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Warum verschwinden in Argentinien trotz jahrzehntelanger Demokratie noch immer tausende Menschen spurlos?

Mural in Buenos Aires of Susana Trimarco, the mother of Marita Verón, a young girl of 23 who disappeared from the Argentinian city of Tucumán in April 2002 at the hands of a human trafficking ring. Image taken from the Flickr account PixelBeat! under the Creative Commons license.

Wandgemälde in Buenos Aires von Susana Trimarco, der Mutter von Marita Verón, einer 23-jährigen jungen Frau, die im April 2002 in der argentinischen Stadt Tucumán in die Hände von Menschenhändlern fiel und seitdem spurlos verschwunden ist. Bild mit freundlicher Genehmigung des Flickr Accounts PixelBeat unter der Creative Commons Lizenz.

Für viele Argentinier ist das Bild der “vermissten Person” die lebendige Erinnerung an das Verschwindenlassen politischer Gegner während der argentinischen Militärdiktatur (1976-1983). Obwohl seit 32 Jahren in Argentinien demokratisch regiert wird, gelten dort Tausende von Menschen, insbesondere Frauen und junge Mädchen, als vermisst.

Laut Unicef und Argentiniens Ministerium für Justiz, Sicherheit und Menschenrechte fallen jährlich mehr als 4.000 Argentinier dem Menschenhandel zum Opfer. Eine Art des Menschenhandels sind Entführungen. Für gewöhnlich werden minderjährige Mädchen und Jungen sowie Frauen entführt und dann zur Prostitution gezwungen:

Esta modalidad abarca casos de secuestros de niños, niñas y adolescentes para transformarlos en verdaderos esclavos, carentes de todos los derechos, en objetos en poder de otros que dirigen sus acciones y su vida misma.

Unter dieses Verbrechen fällt das Entführen von Jungen, Mädchen und Jugendlichen, die anschließend gegen ihren Willen versklavt, all ihrer Rechte beraubt und zu Objekten degradiert werden, die das Eigentum anderer Menschen sind, welche über jeden ihrer Schritte und über ihr gesamtes Leben verfügen.

Im Jahr 2006 führte Argentinien das Gesetz gegen Menschenhandel ein (Gesetz 26.364) und im Juni 2015 konnten laut Behörden 8.151 Menschenhandelsopfer dank des Gesetzes befreit werden.

Auch wenn der Menschenhandel kein neues Problem darstellt, ist er durch die Geschichte der 23-jährigen Marita Verón, die im April 2002 in Tucamán verschwand, vor kurzem wieder in die Schlagzeilen gerückt. Berichten zufolge wurde die junge Frau entführt und im Nordosten Argentiniens zur Prostitution gezwungen. Angesichts der Vorwürfe, die Polizei und örtlichen Politiker stünden mit den Menschenhandelsringen unter einer Decke, sucht die Mutter des Opfers, Susana Trimarco, seither eigenmächtig und unermüdlich nach der jungen Frau.

Dreizehn Jahre sind seit Maritas Verschwinden vergangen und noch immer wurde sie nicht gefunden. Während ihrer Suche hat sich Maritas Mutter mit Familien von weiteren entführten Jugendlichen sowie mit Opfern getroffen, die es geschafft haben, ihren Kidnappern zu entkommen. Susana fand schließlich heraus, dass die Geschichte ihrer Tochter kein Einzelfall ist und es organisierte Prostitutionsringe gibt, die sich der Entführung und dem Handel von Frauen verschworen haben und viele dieser Ringe von argentinischen Polizisten und Politikern unterstützt werden. Seitdem kämpft Susana auf eigene Faust gegen den Menschenhandel und hat die Stiftung Fundación María de los Ángeles gegründet, bei der die Familien von entführten Opfern das Verschwinden ihrer Angehörigen melden können sowie Unterstützung und Beratung erhalten.

Veróns Fall erlangte die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit dank Vidas Robadas, einer im Jahr 2008 auf dem Fernsehsender Telefé ausgestrahlten Seifenoper, die die Zivilgesellschaft des Landes dazu aufrief, gemeinsam gegen die Entführungen anzukämpfen. Dies ist nicht die einzige Bemühung, die Aufmerksamkeit der Gesellschaft auf den Menschenhandel zu lenken. Viele Filmproduzenten und Künstler haben dazu beigetragen, das Bewusstsein für das Problem des Menschenhandels in Argentinien zu verschärfen. So hat das Verbrechen beispielsweise durch die Dokumentation Mujeres en Venta (dt. Frauen zum Verkauf) eine globale Reichweite erlangt. Die Dokumentation zeigt herzzereißende Zeugenaussagen von Opfern und Experten diskutieren über die Vorgehensweisen der Menschenhändlerringe und deren Methoden der Freiheitsberaubung.

(Video auf Spanisch)

Zu dem Thema gibt es auch fiktive Filme wie der Kurzfilm Undercover: Human Trafficking von  Gustavo “oRni” Fernandez, der am Ende eine unerwartete Wendung nimmt.

(Video auf Spanisch)

Ein weiterer fiktionaler Kurzfilm ist ALMA, bei dem Marcela Suppicich Regie führte und der vom Nationalkongress von Buenos Aires zu einem “gesellschaftlich relevanten” Film erklärt wurde. Er erzählt die Geschichte von Alma, einem jungen Mädchen, das von einem Menschenhandelsring entührt wurde, und ist ein dringend notwendiger Weckruf zum Thema Menschenhandel.

(Video auf Spanisch)

In der Welt der Comicstrips benutzt die Reporterin und Comiczeichnerin Julieta Arroquy ihre bekannte Comicfigur Ofelia, um Parallelen zwischen dem Verschwinden von Frauen wie Marita Verón, Florencia Penacchi, Érica Soriano und María Cash und dem Verschwindenlassen von Argentiniern während der Militärdiktatur zu ziehen.

Ebenso wurden verschiedene Kampagnen in den sozialen Medien gestartet, um das Bewusstsein der Bevölkerung für die Opfer zu schärfen und um dabei zu helfen, ihrem Leiden ein Ende zu setzen:

Ohne Käufer gäbe es keinen Menschenhandel.

 #NeinzuMenschenhandel Ohne Käufer gäbe es keinen Menschenhandel. ANZEIGE VON MENSCHENHANDEL AUF DER KOSTENLOSEN HOTLINE 145. ARGENTINIEN.

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