseguran una baja de tarifa. De hecho, de acuerdo a encuestra Opina, 70% de los chilenos está dispuesto a más por energías limpias.

Die Ablehnung des Hidroaysén-Projekts ist einfach eine Manifestation jenes Mißtrauens, welches wir gegenüber grüngemalten Großprojekten hegen. Wir unterschätzen die Menschen, wenn wir denken, sie lehnen den Staudamm nur ab, weil Patagonia Sin Represas Bilder eines verkabelten Torres del Paine Nationalparks zeigt … Die Ablehnung rührt daher, dass die Mehrzahl der Bevölkerung die Umweltbelastung bereits im eigenen Leben spürt (laut einer Studie, die wir 2010 zusammen mit Opina durchführten). Die Menschen finden es irrational, eine einzigartige Landschaft wie Patagonien zu zerstören um einen theoretischen (linear prognostizierten) Energiebedarf zu stillen, der nicht mal mit dem Versprechen verbunden ist, die Preise zu senken. Tatsächlich sind, laut der genannten Umfrage mit Opina, 70% der Chilenen bereit, sogar mehr für saubere Energie  zu bezahlen.

Auf der anderen Seite des Spektrums argumentiert Victor Hugo Barrientos unter dem Titel “Die Umwelt und nachhaltige Entwicklung: auf Wiedervorlage” [es],in seiner Kolumne im El Quinto Poder:

Hemos visto en los últimos meses una tremenda rebelión social y mediática por el poderoso rechazo que provocan la ejecución de proyectos energéticos en nuestro territorio. Primero fue “Punta de Choros” y la historia de la planta termo-eléctrica y ahora Hidroaysén, las que han excitado el fervor popular, llevándolo a máximos históricos, que incluso han comprometido la seguridad nacional. […] Esa misma muchedumbre inquieta no tiene una conducta “ambientalmente coherente”, no propone soluciones reales, ni tampoco define responsabilidades al fenómeno en discusión. La historia de “Dr Jekyll y Mr Hyde” (novela de Robert Stevenson, 1886) aplicaría para definirnos; por el día consumimos energía por toneladas y por la noche protestamos para impedir proyectos energéticos.

In den letzten Monaten wurden wir Zeuge der machtvollen sozialen und medialen Auflehnung welche die Umsetzung von Energieprojekten auf unserem Territorium hervorbringen. Die erste war “Punta de Choros” und die Geschichte einer thermo-elektrischen Kraftwerks und jetzt ist es Hidroaysén, welches den populistischen Eifer angestachelt, ihn auf historische Rekordwerte treibt und sogar die nationale Sicherheit in Gefahr gebracht hat. Genau diese beunruhigte Volksmenge zeigt keinerlei umweltpolitisch kohärentes Verhalten, sie schlägt keine realistischen Lösungen vor, und sie bestimmt auch keine Verantwortlichkeiten in Bezug auf das Thema. Die Geschichte des “Doktor Jekyll und Mister Hyde” (Roman von Robert Stevenson, 1886) läßt sich hervorragend verwenden, um uns selbst zu erklären: Tagsüber verbrauchen wir tonnenweise Energie und nachts protestieren wir gegen neue Energieprojekte.

Neben Kritikpunkten haben Internetnutzer aber auch begonnen, Lösungen vorzuschlagen. Folgende Lösung liefert Ricardo Torres, Berater zu CO2 Bilanz, in seiner Kolumne, „Erneuerbar statt konventionelle Energie: eine echte Alternative“ [es]:

[…] Estas oportunidades se podrían materializar al incluir estos desarrollos de generación eléctrica bajo el Mecanismo de Desarrollo Limpio (MDL), dependiente de la ONU, el cual permite crear proyectos de reducción de emisiones de Gases de Efecto Invernadero en países en vías de desarrollo. Al certificar estas reducciones se obtienen bonos de carbono que pueden ser vendidos a empresas de países industrializados. Los recursos generados por la venta de los bonos permiten financiar una parte importante de los proyectos.

[…] Diese Gelegenheit könnte dazu dienen, jene nachhaltige Energiegewinnung einzubeziehen, welche von der UN abhängt und es erlaubt, Treibhausgas-reduzierende Projekte in Entwicklungsländern zu fördern. Die Länder erreichen die vereinbarten Reduktionsziele und erhalten damit Kohlenstoff-Gutschriften, welche sie den Industrieländern verkaufen können. Die damit generierten Einnahmen erlauben es ihnen, die genannten Projekte rückzufinanzieren.

Die Protestteilnehmer auf der anderen Seite äußern ein breites Spektrum an Meinungen und nennen eine Fülle an Gründen für ihre Teilnahme. Die Slogans und Banner reichen von spezifischer Unterstützung für Erneuerbare Energien bis hin zu Kritik am kapitalistischen System.

Autorin und Bloggerin Andrea Elgueta [es], schreibt in El Quinto Poder unter dem Titel “Was motiviert dazu, sich dem Protest gegen Hidroaysén anschließen? [es]:

Demonstration gegen Hidroaysén. Foto von Luis Fernando Arellano, Flickr user reports (CC BY-NC-SA 2.0)

Salí de casa con una cámara de fotos y me dispuse a intentar develar si este movimiento tiene ideas y tiene una visión propia. De más está decir que desde el inicio de nuestra imperfecta y discutible democracia que no teníamos 40.000 o 100.000 personas en las calles manifestándose. ¿Se manifestarán por moda? ¿Será realmente entretenido asistir sólo para “pelearse con los pacos”? ¿O es una masa inconsciente que se vuelcan a las calles porque sí? […] Al llegar al lugar de reunión de los manifestantes, me sorprendió la cantidad de gente: niños, abuelos, jóvenes, adultos, mujeres y manifestaciones artísticas variopintas. […] Claro, pensé, no se trata de “bandos”, como se empecina en creer el gobierno, sino que se acercan más a una manifestación genuina de ciudadanos con opinión que esta vez buscan ser escuchados sin mediadores.

Ich verließ das Haus mit einer Kamera, bereit zu entdecken, ob dieser Moment eine eigene Idee und Vision besitzt. Es reicht wohl zu sagen, dass wir, seit dem Beginn unserer unvollkommenen und fraglichen Demokratie, niemals 40.000 oder 100.000 Menschen für Demonstrationen auf der Straße gesehen haben. Marschierten Sie mit, weil es gerade in Mode ist? Kann es wirklich tatsächlich unterhaltsam sein, mitzulaufen um “mit den Bullen” zu kämpfen? Oder handelt es sich hier um eine willenlose Masse, die sich auf die Straße begibt, einfach so, darum? […] Als ich am Treffpunkt der Demonstranten ankam, überraschte mich bereits die schiere Masse an Menschen: Kinder, Großeltern, Jugendliche, Erwachsene, Frauen, und verschiedene Typen des künstlerischen Protests.
Na klar, dachte ich, es handelt sich nicht um marginale “Gruppierungen”, so wie es uns die Regierung beharrlich glauben machen will, sondern um eine ehrliche Demonstration von Bürgern mit einer Meinung und Überzeugung, die dieses Mal gehört werden möchten, ohne Mediator.

“Gründe für Hidroaysén,” ist ein kurzer Dokumentarfilm von Amparo Baeza, Antonio Fernández und Claudio Rivera, der sich über das Internet weit verbreitet hat. In 15 Minuten liefert der Film einen “insider” in die Vielfaltigkeit der Akteure, erforscht Reaktionen, verschiedene Treffen und die Hauptgründe, die die Menschen auf die Straße treiben.

LAS RAZONES CONTRA HIDROAYSEN SALEN A LA CALLE de Revista Lecturas en Vimeo.

Die Gründe gegen HIDROAYSEN stimmen mit den Füßen ab von Revista Lecturas auf Vimeo.

Vielleicht stimmt auch, was Patricio Herman, Präsident der Stiftung Defendamos La Ciudad [Verteidige die Stadt], in einem Interview mit der Online-Tageszeitung El Mostrador [es] als hauptsächliche Errungenschaft des Protests nennt: “Alle Chilenen reden jetzt über erneuerbare statt konventionelle Energien und so viele andere Begriffe die vor der Genehmigung der fünf HidroAysén-Staudämme in Patagonien kaum jemand kannte.”

 

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