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Kann Jordanien Öl-Giganten Nachhilfe in erneuerbarer Energie geben?

Die Shams Ma‘an-Anlage in Jordanien. Quelle: Shams Ma'an. Verwendung mit Genehmigung.

Es wird erwartet, dass sich die Stromnachfrage im Nahen Osten bis 2050 verdreifachen wird. Dies beschleunigt die Diversifizierung der Wirtschaft weg von fossilen Brennstoffen und hin zu erneuerbarer Energie.

Ein Bericht der norwegischen Qualitätssicherungs- und Risikomanagement-Firma DNV GL über die weltweite Energielandschaft bis 2050 sagt eine dramatische wirtschaftliche und politische Verschiebung im Nahen Osten voraus, die folglich auch Technologieinvestitionen betreffen wird, um die steigende Nachfrage zu befriedigen.

Mohammed Alghoul, Doktorand im Bereich Solarenergie an der King Fahd University of Petroleum and Minerals in Saudi-Arabien, sagte gegenüber Global Voices, dass mehr als die Hälfte der gesamten Energieleistung der Region bis 2050 von erneuerbaren Energien kommen könnte:

Energy demands in the UAE [United Arab Emirates] are expected to grow rapidly in the Middle East because of the rapid growth the region’s population. The increase in demand and the decrease in the cost of renewables will mean that more than half of the region’s total energy output will come from variable renewables by 2050.

Aufgrund des schnellen Bevölkerungswachstums in der Region, wird in den VAE [Vereinigten Arabischen Emiraten] ein rapider Anstieg des Energiebedarfs im Nahen Osten erwartet. Der Nachfrageanstieg und Rückgang der Kosten für erneuerbare Energien wird bedeuten, dass mehr als die Hälfte der gesamten Energieleistung der Region bis 2050 von unterschiedlichen erneuerbaren Energien kommen wird.

Der Energy Transition Outlook 2018 (zu deutsch: Ausblick auf die Energiewende) von DNV GL gibt an, dass der Investitionsübergang zu erneuerbaren Energien in der Region absolut sinnvoll ist: ausgelöst von fallenden Kosten für Solar- und Windenergie sowie dem Überfluss an Sonne und Wind in der Region. Alghoul ergänzt:

“There will be more demand for electricity for cooling buildings and for water desalination, particularly in the desert, and wind and solar have the potential to provide cheaper power. … And, unlike fossil fuels, these resources will not run out.

„Es wird eine höhere Nachfrage nach Strom für Gebäudekühlung und Wasserentsalzung geben, besonders in der Wüste, und Wind und Solar haben das Potential, billigeren Strom zu liefern. … Und, anders als fossile Brennstoffe, werden diese Ressourcen nicht knapp werden.

Länder mit großen Vorkommen an Erdöl und -gas wie Saudi-Arabien und die Vereingigten Arabischen Emirate haben bereits angefangen in erneuerbare Energien zu investieren – besonders Solar.

Laut DNV GL investiert Saudi-Arabien, welches die weltweit zweitgrößten Erdölreserven hat, bis 2023 in 9,5 Gigawatt Solar und Wind. Saudi-Arabiens Entwicklungsplan Vision 2030 beinhaltet eine neue Zusage an erneuerbare Energie: Bis 2030 sollen 30 Prozent der Elektrizität des Landes von erneuerbaren Energien kommen. Jedoch wurde die Vision des Königreichs angesichts des Mords am saudischen Journalisten Jamal Khashoggi im Oktober 2018 heftig hinterfragt und angezweifelt.

Die Vereinigten Arabischen Emirate, welche über acht Prozent der weltweiten Ölreserven verfügen, investieren ebenfalls stark in ihre erneuerbaren Energiekapazitäten und streben an, bis 2050 50 Prozent ihres Stroms durch erneuerbare Energien zu erzeugen.

Beide Ölriesen fördern die Infrastrukturentwicklung für erneuerbare Energien Anderer in der Region, um die Energiesicherheit zu stärken und Arbeitsplätze zu schaffen – 2017 wurde ein Memorandum zur Entwicklung eines Stromnetz unterschrieben, das die Stromversorgung in der arabischen Welt verknüpft.

Tatsächlich fielen laut Ergebnissen von Greentech Media (GTM), die Ölpreise infolge der Einführung einiger neuer Solarprojekte in der Region, auf ein Rekordtief.

Ergebnisse eines Berichts von Global Solar Market Attractiveness Index sagen außerdem voraus, dass Saudi-Arabien, die VAE, Bahrain, Oman und Jordanien gemeinsam in den nächsten vier Jahren eine Kapazität von mehr als 22,4 Gigawatt einbringen werden.

Aber trotz der fallenden Kosten wartet der Großteil der Region noch darauf, dass die Solarmärkte auf kommerzieller Ebene ausgereift sind, sagt Abdullah Umer, Projektleiter an der King Abdullah City for Atomic and Renewable Energy.

Ein Hauptfaktor hierfür könnten die verzerrten Energiemärkte im Großteil der Region sein. Umer erklärt:

Most countries in the region have used their surplus oil production to balance out subsidizing fuel and electricity prices domestically to varying extents for many years with what they claimed were reasons to foster investments and businesses.

Die meisten Länder in der Region benutzten ihre Überschussproduktion an Öl, um Brennstoffsubventionen und Strompreise inländisch in unterschiedlichem Maße über viele Jahre auszugleichen, was sie als Gründe zur Förderung von Investitionen und Geschäften bezeichneten.

Ein Bericht des Internationalen Währungsfonds, der fünf Märkte des Mittleren Ostens analysierte, zeigt, dass im Jahr 2015 die Brennstoffsubventionen fast 150 Milliarden USD-Dollar (umgerechnet 133 Mrd. Euro) betrugen – wobei Saudi-Arabien fast 72 Prozent hiervon ausmacht.

GTM Research berechnet, dass die Durchschnittskosten für Fotovoltaik dem Stromnetz Konkurrenz machen könnten, wenn sie nicht künstlich gesenkt wären.

Umer ergänzt aber, dass fallende Ölpreise die regionalen Ölförderländer dazu bringen, ihre Brennstoffsubventionen neu abzuschätzen – möglicherweise öffnet dies die Türen für Solarentwickler.

Länder mit großen Erdölvorkommen können, wenn es um Strategien zur Förderung der Solarindustrie geht, nach Jordanien blicken, welches laut GTM heraussticht als eines der wenigen Länder mit einem attraktiven Markt für gewerbsmäßige Sonnenenergie.

Jordanien verabschiedete 2012 ein Gesetz zu Erneuerbaren Energien und Energieeffizienz und blickt seither erneuerbarer Energie aktiv entgegen. Erneuerbare Energieprojekte könnten Jordanien, ein Land, das ansonsten für Energie komplett von Ölimporten abhängig ist, energieunabhängiger machen.

Die Shams Ma‘an-Anlage, gebaut vom US-amerikanischen Solarenergieunternehmen First Solar, eröffnete 2016 und versorgt 35.000 Haushalte nahe Petra, u. a. auch den Königspalast, vollständig durch eine Solaranlage.

Alghoul sagt:

Jordan, unlike most of its neighbors, is supporting its growing solar industry. It has removed fuel subsidies and is providing institutional support to the renewable energy industries through energy transition laws.

Anders als die meisten seiner Nachbarn unterstützt Jordanien seine wachsende Solarbranche. Brennstoffsubventionen wurden abgeschafft und der Industriezweig der erneuerbaren Energiequellen erhält institutionelle Unterstützung durch Energiewendegesetze.

In Partnerschaft mit sechs Handelsbanken bietet Jordaniens nationaler Fond für erneuerbare Energie und Energiewende kleinen und mittleren Projekten außerdem schulden- und aktienbasierte Anreize. Seit 2012 wurden bereits mehr als 2,5 Milliarden USD-Dollar (rund 2,2 Mrd. Euro) im Land investiert.

Alghoul prognostiziert:

If countries remove their subsidies, solar will be allowed to compete in a free market and it will very likely see prices fall.

Wenn Länder ihre Subventionen abschaffen, kann die Solarenergie auf einem freien Markt konkurieren und es ist sehr wahrscheinlich, dass Preise fallen werden.

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